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Die Wahrheit · 1934-09-21 · Heft 38 (21.9.1934) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten! FLUGPOST aJU mit den Veröffentlichungen der fSSSSSr ■ BnW 9 i nun+M79>-^ j^**^ ^b, §*H^|| „Union österreidiischer Jud< Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 50. Jahrgang Wien, 21. September 1934 Nummer 38 Die Sukkothopfer. Wenn der Hohepriester am Jörn Kippur aus dem Allerheiligsten heraustrat, sprach" er ein Gebet um Segen für das neue Jahr und insbesondere um Schutz für die Bewohner Sarons, einer von Erdbeben heimgesuchten Gegend Transjordtaniens. Er betete: „Möchten ihre Häuser nicht ihre Gräber werden!" Auf vulkanischem Boden baut man nicht Wolkenkratzer, sondern, wie in Japan, bescheidene Hütten. So erinnert uns auch die Laubhütte, die wir mit dem Ausgange des Jörn Kippur zu bauen beginnen, daran, daß wir Juden auf vulkanischem Boden stehen, daß wir Katastrophen, ärger als Erdbeben, erlitten und immer neue zu gewärtigen haben. Welches die beiden Erdbebenherde sind, die uns bedrohen, sagt uns der 0 p f e r d i e n s t, wie er einst am Sukkoth im Tempel auf Moria stattfand. 14 Lämmer brachte man außer anderen Gaben an jedem der 7 Tage unseres Festes dar und am 1. Tage 13 Stiere, an jedem folgenden immer einen weniger, im ganzen 70 Stiere und 9S Lämmer. Diese Zahlen bedeuten: Die 98 Schafe entsprechen den 98 Strafandrohungen in der Tokacha füfSUntreue gegen Gott, die 70 Stiere den siebzig Völkern, die man damals zählte. Diese zwei Gefahren, der Haß der Völker von außen und die-; Untreue gegen Gott im Innern, sie bilden die beiden Erdbebenherde, die uns bedrohen. Weshalb werden wir aber gerade am Su<kkothfeste daran erinnert? *An die 98 Strafandrohungen deshalb, weil wir zwischen Segen und Fluch entscheiden bei Gründung unseres Hauses. Man sagt: „Wie einer liest in der Bibel, so steht an seinem Haus der Giebel." Mit der Gründung unseres Hausstandes begründen wir den Geist des Hauses, wählen wir zwischen Treue und Untreue gegen den Gott unserer Väter. Darum am Feste des Hüttenbaues die Erinnerung an die Strafandrohungen. An das Unheil, das wir Juden uns selbst bereiten. Der einzelne durch unjüdische Führung seines Hauses. Wir Juden als Ganzes, durch Verleugnung unserer von Gott uns gebotenen Zusammengehörigkeit, durch blutigen Bruderkampf ohne Grenzen, ohne Rücksicht, ohne Aussicht auf eine Verständigung. Weshalb aber auch die Mahnung an den Judenhaß gerade am Sukkoth? Warum nicht am Pessach oder Schabuoth? Am Schabuoth feiern wir den Gedenktag der Offenbarung. Diese Offenbarung, die Thora. der Talmud, der Schulchan aruch, die erregen nicht den Neid, die Eifersucht der anderen Völker. An Pessach essen wir Mazzah und Maror. Auch nicht um Mazzah VERWALTUNGEN JTj _ KÄUFE - VERKÄUFER 4- VtKWALTUNGEN <jJ^_SÄTZE- HYPOTHEKEN«!^ SZILAGYI IX, ROTENLÖWENG. 3 V BEH. AUL SEISAL TEL. A 10-5-69 und Maror werden wir von den anderen beneidet. Aber an Sukkoth bauen wir die Hütte. Und sowie der Jude sich ein Haus baut, und wenn es auch nur eine armselige Hütte ist, sofort macht der Neid eine Villa daraus. Daß der-Jude auch ein Dach überm Kopf haben soll, das gönnt man ihm nicht. Wie lange soll aber dieser Haß noch dauern? Zeigt sich nirgends ein Schimmer von Aussicht, daß er endlich von der Erde schwinden wird? Auch hierauf gibt uns die Antwort der Opferdienst am Sukkothfest im einstigen Tempel zu Jerusalem. Am 1. Tage opferte man 13 Stiere, an jedem folgenden einen weniger. Auch der Judenhaß wird weniger und immer weniger werden, wenn, ja wenn wir, festhalten an dem, was die 14 Schafe im Opferritual besagen. Die Zahl 14, hebräisch j—d, ergibt das Wort jad, „Hand". Wie diese „14" im Opferdienst sich gleichblieb einen Tag wie den anderen, so bleibt sich gleich die „starke Hand" Gottes. Wenn auch wir nur treubleiben dieser Hand Gottes und getreu seinem Gebote leben, wenn wir nur festhalten an unserer Lehre, an unserem Volke, uns offen und mutig als Juden bekennen, dann dürfen wir hoffen, daß auch der Judenhaß allmählich abflauen und seine Macht verlieren wird. Von einem Völkerbunde spricht unser Gebet an den Jamim noraim. „Alle Völker", so beteten wir an den hohen Festen, „mögen einen Bruderbund bilden". Welches aber soll die Aufgabe dieses Völkerbundes sein? „Den Willen Gottes zu erfüllen mit ganzem Herzen." . Aus diesem Gebete spricht eine der mächtigsten Triebkräfte des Judentums, einer seiner stärksten Erhalter: die Messiaserwartung. Wie heiß diese Sehnsucht in unserem Volk lebte, das sie nicht nur zum Ausdruck brachte im Opterdienste des Sukkothfestes, sondern in dieser Hoffnung ein Martyrium ohne gleichen erduldet hat, das lehrt uns, um nur ein Beispiel anzuführen, ein Blick in das Haus und das Herz eines der bekanntesten Rabbiner Oesterreichs im Mittelalter. Vor 500 Jahren lebte und wirkte in Wiener- Neustadt Rabbi Israel Isserlein, allgemein in der jüdischen Welt bekannt als „Meister Israel". Seine Zeit war durchloht von Ausbrüchen grausigsten Judenhasses. Seine Mutter war eine der Märtyrerinnen, die in Wien auf dem Scheiterhaufen starben. Aber so düster seine Zeit und Umgebung, so licht war es in seinem Hause. An jedem Freitagabend und an den Festen waren an seinem Tisch versammelt alle seine Kinder und Enkel und alle seine zahlreichen Schüler. Chanukka wurde mit Liedern und fröhlichem Reigen gefeiert. Auch die Nichtjuden im Orte brachten dem Rabbi hohe Verehrung entgegen. Ein Haus, so recht im Geiste des Judentums. Standhaft und gottergeben ertrug er alle Heimsuchungen und Prüfungen, glücklich in seinem Familienleben und seinem ersprießlichen Wirken zur Ehre Gottes. Und doch, eines bedrückte sein edles Herz. Eine Sehnsucht lastete ihm auf der Seele. Nie sprach er davon. Erst als er sich dem Tode nahe fühlte und seine Schüler ihn, den immer Standhaften und Mutigen, mit bekümmerter Miene dasitzen sahen, da fragten sie ihn, was ihm das Basiere Didigot and billig m Oesterretdilsclics QoaJltäfs-raHrikat Ueberau erhältlich Herz belaste. Und er sprach: „Nur eine halbe Stunde möchte ich den Messias sehen! Dann will ich ruhig und willig zu Gott eingehen." Den Messias sehen und sterben! Das war die stille Sehnsucht Meister Isserleins, die ihn durchs ganze Leben begleitet, die unser Volk zu allen Zeiten beseelt und aufrecht erhalten, die ihren Ausdruck gefunden hat am Sukkothfeste. In den Stürmen des Weltkrieges ist sie in unseren Herzen erstarkt. Wir hatten die deutliche Empfindung: dieser Krieg muß der letzte aller Kriege sein. Er muß die Völker zur Besinnung und Einsicht, zur Einkehr und Umkehr bringen. Die Zeit seit dem Kriege hat diese Hoffnung bisher nicht erfüllt. So wenig, daß die Völker wieder, bis an die Zähne bewaffnet, einem neuen Weltkrieg entgegensehen, die einen unbelehrt und unbelehrbar, ihn herbeiwünschend und heraufbeschwörend, die anderen in Notwehr jeden Augenblick der entscheidenden Herausforderung zu bewaffnetem Eingriff gewärtig. Nicht Friedensliebe ist es heute, was die Völker verbindet, sondern gemeinsame Gefahr und ihre Abwehr. Auch nicht ein sittlicher Gedanke ist heute imstande, Völker zusammenzuführen. Wie ganz anders vereinten sich im alten Israel alle Stämme zur Strafexpedition gegen den Bruderstamm Benjamin, als er sich gegen Moral und Menschlichkeit schwer vergangen hatte. Und wie rasch waren Europas Großmächte mit Protesten, Demonstrationen und bewaffneten I Gummistrümpfe Tktcxeitde danken dieser Firma seit den 32Jahren ihres Bestandes Rat und Hilfe] bei Fuß-, Bruch- und Bauchleiden — sie wird auch I Ihnen helfen!— Aufschlußreicher Katalog kostenlos/! bandagen-mikolaschI \Wlma, TabontraOm2». Tel. R47-l-85,R41-0-60\ [Auch medizinische Verleihanstaltl

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