Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 38 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 „Di* Krtitjer-Ifeim" gemeinnützige Zenttalanstalt für Mäddienerziehung und Fortbildung Wien IL, Malzgasse 7 Telephon A 48 0-7? Internat Halbinternat Externat Frauenberufssduilen NEU! Kindergärtnerinnenbildungsanstalt mit Staatsprüfung Fortbildungsschule: Kochen, Nähen, Gartenbau, allgemeine Bildung Prospekt auf Wunsch Griechen siegreich in der Asiatischen Türkei standen und an einen Bevölkerungsaustausch nicht im entferntesten dachten, veröffentlichte der Wiener Schriftsteller Marcus Silberschatz seine Idee unter dem Titel „Ein Vorschlag zur Lösung des Problems der Völkerversöhnung" und unter dem Pseudonym Marcus O. Tzarkesseff (Otzarkesseff ist eine Hebräisierung des Namens Silberschatz). Der Verfasser betrieb damals eine sehr rege Propaganda für seinen Vorschlag und sandte ihn auch an eine Reihe von Staatsmännern und sonstigen bekannten Personen verschiedenster Weltanschauung, unter anderem (wie aus vorhandenen Beweisen ersichtlich) an Masaryk, Horthy, Reichskanzler Wirth, Walter Rathenau, Skirmunt (damals polnischer Minister), Ignacy Daszynski, Emil Bobrowski, Artur Schnitzler, Otto Bauer, Edward A. Filene (U. S. A.). Silberschatz hat auch jene Form der finan- 2iellen Durchführung vorgeschlagen, wie sie später Wirklichkeit geworden ist. Wir wissen auch, da wir im Sommer 1922 seine ganze Aktion mit Interesse verfolgt haben (die „Wahrheit" hat auch im Juni 1922 die Quintessenz der obenerwähnten Publikation von Silberschatz im vollen Wortlaut nachgedruckt), daß Silberschatz Exemplare seiner Flugschrift an zahlreiche Adressen in alle Himmelsrichtungen gesandt hat. DasSchicksal der saarländischen Juden Das zu Neujahr erschienene Nachrichtenblatt der Synagogen-Gemeinden des Saargebietes enthält eine Reihe Aeußerungen führender Persönlichkeiten des saarländischen Judentums, in denen sich die bange Sorge um das Schicksal der Gemeinschaft im Hinblick auf das noch ungewisse Schicksal der Saar widerspiegelt. Unter der Ueberschrift „Schicksalswende der saarländischen Juden" schreibt Dr. T.: „Das Jahr, das für die saarländischen Juden anbricht, ist voller Ungewißheit und Gefahr. Der heftige politische Kampf in ihrer Heimat bringt sie in einen tragischen Zwiespalt. Das Vaterland, für das sie in .elbstverständlicher Treue große Opfer gebracht iiaben, droht, ihnen ihre Rechte und Ehre als Bürger und Menschen zu nehmen und sie aus der nationalen Gemeinschaft auszustoßen. Aber wenn auch das Vaterland die Juden aufgegeben hat. so hören doch die Juden nicht auf, für ihr Vaterland zu hoffen. Zwar fürchten viele, sich auf dem Boden der Heimat nicht mehr behaupten zu können, weil ungerechte und entwürdigende Gesetze ihnen die Möglichkeit rauben könnten7*ein erträgliches Leben zu führen. Sie besorgen das Schlimmste, weil die politischen Leidenschaften in dem Kampfgebiet so erregt sind, daß ihre Entfesselung zu noch furchtbarerem Vorgehen führen könnte, als es die Welt seit anderhalb Jahren schaudernd miterlebt. Und dennoch hoffen wir. Diese Jahreswende ist eine Schicksalswende der saarländischen Juden. Es gehört ein unbeugsamer Mut dazu, um fest und entschlossen den Weg zu gehen, den das Gewissen weist." Endlich eine Erklärung. Auf eine Anfrage des JTA-Vertreters hat der Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge, James MacDonald, die in einigen polnischjüdischen Zeitungen erschienenen Nachrichten, wonach er sich für das Los der nach den Ereignissen vom 30. Juni d. J. geflohenen Nationalsozialisten interessiert hätte, dementiert MacDonald erklärte, daß diese Flüchtlingsgruppen sich an ihn nicht um HiKe gewendet haben und daß er ein solches Gesuch — wenn es gemacht worden wäre — natürlich ganz abschlägig beantworten müßte. Die Weltantisemiten haben sich gefunden. Die „Hessische Landeszeitung", Darmstadt, berichtet: „Wie sich der „Stormloop", Antwerpen, aus Trouvüle berichten läßt, verhandelten arn 26. August je drei Vertreter der beiden großen antisemitischen Weltgruppen wegen eines Zusammenschlusses. Ueber das Besprochene soll vorläufig nichts berichtet werden. Was die beiden in Brüssel und Nürnberg in Aussicht genommenen Weltkongresse anbetrifft, sollen sie vereinigt vom 22. bis 26. September 1934 in belgischen Bädern stattfinden. Der Zusammenschluß soll auch nach außen der Welt zeigen, daß Eifersüchteleien bei beiden Gruppen keinen Raum finden." Radio Wien zur Nachahmung! Der polnische Rundfunk hat während des Rosch Haschanah-Festes die Feiertags- Liturgie aus der großen Synagoge in der Tlumackagasse übertragen. Die Festgesänge wurden von dem berühmten Oberkantor Gerson S i r o t a vorgetragen. Für die Sendung, die 20 Minuten dauerte, war eine späte Abendstunde gewählt worden, damit die Rundfunkhörer i n A m e r i k a, für die die Sendung in erster Reihe bestimmt war, sie zu einer günstigen Zeit hören konnten. Die Uebertragung, die einen Kostenaufwand von 50.000 Zloty verursachte, wurde von 80 Stationen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Brasilien und Argentinien übernommen. Von der New Yorker Zentralstation hat der Leiter des polnischen Rundfunks ein Telegramm bekommen, 'n dem der Dank für diese Sendung zum Ausdruck gebracht wird, die in Amerika von Hunderttausenden mit besonderer Ergriffenheit gehört worden sei. Tüchtiger Religionslehrer erteilt billigst Privatunterricht in allen hebräischen Fächern. Zuschriften an die Adm. dieses Blattes. Sigmund Birman, der Präsident der Bukarester jüdischen Kultusgemeinde und gleichzeitig Präsident der Union der jüdischen Kultusgemeinden von Rumänien, hat, wie wir ertahren, vor einigen Tagen Bukarest verlassen, um in den verschiedenen Metropolen des Auslandes die leitenden Faktoren des Judentums persönlich kennenzulernen. Präsident Birman entstammt einer altangesehenen jüdischen Patrizierfamilie. Er ist Senator des rumänischen Parlaments, Mitglied des Bukarester Stadtrates und einflußreiches Mitglied der National-Liberalen Partei, die gegenwärtig in Rumänien die Macht innehat. Birman ist der Stolz des rumänischen Judentums. Niemand kann behaupten, daß er von persönlichem Ehrgeiz getrieben wurde, als er sich im vergangenen Jahr zum Führer der Juden in Rumänien wählen ließ. Der Mann, auf den unzweifelhaft in erster Linie der politische Aufstieg seiner Glaubensgenossen in den letzten Jahren zurückzuführen ist. verdankt diesen Erfolg seiner genialen Begabung und seinen ausgezeichneten Charaktereigenschaften. Er besitzt alle Vorzüge des modernen großzügigen Politikers, ist ein Jude von ausgesprochen europäischem Format, jedermann aui die liebenswürdigste Weise entnqglenlsdies Königsllcht Seit vielen Jahren das anerkannt beste tD^-nötf: Man achte auf die gas. gesch. Mark« „Hyglan. KSnlgsUcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Ollen XIV., Braunhirschungasss« 3 Telephon R 33-1-87 8 (Mäjimj Wien hy Seitenstettengaase 2, Tel. U 28-1-29 XL, Zentralfriedhof, Hfel in I. In, Tel. U gegenkommend und äußerst taktvoll in der Führung seiner politischen Reden im Interesse des rumänischen Judentums und der Leitung der Versammlungen und Sitzungen. Dieser ausgezeichnete Exponent des rumänischen Judentums ist der Prototyp des reinen und idealen jüdischen Patrioten, dem Wohlergehen seiner Glaubensgenossen ist all sein Tun und Lassen gewidmet ist. Birman ist ein Mustermensch, der sehr cft greifbare Beweise von erstaunlicher Tüchtigkeit mustergültiger Rechtschaffenheit, warmen Patriotismus für seine rumänische Heimat und unerschütterlicher Tat- und Willenskraft gab. Er, der als offizieller Vertreter des rumänischen Judentums sich in erster Linie des vollen Vertrauens des Königs Carol II. erfreut, ist ohne weiteres in den jetzigen schweren Zeiten für die Juden des Königreichs Rumänien „THE RIGHT MAN IN THE RIGHT PLACE". Josef Springer, Bukarest. Weltprotest gegen Antisemitismus. Für den 22. und 23. Oktober wurde der erste Kongreß der Ligen gegen den Antisemitismus nach Paris einberufen. Eingeladen wurden die Ligen aller Staaten der Welt Bisher haben ihre Teilnahme die Ligen Englands, Frankreichs, Amerikas, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Aegyptens und Armeniens zugesagt. Gemeinde&ronib. Zagreb. Anläßlich des Neujahrsfestes veröffentlicht die Agramer jüdische Wochenschrift „Zidov" (Der Jude) eine Statistik über die Juden in Jugoslaviert. Danach befinden sich derzeit in 120 jüdischen Kultusgemeinden insgesamt 68.487 Juden, hievon 34.500 männliche und 33.900 weibliche. Die überwiegende Zahl der Juden ist in den größeren Städten angesiedelt und befaßt sich hauptsächlich mit Handel. Prag. In Joachimsthal, wo er zur Kur weilte, verstarb im 50. Lebensjahre der Uber Polen hinaus bekannte Warschauer Mathematikprofessor Saul Henych Berliner. Der Verstorbene widmete sich bis in sein Mannesalter jüdischen religiösen Studien und erlangte hierin einen großen Ruf. Erst spät wandte er sich weltlichen Studien zu, studierte an der Stockholmer Universität, wo die Professoren sein außerordentliches mathematisches Talent entdeckten; nach kurzen Studieo erhielt er den Titel Professor für Mathematik. Er entstammte einer hochangesehenen Rabbjner-Familio und war mit dem „Gerer Rebbe" verwandt. Klosterneuburg. Die Chewra Kadischa in Klosterneuburg hat in der Sitzung vom 12. Juni 1. J. den Beschluß gefaßt, dem Präsidenten dieses Vereines, Herrn Rudolf G r ü n w a I d, für seine vieljährige verdienstvolle Tätigkeit als Leiter der Chewra Kadischa Dank und Anerkennung auszusprechen. Am ersten Roschhaschonotage nach dem Gottesdienste erschienen die Vorstandsmitglieder Emil Traub und Norbert Erber in der Wohnung des Herrn Grünwald, um ihm ein künstlerisch ausgeführtes Diplom — eine Arbeit des heimischen jüdischen Künstlers akademischen Malers Reinhold P o 11 a k — zu überreichen. Herr Erber hielt an den Geieierten eine Ansprache, in welcher er alle Verdienste und besonderen Leistungen desselben hervorhob, insbesonders die — trotz der Ungunst der Zeit — in den letzten Jahren durchgeführten notwendigen baulichen Veränderungen am Friedhofsgebäude, die aui Antrag des Präsidenten Grünwald zustande kamen. Herr Erber bat zum Schlüsse den Chewra-Präsidenten. auch weiterhin in der gewohnten mustergültigen Weise als erstes Mitglied diesem alten ehrwürdigen Vereine zu dienen. Herr Grünwald dankte in herzlichen Worten und versprach, auch weiterhin seine ganze Kraft und sein ganzes Können in die Dienste der heiligen Brüderschaft zu stellen. Zahlreiche Wiener jüdische Frauen- und Wohltätigkeitsvereine haben seit einer Reihe von Jahren die Einführung getroffen, zugunsten ihrer durch die Not der Zeit besonders schwer leidenden Bestrebungen Nachmittage zu veranstalten, an denen sich Mitglieder und Freunde dieser Vereinigungen zu geselligem Spiel treffen, dessen Erlös den humanitären Zwecken der betreffenden Vereinigungen gewidmet ist. Zwei Wiener Frauenvereine haben uns um Hinweise auf diese Veranstaltungen ersucht, die nun wieder beginnen und sich gewiß der gleichen Zugkraft wie bisher erfreuen werden. Der Leopoldstädter jüdischen Frauenverein veranstaltet seine Bridgenachmittage und -Abende jeden Dienstag im Cate F e t z e r, IL. Praterstraße 8, der Brigittenauer jüdische Frauenverein (Präsidentin Frau Olga Friedmann) ebenfalls am Dienstag im Cafe Krystall, L, Aspernplatz. Beide Vereine verdienen angesichts ihrer hervorragenden humanitären Leistungen werktätige Unterstützung durch zahlreichen Besuch der erwähnten Veranstaltungen. Oer Verein „Ferienheim'* (Präsidentin Sophie G r ü n f e 1 d) hat auch heuer wieder in sein eigenes Heim .:Mühlhoi" in Bad Vöslau in zwei Serien Ferienkolonien von Schulkindern entsendet, deren Zahl sich auf 150 belief. Beide Serien haben einen großen