Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 13-14 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen In Deutachland Verbotes I Jüdisch e Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union dsterreidiisdier Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien [ Nadl PAIÄSTWA uVBMBVBSMMBlHBBesseeVflBlHH' 3 durch den : PA1CSHNC & OMENT- : LLOYD Vertretung für Gtterreick: : RBISEBORO CITY, Dr. J. U. Körner WIINI. KONUURKT NR.« TELEPHON U 38-4-29 ■ ^•••••••■••••••••••«•••«••■••■••••«••l 1 Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 —Postsparkassenkonto Wien: A100.918 50. Jahrgang Wien, 30. März 1934 Nummer 13/14 FRIEDRICH FEUER IIMIRIVUI«^ i HL. Tel« ladet Sie zur Besichtigung der vor kurzem eröffneten Ausstellung für die modernsten Malerarbeiten der Neuzeit, in Walz-, Schwamm- und Spritztechnik höflichst ein. Um vorheiige Anmeldung wird gebeten. Porzellanffaase Nr. 44 ■»■»an A lO O eS I. Die erste und elementarste Wirkung der ungeheueren Geschehnisse jener Erlösungsnacht zum 15. Nissan war, daß durch sie die Erkenntnis des einig einzigen Gottes, derGlaubeanlhn, das Vertrauen auf Ihn als den Gott der Väterden aus Mizrajim Fliehenden in sinnfällige Nähe gerückt und ihnen und ihren Nachkommen bis auf den heutigen Tag zum unverlierbaren Besitztum gemacht worden war. Sicherlich, der auf der Erkenntnis des einig-einzigen Gottes beruhende Gottesglaube war auch schon früher nicht ganz unbekannt in Israel gewesen. Ist es doch Vater Abraham, dessen Name mit der Verkündigung und Verbreitung dieser Glaubenslehre unlöslich verknüpft ist. Indes, so wahr dies auch ist, so ist es nicht minder wahr, daß die diesbezüglichen Bemühungen Abrahams bei seinen, Zeitgenossen nur von geringem Erfolge begleitet waren. Zum mindesten findet sich in der Schrift nirgendwo eine Spur davon, daß der geläuterte Gottesglaube, den Abraham verkündet hatte, bei den Massen zum Durchbruch gelangt ist. Er scheint vielmehr bloß eine Einzelerscheinung geblieben zu sein. „Und Abraham glaubte an Gott, und dies ward ihm als frommes Verdienst angerechnet" berichtet die Schrift. Ganz anders aber in jener „Wachenacht". Da ward durch das sichtbare Eingreifen Gottes in die Geschicke eines tief gebeugten und geknechteten Volkes eine Tat gesetzt, von so ungeheurer Wucht und Schlagkraft, daß durch sie unwillkürlich und ungewollt die breiten Massen M Oesferrelcftlsdies Qoauiafs-raiHiM Die vier Gaben des Pessachfestes. Rasiere Dich gut und billig . Mjt unserem lieblichen Pessachfeste, dessen Herankommen alle jüdischen Herzen voll ehrfurchtsvoller Freude entgegenschlagen, verhält es sich nicht anders als mit den übrigen biblischen Festen: In nationaler Gewandung auftretend, ist es in. Wirklichkeit ein religiöses Fest, ist es d a s F e s t der Religion Israels in ihrer ganzen Reinheit und allumfassenden Sittlichkeit. Auf den ersten Blick gesehen, hat es freilich den Anschein, als gäbe es im biblischen Festkreis kein zweites Fest, das mit solcher Berechtigung als ein typisch nationales angesprochen werden muß. Werden ihm ja im Fünfbuch alle die Attribute zugeschrieben, die mit dem Begriff „national" unzertrennlich verbunden sind: der nationale Hintergrund des Geschehens, die Verbundenheit mit der heimatlichen Scholle, die Ausschließlichkeit der Verpflichtung für die Kinder Israels. Sieht man aber näher zu, erkennt man, daß alle die erhabenen, über den engen Bezirk des Nationalen hinausragenden Ideen und Lehren, für deren Verbreitung die Propheten ihr Leben eingesetzt, gerade bei dem Pessachfeste zu herrlicher Harmonie sich vereinigen — gleichsam als Bestätigung der in letzter Zeit sich immer mehr durchdringenden wissenschaftlichen Erkenntnis, daß das Beste von dem, was die Propheten gelehrt, bereits im Fünfbuch virtuell vorhanden ist. Im besonderen sind es vier Richtungen, die hervorstechendsten in der jüdischen Welt, die in dem Gedankenkreis des Pessachfestes zu einer Einheit verschmelzen und ihm jene überragende Bedeutung verleihen, die diesem Feste bis auf den heutigen Tag eigen ist. Es sind gleichsam vier Gaben, die uns Pessach auf den Festtisch legt, damit wir uns an ihnen immer wieder erfreuen. Vielleicht ist das der tiefere Sinn jenes rätselhaft klingenden Midrasch, der besagt: In jener ersten Pessachnacht, in der die Kinder Israels mit der Verzehrung des Pessachopfers beschäftigt waren, gebot Gott dem Moses, die vier Windrichtungen der Erde zu sammeln und sie im Gan-Eden zu vereinigen. Juwelier Oetterreicher Wien I., Graben 7, Tel. Ii 20-4-71 Große Auswahl von Silberwaren zu Fabrikspreisen Eigene Erzeugung von Schüsseln, Leuchtern. Servicen sowie Tafelsilber und rituellen Geraten Großes Lager vonokkaslonellen Waren HYPOTHEKEN A VERW A LTUNGEN SÄTZE *♦ KAUFE VERKAUFE \ SZILAGVI IX, ROTENLÖWENG. 3 BEI. AOT. SEISAl TEL. A 10-5-69 emporgerissen wurden, empor zum Aufblick in die Himmelshöhen, um dort jenen zu erkennen, der „über den Wolken thront, doch auch bei den Gedrückten und Kleinmütigen wohnt." Das war keine Einzelerscheinung, sondern eine gewaltige Aeußerung der göttlichen Huld, deren vieleHunderttausende teilhabende Zeugen waren. „Und sie glaubten an Gott und seinen Diener Moses." Beim Durchschreiten Gottes durch das Meer, sagen die Weisen im Midrasch, haben die Säuglinge ihre Hälse himmelwärts emporgestreckt und ausgerufen: Dies ist mein Gott, Ihn will ich preisen. Ist es nicht ganz natürlich, daß die Erinnerung an jene Ereignisse zum Haupt- und Eckstein wurde im Gebäude des Judentums und die ungeheure Umwälzung, die sie im Gefolge hatten, gleich im ersten Worte des Zehngebots ihren Ausdruck gefunden? Wenn Lessing meint, Ueberau erhältlich Offenbarung sei nichts anderes als Erziehung der Menschen zu Gedanken, auf die sie, freilich erst nach Jahrtausenden, von selbst kommen würden, so gibt es keine glänzendere Bestätigung dieser Auffassung als das Sinaiwort: „Ich bin der Ewige dein Gott, der dich aus Aegyptenhatherausgeführ t." Das ist keineswegs der stolze Ruf eines engherzigen Nationalgottes, der sich seiner, für sein „Volk" vollbrachten Heldentaten rühmt, sondern der Liebesruf eines gütigen Vaters, der mit Hilfe eines Erkennungsrufes die Menschenkinder immer wieder daran erinnert und zu dem Gedanken erzieht, daß die Welt nicht führerlos dasteht, daß es vielmehr ein göttliches Walten gibt auf Erden, den Urquell aller Sittlichkeit, das Urbild aller Gerechtigkeit auf Erden. Mochte dieser Gedanke im Laufe der Jahrtausende Schwankungen unterworfen gewesen sein und manche Trübung erfahren haben, verschwunden ist er seit jener ersten Pessachnacht nicht mehr aus der Mitte Israels. Den Schwankenden und Zagenden tönte immer wieder der Ruf entgegen: Ich bin der Ewige dein Gott, der dich aus Aegyptengeführt, und jedes Geschlecht brauchte und braucht auch heute nur getreu der Weisung sich zu betrachten, „als wäre es selbst aus Mizrajim gezogen", um innerlich frei zu werden, sich der Liebe Gottes nahe und auf Adlersflügeln erhoben zu fühlen über alle Niederungen des Erdenseins. II. Als zweites Angebinde wurde in jener Nissannacht unseren Vorfahren für den schweren Gang durch ungezählte Jahrhunderte das Haus, das jüdische Haus mit auf den Weg gegeben: „Eth bottenu hizzil". In diesen drei Worten der Schrift ist in lapidarer Kürze und plastischer Einprägsamkeit die ungeheure Bedeutung ausgedrückt, die in der Stunde unserer Volkswerdung dem Hause zugefallen war. Zu den Worten des Hoheliedes: „Unter dem Apfelbaum erweckte ich dich", bemerkt der Midrasch: Damit ist die Nothütte des Familienglücks der Kinder Israels in Aegypten gemeint. Pharao hatte das israelitische Familienleben vernichten wollen. Er hat die Männer nächtlicherweile aus ihrer Behausung in die Fron gedrängt. Da kamen die Frauen, brachten ihnen das karge Mahl, schöpften ihnen das Wasser aus dem Brunnen und berieten mit ihnen in der kargen Ruhepause über die Erziehung der Kinder unter den Aesten des Apfelbaumes. So ward die jüdische Familie, das jüdische Haus in Aegypten unter dem Apfelbaum zu neuem Leben erweckt und dadurch das jüdische Volk selbst gerettet. „Und allen Kindern Israels war Licht in ihren