Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 25 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten! isch e Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag flMIMmiiffiWnnn^ Redaktion und Administration: Wien H., Heinegtraße 13 - Telephon R 46-2-16 — Postsparkasserkonto Wien; A 100.918 51. Jahrgang Wien, 21. Juni 1935 Nummer 25 Kurzsichtige Politik. Merken die Jüdischnationalen noch Immer nicht, wessen Geschälte sie betreiben? Die sogenannten Assimilanten, ein Name, der mit Stolz von der großen Mehrheit der mittel- und resteuropäischen Juden getragen wird, haben immer behauptet, daß die von den Jüdischnationalen betriebene zionistische Judenstaatspolitik, die aus Palästina einen von einem großen Teil der Juden besiedelten souveränen nationalen Staat machen will, dieses Ziel gemeinsam mit den verbissensten und eingefleischtesten .Judenfeinden anstrebt. Bewußt oder unbewußt führt diese Politik der Jüdischnationalen dazu, daß die Juden in West- und Mitteleuropa, in ihrer Heimat, zuerst von den übrigen christlichen Staatsbürgern getrennt werden, eine Erscheinung, die nach der neuesten Schulpolitik schon von der Kindheit an herbeigeführt werden soll, um schließlich ins Ghetto gesperrt oder zur Auswanderung gezwungen zu werden. Diese Uebereinstimmung der Ziele der jüdischnationalen Politik mit denen des Nationalsozialismus wurden in der letzten Zeit offen vom letzteren einbekannt. Der „geistige" Brotherr des Nationalsozialismus, Alfred Rosenberg, hat erst unlängst voll Hohn erklärt, daß die „Bewegung" die Ziele des jüdischnationalen Zionismus billige und ihre Erreichung tatkräftigst fördern werde. Eine noch weitergehende Uebereinstimmung mit den jüdischnationalen Zielen hat der nationalsozialistische Sachverständige im Berner Prozeß, Herr Oberstleutnant Fleischhauer, zum Ausdruck gebracht. Der Anfang zur tatkräftigen Förderung des jüdischnationalen Zionismus durch die Nationalsozialisten wird nun gemacht. Gegen eine Reihe deutscher jüdischer Führer sind in Deutschland behördlicherseits Verbote, in Versammlungen und Zusammenkünften zu sprechen, erlassen worden. Interessant und wichtig ist, und die Jüdischnationalen sollte es nachdenklich stimmen, daß diese Redeverbote fast ausschließlich die Führer der sogenannten Assimilanten betreffen. So ist ein generelles Redeverbot ergangen: gegen den bekannten Berliner Rechtsanwalt, Politiker und Schriftsteller Dr. Bruno Weil, Vizepräsidenten des „Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", gegen den religiös-liberalen Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde Bruno Woyda, gegen den bekannten Philosophen und Begründer des Lehrhauses in Frankfurt ätn Main Prof. Martin B u b e r. Daneben wurden, wie die Z. T. A. berichtet, in Berlin und in der Provinz eine große Reihe Versammlungen verboten, bzw. aufgelöst, in denen Sprecher des „Centrai-Vereins" und des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" für eine Lösung des deutschen Judenproblems auf deutschem Boden eintraten, bzw. eintreten wollten. Die Z. T. A. bemerkt, daß das gegen Dr. Bruno Weil erlassene generelle Redeverbot, das von der Geheimen Staatspolizei ausgesprochen wurde, eine ganze Richtung im deutschen Judentum treffen wollte, eben die hauptsächlich vom „Centrai-Verein" repräsentierte Richtung, die für ein Verbleiben der deutschen Juden in ihrer deutschen Heimat, so lange es irgendwie möglich ist, eintritt. Bruno Weil hatte in den beiden letzten Wintern in von mehreren tausenden Juden besuchten Versammlungen in Berlin und in allen größeren jüdischen Zentren Deutschlands die Mahnung an die deutschen Juden ergehen lassen, unbeschadet all dessen, was geschehen, den Gedanken der Emanzipation nicht aufzugeben, sondern eine Lösung der deutschen Judenfrage in Deutschland und von Deutschland aus zu Nach Amerika und Konada Koschere Küche auf der Majestic 56.000 t Berengaria 52.000 t Aquitania 46.000 t Cunacd H}fute=Slac Repräsentanz: Wien I. Kärntnerring 4 Tel. U 46-0-48 U 42-0-43 suchen. Auch an die deutschen Saarjuden richtete Bruno Weil die Aufforderung, sich in den Reihen der gesamten jüdischen Front in Deutschland einzureihen und mit ihr den Kampf um ihre Rechte gemeinsam zu führen. Nach der Abstimmung im Saargebiet erging aber seitens der Geheimen Staatspolizei ein nicht veröffentlichter Erlaß, durch den jüdischen Rednern jede Propaganda für das Verbleiben der Juden in Deutschland untersagt wurde. In der gleichen Richtung haben sich seit dieser Zeit die Ausführungen vieler Würdenträger des Nationalsozialismus bewegt, die sich bis zur Saarabstimmung etwas zurückhalten mußten, jetzt aber einen Antisemitismus rüdester Art betätigen und ganz offen nicht nur wie bis dahin die Zurückdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben, sondern ihre völlige Beseitigung auch aus allen wirtschaftlichen Bezirken, ja, ihre Hinausdrängung insgesamt aus Deutschland fordern. Durch das gegen Bruno Weil gerichtete generelle Häuserverwaltungen Vermittlungen Geldbeschaffungen sensal A 48-9-22 R. Y/MDBPI/MIN Wien, II. Bezirk, NordpolstraB« 2/3 Reparaturkredite ZinsvorsdiQsse kulantest Rasiere Dich gut und Dillig Oeslerrelchlsclies QoaMäfsrabrifcat Ueberau erhältlich Redeverbot sollte, ebenfalls ein Ausdruck der geänderten Judenpolitik, diejenige jüdische Persönlichkeit getroffen werden, die unter Zustimmung sehr weiter Kreise der deutschen Juden als der Träger der neuen Emanzipationsidee gilt und dieser Richtung ihr Programm gegeben hat, von dem Weil selbst in Wort und Schrift erklärt hatte, daß es aufrecht erhalten werden müsse, auch wenn es nur auf sehr lange Sicht zu verwirklichen sei. Die Ideale der Judenschaft sind seit Jahrtausenden auf längere Zeiträume eingestellt, als sie den Kleinmütigen vorschweben. Die Juden haben durch ihre Geschichte bewiesen, daß sie auf ihre Befreiung Tausende von Jahren gewartet haben und warten konnten, die der „Führer" und seine Satrapen schon in dem ersten Jahr der „Machtergreifung" für die Herrschaft des Nationalsozialismus in Anspruch zu nehmen sich erkühnten. Auch Bruno Weil täuscht sich, wenn er meint, daß die Wiedererlangung der vollen Gleichberechtigung der deutschen Juden ein Ziel sei, das nur „auf sehr lange Sicht" zu verwirklichen ist. Das nationalsozialistische Regime in Deutschland zeigt schon die hypokratischen Züge, die dem baldigen Untergang vorhergehen. Dann wird es sich zeigen, daß diejenigen deutschen Juden, die ihre jahrhundertelange Verbindung mit dem deutschen Volke und Lande aufgeben wollten und neuen Phantomen zustrebten, eine kurzsichtige und schädliche Politik eingeschlagen haben. Auch gegen den Präsidenten der Berliner Jüdischen Gemeinde, Dir. Heinrich Stahl, soll ein Redeverbot erlassen worden sein. Er hat nach einer Reise nach Palästina die deutschen Juden davor gewarnt, auszuwandern, ohne sich vorher die Möglichkeit einer neuen Existenzgründung in Palästina oder in anderen Immigrationsländern gesichert zu haben. Die deutsche Judenschaft hält übrigens in ihrer Majorität nach wie vor treu zur Emanzipation und Assimilation. Der in Bielitz erscheinenden „Jüdischen Wochenpost" entnehmen wir, daß in Spandau, eine halbe Stunde von Berlin, die letzten Repräsentantenwahlen mit einer vernichtenden Niederlage der jüdischnationalen Zionisten geendet haben. Die „Assimilanten" errangen zwei Drittel aller Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 90 Prozent, okkupierten sämtliche vier zu besetzenden Repräsentantensitze, während die Zionisten völlig leer ausgingen. Der Ausgang dieses Wahlkampfes ist um so bemerkenswerter, als die Zionisten diesmal die Richtigkeit ihrer Parole von der Zionisierung des gesamten deutschen Judentums beweisen und eine