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Die Wahrheit · 1934-03-02 · Heft 9 (2.3.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 9 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Spszialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 bat nicht verrichten darf. Der französische Gelehrte A. Alexandre (geb 1766, gest. 1850) geht in seiner „Encyclopedie des Ecüecs" so weit, die Erfindung des Schachs in die biblische Zeit zu verlegen, indem er, freilich durch eine spielerische Exegese, das Schachspiel in 2. Sam.. Kap. 2. hineindeutet. In einem deutschen Sagenbuch aus dem XVI. Jahrhundert wird König Salomo als Erfinder des Schachspiels bezeichnet. Eine Anekdote von Salomos Schachspiel mSt seinem Feldherrn Benajahu ist in deutscher Sprache zu finden in „Erster Teil Jüdischer Historien.., Teutsch verfertiget. Christophorum Helvicuim Professorem in der Universität Gießen. Getruckt zu Gießen bey Caspar Chamlein. im Jahre MDCXII". Die Historie XLi trägt die Ueberschrift „Wie Königi Salomo im Schachspiel betrogen ward und wie er dahinter kam." Danach hätte also das königliche Brettspiel seinen Sieg durch .die Welt aus dem Hebräerlande genommen. Nun dürfen allerdings derlei „Historien" auf geschichtliche Geltung keinen Anspruch erheben. Es ist ungewiß, wann und. wo das Schachspiel erfunden wurde. Jedenfalls aber ist es ziemlich sicher, daß das Schachspiel im V. Jahrhundert von Arabern und Juden gekannt und den Europäern vermittelt worden ist. Sehr zahlreich sind die Schachlegenden und Schachanekdoten, die für die Verbreitung des Schachspiels bei den Jud.en höchst charakteristisch sind. Eine der bekanntesten Schachlegenden ist die vom „jüdischen" Papst Anaklet II., den sein Vater, Rabbi Simon aus Mainz, bei einer Schachpartie, die er mit dem Papste spielte, an einem eigenartigen Schachzug als Sohn wiedererkannt haben soll. (Die Sage verwechselt hier den am 25. Jänner 1138 in Rem geborenen Pierloni mit einem Sohne des Rabbi Simon aus Mainz, der Elchanan hieß und in seiner Jugend zwangsweise getauft worden war.) Eine in ihrer Art charakteristische Anekdote, die an Friedrich den Großen anknüpft, lautet folgendermaßen: Friedrich der Große pflegte öfter mit einem Juden Schach zu spielen. Einmal spielte er in Gegenwart von Hofleuten und verlor eine Partie nach der anderen. „Die nächste Partie werde ich doch hoffentlich gewinnen!" rief der König mit Unwillen dem Gegner zu. Dieser war jedoch so ungeschickt oder so eitel, den Wink nicht zu verstehen: der König verlor -abermals. Darauf wurde der Jude mit Zorn hinausgewiesen, um nie wieder der hohen Ehre teilhaftig zu werden. Von einem jüdischen Schachmeister aus jenen Tagen berichtet Zelter an Goethe folgendes: Aus jüngeren Jahren fällt mir ein Jude ein, namens Michel, der in allen Dingen, bis auf zwei Elemente, verrückt erschien. Wenn er französisch sprach, kam kein unebenes Wort über seine Lippen, und er spielte vollkommen Schach. So kommt dieser verrückte Michel (wie man ihn nannte) zum alten Mendelssohn, der sitzt und spielt Schach mit dem alten Rechenmeister Abram. Michel sieht das Spiel an. Abram macht endlich eine Bewegung mit der Rechten, um das Spiel als verloren umzuwerfen, und erhält einen derben Schlag auf den Kopf, daß ihm die lose Perücke abfällt. Abram hebt ruhig seine Perücke auf und spricht: „Aber, lieber Michel, wie hätte ich denn ziehen sollen?" — Lessing hat den Vorfall im „Nathan" nachgebildet. Martin Seefels, Semeindeihwonifc. Brüssel. An der Landestrauer anläßlich des Todes König Albents haben alle jüdischen Verbände und Organisationen in eigenen Kundgebungen teilgenommen. Als Vertreter der belgischen Judenheit wohnte Oberrabbiner Dr. Joseph Wiener den Begräbnisfeierüchkeiten bei In der großen Synagoge zu Antwerpen fand eine Trauerieier statt, bei der Rabbi Amiel die Gedenkrede hielt. Das Consistoire Israelite. d're einzelnen jüdischen Gemeinden, philanthropischen Vereinigungen und sonstigen Verbände und Institutionen .haben an die königliche Familie Beileidskundgebungen gerichtet. Gedächtnisgottesdienste der israelitischen Schuljugend. Gemäß dem Erlasse des Bundesministeriums für Unterricht und des Stadtschulrates wurden über Ver- I\ArUng-des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde W:en in allen Gemeinde, und Bezirks-Synagogen am «ontog, den 19. Februar d. J. Gottesdienste zum Geu ,nis der bei den Februar-Ereignissen Gefallenen abgehalten. n-,i.,.,Durch die recntzeitiK getroffenen, umfassenden AnuiG.uiru-n wurde die Teilnahme der gesamten jüdischen MERANO Fortzugshalber eine sehr gut und modern montierte 5-Zimmerwohnung mit allem Zubehör sotort oder später bittig zu vermieten, respektive zu verkamen. Frau Else S c h w e r i n e r, M e r a n o (Italien), Via Tobia Brenner 3. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U J5-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor. Tel. U10-4-53 Schuljugend aller Schul- und Erziehungsanstalten Wiens an diesen Gottesdiensten ermöglicht Die in der Schule zum Unterricht erschienene Schülerschaft wurde von den Religionstehrern der Kultusgemeinde, bzw. von den Lehrkräften des Bundes und der Gemeinde Wien m die Synagoge geleitet Alle diese Gottesdienste nahmen einen sehr weihevollen und würdigen Verlauf. Im Stadtterapel wurde die Gedächtnisfeier von Herrn Oberrabbber Dr. Feuchtwang und im Leopoldstädter Tempel von Herrn Obernabbiner Doktor T a g l i c h t abgehalten. Linz. Der Herr Bundespräsident hat dem Herrn Benedikt Schwager, Zuckerwarenerzeuger in Linz, den Titel eines Kommerzralrates mit Nachsicht der Taxe verliehen. Der Herr Bundesminister für Handel und Verkehr Stockinger, setzte hievon Herrn Schwager mit folgendem Zusätze in Kenntnis: „Ich freue mich, Sie von dieser Schlußfassung unter Beifügung meines besten Glückwunsches verständigen zu können." Hiezu teilt der Landeshauptmann von Oberösterreich mit: „Es gereicht mir zur besonderen Freude, Sie zur Verleihung des Titels eines Kommerzialrates durch den Herrn Bundespräsidenten unter gleichzeitiger Ausfolgung des Dekretes des Herrn Bundesminister für Handel und Verkehr bestens beglückwünschen zu können. Für den Landeshauptmann: Mayerhofen m. p. Es erübrigt sich, die großen Verdienste des Herrn Schwager, des allseits bekannten und beliebten Präsidenten der Linzer Kultusgemeinde, bei däteser in so ernster. Zeit erfolgten Auszeichnung ausführlich zu würdigen. Es ist dies an dieser Stelle schon wiederholt bei verschiedenen Anlässen geschehen, so daß wir uns auf die Bekundung unserer, herzlichsten Glückwünsche beschränken können. Bürgerurkunde für Professor Glücksmann. Dem Schriftsteller Prof. Heinrich Glücksmann, Dramaturgen des Deutschen Volkstheaters, ist kürzlich im Rathaus die künstlerisch ausgestattete, von Alexlander D. Goltz nüt einem die Wirkungsstätte des Geehrten darstellenden Aquarell geschmückte Urkunde über seine aus Anlaß seines 70. Geburtstages erfolgte Ernennung zum Bürger von Wien überreicht worden. Barmlzwahfeiern. Samstag, den 24. v. M. fand im Döblinger Tempel die Barmizwa des Sohnes Josef des in weitesten jüdischen Kreisen bekannten und beliebten Milieudichters Dr. Leopold Ehrlich (Hichler) statt Der Konfirmant trug die Haftorah mit den schönen, alttraditionellen Nigunim und mit ungemein viel Innigkeit und Verständnis von, was bei der großen Schar der Tempelbesucher, die zu diesem Feste gekommen waren, darunter Oberbaurat Stricker, Kom.-Rat Metzger, sowie der Gesamtvorstand des Tempelvereines, großen Gefallen auslöste. Rabbiner Dr. Frankfurter hielt an den Konfirmanten eine ebenso herzliche wie inhaltsreiche Ansprache. Am Abend vereinigte sich ein großer Kreis von Familienangehörigen und Fneunden im Elternhause des Konfirmanten; erschienen waren unter anderen Herr und Frau Rabbiner Dr. Frankfurter, Herr Felix Saiten, Tempelobmann Herr Bela FränkL Herr und Frau Dozent Blatt. Mnv-Rat Dr. Deutschender und Frau, Fabrikant Nathan Pollak und Frau, Herr Dr. Karplus, R.-A. Dr. Hermann Low, Herr Dr. Präger (Löwit- Verlag) und andere treue Freunde des echt jüdischen Hauses. Der Hausherr begrüßte die Schar der illustren Gäste, ermahnte seinen Sohn, im Leben zu allen Menschen gut zu sein, und segnete ihn mit dem väterlichen Jeworechecho. Im seiner Rede war seine Gestaltungskunst und sein starkes jüdisches Empfinden — wie in seinen Werken — zu bewundern. Sodann sprach Herr, Rabbiner Dr. Frankfurter, der die Verdienste des Gastgebers zur Ehre des Judentums hervorhob. Für den heiteren Teil des Abends sorgte der bekannte Humorist Armin Berg in einem großen Programm. Nicht zuletzt sei des orthodox koscheren, überaus reichen Mahles des bekannten Restaurateurs der Wienea, Herrn Schreibers, erwähnt. Alle Teilnehmer werden dieses so schöne Famiienfest in Erinnenung behalten. Am 24. v. M. fand im jüngsten Wiener Tempel, HL, Steingasse 18, die erste Barmizwa statt Dieser orthodoxe Tempel vereinigt in sich alle religiösen Richtungen dieses Bezirkes. Es einigen sich hier friedlich Orthodoxe polnischer und ungarischen Betart und das moderne Fortschrittsjudentum. Hier fand die Barmizwa des ältesten Sohnes des Herrn Jakob Wittels statt. Nach der wunderschön rezitierten Haftorah, die der junge Simon Wittels in vollendeter Weise vortrug, hielt Rabbiner Dr. Kupfer, der von der Unteren Viaduktgasse gekommen war, eine tierinnige Ansprache an den jungen Juden und an alle Betenden, in der er den Gedanken der Einigkeit des Judentums, symbolisiert durch das ewige Licht, enge verknüpfte. Die erhebende Feier fand ihre Fortsetzung im Hause des Herrn Jakob Wittels. Dort sprach unter anderem Herr Rabbiner Benedikt. Derartige Feiern sind Erneuerungen. Synthesen der jüdischen Welt GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KOBNMEHI UmMMBMaaaB^BMMBMM^BMMaMMi^HHMlM WHN OL, MMOJU» NR. 1» piuoui xviii., wAmuNOMsmusB n Telephon Nr. A tf-*99and A 10-9-34 Lieferant für HallautaltM» AbteilungenffirKoscherfleisch AatateM ■"•» •Hrm. R Kultwp—lade» Sämtliche FleUchiorten von ausschließlich Pruna-Qualitit zu den billigsten Marktpreises Vexetn&nadkwidkten Der Ausspeisungsverein »Obel Rachel", der durch seine in seinen schönen Räumen, II., Kleine Pfarrgasse 8, allabendlich vorgenommene Ausspeisungsaktion an ungefähr 100 bedürftige Personen ein wahrhaft jüdisches Werk vollbringt, veranstaltet, um die Fortführung" dieses edlen Werkes nicht zu gefährden, trotz des Ernstes der Zeit, am Samstag, den 3. März, 8 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Co n t i n e n t a l eine Akademie. Die Vereinsleitung hat sich zu der Abhaltung dieser Veranstaltung entschlossen, weil sie ohne den hiedurch erhofften Reinertrag nicht die Möglichkeit sieht denAermsten der Armen, die in dieser Ausspeisung ein Essen erhalten, das gewöhnlich ihr einziges im ganzen Tage ist, zu helfen, und richtet an alle mitfühlenden Glaubensgenossen die innige Bitte, auch ihrerseits durch zahlreichen Besuch dieser Veranstaltung, für die ein ganz erstklassiges Programm mit prominenten Kunstkräften gewählt wurde und der eine Tanzunterhaltung folgen soll, mitzuhelfen. Israelitischer Tempel- und Schutvereln Favoriten. Sonntag, den 4. d. M., J410 Uhr vormittags, findet im Wintertempel, X., Humboldtgasse 25. die 55. ordentliche Generalversammlung statt Im Tempelverein „Beth Hachneseth", III., Untere Viaduktgasse 13, findet Sonntag, den 4. März, 17 Uhr, 15 Minuten nachmitags ein Liturgisches Konzert der Hasimrah, Chorverband der Vereinstempelsänger, statt. Um zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Prominente Wiener Bühnenkünstler veranstalten am Sonntag, den 4. März, 8 Uhr abends, im Festsaal des Hotel „National", IL, Taborstraße, einen Ehrenabend für Leo Valbert mit reichhaltigem Programm. Vierzigjährige Festakademie des Israelitischen Frauenvereines für den 18. Bezirk. Trotz des tief beschatteten Antlitzes unserer Zeit hat es sich der genannte Verein nicht nehmen lassen dürfen, auch heuer wie in den vergangenen Jahren mit einer Veranstaltung hervorzutreten, deren Zweck es ist, im Sinne der berufensten Kreise den Armen und Zermürbten zu helfen. Vierzig Jahre sind es nun her. daß der Verein in dieser Richtung tätig ist und die Hauptquelle der Einnahmen bildete eben seit jeher das Erträgnis solcher öffentlicher Aufführungen, deren heurige am 10. März im Festsaal des Hotel Continental stattfinden wird. Wie reichhaltig das Programm ist. möge aus folgender Reihe der Mitwirkenden ersehen werden: Die Konferenz führt Erwin Engel, dessen Tochter ebenfalls mitwirken wird, die übrigen Künstler haben nicht minder klangvolle Namen, nämlich Eugen S t r e h n. Else Kaufmann. Edmund Somato, Opernsängen, Trade Roth, Fräulein P ü c h 1 e r, Soubrette, die Bremer Stadtmusikanten (drei Kinder) und eine vorzügliche Jazzkapelle (Tanz). Eine Tombola mit schönen Gewinsten wird auch nicht fehlen. Eintrittskarten unter Tel. Nr. U 29-1-35 und an der Abendkasse. Jüdischer Frauenwohltätigkeitsverein. XIX. Sonntag, den 18. März, nachmittags und abends, findet im Kasino Z ö g e r n i t z, XIX., Döblinger Hauptstraße 76, wie alljährlich eine große gesellige Veranstaltung des Döblinger jüdischen Frauenvereines statt über deren reichhaltiges Programm wir noch berichten werden. „Mathilde", Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schul-, insbesondere Waisenkinder, teilt mit, daß die für den 24. Februar im Festsaale des Hotel Continental angesetzte Festakademie mit Tanz auf Sonntag, den 11. März 1934, 8 Uhr abends, verschoben wird. Die gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit. JÜDISCHE KUNSTSTELLE IL, Aspernbrückengasse 2. R 48-2-91._Büro: Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für folgende Theater zur Verfügung: Burgtheater. Staatsoper. Akademietheater, Scala, Deutsches Volkscheaten. Theater an der Wien, Stadttheater, Moulin Rouge, Casinotheater usw. Konzerte: Jascha Heifetz, 13. März (G. K. S.) Pablo Casals. 18. März (G. M. S.) Die soeben erschienene Nummer des „Mitteilungsblattes der Jüd. Kunststelle" enthält eine Fülle hochaktueller und interessanter Mitteilungen über jüdisches Geistesleben in aller Welt Der Abonnementspreis beträgt — bei Htägigem Erscheinen — S 1.— bis zum Schluß der Theatersaison.

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