Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 46 (16.11.1934)
- Date
- 1934-11-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite J Spasialhaaa für Wolle und Striakgara* Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taboratraße Nr. IT Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69 Korn. Dem vom Vorsitzenden zur Verlesung gebrachten Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß die „Union in ernster, mühevoller Kleinarbeit die Interessen ihrer Mitglieder stets zu wahren wußte und darüber hinaus immer bestrebt war und auch weiterhin bemüht sei, zum Wohle des gesamten Judentums an den Zielen und Bestrebungen der Organisation weiterzuarbeiten. Ihr Bemühen nach einer möglichst einheitlichen und reibungslosen Zusammenarbeit mit ideologisch andersgesinnten Parteien und Gruppen hat die „Union" am besten durch das Zustandekommen der Einheitsliste für die Kultuswahlen bewiesen. Sie sei auch heute bestrebt, zu den bevorstehenden Wahlen in den Qemeinderat ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß das Bielitzer Judentum in einer einheitlichen geschlossenen Front zum Wohle der Stadt und des Staates zur Wahlurne schreitet. In der abschließenden Wahldebatte wurde dieser Gedanke eines einheitlichen Wahlaufmarsches von zahlreichen Sprechern zum Ausdruck gebracht. Maimonides-Institut. Mehr als sieben Jahre war Herr Rabbiner Moses Horowitz Dozent des Institutes und trug vor einer großen Zahl aufmerksamer Zuhörer Talmud und Midrasch vor. Vor kurzer Zeit ist er nun als NacMoIger seines Vaters zum Oberrabbiner in Stanistau ernannt worden und wird in nächster Zeit seine Stelle dort antreten. Er verläßt Wien und damit seine vielen Verehrer nnd Freunde. Dies bildete den Anlaß für einen solennen Abschiedsabend der Dozenten für ihren beliebten Kollegen. Am 5. November, um 6 Uhr, war der Vortragssaal von Damen und Herren überfüllt, die den gelehrten neuen „Stanislauer Raw" noch einmal vor seiner Abreise sehen und hören, ihm ihre Segenswünsche für sein ferneres Wirken mitgeben wollten. Die derzeitigen Dozenten wie auch Kuratoren waren anwesend. Der erste Redner war Herr Intrator als Leiter des Institutes. Er begrüßte die Anwesenden, insbesonders Herrn Rabbiner H o r o w i t z, sprach von dessen Gelehrsamkeit, den Themen seiner Vorträge, seiner großen Beliebtheit und sagte ihm Dank und Anerkennung für sein langjähriges, segensreiches Wirken. Der zweite Redner war Herr Studienrat Rabbiner Dr, Moritz Bauer, welcher der Stimme des Gefühles Ausdruck verlieh. Herrn Rabbiner Horowitz möge in seinem neuen Wirkungskreise der S'chus Owaus beistehen, denn Vater und Sohn — jeder besteht für sich allein und erweist sich selbst als würdig, wenn er die Tradition für alle Geschlechter zum Wohle des jüdischen Volkes, zur Verherrlichung der Thauro übernimmt und fortführt, dies ist der Segen. Der dritte Redner war Herr Rabbiner M. Z i c k i e r. Tauro. führte er u. a. aus, ist . K'duscho, d. i. mühevolle Arbeit am Aufbau des Judentumes. Tauro muß in allen, auch in den schlechtesten Zeiten gelernt werden. Wenngleich der Ort, an welchem der Raw nunmehr sein Wirken weiter entfalten wird, ein entfernter sein wird, die Schechina bleibt, hier, da sich die Lehrer am Maimonides-Institute bemühen werden, Tauro und Jiro im Sinne des Rabbiner Horowitz vorzutragen. Der Segen liegt darin, daß er fernerhin viele, viele Jünger der Thauro heranbilden werde. Nun kam zuletzt der Gefeierte des Abends, Herr Oberrabbiner Horowitz, der in seiner Eigenart des Vortrages der polnisch-jüdischen Rabbinen sehr viel Auslegungen von den Größen des Talmuds brachte, denen er die für diesen Abschied passenden gedankenreichen Redewendungen gab. Er dankte den Vorrednern für das Lob, das sie in so schöner Weise seinem Wirken gewidmet haben. Er werde sieht bemühen, sich der vielen ehrenvollen Titel, die er heute erhalten habe, auch würdig zu erweisen. Er werde in Stanislau ziemliche Arbeit zu leisten haben, es gibt jetzt auch in Galizien neue Leute mit neuen Anschauungen und deshalb erfülle ihn eine große Bangigkeit. Es werde ihm aber der Geist, den er von Wer mitnehme, der Geist des Rambam. in seinem neuen Wirkungskreise hilfreich zur Seite stehen. Umschwebt von den großen, herrlichen Lehren des Rambam wolle er seine Tätigkeit in Stanislau fortsetzen. Schließlich erteilte der würdige, hochgelehrte Raw allen Anwesenden den Priestersegen. Die aufrichtigsten Segenswünsche seiner vielen Freunde und dankbaren Hörer begleiten den beliebten Lehrer an seine neue Stätte heiligen Wirkens. Rudolf Kraus. Bund Jüdischer Frontsoldaten. Am 10. d. M. fand im Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz die zweite Generalversammlung des B J. F. Landesgruppe Steferma.rk unter sehr "starker Beteiligung statt Der Landesführer Ing. Dr. Ernst Wechsler begrüßte die Erschienenen, u. a. den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Doktor Robert Sonnenwald, den Landesrabbiner ord. Univ.- Prof. Dr. David Herzog, die Vertreter der jüdischen Vereine in Graz und insbesondere unter großem Beifall der Anwesenden die aus Wien erschienenen drei Delegierten der Bundesführung: Bundesführer-Stellvertreter Dipl.-Kaufm. Stiassny, Landesführer für N.-Oe. Dr. Ernst Lamberg und Kreisführer Heinrich Langer. Landesführer Ing. Dr. Wechsler hielt bei Beginn der Versammlung einen tiefempfundenen Nachruf für weil. Bundeskanzler Dr. Dottf uß.-Nach einem Rückblick auf die bisherige Tätigkeit der Gruppe entwickelte Landesführer Ing. Dr. Wechsler in knappen Umrissen das Programm für das kommende Jahr und forderte die Anwesenden zur engsten kameradschaftlichen Zusammenarbeit für die Ziele der B. I. F. auf. ta markanten Worten wurde von den Delegierten der ßundesführung zur Einigkeit, zur Abwehr verleumderischer Angriffe.gegen das Judentum und zum Kampf für jüdische Ehre aufgerufen. Stürmischer Beifäll «rote die trefflichen Ausführungen. Nach Beendigung der Hauptversammlung fand im Hotel Erzherzog Johann eine stark besuchte gemütliche Zusammenkunft der Landesgruppe statt, an der auch die Damen der Kameraden teilnahmen und die einen sehr animierten Verlauf nahm. * Die Bezirksortsgruppe Hietzing veranstaltet am Samstag, den 17. d. M., 8 Uhr abends, in den Sälen des Restaurants „Weißer Engel", XIII., Am Platz 3. anläßlich der feierlichen Uebergabe eines von der Bezirksortsgruppe gestifteten Fahnenbandes ein Fest unter Mitwirkung des Bundesorchesters unter Leitung des Herrn Dr. Kurt Fahlen. In der Bezirksorganisation Brigittenau des Bundes (Heim: IX., Rossauerlände 29) spricht Donnerstag, den 22. d. M., 8 Uhr abends, der Vizepräsident der „Union", Herr Dr. Karl Steiner, über „Das Märchen von der Blutbeschuldigung". Trauung. Sonntag, den 11. d. M. fand im festlich beleuchteten und herrlich geschmückten Favoritner Tempel die Trauung] des Fräuleins Berta Bauer, Tochter des Ehepaares Albert Bauer, mit Herrn Wilhelm Kolb. Sohn der Frau Berta Kolb, statt. Zu der schönen Feier waren all die vielen Bekannten und Freunde des Brautpaares und der Brauteltern gekommen, die durch ihr Erscheinen bewiesen, welch großer Sympathien sich diese, insbesondere der in weitesten Kreisen geschätzte und beliebte Herr Albert Bauer erfreuen. Er war besonders Gegenstand herzlichster Gratulationen dler Festgäste, die sein edles Wirken auf allen Gebieten, speziell für die jüdische Gemeinschaft, der er mit treuer Hingabe dient, anerkennen und würdigen, Unter Vorantritt des vom Ehrenpräsidenten Jacob 9. Straßberg und Obmann B. Scher geführten vollzähligen Tempelvorstandes begab sich der Festzug durch das bis auf das letzte Plätzchen gefüllte Gotteshaus zum Altar, vor dem eine Abordnung der Bezirksorganisation III des Bundes jüdischer Frontsoldaten in Uniform Aufstellung genommen hatte. Oberkantor S. Weiß rezitierte in angenehmer inniger Weise das „Ma tauwo" und sang hierauf „Gepriesen sei die Stunde". Rabbiner Prof. Dr. Wein er richtete an das Brautpaar eine überaus herzliche Ansprache, in der er dem Wunsche aller Ausdruck verlieh, daß die gut jüdische Einstellung der Eltern und die pfichteifrige Tätigkeit des Brautvaters auf jüdischem Gebiete Beispiel büldten für den Lebensweg des jungen Paares, der stets erim glücklicher sein möge. Der Feier wohnten u. a. die Mitglieder der Bezirkskommission III/XI der Kuttusgemeinde, in der Herr Albert Bauer seit vielen Jahren rege tätig ist, unter Führung des Obmannes Dr. S. H e n d 1 e r, sowie eine starke Deputation der Bezirksorganisationen II und X der „Union" bei, die Herrn Albert Bauer als treues Mitglied sehr schätzt. Todesfall. Am 9. d. M. starb in P r a g plötzlich Hauptmann Dr. med. Gustav Eisner. In dem Verstorbenen verliert der verdienstvolle Bezirksleiter der Gruppe Leopoldstadt des B. J. F., Herr Ludwig Eisner, seinen Bruder. Jüdischer AngesteHtenverband Emunata, I., Biberstraße 17. Mittwoch, den 21. d. M, K9 Uhr, Französisch-Kurs für Anfänger. Es wird nach der neuesten Lehrmethode unter Verwendung von Schallplatten unterrichtet Probestunde gratis. Kursleiterin: Frau Ella Rudner-Pfeffer. — Samstag, den 17. d. M., 20 Uhr, Vortrag Dr. Alfred Apster über „Kritische Epochen in der Geschichte des jüdischen Volkes". Eintritt frei. Gäste willkommen. Dr. Krüger-Heim. Sonntag, den 18. d. M, um ÜU Uhr vormittags, findet zu Gunsten der Institution im Rotenturm-Kino eine Matinee mit besonders gewähltem Programm statt Karten im Heime, II., Malzgasse 7 und an der Kassa. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 19. November, halb 8 Uhr abends, im Klubsaale I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Vortrag des Herrn Lektor Dr. Simon Rubin: „Die moderne Bibel- DQglenlsdics KönigsllcM fm Seit vielen Jahren das anerkannt beste tD3^-TÖ»J Man achte auf die Hyatan. KSaJgsUcMM Fabrik nnd Büro: Wtaa XIV., BrawMrsdMagassM » Tatephwt R 33-1-87 ffifitoM I.« Saitaaatattaaaaaaa 2 XI» ZentraHrladhaf neben dem L Tor gaadÜMMal_ kritik und die heutige Jugend." Eintritt frei. Gäste willkommen. Der Tempelvereln Wieden-Margarethen veranstaltet im Sitzungssaale des Vereines, V.. Siebenbrunnengasse la, I. Stock, in der Wintersaison 1934/30 allgemein zugängliche Diskussionsabende, worauf die jüdische Bevölkerung aller Bezirke ihiemit aufmerksam gemacht wird. Der erste Abend findet am Donnerstag, den 22. November 1934, um 8 Uhr abends statt. Den einleitenden Vortrag hält Herr Rabbiner Dr. M. G. Mehrer. Der Eintritt ist für jedermann unentgeltlich. Es wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. „Obel Rachel". Verein zur unentgeltlichen Ansspelsung jüdischer Notleidender, IL, Kleine Pfarrgasse & Um auch heuer den täglich an Zahl zunehmenden Darbenden und Hungernden ein warmes Essen reichen zu können, ist der menschenfreundliche Verein bei den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln genötigt, an das edelmütige jüdische Herz seiner Mitglieder, Wohltäter und Gönner zu appellieren. Die Vereinsleitung veranstaltet am Sonntag, den 25. November 1934, um 544 Uhr nachmittags im Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstraße, ein Chanukafest mit Akademie und Tanz, das sich gewiß würdig den bisherigen gediegenen Veranstaltungen des Vereines anreihen wird. Durch zahlreichen Besuch des Festes' wird der Verein in die Lage versetzt, auch weiterhin seiner edlen Aufgabe gerecht zu werden. Barmizwa. Am Schabos „Tautdaus" fand im Bethause in der Hammer-Purgstall-Gasse die Barmizwa des Sohnes Jakob Meir des Rabbiners M. Rothschild bei Anwesenheit vieler Freunde der Familie statt. Der Knabe bot aber auch Hervorragendes, mit vollem Verständnis des Inhaltes las er als „Koreh" allen zur Tora Aufgerufenen die Sidra vor, als Maftir sang er die Haftora und hielt sodann eine gedankenvolle Drosche, Sowohl der Barmizwa wie seine Angehörigen wurden herzlichst beglückwünscht Der junge Jude ist Schüler der Talmud-Tora-Schule und wird sich — von seinem Vater dazu angeleitet — weiter mit dem Studium der Tora befassen. Viel Glück auf seinem Lebenswege! _ Xirferatfur. „Palästina, wie es wirklich ist." Im Wiener Fiba-Verlag ist im vergangenen Herbst Hugo Herrmanns „Palästina" erschienen (S 3.50). Was er über Palästina schreibt muß man gelesen haben. Aber seit er es gesehen hat so wie er es hier schildert, ist es wieder ein anderes und womöglich noch schöner geworden. Wenn man Dizengoff fragt: „Wieviel Einwohner zählt Tel Awiw?", so atnwortet er mit seinem Schelmenlächeln: „Jetzt mittags dürften es 100.000 sein, wie viel heute Abend kann ich nicht prophezeien." Und als sich in meiner Gegenwart ein deutscher Professor der Nervenheilkunde bei ihm nach den Aussichten seiner Niederlassung in Palästina erkundigte, orakelte er vom erhabenen Pfühl: „Ausgezeichnete! Meschugge sind wir alle." Ja, toll ist das Tempo dieses Schöpfungswirbels. Wie die Luft Palästinas Meilenweite zu Meternähe verkürzt, so verliert in seinem Wachsen und Wandel der Maßstab der Zeit jeden Wert und Sinn. Mit Triumphatormiene führte mich der köstliche Häuptling dieser „Meschuggenen" vor die Landkarte: „Hier, sehen Sie, überschreiten wir den Jarkon. Und dann geht es weiter hinauf, immer weiter, bis wir nach Haifa kommen." Und ich weiß, bevor die Tinte trocknet, mit der ich dies schreibe, wird alles wieder überholt sein. Wenn ich im Herrmann blättere, sehe ich, wie rasch solche Blätter welken und daß man immer Palästina nur beschreiben kann, wie es wirklich war — als man es zuletzt sah. Herrmann freut sich sicherlich darüber und wird uns schleunigst mit einer neuen Auflage beschenken. Er gibt dem Leser das, was man für Palästina mitbringen muß und darf: unbeschwerte Freude an dem Guten, .das dort gediehen ist, und Hoffnung auf eine noch schönere Zukunft Daß freilich diese Freude nicht ganz ohne Trübung ist, gibt Hermann selbst zu. Doch Menschen, die in so kurzer Zeit so große Widerstände gebrochen haben, werden auch diese Hemmnisse überwinden. Nur weil die Bühne, auf der sich der Wiederaufbau Palästinas vor unseren Augen vollzieht, so klein und das Licht; das von allen Seiten der Welt auf sie fällt, so stark ist, darum falten uns diese Schatten so auf. Wer mit den Augen Herrmanns sieht wird sie zu verscheuchen nach Kräften sich mühen. Englische Uebersetzung des Maassebuches. Der bekannte Folklorist M. Gaster hat soeben eine englische Uebersetzung des Maassebuches mit sehr lichtvollem Kommentar für Leser aus minder gebildeten Schichten erscheinen lassen. Das Buch, dessen Erzählungen und Legenden selbstverständlich viel älteren Ursprunges sind, wurde zum erstenmal in Basel 160? gedruckt. Für seine Beliebtheit spricht der Umstand, daß es gerade 10 Jahre später vom Gießner Humanisten Helvicus ins Deutsche übersetzt wurde unter den* Titel „Jiddische Märchen". In der neuen Uebersetzung Wird es sicher eine beliebte Sabbathlektüre m der