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Die Wahrheit · 1934-04-13 · Heft 16 (13.4.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 16 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ÜIE WAHRHEIT Seite? Danksagung. Anläßlich meiner silbernen Hochzeit sind mir aus den Kreisen der Gemeinde und meiner Freunde und Kollegen zahlreiche Beweise herzlicher Sympathien zuteil geworden, für die ich auf diesem Wege aufs innigste danke. Insbesondere bekunde ich meinen tiefstgefühlten - Dank dem Präsidium der Kultusgemeinde für sein so warm gehaltenes Gratulationsschreiben und Herrn Oberrabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g für seine innige Glückwuiischansprache. Kantor Markus Balaban und Frau. doch immer aber die Leitung des Chores beibehielt. So feierte Löwit Schabat Hagadol 1931 sein 50jähriges Amtsjubiläum, bei welcher Gelegenheit ihm große Ehrungen zuteil wurden. Auch als Musiklehrer erwarb sich der Jubilar einen bedeutenden Ruf. Sein fachmännisches Urteil wurde oft angerufen und meist respektiert. Neben seiner beruflichen Tätigkeit fand er immer noch Zeit, für seine Amtsgenossen sich zu interessieren und sie zu fördern. So war er Mitbegi ünder des Oesterr.- ungar. Kantorenvereines (1883), dem er unschätzbare Dienste erwies und noch heute als Präsident des Oesterr. Kantoren-Vereines erweist. Auch schriftstellerisch ist Löwit vielfach tätig. Seine musikwissenschaftlichen Abhandlungen sind klar und präzis und zeugen von tiefem Wissen. Der Stil ist edel und vornehm. So kann unser allverehrter Jubilar, Herr Isidor Löwit, mit innerer Befriedigung auf ein mit Arbeit und Erfolg reich gesegnetes Leben zurückblicken. Möge der Allgütige ihn mit einem glücklichen, leuchtenden Lebensabend segnen. Chewra Kadischa. XVIII. Am 4. d. M. fand die 54. Generalversammlung der Chewra Kadischa im 18. Bezirk statt, die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Der Vorsitzende, Obmann Bundesfürsorgerat Josef N o s s i g, konnte als Gäste Herrn Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang, Herrn Rabbiner Dr. Z. A. Schwarz. Herrn Min.-Rat Ing. Schläfrig in Vertretung des Präsidiums der Kultusgeineinde, die Herren Kohn und Winter der Chewra Kadischa XII—XV, Herrn Robert Frankfurter für die Chewra Kadischa XIX.. sowie das Präsidium des Israel. Frauenvereiues Währing. die Damen Winter, J o r i s c h und S a 1 z e r, begrüßen. Nach Erstattung des Jahres- und Kassaberichtes durch den Kassier Leopold S u b a k. der ungeteilten Beifall fand, ergrift Herr M'n.-Rat Ing. Schläfrig das Wort, um der Chewra die Grüße des Vorstandes der Kultusgeineinde zu überbringen; er anerkannte in lobender Weise das karitative Wirken d:eser Brüderschaft. In trefflichen Reden beglückwünschten Herr Oberrabbiner Doktor Fe ucht wang und Herr Rabbiner Dr. Schwarz den Vorstand zu seinem ersprießlichen Wirken an Lebenden und Toten. Nachdem noch die Delegierten der kollegialen Chewras namens ihrer Institutionen schmeichelhafte Grüße dem Vorstande übermittelten, wurden die Wahlen vorgenommen, die folgendes firgebnis hatten: Obmann: Bundesfürsorgerat Josef Nossig; Obmann-Stellvertreter: Med.-Rat Dr. Ignaz W inte r; Kassier: Leopold S u b a k: Rechnungsführer: Ernst Lippa; Schriftführer: Jacques Katz und Gustav Subak: Archivar: Michael Billig. Neu gewählt wurden in den Vorstand: Ob.-Baurat Ing. Leo Neuschule r, Paul Brün ner und Gustav Subak. „Hachnusas Kalu". Brautau>siattuiigsvere:n für arme Waisenmädchen (Obmann S. Buchsbau in) veranstaltete Dienstag, den 3. April, eine Woliliätigkeitsvorstellung, d:e einen glänzenden Verlauf nahm. Unter den vielen Gästen, die den Saal bis aufs letzte Plätzchen füllten, sah man viele prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.?in Beweis, weicher Beliebtheit sich der Vetein fir sein ersprießliches Wirken erfreut. Nach der Vorstellung, die einen großen materiellen Ertolg brachte, fand eine gemütliche Zusammenkunft im Vereinslokale im Cafe B u c h s b a u m statt, wo einzelne Redner dem Gesaintvorstande für d e hervorragenden Leistungen die Anerkennung und den Dank ausdrückten. Lustiges Frühlingsfest für Kinder findet Sonntag, den 15. d. M.. um 'A3 Uhr nachmittags im Hotel Post, Wien I., Fleischmarkt 24. zugunsten der Jüdischen Volks- und Hauptschule. II., Malzgasse 16. statt. Restliche Karten an der Kasse. Die Pessachleiertage sind vorüber, nicht aber die Erinnerung an jene braven Menschen, die auch heuer wieder diese Feiertage benutzt haben, um im Wege der Hilfsaktion der Kultusgemeinde bedürftigen Glaubensgenossen eine Freude zu bereiten. Zu diesen edlen Wohltätern gehört insbesondere Herr Nathan Brodetzky, der Inhaber der bekannten SchmfdJ-Mazzoth-Fabrik in Filoridsdorf. Er hat auch heuer wieder der Pessach- Aktion der Kultusgemeinde ein sehr großes Quantum von Mazzoth, Grieß und Farwel aus seiner Fabrik zur Verfügung gestellt, die bei der Ausgabe der Lebensmittelpakete durch das Fürsorgeamt in reichlicher Weise Verwendung fanden. Die jüdische Oeffentlichkeit dankt dem hochherzigen Manne für diese neuerlich bekundete Aeußerung seines eminenten Wohltätigkeitssinnes aufs herzlichste. Trauung. Sonntag, den 15. April. '44 Uhr nachmittags, findet im Tempel, XV.. Turnergasse 22. die Trauung des Fräuleins Edith Scher. Tochter des Herrn Ignaz Scher und seiner Gattin Malvine. m:t Herrn Alfred Deutsch, Sohn des Herrn Samuel Deutsch und seiner Gattin Lotte, statt. Beleidigung des Judentums in der Schweiz ungesühnt? Ein Zürcher Rechtsanwalt hat vor einigen Monaten bei der Zürcher Staatsanwaltschaft den Herausgeber der Zeitschrift ..Der Eidgenosse" (Kampfblatt der Schweizer Nationalsozialistischen Partei), Theodor Fischer, wegen eines Artikels verklagt, in welchem u. a. gesagt war: „Judentum sei organisiertes Verbrechertum". „Alljuda müsse sterben'*, „Die Völker müssen sioh dieses Verbrechertums entledigen" usw. Der Kläger begründete seine Klage damit, daß er sich als Jude durch diesen Artikel in seiner Sicherheit bedroht fühle, und stützte seine Klage auf Art. 91 des Schweizer Strafgesetzbuches. In einer nunmehr herausgegebenen Verfügung hat die Zürcher Staatsanwaltschart diese Klage abgelehnt. Es kann nicht verkannt werden — heißt es in der Verfügung — daß alle diese unflätigen Angriffe im Interesse des Rechtsfriedens eines strafrechtlichen Schutzes bedürfen, aber es geht zu weit, von Bedrohung im Sinne des Art. 91 des Strafgesetzbuches zu sprechen. Es sei fraglich, ob der Kläger zur Klage legitimiert sei. d. h. ob die Drohung gegen seine Person gerichtet war und ob sie vom Standpunkt des Rechtes der freien Rede rechtswidrig sei. Die Bejahung dieser Fragen erscheine nicht gerechtfertigt. Anders wäre die Lage, wenn die Drohung speziell gegen den Kläger gerichtet gewesen wäre, aber das war nirgends der Fall. Die Staatsanwaltschaft verfügte daher: 1. Die Untersuchung einzustellen; 2. die Kosten von der Staatskasse tragen zu lassen; 3. dem Angeschuldigten, d. h. dem Herausgeber der antisemitischen Zeitschrift, keine Entschädigung zuzusprechen. Der obige Entscheid der Zürcher Staatsanwaltschaft hat insofern eine prinzipielle Bedeutung, als in Basel und Bern Prozesse noch schweben, die von den dortigen jüdischen Gemeinden gegen die Herausgeber und Verbreiter verschiedener antisemitischer Schriften, insbesondere des Pamphletes der „Weisen von Zion", angestrengt wurden. Die dortigen Klagen haben zwar einen anderen Charakter, aber sie gründen sich ebenfalls auf dem Prinzip der Kollektiv bei eidigung. Die Verfügung der Zürcher Staatsanwaltschaft kann zu der Annahme führen, daß infolge des Mangels entsprechender Gesetzesvnrschriften in der Schweiz Klagen auf Kollektivbeelidigung keine Aussicht auf Erfolg haben. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., RoSenkreuzgasse 3 Tel. A 45-5-37 Der Terror Regen die Juden im Saargebiet. Gegen die Juden im Saarsebie t. deren Zahl, die seit Beginn des**Hitler-Regimes Zugereisten eingerechnet, auf mehr als 7000 geschätzt wird, wird ein s c h a r f e r Terror ausgeübt. Parteigänger des Nationalsozialismus rufen den Juden bei jeder Gelegenheit zu: „Es kommt 1935!" (Das Jahr des Plebiszits, in welchem mit den Juden abgerechnet werden soll.) Auch wirtschaftlich wirkt sich der nahende Volksabstimmungstermin aus: christliche Käufer, die von Juden Waren auf Kredit erhielten, und sonstige christliche Schuldner jüdischer Gläubiger haben die Zahlungen eingestellt, weil sie hoffen, daß nach dem Rückfällen des Saarlandes an Deutschland sie sich ihrer Gläubiger werden entledigen können. Die jüdischen Kinder^ in den Schulen haben viel seitens ihrer Mitschüler und Lehrer auszustehen. Indessen enthalten sich die Juden jeder Beschwerde. HQUienisdics Hönifisllclrt Eine interessante Gerichts' entscheidung. Die Frau eines Budapester jüdischen Kuuimunnes hatte von diesem 20 Pengö verlangt, um zum Rosch Haschonoh den Tisch festlicher bereiten zu können. Da der vermögende Kaufmann das Geld verweigerte, erbat die Frau den Betrag von ihrem Vater, verbrachte die Feiertage noch mit dem Gatten, zog dann aber zu ihren Eltern und kehrte auch auf mehrmalige Aufforderung des Mannes nicht mehr zu ihm zurück. Nun klagte der Gatte wegen treulosen Verlassens und verlangte die Scheidung aus dem Verschulden der Frau. Die Kurie hat das Verlangen abgewiesen. In der Begründung heißt es, daß der Ehemann seine Frau am testlichen Begehen der Feiertage nicht hindern dürfe und daß daher die Frau das Haus mit Recht verlassen habe. Die Vorenthaltung des iür die Feiertage erbetenen Betrages sei mit der Stellung eines Familienoberhauptes unvereinbar, weshalb die Ehe aus dem Verschulden des Mannes zu lösen war. (fheotex und 3f€unst Deutsches Volkstheater. Den Spielplan beherrscht jetzt das Schauspiel Dr. Semmel weis von R e hf i s c h, dem talentierten Autor des D r e y f u s. der vor einigen Jahren auf der gleichen Bühne zu sehen war. So wie Dreyius ist auch Dr. Semmelweis ein ganz großer Erfolg, weil dieses Stück, mit der gleichen Virtuosität verfaßt, auf den gleichen Voraussetzungen beruht wie jenes. Auch hier sehen wir den Ablauf der menschlichen Tragödie einer Persönlichkeit, an deren Leid sich die Alten unter uns noch erinnern, die luiigeii aus den Erzählungen der Alten mehr wissen als aus nichtssagenden Geschichtsbüchern. So wird eine Unmittelbarkeit mit dem Helden des Dramas hergestellt, dessen ergreifendes Geschick in packenden Bildern vor uns abrollt. Gleich packend ist die Darstellung, insbesondere erschüttert Jungbauer als Dr. Semmelwuis und glänzt H ü in in a als einer jener wenigen Professoren, die die Entdeckung des jungen Arztes als epochal erkennen. Sehr gut ist auch Kitty Stengel. Ein einzig dastehender Fall wird sich in dun nächsten Tagen am Konzertpodium ereignen: die junge Pianistin Anny R o s t h a 1, eine Schülerin Professor Juliusz VV o 1 f s o h n s, die nur mit der linken Hand allein spielt, weil ihre rechte schon seit ihrer Geburt arbeitsunfähig ist, gibt am 13. April, K-8 Uhr abends, im Mittleren Konzerthaussaal gemeinsam mit der bekannten rumänischen Sängerin Mttnteanu ein Konzert, wobei sie Werke von Max Reger (Fantasie und dreistimmige Fuge), Chopin (Etüde in Bearbeitung von Godowski), Scribanes Nocturne, Fantasie über Motive von „Lucia de Lammermore" von Leszetycki und als besondere Sensation die bekannte Paraphrase von Prof. W o 1 i s o h n. Äff dem Pripetschek. die der Meister eigens siir seihe ungemein talentierte Schülerin bearbeitet hat. zum Vortrage bringen wird. Karten für dieses Konzert, das bestimmt viel Interesse erwecken wird, sind an der Kassa der Konzertdirektion Dr. Hohenberg oder im Konzerthaus erhältlich. Albert Einstein, Mein Weltbild. Zum 55. Geburtstag Albert Einste i n s erschien im Querido-Verlag. Amsterda m, eine Aufsatzreihe von Albert Einstein unter dem Titel ..Mein Weltbild" (269 Seiten). Einstein entwickelt in diesem Buch, auf das wir noch zurückkommen werden, seine Gedanken über Politik. Pazifismus. Judentum und gewährt zum Schluß einen Einblick in die eigene Forscherarbeit. In der Aufsatzreihe kommt Einsteins Glaube an den Menschen, an eine Welt des g e g e nseitigen Verständnisses und der Hilfe und an die v ö I k e r v e r b i n d e n d e Mission d e r W i s s e n s c h a f t zu stärkstem Ausdruck. Prot. Juliusz Wolfsohn hat in der letzten Zeit in Griechenland. Jugoslawien, Polen und der Tschechoslowakei grandiose Erfolge als Pianist und Komponist erzielt und bei dieser Gelegenheit auch zahlreiche Vorträge über verschiedene jiidiisch-musikalisclie Themen gehalten. Seinem Konzert am 19. April im Großen Musikvereinssaale, bei dem er nach fängerer Pause wieder in Wien zu hören sein wird, wird ganz großes Interesse entgegengebracht, zumal der hervorragende Der Verein „Ost. Seehospiz in Grado" (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli zarte, zu Katarrhen und Blutarmut neigende Mittelstandskinder im Alter von 6 bis 13 Jahren, unter ärztlicher und pädagogischer Aufsicht, in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (koscher) kostet S 6.—täglich, Reisebeitrag für Kinder über 10 Jahre S 60.—. unter 10 Jahre S 45 — Der unter dem gleichen Präsidium stehende Verein „Ferienheim" entsendet in sein eigenes, rituell geführtes Heim nach Bad VÖSlaB erholungsbedürftige Kinder in obigem Alter, Preis S 4.— täglich. Anmeldungen im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße 17. von 10—13 Uhr, Tel. A 11-1-63.

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