Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 5 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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HE WAHRHEIT Nr. 5 — 1. Februar 1935 Seite 7 Diskussionsabend der „Jugend-Union". Dienstag, den 5. Februar, halb 9 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz. Reg.-Rat Dr. Emil Weinberg: „Ausblick in die Zukunft des deutschen Judentums." den tum." Wie unsere Leser bereits wissen, nahm jüngst auch das katholische Amtsblatt der reichsdeutschen Bischöfe im selben Sinne zu den „Protokollen" Stellung. Was aber tut Herr Rosenberg, der Herausgeber dieser Fälschung? Er hat sie jetzt in die serbokroatische Sprache übersetzen und in zyrillischen Buchstaben drucken lassen und verschickt sie gratis an serbische Persönlichkeiten. Er wäre kein Nationalsozialist, wollte er auf die Fruktifizierung eines Schlagers, bloß deshalb, weil dieser als Fälschung entlarvt wurde, verzichten. Die Judenhetze der polnischen Nationaldemokraten. Das Bezirksgericht in Lodz verkündete soeben das Urteil gegen 19 Mitglieder der antisemitischen Nationaldemokratischen Partei in Lodz, die wegen antistaatlicher Agitation und Vorbereitung zu gewaltsamem Sturz der Regierung angeklagt waren. Sieben Angeklagte wurden zu Kerkerstrafen von 10 Monaten bis zu 2H Jahren verurteilt, zwölf Angeklagte wurden freigesprochen. In dem Prozeß, der wegen seines politischen Hintergrundes in ganz Polen mit größter Spannung verfolgt wurde, kam auch die gefährliche judenhetzerische Tätigkeit der Nationaldemokraten zur Sprache. Die acht Verteidiger der Angeklagten, führende nationaldemokratische Advokaten, hielten judenhetzerische Reden und bemühten sich, nachzuweisen, daß judenhetzerische Tätigkeit im Interesse des polnischen Staates liege. Der Führer der Verteidigung, Szweidler, behauptete in seinem Plädoyer, der ganze Prozeß werde im Auftrage der „anonymen jüdischen Regierung" geführt. Die Jugend weiß es nun, daß jedes Unglück, das über Polen kommt, von Juden herrührt. So sei es nicht zu verwundern, daß es oft zu antisemitischen Ausschreitungen kommt. Die „Protokolle der Weisen von Zion" haben den Bestand einer „internationalen anonymen jüdischen Regierung" erwiesen; diese Judenweitregierung habe es besonders auf Polen abgesehen und will es verderben. Der Verteidiger Stipulowski entwickelte das Programm der Nationaldemokraten, das auf vollkommene Entrechtung der Juden ausgeht, und fragte, ob die Angeklagten deswegen bestraft werden sollen. Hingegen betonte der Generalstaatsanwalt, daß die Nationaldemokraten in der Maske j udenhetzerischer Tätigkeit den Staat unterminieren wollen. Der Generalstaatsanwalt Kozlowski zählte eine große Reihe von Fällen auf, wo Juden von Nationaldemokraten angegriffen wurden und überreichte ein Verzeichnis von einigen hundert Mitgliedern der Nationaldemokratischen Partei, die wegen antijüdischer Exzesse verurteilt wurden. Der neue Stadtrat von Jerusalem. Nach dreimonatigen Kämpfen um die Rechtmäßigkeit der letzten Stadtratswahlen in Jerusalem und nach Ueberwindung einer im letzten Augenblick um die Besetzung der Stelle des ersten Vize-Bürgermeisters ausgebrochenen Krise hat am 24. Jänner die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrates unter der Leitung des Bürgermeisters Dr. Hussein F a k r i e 1 K h a 1 d i und im Beisein des Distriktskommissars Campbell stattgefunden. Zum ersten Mal seit fünf Jahren nahmen wieder jüdische Stadträte an einer Sitzung des Jerusalemer Stadtrates teil. Vertreter der Presse waren zu der Eröffnungssitzung nicht zugelassen worden. Bürgermeister Dr. Khaldi erklärte in seiner Eröffnungsansprache, die neue Stadtverwaltung werde kein Tummelplatz der Politik, sondern eine Stätte konstruktiver Arbeit für das Wohl Jerusalems sein. Der jüdische Vertreter im Stadtpräsidium, der erste Vize-Bürgermeister Daniel Auster, ein Mann von etwas über 40 Jahren, ließ sich nach dem Krieg in Jerusalem nieder. Als österreichischer Offizier war er während dem Krieges nach Palästina gekommen und übernahm nach der Demobilisierung gemeinsam mit dem Tel Aviver Rechtsanwalt Dr. DUnkel blum die Abteilung der Zionist Commission für die Verwaltung des jüdischen Friedensgerichtes. Einige Zeit später errichteten er und Dr. Dunkelblum eine der ersten Rechtsanwalts-Kanzleien in Jerusalem. Eines der ersten drei Häuser in dem jetzt stark ausgebauten Jerusalemer jüdischen Vorort R e c h a w i a wurde von Daniel Auster errichtet, der heute auch Vorsitzender des Rates von Rechawia ist. In der ersten Zeit seines Aufenthaltes in Palästina war Daniel Auster der Gruppe Hapoel Hazair in der jüdischen Arbeiterbewegung angeschlossen, ging jedoch später zu den Allgemeinen Zionisten über. Ein Fahnenflüchtiger geht nach Palästina. Die J. T. A. berichtet, daß der bekannte Sozialdemokrat und ehemalige Chefredakteur des „Kleinen Blattes", Braunthal, der im Zusammenhang mit den Februar-Ereignissen im Anhaltelager Wollersdorf zum Zwangsaufenthalt untergebracht worden war, nun aus Wollersdorf entlassen worden ist, jedoch gegen die Verpflichtung, bis zum 2. Februar ein Palästina-Visum beizubringen und baldigst nach Palästina abzureisen. Wie die J. T. A. erfährt, ist die Entlassung auf Grund einer aus Palästina ergangenen Einladung an Braunthal, zwecks Abhaltung eines Vortragszyklus über sozialpolitische Fragen nach Palästina zu kommen, erfolgt Die zionistischen Blätter regen sich maßlos darüber auf, daß dieser bekannte Gegner des Zionismus bei der Zuteilung eines Palästina-Zertifikates, das er angeblich direkt von der Palästina-Exekutive erhalten hat, bevorzugt wird gegenüber den jahrelangen Anhängern der zionistischen Sache. Die Tatsache, daß Herr Braunthal bereits vor mehr als zwanzig Jahren aus dem Judentum ausgetr eten ist, gibt ihnen nicht so viel Stoff zur Entrüstung, dieser schwerwiegende Umstand wird überall mit einem Satze abgetan. Wir glauben aber, daß Menschern, die ihrer Parteipolitik wegen dem Judentum untreu geworden sind, noch viel weniger im jüdischen Palästina etwas zu suchen haben, als Menschen, die vielleicht einmal das jüdische Palästina abfällig beurteilt haben. Aus dem Saulus kann — das hat man im Zionismus schon erlebt — ein Paulus werden, aus einem Menschen, der sein Judentum in besseren Tagen schnöde verleugnet hat, kaum ein Jude, der für eine jüdische Sache zu arbeiten geeignet ist. FESTSAAL DES HANDELSMUSEUMS DL, Berggasse 16 Samstag, den 16. Februar, 8 Uhr abends, ARIEN- UND LIEDERABEND Jac Rosenwald (deutsch, italienisch, jiddisch,) Mitwirkend der elfjährige Violinkünstler Norbert Bralnln Gememdedkranifz. Bücher für die jüdische Volksbildung. In der Arbeiterbücherei, II.. Praterstraße 74, wurde eine eigene Abteilung für Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose jüdischen Glaubens eingerichtet. Der durch Spenden jüdischer Familien geschaiiene Grundstock soll nunmehr auf dem gleichen Wege erweitert und vergrößert werden. Darüber hinausgehend, plant die Hauptstelle für jüdische Volksbildung die Angliederung einer gleichartigen Abteilung an die Arbeiterbibliothek, XX., Stromstraße. Ebenso sollen die Bestände der genannten Büchereien durch Werke für Jugendliche bereichert werden. Es wird allen jüdischen Kreisen nahegelegt, am Aufbau dieser jüdischen Bildungsmöglichkeiten durch Büchergaben tatkräftig mitzuwirken. Die Uebernahme der Bücher erfolgt durch die Hauptstelle für jüdische Volksbildung (Gebäude des Stadtschulrates, I., Dr. Ignaz Seipel-Ring 1, Tel. B 39-5-77). Margarete Bach im französischen Rundfunk. Die bekannte Wiener Vortragskünstlerin Margarete Bach hat ihre erfolgreiche Tournee durch England unterbrochen, um einem Rufe an die Sorbonne und an die Sfcraßburger Universität Folge zu leisten. Die Künstlerin wird an den beiden Instituten und im Radio Paris wie auch tm Sender Radio Straßburg über zeitgenössische österreichische Dichter sprechen. Dann kehrt sie nach London zurück, um ihre Tournee fortzusetzen. Predigt. Herr Dr. Israel Scheib, cand. theol., predigt Samstag, den 2. Februar, im Kleinen Tempel, IL, Tempelgasse 3, beim Morgengottesdienst. Beginn 8 Uhr. Der jüdische Frauenwohltätigkeitsverein Favoriten, X., Humboldtgasse 27, veranstaltet morgen Samstag, den 2. Februar, 8 Uhr abends, in den Kunstspielen Pan, L, Riemergasse 11, eine Akademie mit Tanz und Tombola. Mitwirkend: Paul Wortmann— Dr. Bruno Volk auf zwei Klavieren, Steffi Mann, Rezitationen und Chansons, Kapellmeister Dr. Otto K a p e r 1, Violine, Hugo K n e p 1 e r, Hilda D u 1 i t z k a j a, jüdische Lieder, Oberkantor Simon Weiß, Gesang, Arthur Hoff, zwei Bilder aus dem jüdischen Leben, Conference: Hugo Knepler. Die Tanzmusik besorgt die bestbekannte Kapelle The Winaple-Band. Entree S 2.50. Eintrittskarten bei allen Vorstandsdamen und an der Abendkasse erhältlich. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen in Wien. Die diesjährige Generalversammlung findet Sonntag, den 3. Februar 1935, um 10K> Uhr vormittags, IX., Universitätsstraße 4, statt, und sind die Mitglieder und Gönner höflichst eingeladen, recht zahlreich zu erscheinen. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 4. Februar, Uhr abends, im Klubsaale, I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Vortrag des Herrn Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Singer: „Judaisierende Sekten in Böhmen zur Zeit Kaiser Josef II." Eintritt frei. Gäste willkommen. „Dr. Krüger-Heim". Die diesjährige Generalversammlung findet am Montag, den 11. Februar, um 18.30 Uhr, im Heime, II., Malzgasse 7. statt STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. B53 0-53 Die ehrwürdige Synagoge in der Schönlaterngasse war am vergangenen Sabbath der Schaupatz einer einzigartigen Feier. Alions M a 1 a m a t. der Sohn eines Mannes, dessen Vater dem blutigen Pogrom ia Kischinew im Jahie 1905 zum Opfer geiallen war. feierte hier seine Bar Mizwah. In seiner Ansprache an den Konfirmanten wies Rabbiner Dr. A. Kaminka auf die besonderen Umstände dieser Bar-Mizwahfeier hin, berichtete von der segensreichen Tätigkeit der Alliance Israelite, die nach den erschütternden Ereignissen in Kischinew auch den Vater des Konfirmanten als verwaisten Knaben nach Wien gebracht und ihn zu einem guten Juden erzogen hat. ..Diese Zweitälteste Synagoge der Wiener Judenschaft", führte der ehrwürdige Redner aus, „gibt den passenden Rahmen für diese Feier, denn hier haben unsere Väter ein jüdisches Haus geschaffen, das unbekümmeit den Stürmen der Zeit standhält" Der schönen Feier wohnten nebst den Eltern und zahlreichen Freunden des Bar-Mizwah auch die Kultusvorsteher Dr. Jakob Ornstein und Dr. Rosenberg bei. Trauung. Sonntag, den 3. Februar, 2 Uhr nachmittags, findet im Tempel II.. Pazmanitengasse die Trauung des Herrn Max Loubetzky, Sohn des jüdischen Schriftstellers A. Loubetzky s. A., mit Fräulein Olga Neidermann, Tochter des Herrn Gustav Neidermann, statt. 70. Geburtstag. Am 27. v. M. feierte der in der Oesellschaft und auch im wirtschaftlichen und kommerziellen Leben bekannte Kommerzialrat Josef Schulhof seinen 70. Geburtstag. Hollabrunn. Sonntag, den 13. Jänner, wurde dem Nestor der österreichischen Kantorenschaft Herrn Oberkantor Sigmund J e 11 i n e k von der Kultusgemeinde Hollabrunn ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom überreicht. Der Präses der Kultusgemeinde, Herr Emil Skutetzky, wies in seiner Ansprache auf die hervorragenden Verdienste, welche sich Herr Oberkantor Jellinek während der vier Jahrzehnte seiner fruchtbaren Tätigkeit in dieser Gemeinde sowohl als Kantor als auch als Religionslehrer erworben hat, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Sigmund Jellinek noch viele Jahre zum Wohle der Gemeinde tätig sein wird. Todesfall. Am 24. Jänner d. J. wurde Frau Amalie S t r u m, die Gattin des Mazzothfabrikanten H. S t r u m, unter großer Beteiligung weiter Kreise hier zu Grabe getragen. Die Verblichene war das personifizierte Bild einer edlen jüdischen Frau und Mutter, von großem Wohltätigkeitssinn und wahrer Herzensgüte, eine echte Ejsches Chajil. Um die Verewigte trauern acht Kinder, nachdem der älteste Sohn knapp nach Kriegsende in der Blüte der Jahre hinweggerafft wurde, dann zahlreiche Schwieger- und Enkelkinder. Den tieftrauernden Familien Strum. Nemon. Hilsenrad und Doktor Landau wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Requiem. Dem vor Monatsirist verstorbenen Vizepräses des Josefstädter Tempelvereines, Herrn Alois Hayek, galt die am Sonntag, den 27. Jänner, um :/\5 abends, im Neudeggertempel abgehaltene Trauerfeier, zu der eine große Zahl von Freunden und Verehrern des Verewigten sich eingefunden hat. Außer dem Gesamtvorstande des Tempelvereines mit Herrn Kommerzialrat Siegmund F e 1 d m a n n und Börsenrat B i ehavy an der Spitze, waren erschienen: Herr Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Kultusvorsteher Geza K1 i n g e r, für den Verband der Tempelvereine Präsident Dr. Leo Landau, Vorsteher Josef Fuchs vom Müllnertemoel, Vorsteher 111 n e r vom Hietzinger Temnel usw. Die engere und weitere Familie Hayek-Kohn-Gut und Tempelvereinsmitglieder füllten den großen Tempel. Nach dem Abendgebete trug Herr Kantor Braun, unterstützt vom Chore — geleitet von seinem bekannten Dirigenten Herrn G r ü n b a 11 — höchst stimmungsvoll das „Schiwissi" vor, worauf die Gedenkrede des Rabbiners Doktor Bauer folgte. Den Lebensgansr des Verstorbenen, dessen selbstloses, bescheidenes Wirken in Gemeinde und Familie in echt jüdischem Sinne schilderte der Rabbiner an der Hand der biWischen Vorschrift über den Altar, die ein opferfähiges, bescheidenes Wesen zur Pflicht macht, die der Verewigte voll und ganz erfüllte. Der Redner schloß mit der trostreichen Hoffnung: „so'ner elohim terem jichbeh". das Licht des Glaubens und Vertrauens, welches der Verblichene entzündet, möge niemals erlöschen — nicht im Herzen der Gemeinde, nicht in den Herzen der Familienangehörigen, die es hegen und pflegen werden zur Ehre des teueren Toten und zum Wohle der Gesamtheit. Nach dem Kaddisch wurden Psalm ^9 und El mole rachmim von Kantor und Chor gemiitsinnig und zu Herzen gehend vorgetragen, womit die erhebende Feier ihren würdigen Abschluß fand. Israelitischer Tempel- und Schul-Verein, Vl„ Stumpergasse 42. Am 27. Jänner hielt der Verein seine 38. ordentliche Generalversammlung ab, die zahlreich besucht war und infolge Erkrankung des Präsidenten, Herrn M. Felsenburg, von dem Alters-Präsidenten, Herrn H. Neumann, eröffnet wurde. Derselbe begrüßte den Vertreter der Kultusgemeinde. Herrn Kultusrat Dr. Rosenberg. Herr K. R. Leitner für die Adas-Jisroel, Herrn Sekretär Türkei und Herrn T e itelbaum für die Agudas-Jisroel und Keren-Thora. Herrn Obmann Leib für die Chewra-Kadischa VI/VII und Herrn Viktor Deutsch für die Jugendgruppe. Den Jahresbericht erstattete der Schriftführer-Stellver-