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Die Wahrheit · 1934-11-09 · Heft 45 (9.11.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 45 (9.11.1934)
Date
1934-11-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Spezfalhau« für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TatoorslraJJe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ Zum Ravag-Jubiläum Die Grundlage der Funktechnik bilden folgende Komponenten: Vor allem des großen Physikers Heinrich Hertz bekannte Wellenlehre, Robert v. Liebens Verstärkerröhre und Siegmund S t r a u ß', dieses noch in unserer Mitte lebenden technischen Physikers, geniale Erfindung der sogenannten Rückkoppelung, also des Verfahrens zur Erzeugung eingedämmter elektrischer Schwingungen. Die Erfindungen wurden in der vorjährigen Ravag- Ausstellung gleich im ersten Saal in allen ihren Phasen, unter rühmlicher Hervorhebung der Namen der Erfinder demonstriert. Nun sind alle drei, was nur die wenigsten wissen oder was mit Absicht im Dunkel gehalten wird, jüdischer Abstammung und man kann demnach die epochale Erfindung des Rundfunks hauptsächlich jüdischem Geiste zuzuschreiben. Wie schade, daß das nicht allgemein bekannt war; vielleicht hätten sich dann die geistigen Lenker der Geschicke Deutschlands gar nicht des Rundfunks für ihre anti-österreichischen Hetzreden bedient, wodurch uns viel Unheil erspart geblieben wäre. Hiervon aber abgesehen, ist der Rundfunk wohl das allertauglichste Mittel für die Völkerversöhnung. Es ist daher vielleicht kein Zufall, daß es von den Juden Abstammende waren, die damit die Menschheit beglückten, um so die Prophezeiungen eines Jesaias, wenn irgendmöglich, zu verwirklichen. T. E. Versammlungen der „UNION". Montag, den 12. November, 8 Uhr abends, Im Klubsaal des Cafe KandJhof, VII., Kaiserstraße 61. Referenten: Oberbaurat Ins. Ludwig Fischer: Die Umschichtung durch jüdische Lehrwerkstätten; Rechtsanwalt Dr. Heinrich Herbatschek: Die neue Gewerbeordnung; Reg.-Rat Dr. Max Lenk: Die politische und soziale Lage der Juden. Mittwoch, den 14. November, präzise 8 Uhr abends, im Souterrainlokal des Caf6 Sächsischer Hof, IL, Taborstraße 46 a. Referent: Reg.-Rat Dr. Max Lenk: Die neue Gewerbeordnung. * „Das jüdische Jahr und die Kunst" behandelte in einem hochinteressanten Lichtbildervortrag Prof. Dr. Max E i s 1 e r auf dem letzten Abend der J ugendgruppe der „Union", der im Festsaal des Handelsmuseums stattfand und einen guten Besuch auf wies. An Hand von Reproduktionen klassischer Gemälde und berühmter Denkmale der hervorragendsten'Künstler aller Zeiten bewies der gelehrte Vortragende, wie sehr die Erzählungen der Bibel und deren Gedankenwelt diese gottbegnadeten Künstler bei der Wahl und Ausführung ihrer herrlichen Werke beeinflußt haben. Die schönen Bilder wurden nach dem Ablauf des jüdischen Jahres, beginnend von den hohen Feiertagen, gezeigt und erregten beim Publikum Bewunderung, das gefesselt den Erklärungen des fachkundigen Referenten lauschte. Reicher Beifall dankte ihm für seinen ausgezeichneten Vortrag. Stellenmarkt: Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, WienL, Kohunessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringend: s) Stellea für Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art (darunter auch Installateure, Bauingenieure, Schneider, Schuster) sowie ungelernte Arbeiter. c; handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Konzert Montag, den 26. November, abends 8 Uhr, im Großen Saale des Oesterreichischen Oiflziers- Casino, Wien L, Schwarzenbergplatz 1, veranstalten unter Mitwirkung des Jüdischen Frontkämpfer-Orchesters tind des Wiener Jüdischen Gesangvereines Professor Erich Hollaender und Pepi Trau-Hollaender einen Mendelssohn-Abend. Karten in der „Union", DL, Berggasse 4. erhältlich. 9emeinde€Aronik. Jerusalem. Ueber Einladung der hebräischen Universität hielt am 1. d. M. Rabbiner Dr. A. Kaminka vor einem großen Auditorium in Anwesenheit zahlreicher Professoren einen seiner Vorträge. Prof. Dr. Klausner, der ihn in einer herzlichen Ansprache begrüßte, hob hervor, daß der Gast bereits seit 45 Jahren in der hebräischen Literatur tätig ist, da er schon 1888 als Student ein Buch der Ilias in hebräischen Hexametern veröffentlicht hat und seitdem neben zahlreichen Dichtungen und wissenschaftlichen Werken Marcus Aurelius und Seneca dem hebräischen Schrifttum zugeführt hat. Am 3. d. M. hielt Dr. Kaminka in Tel Awiw in der von Biaiik gegründeten Gesellschaft einen Vortrag, am 4. d. M. vor dem Schriftsteller-Verband, der ihm zu Ehren einen Festabend veranstaltete. Linz. Bei der am 29. v. M. abgehaltenen Plenarsitzung des Linzer Kultusvorstandes teilte der langjährige Präsident Herr Kommerzialrat Benedikt Schwager mit, daß er sich entschlossen habe, sich nunmehr endgültigem das Privatleben zurückzuziehen. Diese Mitteilung wurde vom Vorstande mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen und der Beschluß gefaßt, Herrn Kommerzialrat Benedikt Schwager in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Gemeinde zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Die Uebergabe des diesbezüglichen Diploms wird in einer Festsitzung erfolgen. Bei der Neuwahl des Präsidenten wurde der bisherige Vizepräsklent, Herr Dr. Gustav Morgenstern einstimmig gewährt. Herr Kommerzialrat B. Schwager ersucht uns um Veröffentlichung nachstehender Zeilen: Zum Abschied! 1889 zum erstenmal in den Kultusgemeinde-Vorstand gewählt, habe ich demselben bis zum heutigen Tage ununterbrochen angehört. Zuerst Tempelkommissär, dann Chorreferent, Schulreferent, Mitglied der Steuerschätzungskommission, habe ich praktische Arbeit für die Gemeinde auf jedem Gebiete unserer Gemeindeverwaltung geleistet, bis mir 1902 das Amt des Kultusgemeinde-Vcirsteher-Stellvertreters übertragen wurde. 1905 wurde ich nach dem Rücktritt des damaligen Vorstehers, Herrn Ignaz Halm, einstimmig zum Vorsteher gewählt und habe dieses Amt das später mit dem Titel eines Kultusgemeinde-Präsidenten ausgezeichnet wurde, durch fast 30 Jahre ausgeübt Nach 45jähriger Tätigkeit scheide ich mit dem Bewußtsein treu erfüllter Pflicht. Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, für die ganze Gemeinde stets das Beste angestrebt zu haben. Ich wünsche der neuen Kultusgemeinde-Vorstehung und dem nunmehrigen Präsidenten, Herrn Dr. Gustav Morgenstern, daß seine Amtstätigkeit für eine ständig wachsende und blühende Gemeinde eine segensreiche sein möge. Benedikt Schwager. Dr. Krüger-Heim. Am 31. v. M. erschien infolge eines Subventionsansuchens des Dr. Krüger-Heims der Volksbildungschef der Arbeiterkainmer Herr Dr. M ateyka in Begleitung des jüdischen Volksbildungsreferenten Herrn Professor Dr. Kupfer in. der Anstalt um die daselbst geleistete jüdische Erziehungs- und Volksbildungsarbeit kennen zu lernen. Sowohl das große Mädchenschulwerk, wie das mustergültig geführte Internat fanden volle Anerkennung. Herr Dr. Mateyka verweilte über zwei Stunden, wohnte verschiedenen Unterrichtsstunden bei und war des Lobes voll. Er versprach, von seinen Eindrücken dem Herrn Bürgermeister zu berichten, zumal in der Anstalt lebenswichtige praktische Bildungsarbeit mit tiefster religiöser Erziehung gepaart ist. Bund jüdischer Frontsoldaten. Am vergangenen Samstag durfte die Bezirksgruppe IX des Bundes jüdischer Frontsoldaten ein frohes Fest feiern — den zweiten Jahrestag der Gründung der Bezirksgruppe. Diese Feier war verbunden mit der feierlichen Uebergabe eines von der Bezirksgruppe der Bundesfahne gestifteten Fahnenbandes. Der große Saal des Restaurants „Auge Gottes" konnte die Erschienenen kaum fassen, unter denen man außer dem. Bundesführer, Hauptmann v. Fried mann, mit zahlreichen Mitgliedern der Bundes- und Bezirksleitungen, den neuernannten Staatsrat Präsident der Kuitusgemeinde Dr. Desider Friedmann und eine starke Abordnung der „Union" mit Vizepräsident Dr. K. Steiner an der Spitze begrüßen konnte. Weiters sah man den Bezirksleüter der Vaterländischen Front des 9. Bezirks, Oberstleutnant Mitschmann, sowie Abordnungen des ..Ring vaterländischer Soldaten"!imd zwei Herren vom I. R. 4. In Vertretung des verhinderten Stadthauptmannes Staatsrat Streitmarm überbrachte Polizei-Kommissär Dr. Sattler dessen Glückwünsche. Nachdem der Veranstaltungsreferent Ernst Kohn. in dessen Händen die Durchführung der schönen Feier lag. dte Festgäste begrüßt hatte, marschierte unter den Klängen des vom Bundesorchester intonierten „Jüdischer-Frontkämpfer- Marsch" ein Ehrenzug des Bundes mit der Fahne auf. Bezirksführer Otto Braun hielt hierauf die Festrede, die in etn begeistertes Bekenntnis zur Sache des Bundes* zur. Sache des Judentums und des Vaterlandes ausklang. Ueberall möge die Fahne wehen, wo es gelte, als gleichberechtigte Streiter für ein unabhängiges Oesterreich, für ein geeinigtes Judentum, für jüdische Ehre und jüdisches Leben einzustehen. Hierauf heftete Bezirksführer Braun unter den Klängen der Bundeshymne das Band an die Fahne und Bundesführerstellvertreter Dipl.-Kfm. Ernst S t i a s n y ergriff für die Festgäste das Wort. Damit war der offizielle Teil der Feier beendet und nach zwei meisterhaften Vorträgen des von Dr. Kurt Pahlen blendend geleiteten Orchesters wurde ein von Fritz Schick gut konfeniertes Programm zur Abwicklung gebracht Opernsängerin Frl. Rosen, Leo V a 1 b e r g. Frl. Dita STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentraffriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 Schmetterling, eine wirkliche Virtuosin der Geige, Frau Opernsängern! K o r n f i e l d und der. Beifallstürme weckende stimmgewaltige Oberkantor P o stolaw schlössen die gelungene Veranstaltung, die der BOG IX Kraft und Ansporn geben wird zu weiterer Arbeit im Interesse des Judentums. Jüdische Bühne, IL, PraterstraBe 60, TeL R 43-4-39. Ab Freitag, den 9. November 1934 „Der Gedanke" von Leonid Andrew, in 3 Akten und 5 Bildern. Goldene Hochzeit Der 80jährige Eduard Schnabel, Angestellter der Israelitischen Kultusgemeinde, welcher sich allgemein größter Beliebtheit erfreut, feiert am Samstag, den 17. d. M. seine goldene Hochzeit. Todesiall. Am 29. v. M. verschied hier nach langem, schweren Leiden Frau Luise Potlatschek, die langjährige und verdienstvoll wirkende erste Vizepräsidentin des Jüdischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines X. Sie war eine kluge, gütige Frau, die es verstand, die Interessen des Vereines nach außen und innen würdig zu vertreten, und mit praktischem Sinn und echter Mütterlichkeit für die Armen des 10. Bezirkes sorgte. Ihr reges Interesse für den Verein, ihr Bestreben, demselben stets zu nützen, sowie ihr einfaches, bescheidenes Wesen gewannen ihr viele Freunde und es war die Beteiligung bei der Beerdigung dieser „Esches Chajil" eine überaus große. Herr Rabb, Prof. Dr. W e i n e r hielt eine eindrucksvolle Trauerrede und die Präsidentin des Vereines, Frau Anna Mandel, sprach, umgeben von den Damen des Vorstandes, die fast vollzählig erschienen waren, innige Worte des Abschieds. Herr Oberkantor Weiß, rezitierte am Grabe ein Elmole rachamim in erschütternder Weise und dann wurde der Sarg in das Grab ihres Sohnes, des sehr bekannten und auch dem Jüdischen Frauen-Wohltätigkeitsvereine X. in Treue ergebenen Rechtsanwaltes Dr. Josef Pollatschek versenkt, der ihr vor einigen Monaten im Tode vorangegangen ist. Die allgemeine Teilnahme wendet sieb dem nun allein in Wien zurückbleibenden Vater Ludwig Pollatschek und den beiden in der Tschechoslowakei verheirateten Töchtern zu. Zu Gunsten des Vereines „Ferienheim" findet Samstag, den 10. d. M.. 4 Uhr nachmittags, im S i m p 1 icissimus. I., Wollzeile 34, ein Jour bei Sofie Q r ü n f e 1 d mit heiterem Programm statt. Entree inklusive Jause S 2.50. Der Jüdische Frauenverein Brigittenau, der unter der umsichtigen Leitung von Frau Präsidentin .Olga Friedmann Hervorragendes zum Wohle der Armen dieses Bezirkes leistet und nun vor Eintritt des Winters besondere Anstrengungen im Interesse dieser hilfsbedürftigen Menschen machen muß. veranstaltet Sonntag, den 11. November, 4 Uhr nachmittags, im Festsaal des Hotel Continental eine Wohltätigkeitsakademie mit erstklassigen Kunstkräften. Durch zahlreichen Besuch dieser Akademie, die sich gewiß würdig den bisher gelungenen Veranstaltungen des Vereines anschließen wird, wird ein gutes Werk gefördert Karten bei allen Vorstandsdamen und an der Kassa erhältlich. „Theojogia", Verein jüdischer Hochschüler an der israelitisch-theologischen Lehranstalt In der am 22. v. M. stattgefundenen Generalversammlung für das Wintersemester 1934/35 wurden in den Ausschuß gewählt: Präsident: Markus Günsberg. Vizepräsident: Berisch Groß, Schriftführer: Norbert Müller, ferner Daft, Seidenfeld. Stahl, Treisser. J. A. V. „Emunah", I.. Biberstraße 17. Mittwoch, den 14. d., um 'A9 Uhr abends, Vortrag: „Die Schallplatte im Dienste des modernen Sprachunterrichtes". Es spricht Frau Ella Rudner-Pfeffer. — Am gleichen Tage um 'A8 Uhr abends beginnt der Esperantokursfür Anfänger. Kursleitung: Dr. Pfeffer. Anmeldungen im Sekretariat erbeten. Dar stärkst* Jüdisch« Ringer In Wien. Bei der gegenwärtig im Zirkus Zentral stattfindenden internationalen Ringkampfkonkurrenz um die Mitteleuropa-Meisterschaft 1934 im Schwergewicht hat man Gelegenheit den stärksten jüdischen Ringen der je in Wien autgetreten ist zu bewundern. Isak Binder, genannt der jüdische Herkules, gleichzeitig der jüngste Konkurrenzteilnehmer, ist in Bucsacs (Polen) geboren und zählt erst 23 Jahre. Als Gymnasiast mit 16 Jahren begann, er bereits seine ganz immensen Kräfte mit denen seiner Schulkollegen zu messen und bildeten diese „Kämpfe" eigentlich die Basis zu seiner späteren Ringerlaufbahn. Binder, der vor zwei Jahren zum Professionalismus übergegangen, wurde bei der Ringkampfmeisterschaft in Wilna trotz stärkster Konkurrenz Erster und hat auch Aussicht, bei der derzeitigen Europameisterschaft sich günstig zu placieren. Der äußerst sympathische und überaus liebenswürdige Athlet, der überall und jederzeit mit Stolz sein Judentum betont, tritt bei den Kämpfen stets mit der blauweißen Schärpe an. „Isak", der „bloß" 105 kg wiegt und 180 cm groß ist, leistet auch als Kraftmensch Unerhörtes. Seine Produktion, sich ein drei Tonnen schweres, besetztes Lastauto über den bloßen Körper fahren zu lassen« ist wohl einzig dastehend. Binder iährt nach den Wiener Kämpfen nach New York, um bei der dßrügen Madisons-Square- Qarden-Gesellschaft ein Engagement anzutreten. S.

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