Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 41 (12.10.1934)
- Date
- 1934-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DDE WAHRHEIT SetteH Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2~ Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden ._Telephon A 49-3-69 war ein Muster- und Vorbild für unsere Standesgenossen und wird es immer bleiben. Rendi war ein edler, ein guter Mensch, bescheiden, dabei strenge in der hohen Auffassung seines hehren Amtes. Sein , nobles Wesen war auch in seiner ganzen amtlichen Tätigkeit zu verspüren. Vorbildlich war auch seine,, Lebensführung, ein liebevoller Gatte seiner edlen gleichgesinnten Gattin, ein besorgter zärtlicher Vater. An..seinen Brüdern in Graz hing er mit grenzenloser Liebe. Nicht zuletzt bewies er sein gutes edles Herz durch Unterstützung von Armen und Kranken, die er aufsuchte, um helfend einzugreifen und sie aufzurichten. Oberkantor Josef Rendi war der Stolz und die Zierde unseres Standes, er wird nicht nur von seiner Gemeinde und seinen Kollegen tief betrauert, sondern überall, wo der Name Rendi bekannt war, wird sein Heimgang schmerzlich empfunden. Das Leichenbegängnis dieses großen hervorragenden Menschen war eine Heerschau der vielen christlichen und jüdischen Verehrer, die er sich in seinem, allem Edlen gewidmeten Leben erworben. Josef Rendi wird im Herzen seiner Kollegen fortleben. Der österreichische Kantorenverein, dessen persönlicher Freund und Förderer er stets war, wird ihm ein ehrendes, unvergängliches Andenken bewahren. Sein Andenken sei gesegnet! Der Döblinger Tempel erstrahlte an den hohen Feierta«en nach vollständiger Restaurierung in glanzvoller Schönheit. Daß dies trotz der allgemeinen Wirtschaftsnot dennoich möglich gemacht wurde, ist das ausschließliche Verdienst des Döblinger Oberkantors Bohomilny, der die Gemeinde nicht nur mit seiner begnadeten Gesangskunst, sondern auch mit seiner Liebhaberei der Zeichenkuust erfreut. Oberkantor Bohomilny hat es sich vorgenommen, den Tempel in allen Räumen selbstlos und allein zu restaurieren. In fünfmonatiger unermüdlicher Arbeit, voll heüliger Begeisterung für das fromme Werk hat der geniale Künstler eine glänzende Leistung vollbracht, die sich sehen lassen kann. Bei dieser opferwilligen ■ Tätigkeit fand der Oberkantor wertvolle Beratung durch Herrn Tempelobmann Bela Frankel. Diese Arbeitsfreudigkeit zur Ehre Gottes, hat die Gemeinde mit freudigem Erstaunen und dankbarer Bewunderung erfülJt Die einzigartige Deckenmalerei im Langschiff und in der Frauengalerie bietet eine seltene Augenweide. Die Wandflächen mit herrlicher Marmorimitation und den hebräischen Psalmsprüchen in Goldbuchstaben sind1 meisterhaft ausgeführt. Besonderen Kunstsinn weisen die mit verblüffender Zartheit und Farbenpracht gezeichneten Motive jüdischen Kultus und die Embleme mit den hebräischen Kultgeräten auf. Was Oberkantor Bohomilny für „Le Schern Schomajim" geleistet, ist dankens- und rühmenswert. Der pofersinnige Künstler wurde auch allseits herzlichst beglückwünscht. Oberkantor Bohomilny erfreut sich mit Recht allgemeiner Anerkennung und Wertschätzung. Die Weihe des Festgottesdienstes wurde noch durch den bekannt meisterhaften Gesang des Oberkantors ganz besonders erhöht. Eduard E. T r n k a. Goldene Hochzeitsfeiern. Vor kurzem beging Herr Nathan R e i s n e r mit seiner Gattin Berta das Fest der Goldenen Hochzeit. Herr Reisner ist in Wiener jüdischen Kreisen sehr bekannt, insbesondere ist sein unermüdliches Wirken im „Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" noch in allgemeiner guter Erinnerung. Er zählt seit vielen Jahren zu den treuesten Besuchern dieses Gotteshauses, in dem er an seinem goldenen Hochzeitsfeste zur Thora aufgerufen wurde und vom Herrn Bethausvorsteher Gustav Planer namens der Kultusgemeinde und des Bethausvorstandes herzlichst beglückwünscht wurde. In der Wohnung der goldenen Hochzeiter erschien in Vertretung des Herrn Bürgermeisters der Leopoldstädter Bezirksvorsteher, an welchen. Herr Reisner in Erwiderung auf die dargebrachten Glückwünsche eine innige Dankesaasprache richtete, in der er den Segen <ies Himmels auf Oesterreich und Wien und dessen Führer herabflehte. — Am vergangenen Samstag begingen im festlich beleuchteten Pazmanitentempel Herr Nathan und Frau Berta Klausner das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Zu diesem freudigen Ereignis hatten sich zahlreiche Verehrer und Freunde der allseits beliebten Familie eingefunden, um auf diese Weise ihre herzliche Anteilnahme zu bekunden. Das Ehepaar genießt überall besten Ruf. Herr Nathan Klausner hat sich nach einem ehrlicher, emsiger Arbeit gewidmeten Leben zur Ruhe gesetzt, jFrau Klausner ist eine mustergültige Gattin und Mutter I und die drei Söhne sind als Kaufleute in Wien und der IWelt hochgeachtet. An den in feierlicher Weise zur LThora aufgerufenen Herr Klausner hielten innige lulückwunschreden Obmann Oskar Schramekr der jauch die Gratulation des Kultusvorstandes überbrachte, [und Rabbiner Dr. Z. Taubes. Eine besondere Ehre erfuhr das geschätzte Ehepaar durch den Besuch des Burgermeisters Schmitz, der persönlich die Glück- I wünsche der. Stadt Wien überbrachte. Die Familie, wie auch idiei;Freunde de/selben benützten den schönen Anlaß zu namhaften Spenden, für verschiedene wohltätige [ ~- " dpif ißi- Todesfälle. Mittwoch, den 10. d. M., starb nach langem, schweren Leiden die Frau des Senior-Chefs des Warenhauses Brüder Schiffmann. Frau Frieda Schiff mann. So wie ihr Gatte Max Schiffmann als Kultusvorsteher und Präsident des Fußball-Klubs „Hakoah" im karitativen Leben Wiens eine gr,cße Rolle spielt, hat auch Frau Frieda Schiffmann ihr ganzes Wirken zu Gunsten der Aermsten gewidmet; in mehr als 30 humanitären, Vereinen hat sie mitgearbeitet. Die armen Juden verlieren in Frau Frieda Schiffmann eine große Wohltäterin, ihr Gatte, dem sich die allgemeine Anteilnahme zuwendet, eine treue Lebensgefährtin. Das Leichenbegängnis findet Sonntag, den 14. d. M., um y*\2 Uhr, IV. Tor. statt — Am Montag, 8. d. M.. verschied in Linz ganz plötzlich Herr Sigmund Spira, gewesener langjähriger Geschäftsführer des Kreiderhauses „Zum Matrosen". Der Verstorbene hat sich als Tempelvorsteher. Armenvater und Obmann der Beerdigungsbruderschait große Verdienste um die Kultusgemeinde in Linz erworben. Das Leichenbegängnis fand am 10. Oktober unter starker Beteiligung von der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes in Linz aus statt. Die Gehirne gegen die Mäater. Vom 16. bis 20. September tagte in Hannover die 93. Jahresversammlung der „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte". Wie alles, was sich heute in Deutschland noch vereinigen darf, muß auch diese repräsentative Vereinigung deutscher Gelehrter auf das Kommando von „Führern" mit Nazi-Parteibuch hören. So wurde die Tagung von dem sogenannten „Führer der N.-S.-Aerzteschaft", Herrn Dr. Wagner eröffnet — einem Banausen, der in eine Gelehrtentagung nicht besser hineinpaßt als ein Elefant in einen Porzellanladen. Leider ist von den sonstigen Vorgängen auf diesem Kongreß nur wenig zu hören gewesen. In früheren Zeiten brachten alle besseren deutschen Blätter über einen solchen Kongreß während der Tagungszeit spaltenlange Telegrammberichte. Gegenwärtig wird ihr Platz für die Reden der Goebbels und Darre oder gar für Hitlers persönliche Ansichten über den „jüdischen Intellektualismus" in Anspruch genommen. Erst am 26. September veröffentlichte die „Frankfurter Zettung" einen sehr summarischen Bericht über die sechs Tage zuvor abgeschlossene Tagung. Aber selbst dieser .summarische Bericht läßt erkennen, daß die Naturforschertagung zu ausgeprägten Manifestationen gegen, den Hitlerismus geführt hat, wenn auch selbstverständlich nur gegen den Hitlerismus auf wissenschaftlichem Gebiet. Schon auf der Tagesordnung der ersten Arbeitssitzung stand ein Vortrag des Leipziger Nobelpreisträgers Heisenberg über „Wandlungen der Grundlagen der exakten Naturwissenschaften in jüngster Zeit". Der Berichterstatter registriert: „Spontanen Beifall lösten seine Ausführungen über die Einstein'sche Relativit ä tsth eo rie aus, ohne die ein Weiterkommen in der Physik überhaupt nicht möglich sei." Man weiß, was Einstein und die Relativitätstheorie für den Nationalsozialismus bedeuten. In Hitlers parteiamtlicher Literatur figuriert Albert Einstein unter jenem Auswurf der Menschheit, der „leider noch nicht gehängt" ist. Die deutschen Naturforscher müssen also schon sehr mutig geworden sein. Ihr „spontaner Beifall" zu den Bemerkungen Heisenbergs kann nationalsozialistischen Ohren nicht angenehmer klingen als etwa Rufe „Nieder mit Hitler". Es war keine vereinzelte Entgleisung. Nach der nationalsozialistischen Theorie und nach Hitlers maßgeblicher persönlicher Meinung sind Rassen- und Erblichkeitsfragen längst gelöste Probleme. Getreu dieser Theorie wurde das Sterilisierungsgesetz geschaffen und seit einem Jahre bereits wird im Dritten Reich frisch und fröhlich kastriert und sterilisiert. Nichtdestoweniger liest man in dem Bericht von der Naturforschertagung: „Zu den Schwierigkeiten der Erbforschung beim Menschen bemerkte Prof. Dr. von Verschner-Berlin, mit dem Menschen könne mannicht experimentieren-. Man müsse abwarten, wo die Natur uns ohne unser Hinzutun quasi ein Experiment vormache." So viel Worte, so viel Sünden gegen den Nationalsozialismus! Und man wird nach der Manifestation für Einstein und nach der Rede des Professor von Verschner erfreulicherweise annehmen dürfen, daß es sich hierbei um Kollektivsünden der ganzen deutschen Gelehrten weif handelt Es STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-092* GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U104-53 scheint, daß die Natur des Nationalsozialismus jetzt« auch von den deutschen Naturforschern schon zur Genüge erforscht ist — und daß sie vor dem Resultat das Grausen bekommen haben. Aus det deutschen Nacht strahlt ein tröstlicher Lichtschimmer. Hitler hat bereits die akademische Jugend verloren, die ihm früher folgte. Jetzfc kehrt ihm auch die deutsche Gelehrten» weit, deren „Gleichschaltung" eine der übelsten Begleiterscheinungen der nationalsozialistischen Plebejerrevolution war, in demonstrativer Weise den Rücken. Er wird, so ist zu hoffen, in absehbarer Zeit auf seiner Seite nur noch die Tröpfe haben, die gleich ihm den „Intellektualismus" verachten, weil ihnen die Trauben zu hoch hängen. Rhythmik trad Strophik in der Bibel Verehrliche Redaktion! Ich muß gestehen, daß ich die Zuschrift, die unter obigem Titel in ihrer Nummer vom 9. September erschienen ist. mit Schmerz und Erstaunen las. Ohne die Studien und Verdienste des verstorbenen Dr. Gottesmann schmälern zu wollen, ist es wieder ein Beispieldafür, wie leicht das Lebenswerk bedeutender und anerkannter österreichischer Gelehrter vergessen wird. Rhythmik und Strophik in der Bibel entdeckt zur haben, war die Tat, auf die der große Wiener Orientalist Hof rat David Heinrich Müller am stolzesten war, für die er ins Herrenhaus berufen wurde und für die seine zwei in hervorragender Stellung sich befindenden Söhne das ihm verliehene Adeisprädikat von De harn führen dürfen. Er ging von den Ghorliedern der Phönikerinnen in der gleichnamigen Tragödie des Euripides aus, in denen er einen uralten orientalischen Rhythmus als in griechischer Sprache wiedergegeben erkannte, den er dann bei den Propheten des Alten Testamentes wiederfand. Müller hat seine Entdeckung auch auf das Neue Testament ausgedehnt und damit erwiesen, daß dessen Erfassung von Judenchristen ausgegangen und in einer orientalischen Sprache abgefaßt gewesen sein muß, wofür er gerade in christlichen Kreisen große Anerkennung fand. Seine zwei einschlägigen Werke haben vor nicht ganz dreißig Jahren in der ganzen Kulturwelt großes Aufsehen erregt, wurden in allen Wiener' Zeitungen in .großen Feuilletons besprochen, erregten aber auch Widerspruch, so bei dem unvergeßlichen Dr. Bloch, der wie er aus einer Jeschiwah des Ostens hervorgegangen war. Da all dies Professor Torzcyner bekannt gewesen sein muß; zweifle ich nicht, daß Gottesmanns Arbeit neue Argumente und Bekräftigungen bringt und Rhythmik und Strophik auch für Stellen erweist, die Müller nicht mehr durchforschen konnte, da ihm infolge der Anstrengungenseiner letzten Forschungsreise in Arabien noch bei Lebzeiten die Feder aus der zitternden Hand fiel. Eine Fortsetzung seiner Bemühungen würde niemanden mens gefreut haben, als den Gelehrten, der nun schon lange unter der interessanten prähistorischen Stele ruht, die ihm seine noch lebende geistvolle Witwe Charlotte auf dem Ehrengrabe des Jüdischen Zentralfriedhoies gesetzt hat. Gestatten Sie einer alten Verehrerin Müllers dieso Feststellung. Clotilde Benedikt. Die „Habimah" in Tel-Awiw ist nach wie vor der Mittelpunkt des künstlerischen Lebens im jüdischen Palästina. Die Aufführungen dieser Meistertruppe, getragen von dem hingebungsvollen Willen der Schauspieler und geleitet von erstklassigen Regisseuren, stehen auf einer Höhe, die von den Darbietungen so manchen berühmten Ensembles nicht erreicht wird. Es ist deshalb eine besondere Ehre für einen Regisseur, solche Aufführungen zu leiten. Diese Ehre wurde vor einiger Zeit einem Wiener.Regisseur zuteil. Leopold Lindtberg. der vor kurzem bei der „Habimah" die Regie in den Stücken „Professor Mannheim" und „Der eingebildete Kranke" mit großem Erfolge führte» ist ein sehr bekannter Künstler, weicher in Deutschland am Staatstheater Berlin und an den Stadttheatern in Breslau und Düsseldorf Aufsehen erregende Inszenierungen durchführte und seit dem Hitlerregime am Züricher Schauspielhaus seine erfolgreiche Tätigkeit fortsetzt Seine erwähnten Inszenierungen erregten in Tel-Awiw Sensation, seine einfühlende Mitwirkung an der Gestaltung der beiden glänzenden Aufführungen bedeutete einen großen Gewinn für die berühmte „Habimah". MODERNE LEIHBIBLIOTHEK ML vtmvm Wien, 2. Bez., Tabontmfie C20A Telephon R Reichhaltige Auswahl — ALLE NEU¬ ERSCHEINUNGEN. Judaica u. Hebralca. TSolichteF Umtauscht Monategebfihr nv S 3.10 Keine Bsnd^ebSbt, In. untecw Bucbbandtuna: Reich*!* Auamafett, ..... BflUge BOcher.