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Die Wahrheit · 1935-05-24 · Heft 21 (24.5.1935) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 21 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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preis «Meter Nummer 40 Groschen /C ■■■ Jüdische ttUenschri In Deutschland verboten! Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden4* Erscheint jeden Freitag «MllllBM^ Redaktion und Administration: Wien iL, Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 51. Jahrgang Wien, 24. Mai 1935 Nummer 21 Hitlers Lehrmeister. In dem Berner Prozeß um die Echtheit der sogenannten „Protokoll© der Weisen von Ziomi" hat Herr Arthur Rosenberg, trotz seines Amtes als höchste geistige Autorität des Nationalsozialismus, der arischen Sache und der Sache seines „Führers" sein sachverständiges Zeugnis verweigert. Eine weit kleinere Größe des Antisemitismus und Nationalismus, der Oberstleutnant a. D. Fleischhauer aus Erfurt, vertrat als Sachverständiger vor dem Berner Gericht die Hitlerschen Belange. Aber der Oberstleutnant, obwohl mit vollem Herzen bei der Sache, machte in Bern keine gute Figur. Vermutlich konnte man sich weder auf der Richterbank noch im Zuhörerraum des Eindrucks erwehren, daß dieser „Sachverständige" besser zum Objekt einer psychiatrischen Expertise geeignet sei als zum Subjekt einer Expertise irgendeiner sonstigem Art. In tagelangen Reden brachte er dem Gericht ein Kompendium antisemitischer Wahnvorstellungen zur Kenntnis, darunter Enthüllungen folgender Art: „DSe Juden", teils in Verbindung mit den „Freimaurern", teils in Verbindung mit den „Ernsten Bibelforschern", haben den Erzherzog Franz Ferdinand ermorden lassen und den Völkerbund begründet; die jüdische Hochfinanz speziell hat den .„Marxismus in allen seinen Spielarten" auf dem Gewissen und fördert und unterstützt die Revolutionen. Zu der Frage dagegen, mit der das Gericht befaßt war: ob die „Protokolle der Weisen von Zion" wirklich auf dem Zionistenkongreß des Jahres 1897 abgefaßt worden seien und wer sie geschrieben habe, wußte der deutsche Experte nicht viel Neues, d. h. überhaupt nichts zu sagen. Im übrigen brachte der Berner Prozeß die vollste Bestätigung bereits bekannter Tatsachen. Sie wurden von dem Sachverständigen der jüdischen Kläger, dem Baseler Professor Baumgarten und dem vom Gericht ernannten Sachverständigen C. A. L o o s 1 i mit einem überwältigenden Beweismaterial zusammengefaßt. Es steht danach fest: 1. Die „Protokolle der Weisen von Zion" sind weder auf dem Baseler Zionistenkongreß von 1897 noch bei irgendeiner sonstigen .jüdischen" Veranstaltung entstanden. 2. Im wesentlichen sind die „Protokolle" ein Plagiat an dem ,1864 erschienenen Buche des Nichtjuden Maurice Joly „Dialogues aux enfers entre Macchiavell et Montesquieu", einem Pamphlet gegen Napoleon III. 3. Die Fälschung der „Protokolle" wurde in Paris von Agenten der zaristischen Ochrana durchgeführt, und zwar im Jahre 1905 unter Anleitung des russischen Geheimpolizisten Ratschkowsky, eines überaus übelbeleumundeten Individuums, das unzählige Verbrechen auf dem Gewissen hat. Der russische Orientalist Nilus, ein Halbverrückter, dem zufällig eines der Ochrana-Exemplare in die Hände gefallen ist, hat später einige weitere Fälschungen hinzugefügt. Es ist zweifellos höchst verdienstlich, daß der Berner Prozeß diese Tatsachen gerichtsnotorisch gemacht hat. Sie entziehen den Leuten, die sich weiterhin der „Protokolle" bedienen — an ihrer Spitze steht Adolf Hitler — den mildernden Umstand der bloßen Narrheit und stempeln sie von nun ab zu bewußten Betrügern. Aber die Bedeutung des Prozesses ist, wie Erich Andermann im Pariser „Neuen Tagebuch" richtig feststellt, damit nicht erschöpft. Neben dem wahren Ursprung der „Protokolle", wurde vor dem Berner Gericht eine zweite Tatsache festgestellt: die literarische Arbeit des russischen Verbrechers Ratschkowsky — weit davon entfernt, ein „jüdisches Programm" zu sein — ist in Wahrheit die geistige Grundlage des Nationalsozialismus und der. praktische Wegweiser der Hitler-Regierung selbst. f ' ' ■ -C:-^-* -:>'-.. -* tri C *- <^M«n " % t «ä£**ÄV.-..» <-..'V*« ^-JfofSr'C.. y. ~.. - iisa ^S^fej , •- j -f \ £ * " x S ' > C. A. L o o s 1 i. Der Sachverständige des Berner Gerichts, Loosli, vertrat in seinem Gutachten den gleichen Standpunkt: „Wer .Mein Kampf von Hitler gelesen hat, muß erkennen, daß ihm die .Protokolle' als praktisches Mittel zur Förderung seiner nationalsozialistischen Bewegung gedient haben. Die Methoden der Protokolle werden aber von niemandem besser befolgt, als gerade .von den Nationalsozialisten selber. Man denke nur an das gewissenlose Finanzgebaren gegenüber dem Anstand, die Vergewaltigung der Presse und anderes mehr. Dann wird man sich darüber klar, daß, wenn Je die Maximen der .Protokolle' in die Wirklichkeit umgesetzt worden sind, dies von der nationalsozialistischen Regierung geschah. Die .Protokolle' haben also nicht den Juden genützt, sondern jenen Leuten, die, gestützt auf diese .Protokolle', die Macht an sich gerissen und die europäische Bildung und Gesittung verwüstet haben." In der Tat ist es verblüffend, mit welcher Pedanterie sich die Hitler-Regierung die Rezepte der „Weisen von Zion" zu eigen gemacht hat. An unzähligen Stellen der „Protokolle" findet man die absolute Identität des Geistes der „Weisen von Zion" und des neuen Berlinejr Geistes: Häuserverwaltungen Vermittlungen Geldbeschaffungen sensal A 48-9-22 R. T/IlUBNIANN Wien, II. Bezirk, Nordpolstraße 2/3 Reparaturkredite Zinsvorschfisse kulantest Rasiere Didi gof und billig Ocslerrclchisdies Quaiitäts rabriiutf Ueberau erhältlich „Unser Recht liegt in der Gewalt." „Laßt uns bei unseren Plänen unsere Aufmerksamkeit nicht so sehr darauf richten, was gut und moralisch, als darauf, was notwendig und nützlich ist." „Keine einzige Ankündigung wird ohne unsere Kontrolle in die Oetfentllchkeit gelangen." „Schrifttum und Zeitungswesen sind zwei der wichtigsten Erziehungsmittel, und unsere Regierung wird darum die Eigentümerin der meisten Zeitschriften werden. Das wird den scbädHcben Einfla» der privaten Presse aufbeben und uns die Vorherrschaft in der öffentlichen Meinung sichern.** „Unter dem Namen .Hauptpresseamt' werden wir literarische Versammlungen veranstalten, bei denen unsere Agenten, ohne Aufsehen zu erregen, die Befehle und Losungen des Tages ausgeben," „Wir werden jede Lehrfreibeit abschaffen." „Dank diesen Methoden werden wir in der Lage sein, die Oeffentllcbkeit von Zeit zu Zeit wegen politischer Fragen zu erregen oder zu beruhigen, sie zu überreden oder zu verwirren, bald Wahrheit, bald Lüge, Tatsachen oder deren Gegenteil zu veröffentlichen» ie nachdem s*e gut oder schlecht aufgenommen werden." Der Berner Prozeß hat gerichtsnotorisch gemacht, daß dSe Ehre, Hitlers Lehrmeister und geistiger Vater zu sein, nicht etwa „den Juden" gebührt, sondern ausschließlich dem zaristischen Ochranaagerrten und Verbrecher Ratschkowsky. Es ist schwärzeste Undankbarkeit, daß Ratschkowsky in Berlin noch kein Denkmal bekommen hat. * * * Wir geben im folgenden den genauen Wortlaut der sensationellen Begründung des Berner Urteils wieder; der Gerichtspräsident Dr. Meyer hat mit dem „Protokoir-Schwindel. wie man sieht, sehr gründlich aufgeräumt Die „Protokolle" bestehen aus einem Vorwort, dem „Protokoir-Text sowie einem Schlußwort. Die Kläger behaupten, die „Protokolle" seien gefälscht und ein Plagiat. Dies veranlaßte den Richter, eine Expertise anzuordnen. Der Richter erklärt, er sei sehr froh, die Expertise angeordnet zu haben, da dieselbe den, Tatbestand in so schlagender Weise aufgeklärt habe. Was haben die Beweise ergeben? Der Herausgeber Theodor F r i t s c h berieft sich bei seinem Echtheitsbeweis ausgerechnet auf Herrn Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis. Dieser habe in einer Rede anläßlich einer Herzl-Gedenkfeier die Echtheit der „Protokolle" zugegeben. Herr Oberrabbiner Dr. f!hrem5>reis sei nun aber als Zeuge vor dem Berner Richter gestanden, um in markanter Weise gegm die Unterschiebung Gritschs zu protestieren. In feierhehem Ton erklärte Gerichtspräsident Dr. Meyer, die Worte des Herrn Oberrabbi nersDr. Ehrenpreis als Zeuge vor den Schranken dieses Gerichtes hätten auf ihn einen überaus starken und beweiskräftigen Eindruck gemacht. Der

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