Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 23 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^^^W>ato*aMJMJillllWl^ Preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten l Se tÜomrheif »»' Brsdieint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der »Union österreichischer Juden* und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelifischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 50. Jahrgang Wien, 1. Juni 1934 Nummer 23 Judenschutz"-Politik in Palästina. Rasiere Didi gut and billig ff Eines Tages erscholl die Kunde: „Wenn Ihr w o 111, ist es kein Märchen." Es gab viele, die wollten. Ihnen gesellten sich dank Hitlers Staatsweisheit jetzt sogar solche, die mußte n. Ist nun angesichts dieser Tatsache aus dem Märchen Wirklichkeit geworden? England, dem vom Völkerbund das „Manda t" über Palästina zugleich mit der Aufgabe, dieses Land zu einer jüdischen Heimstätte auszugestalten, übertragen wurde, hat diese Aufgabe in aller Form übernommen, zugleich aber auch den Arabern weitgehende Zusagen hinsichtlich der in Palästina zu ihren Gunsten einzuschlagenden Politik gemacht. In der jüngst abgeführten Palästinadebatte des englischen Unterhauses wurden (siehe „Die Wahrheit" Nr. 21, Seite 3!) die Wortführer des Zionismus ganz offen daran erinnert, daß die Hände der Regierung durch die den Arabern gegebenen Versprechungen gebunden sind. Dieses Doppelspiel atmet ganz den Geist des bekannten mittelalterlichen Systems, es beiden Teilen: den Juden und den Judenfeinden, recht zu machen. Nur daß die Engländer dieses Ziel im Heiligen Land nicht erreichen konnten: Statt allen, haben sie es keinem recht gemacht. Die arabischen Aeußerungen der Unzufriedenheit haben schon wiederholt die Welt alarmiert. Jetzt kommt auch die Enttäuschung und die durch diese bewirkte Erbitterung der Juden in einer eklatanten Weise zum Durchbruch, die in einem am 23. Alai in allen jüdischen Städten und Siedlungen Palästinas imposant durchgeführten Generalstreik'einen sensationellen Kulminationspunkt erreichte. Es ist eben ein Unterschied, ob den Juden das Schicksal der zuerst aus egoistischen Gründen gehegten, dann rücksichtslos ausgepreßten und weggeworfenen Frucht in einem mittelalterlichen Ghetto widerfuhr, wo sie sich damit von vornherein resigniert abgefunden haben, oder jetzt, anderthalb Jahrhunderte nach der Emanzipation der Juden just in dem Lande der Verheißung, an das sich seit uralten Zeiten der mystische Erlösungsdrang der Juden klammert. An dieser heiligen, von messianischen Hoffnungen geweihten Stätte das System der mittelalterlichen „Judensch utz"-Politik neu zu inaugurieren, ist die ungeheuerste Blasphemie, vor der aber England nicht zurückscheut. Nachdem hier die Araber schon mehrmals unter stillschweigender Duldung der britischen Regierung regelrechte Pogrome in der mittelalterlichen Urform durchführen konnten, ist man jetzt zu einer verfeinerten Methode, aus dem jüdischen Besitz den Arabern die Taschen zu VERWALTUNGEN * ^SÄTZE - HYPOTHEKEN^Üi SATZE -HYPOTHEKEN KÄUFE - VERKÄUFE <fr SZILAGYI * 'X., ROTENLÖWENG. 3 BEB. AÜT. SEI3AL TEL. A 10-5-69 füllen, übergegangen. Man gibt eine Zwei-Miltionen-Pfund-Anleihe für Palästina aus, deren Amortisierung die Juden zu leisten haben, während die Ausgaben aus der Anleihe zu zwei Dritteln den Arabern und nur zu einem Drittel den Juden zugute kommen sollen. In welcher Form sich das auswirkt, wurde in der englischen Unterhausdebatte interessant illustriert. Es gibt bekanntlich in Palästina blühende jüdische Kolonien und elende arabische Dörfer. Jetzt sollen diese elenden Dörfer wunderschöne Zufahrtsstraßen bekommen, natürlich aus der von den Juden bezahlenden Anleihe. Das ist nur so ein Beispiel für viele... Ist es da ein Wunder, daß die Juden erbittert sind? Und doch ist die Anleihe nur zum geringsten Teil der eigentliche Grund der jüdischen Empörung. Hierin zeigt sich, wie sehr die Tradition mittelalterlichen „Judenschutz"-Systems auch in der jüdischen Psyche noch fortwirkt. Die Zionisten wissen, daß man in erster Linie ihren Besitz schätzt, und sie möchten gern jedes Geldopfer bringen, um sich damit zu erkaufen, was sie im Heiligen Lande anstreben. Tatsächlich ist es trotz der Wirtschaftskrise auf der ganzen Welt nur der jüdischen Opferbereitschaft zu danken, daß Palästina für England die geringste finanzielle Treffpunkt der Feinschmecker Cafe-Restaurant FETZER bei der Schwedenbrücke Belastung von allen seiner Verwaltung unterstehenden Ländern bedeutet. Die Juden, die diese Opfer bringen, knüpfen daran die Hoffnung, daß Palästina zu einer Zufluchtsstätte für alle irgendwie gefährdeten Glaubensgenossen ausgebaut werde. Leider verleugnet England gerade in diesem einzigen für die Juden positiven Punkte seine „Judenschutz'-Politik. Als die schutzbedürftigen jüdischen Emigranten aus Deutschland eine neue Heimat suchten, zeigte ihnen die Mandatmacht des „jüdischen Nationalheims" die kalte Schulter und nur ein unscheinbarer Bruchteil der ursprünglich verlangten Einwanderungszertifikate für Palästina wurde ihnen bewilligt. Angeblich sollte die Einwanderungsiiuote vom rein wirtschaftlichen Erfordernis geregelt werden. Nun hat die Jewish Agency errechnet, daß die palästinensische Wirtschaft die Bewilligung von 20.100 Zertifikaten erheischt. Bewilligt wurden aber nur 5600. Das hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Diese klare Sabotierung der jüdischen Einwanderung in die „jüdische Heimstätte" war es, die die in viele Parteien gespaltene Judenheit Palästinas einhellig zum Generalstreik trieb. Oesterrelchlsdies Qnailtats faörilföl Ueberau erhältlich Die Jaden frage in Frankreich. Noch immer hält dieStavisky-Affäre in Frankreich die Gemüter in Aufregung und beschäftigt die öffentliche Meinung stärker als selbst die Vorgänge der großen Politik. Stnaßeniinruhen, Ministerstürze, Beamtenenthebungen, Morde und Selbstmorde sind die furchtbare Folge eines Betrugsskandals», dessen Zahlen nicht einmal besonders imponierend erscheinen, dessen Aufrollung aber ein abscheuliches Gewirr von Protektions- und Korruptionswirtschaft bloßlegte. Es ergibt sich nun für uns die Frage, ob die Stavisky-Affäre der antisemitischen Bewegung in Frankreich neue Kräfte zugeführt hat. Wir erinnern uns, daß sehr bald die Behauptung von der jüdischen Abstammung Staviskys auftauchte und u. a. auch von unserer antisemitischen Presse mit vielem Vergnügen übernommen wurde. Bewiesen wurde sie nie und zuletzt ist sie sogar recht beweiskräftig angezweifelt worden. Aber nicht die Frage interessiert uns, ob Sftwisky Jude war oder nicht, weil wir selbst in dem Falle, daß er es wirklich war, keinerlei Notwendigkeit einsehen würden, das Judentum als ganzes gegen die infamen, aus solcher Feststellung abgeleiteten Beschimpfungen zu verteidigen. Was jedoch die für uns allein bedeutsame Frage des Standes der antisemitischen Bewegung in Frankreich betrifft, so kann vorweg gesagt werden, daß ihr die Stavisky-Affäre keinen besonderen Nutzen gebracht hat. Selbstverständlich gibt es auch in Frankreich einen Antisemitismus, der auch durch die katastrophale Niederlage der Bewegung in der Dreyfus-Affäre nicht völlig aus der öffentlichen Diskussion verschwunden ist. Aber er ist dort im wesentlichen das Reservat einer auch zahlenmäßig beschränkten aristokratisch-royalistisch gestimmten Oberschicht und eines gleichfalls nicht eben großen bürgerlichen und studentischen Anhangs. Seine Grundlage ist nicht rassisch und überhaupt in keiner Weise doktrinär, weil derartige theoretisch-wissenschaftliche Fundierungen einer politischen Bewegung dem französischen Wesen nicht gemäß sind. Daß der Antisemitismus in Frankreich ganz ähnlich wie in Italien von vornherein nur geringe Ausbreitungschancen hat, beruht keineswegs nur auf der Tatsache der relativ geringen Zahl der in diesen Ländern lebenden Juden, da ja diese wenigen Juden in ziemlich starker Konzentration in einigen Großgemeinden leben. Eher schon fällt die '-t null lüg B