Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 26 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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preis (Se«er Nummer 40 Grosehen Jüdische DU ttUrU In Deutschland «erboten! mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 51. Jahrgang Wien, 28. Juni 1935 Nummer 26 Wichtige Erklärungen Dr.Lugmavers. Ueber Anregung des Herrn Volksbildungsreferenten der Gemeinde Wien, Herrn Prof. Dr. Lugmayer, hat am Freitag, den 21. Juni 1935 bei ihm eine Abordnung der „Union österreichischer Juden" unter Führung ihres Präsidenten, Herrn Dr. Hermann Oppenheim, vorgesprochen. Die Vertretung der „Union" gab einleitend ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, die Gelegenheit erhalten zu haben, dem für die Volksbildung der Stadt Wien maßgebenden Herrn ihre Ansichten und Wünsche vortragen zu dürfen. Aus öffentlichen Aeußerungen des Herrn Prof. Lugmayer hat die „Union" gerne entnommen, daß er von dem Prinzipe ausgehe, daß die J u d e% für die vom Herrn Prof. Lugmayer vertretenes^Kompetenz nur als Religionsgenossenschaft in Betracht kommen. Auch die „Union" stünde auf diesem ihrer Ansicht nach einzig richtigen Standpunkt und trete daher für die religiös-sittliche Erziehung der Jugend nach wie vor ein. 1 Als Vertreterin auch eines Teiles der streng-religiösen Juden war die „Union" immer bereit, die Einrichtung von fakultativen konfessionellen Schulen zu fördern, in denen die jüdische Jugend über das Maß des Religionsunterrichtes in Volks-, Haupt- und Mittelschulen hinaus ihre Kenntnisse in der Liturgie, in der hebräischen Sprache und in der biblischen Geschichte erweitern und vertiefen könne. Eine grundsätzliche Trennung der christlichen von der jüdischen Jugend in den Unterrichtsanstalten lehnt die „Union österreichischer Juden" ab, weil dadurch die wichtigste Verbindung für das gemeinsame Wirken der den verschiedenen Religionen angehörenden Staatsbürger zum Wohle des Vaterlandes für das spätere Leben verloren ginge. Aus dem gleichen Grunde lehnt die „Union" auch eine national-jüdische Erziehung der Jugend entschiede na b. Herr Prof. Dr. Lugmayer erklärte sich im Verlaufe der mehr als einstündigen Unterredung mit diesen. Grundsätzen der „Union" vollkommen einverstanden, so daß mit Befriedigung festgestellt wurde, daß in den Auffassungen des Herrn Volksbildungsreferenten der'1 Gemeinde Wien. Prof. Dr, Lugmayer und jenen der „Union österreichischer Juden" vollste Ueberein Stimmung besteht. - Die „jüdische Heimstätte . Nichtjüdische Arbeitgeber werden gewaltsam veranlaßt, jüdische Arbeiter aus ihren Betrieben zu entfernen. Trotz einer Verordnung, die Postenstehen in Streikfällen verbietet, die sich aus der Verwendung von Arbeitern bestimimter Rasse, Religion oder Sprache ergeben, hatten Gewerkschaftsmitglieder in organisierten Gruppen Betriebe bewacht und dies hat wiederholt zu Gewalttätigkeiten und zur Verhaftung und Verurteilung jüdischer Arbeiter geführt. Es ist der Polizei hoch artzurechnen, daß trotz aller dieser möglichen Anlässe für Ruhestörungen die öffentliche Ruhe und Ordnung im Jahre 1934 nicht ernstlich gefährdet wurde . . . Wovon ist da die Rede? Handelt es sich um einen Situationsbericht aus Hitler-Deutschland, aus Rumänien oder einer sonstigen antisemitischen Hochburg? Du errätst es nicht/ lieber Leser! Das Vorliegende ist ein Zitat aus dem Berichte der englischen Mandatarmacht an die Mandatskommission des Völkerbundes und die liebliche Idylle, die uns da geschildert wird, Ktbt ein Bild aus der sogenannten „j ü d isehen Heimstätte". Aus diesem der kürzlich stattgehabten Genfer Tagung der Mandatskommission erstatteten Jahresbericht der Mandatsmacht erfährt man auch folgendes: Die Spannung "zwischen jüdischer Arbeiterschaft und Revisionisten, die seit der Ermordung Dr. Arlosoroffs besteht, ist dadurch verschärft worden, daß die Revisionisten den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt durch Unterbieten des gewerkschaftlich festgelegten Arbeitsta<rifes aufgenommen! haben. Die Gewerkschaftsmitglieder haben ihren Kampf bis zu Ueberfällen auf Revisionisten und Störung ihrer Versammlungen getrieben; Schlägereien in den Straßen von Tel-Aviv sind keine Seltenheit gewesen und einmal hat eine organisierte Menge von 1500 Arbeitern eine revisionistische Versammlung in Haifa gesprengt und die Teilnehmer mit Steinen beworfen. Der Bericht erwähnt sodann kleinere Zwischenfälle, die in jüdischen Zentren durch „Heißsporne" (!) provoziert wurden, die gegen die offene Verletzung der Sabbathruhe durch ihre Glaubensgenossen auftraten. Der Bericht weist schfießlich darauf hin, daß die Vorbedingungen für politische Unruhen in Palästina, wie sie in früheren Berichten dargestellt wurden, auch im Jahre 1934 nicht fehlten. Der arabische Nationalismus sei stark akzentuiert und die in der Presse wiedergegebenen öffentlichen und privaten Aeußerungen arabischer Führer deuteten die allgemeine Stimmung der politisch interessierten Araber an. Die arabische Presse sei einer Meinung in bezug auf ihre Haltung gegenüber der Regierungspolitik in Palästina. Allgemein werde behauptet, daß die Regierung dadurch, daß sie Häüserverwaltungen Vermittlungen Geldbeschaffungen scnsal A 48-9-22 R. TABBMAMM Wien, II. Bezirk, NordpolstraB« 2/3 Reparaturkre dite Zinsvorschüsse kulantest Rasiere Didi gof und billig Oesterreichisches Quaiitäts Fabrikat Ueberau erhältlich jüdische Einwanderung zuläßt und den Ankauf von Grund und Boden durch Juden gestattet, auf die wirtschaftliche Vernichtung der arabischen Bevölkerung hinarbeite. Die englische Mandatsmacht leidet, wie ihr Jahresbericht;neuerlich beweist, unter der Zwiespältigkeit der Verpflichtungen, die sie zugleich mit dem Mandat übernommen hat. Einerseits hat sie in der Balfour-Deklaration den Aufbau einer jüdischen Heimstätte im Heiligen Land versprochen, anderseits hat sie die Errichtung eines großarabischen Reiches mit Einschluß Palästinas in Aussicht gestellt. Die Araber werden nicht müde, in geharnischten Petitionen an den Völkerbund die Unvereinbarkeit dieser beiden Verheißungen zu betonen und die Abschaffung der Balfour-Deklaration zu fordern. Bisher hat sich die Mandatarmacht zwar zu einer formellen Erfüllung dieser Forderung nicht entschließen können, aber die ganze Geschichte ihrer Mandatsverwaltung ist ein beredter Beweis dafür, daß ihre Sympathie der arabischen Sache gehört. Die Abtrennung Transjordaniens von der „jüdischen Heimstätte", die strenge Kontingentierung der jüdischen Einwanderung und die grausame Härte gegen Juden, die auf „illegalen" Immigrationsversuchen ertappt werden, wobei schon der Begriff der „Illegalität" einen Hohn auf den Begriff „Heimstätte" bildet, sprechen Bände. „Die Knappheit an Arbeitskräften", schreibt S o k o 1 o w in seinem Begleitschreiben zum Berichte der Jewish Agency an die Mandatskommission, „hatte nicht allein eine Zerrüttung des Arbeitsmarktes und eine Hemmung wirtschaftlicher Unternehmer-Initiativ e auf jedem Gebiete zur Folge, sondern sie schuf auch eine Diskrepanz im Lohnniveau von Stadt und Land, so daß eine Konzentrierung auf städtische Berufe zum Schaden der Landwirtschaft erfolgt ist. Ich bemerke, sagt Sokolow wörtlich, daß dem Jüdischen Nationalheim keine ernstere Gefahr drohen könnte, als wenn die einseitige, vorherrschend städtische Berufszusammensetzung der jüdischen Gemeinschaften in der Diaspora Nachahmung in Palästina findet." Angesichts der Intransigenz der Palästina-Regierung gegenüber Juden, die „illegal" ins Land gekommen sind, ist man keineswegs erstaunt, die i'vtandatarmacht bei neuerlichen Drosselungsversuchen der legalen Einwanderung von Juden zu ertappen. In der Sonntagsnummer der „Neuen Freien Presse" entlarvt ihr Palästina-Berichterstatter die jüngst verfügte Vermehrung