Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 11 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064566--20132-3085344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 11 — 15. März 1935 DIE WAHRHEIT l'C i f v; i, 's. m f .>!<£ , 'S ■IlK?>- ,5 1 Ü 'S' J % . ,ji r., i'ö i>i< $ iÄ' w. 4 t>" Mf!ä Pessach In Palästina Der Palesüne & Orient Lloyd, die jüdische Weltorganisation für Palästlnaretaen, Vertretung für Österreich: ITlaialri €U» Dr. I* H. Kftramr« WIM L Baalrfc, KrthurU «, 'veranstaltet auf dem beliebtes Italien. Ozeandampfer „Satnrnia" (ttJOBO t) eine Geteilschaf ts-Reise nach Palästina Verlangen Sie Prospekte! der braunen Hölle. Wie das „Ist. FamäfienWatt" meldet, ist die Synagoge in Bad Honnef am Rhein geschändet worden. Die Täter drangen in das Innere der Synagoge und verunreinigten sie, zerrissen Qebetfbficher, stahlen önen Thoramantel, die Büchse iür die Armen, die einen höheren Betrag enthielt. Die Eindringlinge sind noch nicht er mitteilt. * In der Gauführerschule in Dessau fand ein rassenpolitischer Schulungskurs statt. Bei Abschluß des Kurses hielt Reichsstatthalter Gauleiter Loeper eine Rede, in der er erklärte: Im Kampf des National Sozialismus um das Volk sei die Rassenfrage von einer unerhört großen Bedeutung. Es sei nicht notwendig, daß der einzelne Volksgenosse die Rassen- Gesetze in ihrer letzten wissenschaftlichen Feinheit verstehe, sondern es genüge schon, wenn dem Volk der gesunde Rasseninstinkt zurückgegeben sei, jenes Instinktgefühl der Abneigung, das den deutschen Menschen zwingt, sich vom Juden fernzuhalten. Die überwiegende Masse des deutschen Volkes lehne den Juden schon heute ab. in Frankfurt am Main ist der Börneslatz in ,J3ominikanerplatz" und die Börnestraße in „Großer Wollgraben" umbenannt worden. Die Bestrebungen für diese Umbenennungen liegen schon weit zurück. Bereits im Oktober 1934 erklärte der Frankfurter Oberbürgermeister Staatsrat Doktor Krebs in einem Inteview mit dem •J'rankfurter Volksblatt": „Wir haben gar keinen Grund, das Andenken des Löb Baruch besonders hoch zu halten, der sich später Ludwig Börne nannte und der Vorkämpfer der jüdischen Emanzipation wurde. Mir liegt auch bereits ein Antrag auf Aenderung des Namens vor." Die Börnestraße ist der nördlichste Teil der alten Frankfurter Judengasse, in der das Geburtshaus und ein Teil des Bankgebäudes der Rothschilds noch heute steht Die Umbenennung der „Judengasse" in „Börnestraße" und des früheren „Judenmarktes", wo sich der alte, nicht mehr benutzte jüdische Friedhof befindet, in „Börneplatz" erfolgte zum Andenken des in Frankfurt am Main geborenen Dichters und Freiheitskämpfers in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ein Denkmal, das übrigens entfernt worden ist. ist Börne von der Stadt in den Frankfurter Anlagen schon im Jahre 1877 gesetzt worden. In den letzten Tagen wurden — wie aus Berlin gemeldet wird — zwei Geschäftsführer des Warenhauses Uetz von der Geheimen Staatspolizei verhaftet, weil sie die Aushängung des judenhetzerischen Streicherseben Zeitungsplakats in dem Warenhaus mit Rücksicht auf die jüdischen Kunden verboten hatten. In dem mit aufreizenden Judenkarrikaturen versehenen Plakat wird für den „Stürmer" Reklame gemacht Z.T.A. Auf dem Masarykpiatz in Iglau wurde von der Polizei ein Mann angehalten, der auf dem Kommissariat als der 46jährige Arthur Jacob. Kaufmann aus Saarbrücken, identifiziert wurde. Jacob, der einen ordentlichen Reisepaß bei sich hatte, gab an, daß er nicht für die Rückgliederung gestimmt hatte und das Saaravebiet verlassen mußte. Er wurde, da er Zeichen bedenklicher Erregung an den Tag legte, in Haft behalten und erlitt einen Tobsuchtsanfall. Der Polizeiarzt stellte Zeichen einer Geisteskrankert fest und Keß ihn in die Iglauer Heilanstalt für Geisteskranke überführen. * Die Nachrichtenbüros und Zeitungen des Auslandes bringen Einzelheiten über die Verhaftung sämtlicher nach Deutschland zurückgekehrter jüdischer Emigranten, auch der Frauen, wobei unterstrichen wird, daß es sich keineswegs um „politische Gegner des Dritten Reiches", sondern um. Personen handelt die wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Ausland dort nicht Fuß fassen konnten und es nun in Deutschland versuchen wooen. ihr Brot zu verdienen. Für die Re- Ennigranten werden, wie verlautet „Schulungslager" eingerichtet United Press , nimmt an. daß sieb bald die Zahl der verhafteten Juden auf Hunderte er- ■böhen werde, da immer mehr Emigranten zurückkehren. Offenbar soll diese Maßnahme zum Teil auch abschreckend auf die im Ausland lebenden Emigranten wirken, da der Regierung das Rückströmen von Nicfatariern unerwünscht ist Die Pressekammer in Deutschland hat die 'nichtarischen Verleger von Zeitungen und Fachzeitschriften aufgefordert, ihre Unternehmungen bald an Arier zu verkaufen, da es Pflicht der Presse sei, die Nazi-Ideale zu propagieren und es einem Nichtarier nicht möglich sei, diese Ideale zu verstehen. Das Rundschreiben warnt, die Verleger vor Scheinverkäufen. Judenboykott tmd Judenhetze inDanzig Der Boykott gegen die Juden in Danzig dauert in unverminderter Stärke an. Der Senat hat zwar auf eine Eingabe der Synagogengemeinde dahingehend geantwortet daß er die Hitlerjugend, die sich an der Verbreitung von Boykott-Flugschriften beteiligt hat verwarnt habe und daß er die Vorfälle sehr bedauere. Dessenungeachtet geht aber die Boykottaktion unterirdisch weiter, und zwar werden jetzt die Käufer, die jüdische Läden besuchen, bespitzelt und dann brieflich aufgefordert nicht mehr bei Juden zu kaufen. Dem Korrespondenten der „JTA" liegt ein derartiger Brief, der die Unterschrift und den Stempel einer hohen nationalsozialistischen Parteistelle aufweist vor. Des öfteren kommen nach Danzig nationalsozialistische Funktionäre aus dem Reich. Dieser Tage sprach in Danzig in einer großen Versammlung der Berliner Reichsleiter Jä.hzosch, dessen Ausführungen in Verleumdungen der Juden gipfelten. Auch der Danziger Kultussenator Boeck hat in einer Rede, die er vor kurzem in einem internen Kreise gehalten hat erklärt daß die Juden das deutsche Volk vernichten wollten und daß sie im letzten Augenblick durch die Nationalsozialisten daran gehindert worden seien. Der Generalkommissar der Polnischen Republik in Danzig hat ebenfalls beim Präsidenten des Senats wegen der antijüdisdhlen Boy.kottaktion interveniert Die Intervention betraf insbesondere die Verbreitung von Fragzettem in Danzig,.die zum Boykott jüdischer Geschäfte auffordern, sowie die Verbreitung des „Stürmer" was ernsthafte Vorbehalte vom Standpunkt der Danziger Verfassung und der in Danzig geltenden Strafbestimmungen hervorrufen muß. Die Juden Rumäniens appellieren. In Anbetracht der bedrohliche Formen annehmenden antijüdischen . Bewegung im ganzen Reiche haben sämtliche jüdischen Parteien in der hauptstädtischen Presse einen.sehr eindringlichen Appell an das öffentlich e Gewissen veröffentlicht, in welchem die Juden Rumäniens Schutz für ihre wohlerworbenen Rechte fondern. In einer Versammlung der, Zentralrepräsenitanz der Union rumänischer Juden erstattete der Präsident der Union und frühere Senator Dr. Wilhelm Fildermann ein Expose über die politische Situation. Es wurde eine Resolution angenommen, in der an den König der Appell gerichtet wird, im Sinne der Politik des verstorbenen Königs Ferdinand für die Wahrung der Rechte der Juden Rumäniens einzutreten. Für den Mörder! Gegen die Juden! Die deutschen Nationalsozialisten in den U. S, A. haben in verschiedenen Städten Massenkundgebungen angesagt, in denen für den wegen Er mordung des Lindbergh-Kindes zum Tode verurteilten Deutschen Bruno Hauptmann und gegen die Juden demonstriert werden sollte. Die Polizei hat alle diese Kundgebungen verboten. Oesterreichs Filmindustrie gleichgeschaltet. In einem Aufsatz unserer letzten Nummer stellten win die Situation dar, in welcher sich die österreichische Fflrnindustrie kraft desmit Hitler- Deutschland abgeschlossenen Vereinbarungen befindet Unsere Vermutung, die österreichische Filmindustrie habe sich dem Hakenkreuz unterworfen, ist nun zur Gewißheit geworden. Wie die Piager „Selbstwehr" vom 7. März d. J. mitteilt, bringt das Fachblatt „I n t e r na t i onale Fijmschau" (Prag) bezüglich des zwischen Oesterreich und HiÜer-Deutschland abgeschlossenen Filmvertrages folgende Meldung: „Die österreichischen Filmproduzenten haben sich verpflichtet, keinen Film zu unterstfitzen, dessen Inhalt oder dessen Besetzung in Deutschland unwillkommen sein könnte." Auf Grund dieser Sachlage ist es rocht nur den Reichsdeutschen, sondern auch den österreichischen jüdischen Schauspielern unmöglich, in Wien zu filmen. Die Fümgewaltigen mögen sich nicht wundern, wenn das KinopuMkum die österreichischen Ariexparagraphen-Fihne genau so. behandelt wie die reschsdeutschen des Herrn Goebbels; GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL «nm ix* MaMMM nr. 1» HLMUIi XVIII., WlMBMOUSfMHi Wl. T«Upho» Nr. A »Mn< A IfrfrM AbteflungemarKoscherfleisch Mlw toWfct 4m mhrm, RabbhMtea Sandten* fittachfoHai von « Prhaa-Qualrttt u «m billigsten Maiktpiaw Lettland beschämt Deutschland. Der lettländische Ministerpräsident Ulmanis sandte anläßlich der 100-Jahrfeier der Libauer Großen Synagoge der dortigen Judenschaft eine Botschaft, die u. a. lautet: Ich freue mich über das Fest dieser alten Synagoge und wiederhole aus diesem Anlaß die weisen Worte Jaacobs: „Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes und dies ist die Pforte des Himmels." Diese Worte werden den heiligen Willen der Mitglieder der Gemeinde stärken, ihre Kräfte dem Vaterland Lettland zu widmen, damit unser Land im Geiste der Einigkeit und Zusammenarbeit lebe und eine hohe Kultur, sowie wirtschaftliche Prosperität erreiche. Die judisch Bevölkerungsbewegung in Deutschland. Eine abschließende Darstellung über „die Juden im Deutschen Reich 1816 bis 1933" mit den Ergebnissen der Volkszählung von 1933 erscheint in Heft 4 der vom Statistischen Reichsamt herausgegebenen Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik". Die Zahl der Juden in Deutschland betrug 1933 bekanntlich 499.682 Seelen. Dies entsprach einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 0,77%. Von den deutschen Juden wohnten in den Großstädten rund 354.000 oder 7/w allein in Berlin und fünf weiteren Großstädten (über 100.000 Einwohnern) die Hälfte aller deutschen Juden. Als Gründe für die Bevölkerungsverrrrinderung der Juden, die von 1925 bis 1933 11.5% betrug, nennt das Statistische Reichsamt die verstärkte Weiterwanderung von Ostjuden, den Sterbefallüberschuß. Austritte, Mischehen und die Auswanderung deutscher Juden, die im Anschluß an die Neuordung der politischen Verhältnisse stattgefunden und noch über den Stichtag der Zählung hinaus angedauert habe. Seit dem Jahre 1880 ist der jüdische Bevölkerungsanteil in den Großstädten gesunken. Er betrug 1933 bis 1,8% weniger als die Hälfte des Anteils von 1871. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung Berlins, der 1880 4% überstieg, ist seit 1900 gesunken. Frankfurt a. AL steht mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von 4,7% (gegenüber 1925 und 1910 6,3%) an der Spitze nicht nur der Großstädte, sondern aller Kommunalgemeinden mit 10.000 und mehr Einwohnern. Unter den Kommunaleinwohnern zwischen 10.000 und 100.000 Einwohnern ist an erster Stelle Fürth zu nennen, das bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts die zahlenmäßig stärkste jüdische Gemeinde in Franken und Bayern überhaupt gewesen war. Der Hauptteil der kleinstädtischen Juden (über ein Viertel) wohnt in der Provinz Hessen-Nassau und im Lande Hessen. Die benachbarten Verwaltungsbezirke um Rhein und Main, älteste Niederlassungsbezirke der Juden in Deutschland, haben die höchste Wohndichte der kleinstädtischen Juden. In Unterfranken wohnt die Mehrzahl der Juden in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. In Nordwest-, Nord- und Mitteldeutschland, aber auch in Ostdeutschland, ist der Abstrom der kleinstädtischen Juden nach der Darstellung des Statistischen Reichsamtes größer als in den viel älteren jüdischen Niederlassungsgebieten um Rhein, Main und Neckar. In einigen norddeutschen Landern, die bisher schon eine sehr geringe Zahl von Juden gehabt haben, sind die kleinstädtischen Juden beute nahezu verschwunden. Xunst Konzert Kürzlich gab Kantor Jakob Rosenwald im Festsaaf des Handelsmuseums einen Arien- und Liederabend, der außer jüdischen Liedern noch Lieder von Schubert und Gretschaninow sowie italienischer Meister umfaßte. Ein tragender, sonorer Bariton, der besondere Musikalität und feines Stilgefühl in Aussprache und Phrasierung verrät eine schöne, große Stimme voll innerlicher Wärme, die große technische Vorzüge aufweist Gideon May war-ein korrekter, vorzüglicher Begleiter. Der mitwirkende 11jährige Geiger Norbert Brainin zeigte eine ansehnliche Begabung und eine ausgezeichnete Schulung. Die Jüdisches Künstlerspiele, IL, PraterstraSe 36 (Nestroyhof), bringen heute, Freitag, die Uraufführung von A Meiseis „Ohne Zertifikat nach Palästina". (Musik von Kon). SevihVPastor wird wieder in einer Bombenrolle zu sehen sein. Das Ensemble wurde für diese Revue, die täglich auf dem Spielplan bleibt, besonders verstärkt auch große Investitionen (Ausstattung etc.) mußten gemacht werden. psm^mmwi '■gm i^?!^^M^myms?msmmv3^^^i^-r.