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Die Wahrheit · 1935-01-25 · Heft 4 (25.1.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 4 (25.1.1935)
Date
1935-01-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IIE WAHRHEIT Nr. 4 — 25. Jänner 1935 Seite 7 Spuialhau» «r Wo.le und Strio.g.mo Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 49-3-69 Tschaikowsky! Dr. Pahlen holte prächtigste Klangwirkung aus seiner mit unerhörtem Idealismus spielenden Schar heraus. Es folgte der Darbietung nicht endenwollender Jubel, der dem brillanten Dirigenten und seinen Musikern gezollt wurde. Diese Kulturarbeit verdient restlose Förderung jedes Wiener Juden. ' Warschau. Bei der Jüdischen Gemeinde Warschau sind Gesuche von über 14.000 Familien um Zuweisung von Kohlen aus den Beständen der Gemeinde eingegangen. Somit sind etwa 70.000 Menschen, ein Fünitel der gesamten jüdischen Bevölkerung, auf Unterstützung seitens der Gemeinde durch Zuwendung von Heizmaterial angewiesen. Diese Tatsache illustriert die außerordentliche Notlage der jüdischen Bevölkerung Warschaus. Rom. Auf Vorschlag von Oberrabbiner Prof. Angelo Sacerdoti beschloß die Jüdische Gemeinde Rom, Mitgliedern, die ein heldenhaftes Betragen an den Tag) legen, Ehrendiplome zu verleihen. Als erste wurden in feierlicher Sitzung bei Anwesenheit von Vertretern des faschistischen Rates zwei junge Juden für Rettung von Menschenleben und eine Frau für aufopfernde Tätigkeit auf dem Gebiete der Kinderfürsorge ausgezeichnet. Z. T. A. Heinrich Schenker gestorben. Der bekannte jüdische Komponist und Musikschriftsteller Heinrich Schenker ist dieser Tage in Wien gestorben. Heinrich Schenker war ein Musiktheoretiker von internationaler Bedeutung. Am 19. Juni 1868 in Wisniowcyk (Galizien) geboren, kam er als junger Musiker nach Wien und begann hier nach kurzer Zeit eine reiche schriftstellerische Tätigkeit auf musiktheoretischem Gebiete. Auch als Komponist trat er hervor, er schuf eine Reihe von Etüden, Phantasien und die bekannten „Syrischen Tänze". Außerordentlich Wertvolles hat Heinrich Schenker als sachkundiger Bearbeiter barocker und klassischer Werke geleistet. Seine vielseitigen künstlerischen Gedanken hat er in den Werken „Neue musikalische Theorien und Phantasien", „Der TonwUIe" und „Das Meisterwerk in der Musik" niedergelegt. Die Kultusgemeinde Wien hat ihm ein Ehrengrab gewidmet. Personalnachrichten. Der Bundespräsident hat den Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in Wiener-Neustadt Dr. Heinrich Weiß zum Mitglied des Landesschulrates für Niederösterreich ernannt. — Drei verdienstvolle langjährige Funktionäre der Börse für landwirtschaftliche Produkte, die Kommerzialräte Heinrich Eich b er & Ludwig Rappaport und Moritz Reif wurden durch die Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse des österreichischen Verdienstordens ausgezeichnet. Durch viele Jahre haben sich die Genannten unter Hintansetzung ihrer persönlichen Interessen dem Wohl der Gesamtheit der Börsenmitglieder gewidmet. Die Auszeichnung der drei Herren, die auch in der jüdischen Oeffentlichkeit großes Ansehen genießen — Komm.-Rat M. Reif war durch viele Jahre ein eifriges Mitglied des Wiener Kultusvorstandes — bedeutet die. wohlverdiente Anerkennung ihrer öffentlichen Tätigkeit. Gedenktafelenthüliung im NeudeggertempeL Sonntag, den 13. Jänner vormittags, fand im festlich beleuchteten und geschmückten Tempel in der Neudeggergasse die feierliche Enthüllung der von der Bezirksgruppe VIII, des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", gewidmeten Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallenen jüdischen Kameraden des VIII. Bezirkes statt Zu dieser Feier fanden sich im Gotteshause in Vertretung de* Staatssekretärs für Landesverteidigung, General der Infanterie Zehner, Oberstleutnant Richter, in Vertretung des Stadtkommandanten von Wien Oberstleutnant Gluth, von der Generalität die Generalmajore v. Czulik, v. Hoppe und Baron Odelga, in Vertretung des Stadthauptm'annes der Josefstadt der Polizeistabsrittmeister Herzog, Abordnungen der Vaterländischen Front, der Wehrverbände Heimatschutz und Freiheitsbund, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Bundeskulturrat Hofrat Professor Dr. Frankfurter, Rat der Stadt Wien, Hauptmann a. D. Dr. Ehrlich, die offiziellen Vertreter des Bezirkes und die Führung des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", sowie Abordnungen verschiedener jüdischer Korporationen ein. Nach einer herzlichen Begrüßung der Ehrengäste durch den Präsidenten des Tempelvereines VIII, Kommerzialrat S. Feldmann sang der Chor des Seitenstettentempels unter Leitung des Chordirigenten Kurt Fuchsgelb ergreifend den Choral „Seele, was betrübst du dich", worauf Oberkantor Braun mit Chorbegleitung das „Schiwissi" zum Vortrag brachte. Dann folgte die formell und inhaltlich gleich hervorragende Predigt des Rabbiners des VIII. Bezirkes, Studienrat Dr. M. Bauer, die auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Sodann sprach Bezirksführer Dr. Harnik zu Herzen gehende Worte des Gedenkens für die auf der Tafel verewigten 25 Kameraden. Nach Verlesung der Namen der Gefallenen ersuchte er den Herrn Bundesführer, die Enthüllung der Tafel vorzunehmen. Während die Orgel das Lied: „Ich hart* einen Kameraden" intonierte, fiel die Hülle. Nach der Ansprache des Bundesfahrers, Hauptmann Edler v. Friedmann, stimmten Chor und Orgel die österreichische Bundeshymne an. Sodann sang Oberkantor Braun unter tiefster Ergriffenheit des Auditoriums das „EI Mole Rachamim", dem das vom Rabbiner Dr. Bauer gesprochene „Kaddisch-Gebet" folgte. Nach Schluß der rituellen Feier sprachen noch Staatsrat Dr. Desider Friedmans und für die Ehrengäste Generalmajor v. Hoppe, der für die Einladung zu der erhebenden Feier dankte und erneuert seiner Bewunderung über die Leistungen der Juden im Weltkriege Ausdruck gab. Der Feter folgte eine Defilierung der Ehrenkompagnie unter Kommando des Wehrführers der Bezirksortsgruppe Siegfried Spitzer vor den Ehrengästen. Generalmajor v. Czulik äußerte sich in Worten höchsten Lobes über die tadellose und stramme Durchführung der Defilierung. Todesfälle. Ein herrlicher Mensch, ein herrlicher Sänger ist mit dem am 18. d. M. im 60. Lebensjahre ganz plötzlich dahingeschiedenen Mitglied des Männerchors des Stadttempels Herrn Hermann Thiemann dahingegangen. Wer Gelegenheit hatte, diesen Mann näher kennen zu lernen, der wußte, daß sein Geist so kultiviert war wie sein Gesang, und daß dieser künstlerische Mensch nur Gutes wirken konnte. So hat er auch in seiner Familie — er hatte erst vor kurzem seine geliebte Tochter Grete zum Traualtar geführt —, in seinem zahlreichen Freundeskreis und in der Schar der ihm restlos ergebenen Berufsgenossen gewirkt Bei seinem Leichenbegängnis kam die Zuneigung seiner Freunde und Kollegen durch kolossale Beteiligung derselben zu sinnfälligem Ausdruck. Oberrabbiner Doktor Feuchtwang hielt dem Verblichenen eine tiefergreiiende Trauerrede, in welcher er die vorzüglichen Eigenschaften des Verstorbenen, insbesondere dessen schöne Stimmittel, die er über 3 Jahrzehnte zur Verherrlichung des Gottesdienstes an geheiligter Stätte erklingen ließ, würdigte. Im Namen des Bethausvorstandes sprach dessen Präsident, Hofrat Fuchs herzliche Abschiedsworte. Namens der Kantoren und Sänger sprach Oberkantor Matyas eine gehaltvolle Abschiedsrede. Die kar.torale Funktion versahen die Oberkantoren Matyas und Fischer mit dem Chorpersonal. Unter den zahlreichen Trauergästen sah man den Kultuspräsidenten, Staatsrat Dr. Friedmann, Vizepräsident Dr.Löwenherz mit zahlreichen Vorstehern, der Bethauspräsident Hof rat Fuchs mit den Vorstehern Prof. Doktor Stern, Rudolf Kohn, Amtsdirektor Reg.-Rat Fuchsgelb, die Amtsleiter Freistadt und Förster, den Präsidenten des Kantorenvereines J. Löwit mit zahlreichen Kantoren. Am Grabe wurde ein Sulzerscher Trauerchoral vom Stadttempelchor unter Leitung des Dirigenten Kurt Fuchsgelb gesungen. Am offenen Grabe nahm der Staatsopernchor, dessen prominentes Mitglied Thiemann drei Jahrzehnte hindurch war, mit einem Schubertlied Abschied. Die vielen Freunde und Verehrer des Heimgegangenen, den der Tod zum namenlosen Schmerz seiner Angehörigen aus seiner hingebungsvollen Berufsarbeit riß, werden diesen prächtigen Menschen nie vergessen. — Am 22. d. M. wurde Herr Moritz K o b 1 i t z, langjähriges Vorstandsmitglied des Josefstädter Tempelvereines und unionistisches Mitglied der Bezirkskommission VHI/IX der Kultusgemeinde, zu Grabe getragen. Der allgemeinen, tiefen Trauer ob des Heimganges dieses schlichten, überzeugungstreuen, aufrechten Mannes, den ein unerbittliches Schicksal viel zu früh dem Kreise der Seinen entrissen, gab Herr Rabbiner Dr. Moritz Bauer angesichts einer zahlreichen Trauergemeinde tiefbewegten Ausdruck. Der Redner schilderte den Verblichenen, in dessen rastlosem Streben und nimmermüdem Schaffensdrange wie auch in dessen inniger Anhänglichkeit an die Josefstädter Gemeinde, der er seine freie Zeit und seine reichen Kenntnisse gewidmet und vor kurzem ein herrliche Kle hakodesch gespendet hat Für die Trauer der Familie, der rührigen, edlen in Liebe ihm zugetanen Gattin, der Kinder und des Enkelkindes, fand Herr Dr. Bauer warme Worte der innigen, herzlichen Anteilnahme. Die kantoralen Funktionen versah mit tiefem Empfinden Herr Kantor Braun in gewohnter Meisterschaft Zum Schlüsse nahm Herr Kommer- HQgtcnlsdics KönigsllcM Wien l.( Seiteitstetteagasse 8 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor Saoutag xaMhlosaw! zialrat Siegmund Feldmann, als Präses des Josefstädter Tempelvereines von dem verdienstvollen Freund und Mitberater herzlichen Abschied in tiefempfundener Rede, der die versammelte Trauergemeinde mit Bewegtheit lauschte. Der Jüdische Frauenwohltätlgkeltsvereln Favoriten, X., Humboldtgasse 27, veranstaltet Samstag, den 2. Februar, 8 Uhr abends, in den Kunstspielen Pari. I., Riemergasse 11, eine Akademie mitTanzund Tombola. Mitwirkend: Paul Wortmann —. Doktor Bruno V o 1 k auf zwei Klavieren, Steffi Mann, Rezitationen und Chansons, Kapellmeister Dr. Otto K a p e r 1, Violine, Hugo K n e p 1 e r, Hilda Dulitzkaja, jüdische Lieder, Oberkantor Simon Weiß, Gesang, Arthur Hoff, zwei Bilder aus dem jüdischen Leben, Conference: Hugo K n e p 1 e r. Die Tanzmusik besorgt die bestbekannte Kapelle The Winaple-Band. Entree S 2.50. Eintrittskarten bei allen Vorstandsdamen erhältlich. Israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den XVI. und XVII. Bezirk. Am 15. d. M. fand die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. In Vertretung der Präsidentin Frau Dr. Adele Bach erstattete der Beirat Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach den Rechenschaftsbericht und schilderte die Tätigkeit des Vereines, die hauptsächlich in der Beteiiung mit Geldspenden an arme bedürftige Frauen, Witwen und Waisen besteht Der Redner dankte allen Vorstandsmitgliedern für ihre verdienstvolle Tätigkeit und erwähnte besonders die großen Verdienste des Ehepaares Solim und Rosa Klaw i r um den Verein. Der Obmann des Bethaus-Vorstandes Herr Leopold S i t z m a n n sprach im Namen der Fürsorge-Zentrale der Vereinsleitung für ihr ersprießliches Wirken Dank und Anerkennung aus. Der Rechenschaftsbericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen und dem Vorstande das Absolutorium erteilt, worauf die Neuwahl der Vereinsleitung per Akklamation vorgenommen wurde. Die Generalversammlung des Israel. Frauen-Wohltätlgkeltsvereines, XXL Bez. fand Mittwoch, den 16. <L unter dem Vorsitze seiner verdienstvollen Präsidentin. Frau Rabbinerin Babette Rosenmann statt Außer dem gesamten Vorstande, den Herren Beiräten Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n und Dr. M. T i c h o, nahmen der Obmann des Tempelvorstandes Gabriel Dukes, der Obmann-Steltvertreter Fürsorgerat Adolf S o b e 1 und der Obmann der Bezirkskommission Doktor Julius G r ü n w a 1 d als Gäste teil. Die Präsidentin begrüßte die Erschienenen und dankte den beiden Vizepräsidentinnen Frau J. E g e r. Frl. T. S c h n a b I. der Schriftführerin Frau M. Goldschmid, der Kassierin Frau J. Gollerstepper und ihrem Gatten, sowie der Kontrollorin Frau M. Deutsch und allen Damen für ihre Mitwirkung. Obmann Gabriel Dukes spendete W^rte der besonderen Anerkennung der Präsidentin und dem gesamten Vorstande, darauf ergriff Rabbiner Dr. Rosenmann das Wort, um in gedankenreicher Rede namens der Armen für die unermüdliche Tätigkeit zu danken: er schloß mit weihevollen Bibelworten mit dem Wunsche besten Gedeihens für den Verein. Die Herren Dr. Julius G r ü n w a 1 d und Dr. Max T i c h o bezeichneten die Gebahrun» des Vereines als musterhaft. Die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes sowie die Neuwahl der Damen Dr. S t e i n e r. Dr. P e rs c h a k und Ing. Landau erfolgten per Akklamation. — Möge es dem so emsig tätigen Verein beschieden sein, auch im künftigen Jahre seine so segensreiche Tätigkeit wie bisher zum Wohle der Armen ausüben zu können. Tempel, und Schulverein. VI., Stumpergasse 42. Sonntag, den 27. d. M.. ^10 Uhr vormittags, rindet im Vereinslokal die 38. ordentliche Generalversammlung statt Die „Judäa" veranstaltet gemeinsam mit dem Jüd.-Akad. Philosophenverein am Sonntag, den 27. Jänner im Zentralheim der „Judäa". IX., Alserstraße 26 einen 5-Uhr-Tee. Künstlerische Einlagen: Steffi Mann, Kurt Braun u. a. Der Verein zur Förderung jüdischer Mu*ik veranstaltet Sonntag, den 27. Jänner. Uhr abends, im Saale der „B'nai Brith", fX.. Universitätsstraße 4. einen Kammermusikabend. Es wirken mit Frau Emmy H a u s e r (Gesang). Ernst Friedländer (Cello) und Robert Walter Spitz (Klavier). Das Programm enthält Lieder von Gnessin, Miliner und Schlionsky: weiters Klavierwerke von Lazar Weiner (Erstaufführung) und Cellokompositionen von Wolfsohn, Hutschewsky und Brandmann. „Jutäa" Jugendgruppe des Pazmaniten-Tempels. Im Rahmen eines gemütlichen Klub-Abends der „Jutäa" am Mittwoch, den 16. d. M., brachte Herr S. W e i ntraub ernste und heitere jiddische Lieder zum Vortrag, die bei den Erschienenen mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Es wurden immer wieder Zugaben vom Sänger erbeten, der durch seine gemütliche und vielseitige Vortragsweise die Anwesenden für jiddische Lieder zu interessieren verstand. Wir danken aui diesem Wege für seine Bemühungen und werden ihn stets gerne als Vortragenden in unserer Mitte begrüßen. Nicht vergessen sei Herr Reisenmann, der bekannte Chordirigent und Korrepetitor, der in vorzüglicher Weis« die Klavierbegleitung besorgt hat Jimmy S. G.

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