Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 11 (16.3.1934)
- Date
- 1934-03-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite? Spaziälhaus für WoSle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, Z. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Neue antisemitische Unruhewelle in Polen. - Der seit einiger Zeit an den polnischen Universitäten herrschende antijüdische Terror hat seinen Ausgangspunkt darin, daß die Regierung den Forderungen der nationalistischen Studenten nach Einfuhrung des Arier-Paragraphen in der alle Hochschulen einschließenden Studenten-Wohlfahrtsorganisation „Bratnij Pomoszz" nicht nachgegeben und den Senat der Warschauer Universität und die Leitungen anderer Universitäten in Polen, die bereits ihre Zustimmung zum Arier-Paragraphen gegeben hatten, veranlaßt hat, diese Zustimmung zurückzuziehen. In Warschau drangen größere Qruppen nationalsozialistischer Studenten, die sich mit Steinen bewaffnet hatten, in die .Hörsäle ein und vertrieben mit Steinwürfen die jüdischen Studenten. Mehrere wurden durch Stein würfe am Kopf verletzt. Dort, wie auch in Krakau mußte gegen die Kundgebungen der Studenten die Polizei einschreiten. In Wilna ist es der Polizei gelungen, Flugblätter zu beschlagnahmen, in denen zu Protestkundgebungen gegen die Juden, gegen die Regierung und gegen den Senat der Universität Wilna aufgefordert wurde. In Warschau überfiel eine Gruppe Hu- 1 igans einen jüdischen Leichenzug und bombardierte die Leidtragenden mit Steinen, so daß mehrere verletzt wurden. Das Trauergefolge war gezwungen, den Sarg aui der Straße hinzustellen und Schutz zu suchen. Herbeigerufene Polizei verhaftete drei Huligans. Der jüdisch-orthodoxe Sejm-Klub wandte sich an die Regierung mit einer Beschwerde wegen der überhandnehmen Ueberiälle auf Juden in Warschau und in der Provinz, Vom Wiener Kultusvorstand. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 12. März 1934. Der Vorsitzende, Präsident Dr. Friedmann, nimmt die 75. Geburtstagsfeier des Vorstandsmitgliedes I. H. Waltuch, die 50. Geburtstagsfeier des Vorstandsmitgliedes Dr. Leopold Plaschkes und die. 80, Geburtstagsfeier des gewesenen langjährigen Vorstandsmitgliedes Dr. Jakob Engel wahr, um nach Eröffnung der Sitzung die Persönlichkeit und die Leistungen der Genannten für die Judenschaft im allgemeinen und die israelitische Kultusgemeinde Wien im besonderen gebührend zu würdigen. Nach Uebernahme des Vorsitzes durch den Vizepräsidenten Dr. Ornstein berichtete Präsident Doktor Friedmann über das Erlöschen der Mandate der „Vereinigung werktätiger Juden" und der Gruppe „Poale Zion-Hitachduth-Verband sozialistischer Juden" in der Kultusgemeinde infolge der Bestimmungen des § 2, Abs. 2 der Verordnung der Bundesregierung B.-G.-Bl. 100 vom 17. Februar 1934, 29. Stück, der Verordnung der Bundesregierung vom 12. Februar 1934, B.-G.-B1. Nr. 78 vom 13. Februar 1934, 24. Stück, im Zusammenhange mit § 11, Abs. 1 des Statutes der isr. Kultusgemeinde Wien und des § 9, Abs. 3 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. Nr. 57. sowie über die von ihm im Sinne dieser gesetzlichen Vorschriften getroffenen Durchführungsmaßnahmen. Ueber Antrag der Kultusvorsteher Dr. Ehrlich, Dr. Ticho und Genossen wurde der Bericht des Präsidenten vom Plenum zustimmend zur Kenntnis genommen und dem Präsidenten einhellig das uneingeschränkte Vertrauen des Plenums ausgesprochen. Des weiteren hat das Plenum die im Interesse der Kultusgemeinde und ihren Institutionen entfaltete Tätigkeit der ausgeschiedenen Mandatare dankbarst gewürdigt und das Präsidium ermächtigt, diesen Dank den in Betracht kommenden Herren in geeigneter Form bekanntzugeben. Präsident Dr. Friedmann berichtete sodann über Uie Vorstellung des Präsidiums bei dem Herrn Bundeskommissär für Wien, Minister Schmitz, Vizepräsident lJr. Lowenherz über die mit dem Generaldirektor und den Vertretern des American Joint Distribution Committee in Paris geführten Verhandlungen wegen Förderung der Wiener jüdischen Fiirsorgeeinrichtungen durch den Joint. Das Plenum genehmigte die Nominierungen der Vertreter des mosaischen Glaubensbekenntnisses für die einzelnen Ortsschulräte, ferner auf Grund der sehr günstigen Versuchsergebnisse die Installierung einer Lautsprecneranlage im Leopoldstädter Tempel. Nach Erledip«LVOi? steuerrekursen, Stiitungsangelegenheiten und Personalien wurde die_Sitzung geschlossen. Auflösung der neologen Kultusgemeinde in Preßburg. Der Vorstand der Preßburger neologen sraelmschen Kultusgemeinde wurde von der Regierung seiner Funktion enthoben und Rechtsanwalt Dr. Arpad Tauber zum Regierungs- [ Kommissär bestellt. Der Grund dieser Maßnahme ist ein Streit zwischen dem Vorstand der Kultusgemeinde und dem Oberrabbiner Dr. Funk, ur runk wurde angeblich wegen seines hohen Alters pensioniert und leitete gegen seine Pensionierung gerichtliche Schritte mit der Behauptung ein, daß die Gemeinde ihre Kompetenz überschritten habe. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor. Tel. U10-4-53 Gemeinde€fkTonik. Paris. Das Institut für vergleichende Rechtswissenschaft an der juridischen Fakultät der Universität Paris hat den ehemaligen Leiter für Talmud am Hebräischen Gymnasium von Jerusalem A. L. Grojewski eingeladen, im Institut einen Vortrag über talmudisches Recht zu halten, Grojewski ist ein ehemaliger Schüler des kürzlich verstorbenen „Gaon Chofed C h a j i m". Prag. Am 7. März vollendete Dr. Jindfich K o h n, ein Führer jener Juden in der Tschechoslowakei, die sich dem tschechischen Kulturkreis assimiliert haben, sein 60. Lebensjahr. Der Jubilar, der eine Anzahl rechtswissenschaftlicher Werke in tschechischer Sprache herausgegeben hat und noch vor dem Kriege als Mitglied des Vollzugsausschusses der damaligen Fortschrittspartei Mitarbeiter Professor Masaryks war, hat auch die Ideologie der tschechisch-jüdischen Bewegung wesentlich bestimmt. Personalnachricht. Der Großmeister des souveränen Malteserritterordens hat auf Vorschlag des Großpriors in Wien, Universitätsprofessor Dr. Richard Volk, das Verdiensthalskreuz erster Klasse verliehen. Dr. Leopold Plaschkes feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlasse veranstalteten ihm seine Freunde einen Ehrenabend im Restaurant Tonello, dem Vertreter der Kultusgemeinde, der verschiedenen jüdisch-politischen, insbesondere dem Jubilar nahestehenden Parteien beiwohnten; auch ein Delegierter der „Union" nahm an dem Festabend teil. Wie immer man zu der Politik des Herrn Dr. Leopold Plaschkes stehen mag, selbst sein Gegner wird seine ehrliche Begeisterung für die jüdische Sache und sein rastloses Streben im Dienste des Judentums anerkennen, insbesondere lobend die Hilfsbereitschaft feststellen, die Dr. Plaschkes jedem gegenüber bekundete, der seines Judentums wegen ungerechten Verfolgungen ausgesetzt ist. Herr Heinrich Lipsker, der bisherige Direktor des Ufa-Tonkinos, IL, Taborstraße, hat kürzlich die Leitung des bekannten Rotenstern-Kinos, IL, Rotensrerngiasse, übemommen. Diese Mitteilung wird sicherlich gerade die Leser unseres Blattes lebhaft interessieren. Aus dem Stadttempel. Nach vierzigjährigem verdienstvollen Wirken ist der allseits beliebte Chordirektor der Kultusgemeinde Josef Zellnik in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger am Stadttempel wurde der aus der Wiener Staatsakademie und Hochschule für Musik hervorgegangene, mit Auszeichnung diplomierte Kurt Fuchsgelb bestellt, der zu seiner Berufung herzlich beglückwünscht sei. Barmizwahfeier. Samstag, den 10. d. M.. fand im Tempel, X., Humboldtgasse, die Barmizwah von Hugo F a s s e 1, dem Enkel des bekannten Papierwarenfabrikanten Kommerzialrat Adolf Reiß, welcher sich allgemein der höchsten Wertschätzung erfreut, statt. Bei der Feier waren u. a. anwesend: Kultusvorstand'Dr. Ernst Feldsberg, der gesamte Vorstand des Tempels, die Kommcrzialräte Martin und Hugo Bunzl, Generaldirektor Connard, Direktor Eferdinger, Kommerzialrat Direktor Frey, Dr. Fischer. Kommerzialrat Hussa. Kommerzialrat Joser Kraus, Direktor Materno, Dr. Rosenbaum, Kommerzialrat Dr. Tausski. Direktor Zwergbaum u. a. Oberkantor S. Weiß fungierte mit machtvollem Gesang. An den Barmizwah richtete Rabbiner Dr. Weiner sehr eindrucksvolle Worte. Die Feier fand ihren Abschluß im Heim der Familie Reiß-Fassel. wo sich zahlreiche Freunde des Hauses zur Gratulation einfanden. Goldene Hochzeit. Am 10. März fand im Bethause ..Talmud Thora". II., Czerningasse. die goldene Hochzeitsfeier des Herrn Abraham Leib und seiner Gattin Anna, geb. Wofn garten, statt. In Vertretung des Vorstandes der Kultusgemeinde brachte Bethausvorsteher Gustav Planer dem Ehepaar die Glückwünsche unserer Gemeinde durch eine herzliche Ansprache zum Ausdrucke. Todesfall. Am 4. März ist Herr Gottlieb Drab. ein Volksmann in des Wortes schönster Bedeutung, nach langer und schwerer Krankheit im 70. Lebensjahre sanft verschieden. Der Verblichene, der in den Bezirken Ottaknng und Hernais durch vier Jahrzehnte auf dem Gebiete des Kultus und der Wohltätigkeit sich in vor- UAEM IX., BCROGASU NR. 1» FiUALf i XVIII., WAHR1IM1CRSYRASSS VT Telephon Nr. A 17-349and A 15-9-34 Uaterant für Heilanstalt«» AbteilungenforKoscherfleiscii •Mater Aufsieht da» afirw. Rabbiitatos dar Isr. K«ltu«a«n«iwi* Wim. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zo den billigsten MarktprelMn Die „Union Osterreuten: r Juden" veranstaltet für alleinstehende Personen Sofortige Anmeldungen an das Sekretariat der „Union" erbeten. bildlicher und selbstloser Weise betätigte, gehörte als Vorstandsmitglied dem Bethausvorstande. der Chewra Kadischa, dem Vereine der „Kinderfreunde" zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder, dem Ausspeisungsvereine und schließlich dem humanitären Vereine ..Greisenschutz" bis zu der vor zwei Jahren erfolgten Auilösung in der Eigenschaft als Obmann an. Die große Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Verstorbene vermöge seiner steten Hilfsbereitschaft und seines herzgewinnenden, liebenswürdigen Wesens erfreut hatte, kam bei seinem Leichenbegängnisse, das am 7. Marz auf dem Zentralfriedhofe (4. Tor) stattfand, zum Ausdruck. In der Zeremonienhalle hatte sich eine stattliche Anzahl von Trauereästen und Abordnungen des Bethausvorstandes und der humanitären Vereine eingefunden. Die fast vollzählig erschienenen Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa mit dem Vizepräsidenten Samuel F ischer an der Spitze nahmen vor der Estrade Aufstellung. Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach würdigte in einem allen zu Herzen gehenden Nachrufe die außerordentlichen Leistungen des Verblichenen im Bethausvorstande und in der Chewra Kadischa und rühmte seine menschlich schönen Eigenschaften, die sich insbesondere in seiner unermüdlichen Hingabe iür Besserung der Lage armer Kinder und Greise äußerte, denen er in Treue und Redlichkeit diente. So wie er selbst das Muster eines braven Sohnes war, so sei er auch der liebevollste Gatte und seinem einzigen Sohne gegenüber der fürsorglichste Vater gewesen. Hierauf hielt der Obmann des Vereines „Kinderfreunde", Herr Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig, der bereits tagszuvor ia der Vorstandssitzung der Trauer um den Verblichenen beredten Ausdruck verliehen hatte dem Heimgegangenen eine tief empfundene Gedenkrede, in der er aui die grollen Verdienste Gottlieb D r a b s hinwies, die ihm ein immerwährendes Andenken sichern. Der Verstorbene war Ehrenmitglied dieses Vereines, und als die ..Kinderfreunde" im Jahre 1931 das fünfzigjährige Bestandsjubiläum feierten, wurde er in Würdigung seiner hervorragenden Leistungen vom Bundespräsidenten mit dem Titel „Bundesstaatlicher Fürsorgerat" ausgezeichnet. Zum Schlüsse sprach der Redner, selbst tief bewegt, seinem treuen Freunde und Mitarbeiter in seinem Namen und namens der hunderte Kinder für seine Opierwilligkeit den innigsten Dank aus. Die kantoralen Funktionen versahen die Herren Oberkantor R. Kogan und Kantor M. H a r e n d o r f in ergreifender Weise. Dann wurden die irdischen Ueberreste dieses wahrhaft guten Menschen zur letzten Ruhestätte geleitet, woselbst allen Anwesenden noch einmal zum Bewußtsein gekommen ist. welch wertvolle Kraft die Judenschaft von Ottakring und Hernais an Gottlieb Drab besessen hatte. Liturgisches Konzert. Sonntag, den 4. März, fand im Bezirkstempel, III.. Untere Viaduktgasse, ein liturgisches Konzert der Hasimrah statt. Der Oberkantor des Tempel, L ö w y, begann mit dem schön vorgetragenen Maariwgebet, worauf unter der Leitung der Dirigenten Oesterreicher und G r ü n b a 11 die berühmten Gebete der Komponisten Lewandowsky und Rosenblatt durch den herrlich und harmonisch wirkenden Chor gesungen wurden. Dazwischen hielt der Tempelrabbiner Dr. Kupfer eine ausgezeichnete Predigt. Die Sologesänge des Herrn Oberkantors Rosenberg und des Herrn Bugcester, entzückten die Zuhörer. Es schloß der gehaltvolle Abend, an dem Kunst und religiöse Andacht sich harmonisch einigen konnten, mit jüdischen Chorgesiingen, verfaßt von Herrn G r ü iib a 11. Der iiidisch-religiöse Abend wird allen Zuhörern unvergeßlich bleiben, er ist ein Verdienst der „H asimrah". des Tempelvcreines. III.. Untere Viaduktgasse, wie auch des Rabbiners Dr. Kupfer. Tempel- und Schulverein Favoriten. Bei der am 7. März stattgeiundenen Konstituierung des Vorstandes des israelitischen Tempel- und Schulvereines iür den X. Gemeindebezirk Favoriten in Wien wurden gewühlt zum Obmanne Herr Benjamin Scher, zum I. Obmann-Stellvertreter Herr Leopold Grünspan, zum II. Obmann-Stellvertreter Herr Simon Steiner, zum Schriftführer Herr Adolf Spira, zum Schriftführer-Stellvertreter Herr Gustav Fuchs, zum Ka.ssavenvahrer Herr Leopold D r i I i. zum Kassaverwahrer-Stellvertreter Herr Alfred S c h \v e i g e r und zu Schul- und Bethausvcrwaitern die Herren Albert Bauer Sigmund nisenstedtcr. Alired Feßler, Johann Meister, Dr. Karl Neuinann. Adolf Plaschkes. Jakob Schwarz und Mor Weisz. Währinger israelitischer Frauenverein. Am Samstag, den 10. d. M., veranstaltete der unter Führung seiner Präsidentin Frau Med.-Rat Gisela Winter stehende vorbildlich wirkende israelitische Frauenvereiii im 18. Bezirk aus Anlaß seines 40jährigen Gründungsjubiläums im Hotel Continental eine Akademie mit Tanz, die. ausnehmend gut besucht, einen glänzenden Verlaut nahm. Den ausgezeichneten Darbietungen der prominentesten Künstler unter der Conference Erwin E n g e I s zollte ein erlesenes Auditorium reichen, wohlverdienten Beifall. Die überaus rührige Vereinsleitung konnte ais