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Die Wahrheit · 1934-02-23 · Heft 8 (23.2.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 8 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Spezialhaus för Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, Z. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabrikstiiederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Semeindedironih. Aus dem Wiener Kultusvorstand. Die Verordnungen der Regierung bezüglich der Auflösung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und hinsichtlich des Erlöschens der sozialdemokratischen Mandate hatten bei der Zusammensetzung des Kultusvorstandes und der Kommissionen die selbstverständlichen Rückwirkungen zur Folge. Die Mandate der „P o a 1 e Z i o n" und der „Vereinigung werktätiger Juden" erscheinen als e r l o s c h e n. Absage der Purim-Feier der „Union". Wie alljährlich, beabsichtigte die „Union" auch heuer eine repräsentative Purim-Feier zu veranstalten, und hat bereits alle Vorbereitungen zu der für den 3. März geplanten Feier getroffen. Die allgemeinen Verhältnisse lassen es jedoch als rätlich erscheinen, in diesen Wochen von einer größeren Veranstaltung Abstand zu nehmen. Die Vereinsleitung ist mit Rücksicht auf die Vorgänge in unserem Lande permanent mit außerordentlich wichtigen Beratungen und Maßnahmen im Interesse der österreichischen .ludenschaft beschäftigt. Der Verein zur Versorgung hilisbedüritiger isr. Waisen in Wien hielt am 4. d. M. unter Vorsitz des Vizepräsidenten Dr. Paul Raumann seine 73. Generalversammlung ab. die vor allem dem Gedenken seines hochverdienten, dem Vereine allzu früh entrissenen Präsidenten Richard Petschek gewidmet war. Der Vorsitzende gedachte ferner in warmen Worten des Ablebens zweier Freunde des Vereines, des langjährigen Revisors Herrn Ludwig Abel es und des Vorstandsmitgliedes Kommerzialrat Edmund Hacke r. Aus dem Berichte, den der verdienstvolle Sekretär des Vereines, Direktor S. Kühner, erstattete, war zu entnehmen, daß die Bilanz trotz der eifrigen Tätigkeit des Vorstandes infolge der widrigen Wirtschartsverhältnisse mit einem Gebaruugsabgang von über 20.000 S abschloß. Das Mädchenwaisenhaus, XIX., Ruthgasse 21, beherbergte 44. das Knabenwaisenhaus, XIX., Probusgasse 2—4, 62 Zöglinge. Der Gesundheitszustand der Kinder war ein sehr cruter, die Gewichtszunahmen betrugen bis zu 9 kg, im Durchschnitt 4 kg. In dankenswerter Weise wurde die Aktion zur Unterstützung arbeitslos gewordener, ehemaliger Zöglinge fortgesetzt. Großes Gewicht wird auf die religiöse Erziehung der Kinder gelegt. An den hohen Festen wie am Vorabend des Sabbat wird im Knabenwaisenhaus feierlicher Gottesdienst abgehalten, an den sich eine Aussprache über jüdische Vorkommnisse in Vergangenheit und Gegenwart schließt. Außerdem bieten Chanuka. Purim. die Sederabende u. a. Gelegenheit, das religiöse Gefühl zu vertiefen. Herr Direktor Simon Thieberger schied nach mehr als zehnjähriger verdienstvoller Tätigkeit aus seinem Amt. ihm und seiner Gattin wird für ihre aufopferungsvolle Mühesvaltung der Dank des Vorstandes zuteil, ebenso wie dem langjährigen Anstaltsarzte, Herrn Hofrat Dr. Ph. S i 1 be r s t e r .1, der infolge Krankheit resignierte: sein Nachfolger ist sein Sohn Dr. Ernst Silberstern, während die Stelle des Direktors Herrn Dr. Berthold L ö w e n f e I d, der Lehrer am Blindeninstitute gewesen, verliehen wurde. Er und seine Gattin haben sich sehr rasch in ihren Pflichtenkreis eingelebt. Mit dem Dank an alle Freunde und Gönner des Vereines und einem warmen Appell um Hilfe in der Not, schloß der Bericht. Zu demselben sprachen der Obmann der Fürsorgekommission Dr. K1 a b e r, der Vizegroßpräsident des Verbandes der ßnai-Brithvereinigungen Kommerzialrat Klemperer, lerner der Vizepräsident der BB.-Loge Wien Doktor Schell. Der von Direktor Goldschmidt erstattete Finanzbericht wurde zur Kenntnis genommen. Mit den Wahlen und der Bestimmung des Jahresbeitrages schlc-ß die würdig verlaufene Generalversammlung des Vereines, an dessen Spitze nun Dr. Paul Raumann tritt, der dem Vorstande bereits längere Zeit seine besten Kräfte leiht. — An der Generalversammlung haben unter vielen anderen teilgenommen: für die Kultusgemeinde Präsident Dr. D. Friedmann und Reg.- Rat Fuchsgelb, der Obmann der Fürsorgekommission Dr. Klaber und Obmannstellvertreter Geza Klinger, das Ehrenmitglied Professor Dr. Alois Pick, für die Familie des verstorbenen Präsidenten Petschek dessen Bruder Herr Univ.-Professor Dr. Georg Petschek. die Töchter Frau Dr. Kornfeld und Frau Ingenieur Fischer, für die Ch.ewra Herr Denes, für die Alliance Dr. Kaminka, für den Verband der Humanitätsvereine Bnai Brith. Ehrengroßvizepräsident Dr. W. Knöpfelmacher und Großvizepräsident K.-R. Klemperer. ferner Präsidenten und Mitchedier der verschiedenen B. B.-Vereine. für die Weibl. Fürsorge: Frau K.-R. Kadisch und Frau Dr. Stein, für das Merores-Waisenhaus Frau Vizepräs. Justizrat Dr Adler und Frau Dir. Lehmann, Chefredakteur (1. Hirschfeld u. a. Tempelverein iür die Bezirke Wieden-Margareten. Einen sehr angeregten Verlauf nahm die kürzlich unter Vorsitz des verdienstvollen Obmannes des Vereines Herrn Desider W o 1 i n e r abgehaltene Generalversammlung, die recht gut besucht war und der auch Vertreter von verschiedenen Körperschaften und Tempelvereinen beiwohnten. Dem vom Schriftführer Dr. Elkan fir^bsttiHt £2£slüzs Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, Kita Im I. Cor, Tel. U 18-0-85 D u v i d zum Vortrag gebrachten Rechenschaftsbericht iclgte eine sehr lebhafte Debatte, in der die Frage der Stibventionierung des Vereines durch die Kultusgemeinde eine große Rolle spielte. Beschwerden, die diesbezüglich erhoben wurden, traten d'er Vertreter der Kultusgemeinde Dr. Löwy und der Obmann der Organisation der Tempelvcreine Dr. Leo Landau in wirksamen Reden entgegen: die Versicherung, daß man sich für eine entsprechende Berücksichtigung dieses an der Peripherie unserer Stadt so ersprießlich wirkenden Tempelvereines, dessen kulturelle Leistungen allgemeine Anerkennung fanden, einsetzen werde, wurde von der Generalversammlung und deren Vorsitzenden mit Dank zur .Kenntnis genommen. Dem Bericht des Kassiers Herrn Rudolf S t c i n f e 1 d, der aus eigenem viel zur Erhaltung des edlen Werkes beiträgt, wurde die Zustimmung erteilt, und auch die Neuwahlen und die Festsetzung des Jahresbeitrages wurden in vollster Einmütigkeit vorgenommen. In Anbetracht seiner großen Verdienste um den Verein wurde das langjährige Vorstandsmitglied Herr Samuel Kraus zum Ehrenmitglied gewählt, wofür dessen Sohn Herr Kom.-Rat Rudolf Kraus mit der Erklärung, aus diesem Anlasse eine Spende dem Verein zu widmen, herzlichst dankte. Obmann Desider W o 11 n e r schloß mit Datikeswcrten an alle Erschienenen die recht interessant verlaufene Versammlung. Jüdischer Witwen- und Waisenhilisverein, Wien IX. Am vergangenen Montag fand unter dem Vorsitz des Ehrenpräsidenten Herrn Isidor Trebitsch im Cafe Promenaden die Generalversammlung dieses Vereines statt, die nach Erledigung des meritorisehen Teiles, aus dessen Berichten seine segensreiche Wirksamkeit hervorging, der Ehrung des Obmannstellvertreters Herrn Josef Klein gewidmet war, der in diesen Tagen in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag beging. Ihm zu Ehren waren zahlreiche Festgäste erschienen; u. a. bemerkte man Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz mit Vorstandsmitgliedern und dem Oberkantor S. Postolow vom Miillnertempel, in dem der beliebte Jubilar schon am Samstag feierlich zur Thora aufgerufen worden war, Herrn Obmann S. K o h n vom Bethaiisverein „Ohel Abraham*', Herrn Chefredakteur Oskar Hirschfeld für die ..Union" und „Die Wahrheit". Dem Jubilar wurde eine künstlerisch ausgestattete Urkunde überreicht, in der seine von der Generalversammlung mit lebhaftem Beifall vollzogene Ernennung zum Ehrenmitglied dokumentiert wird. Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz und Obmann S. K o h n richteten an ihn herzliche Ansprachen, in denen Herr Klein als wahrer Volljude gewürdigt und seine großen Verdienste für die jüdische Sache ihre wohlverdiente Anerkennung fanden. Tiefgerührt dankte der Jubilar für dfese Ehrungen und versprach, im Dienste des Judentums weiter wirksam bleiben zu wollen. Er und seine Gattin waren Gegenstand innigster Gratulationen, die, weil sie ei:iem Manne zuteil wurden, der sein jüdisches Fühlen auch durch die jüdische Tat dokumentiert, aus vollstem Herzen kamen und denen auch wir uns gerne anschließen. 80. Geburtstag. Dieser Tage feierte Herr Dr. Jakob Engel. Obmann des Schmalzhoftempels. seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar hat sich um diesen Tempelverein, dem er seine besten Kräfte gewidmet hat, große Verdienste erworben. Er ist nicht nur bei der Mariahilfer Judenschaft sehr geschätzt, sondern genießt auch darüber hinaus Sympathien, die auch bei dem Gratulationsbesuche zum Ausdruck kamen, den ihm das Präsidium der Knltusgemeinde am vergangenen Sonntag abstattete. flugienlsdies KOnigsllcht Seit vielen Jahren das anerkannt beste Iraitii ea^-nötw Mao achte auf die gas. gasen. Mark« »Hygien. KSnigallcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: ttflan XIV., BraunhirschangaastM » Telepban R 33-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL uanHUBnuuuuuunBuuMuuBBBaauuai WIEN IX., BEROOASSS NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINChIRSTRASSC »? Telephon Nr. A 17-349 und A 1S-9-34 Uafarant fOr Hallanatattaa AbteilungetHfirKoscherfleisch uatar Aufsieht des «hrar. Rabblnato« dar ter. Kaltwaanialada Sämtliche Fleischsoiten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisea Verein iür jüdische Geschichte und Literatur in Wien, II., Ferdinandstraße 238. Montag, den 26. Februar 1934, K-8 Uhr abends, findet im Klubsaale,!., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n über „Die polemische Literatur der spanischen Juden im 15. Jahrhundert" statt. Eintritt frei, üäste willkommen. Nach dem Vortrage findet die Generalversammlung statt, an der nur Mitglieder teilnehmen dürfen. Liturgisches Konzert moderner Komponisten. Sonntag, den 11. d. M. fand im Mariahilfer Tempel, behmalzhoigasse, ein liturgisches Konzert moderner Komponisten statt, welches vom ,.W i e n e r jüdischen Gesangverein" unter der Leitung des Chordirigenten Herrn Israel Ü r a n d in a u n und dem Überkantor Artur Lew in ausgeführt wurde. Vorweg wollen wir die ganz ausgezeichnete Leistung dieser Churvereinigniig unter der tüchtigen Leitung ihres Dirigenten Herrn Ii r a n d m a n n besonders anerkennend hervorheben, die durch Klangfülle und Präzisitüt der schwierigen Kompositionen erzielt wurde. Leider wurde das Programm — milde gesagt — recht ungeschickt gewählt. Unverständlich vor allein ist, wie mau zwei „Wesehomru" und zwei „Miehomaueho" in e i n Programm aufnehmen kann. Ist denn die Synagogenmusik so arm an wertvollen Kompositionen verschiedener Texte oder sind denn die aufgeführten so hervorragend, daß dies entschuldigt werden könnte? Wir müssen dies rundweg verneinen. Nicht nur daß gerade die gebotenen Kompositionen nichts Jüdiseh-Synagogales aufweisen, entbehren sie auch der dem Texte entsprechenden Charakteristik. Wir bedauern dies unisomehr, da uns doch ihre Komponisten als ausgezeichnete Musiker bekannt sind, die imstande wären, die Synagogeiimusik hervorragend zu bereichern, natürlich nur dann, wenn sie den traditionellen Synagogenstil berücksichtigen würden. Die Synagogenmusik verträgt nun einmal den modernen Stil nicht, damit soll nicht gesagt sein, daß wir so rückständig sein wollen, uns einem Ausbau der Synagogenmusik zu verschließen. Im Gegenteil, wir würden es begrüßen, wenn die Komponisten der neuen, sagen wir modernen jüdischen Richtung sich in der traditionellen jüdischen Synagogenstilart ein Arbeitsfeld suchen würden. Besonders Herr Achron. der mit seinen herrlichen, von jüdischen Motiven getragenen Violinkompositionen seine hervorragende Begabung bewiesen hat, dies gilt zum Teil auch von den Herren Jacobi und Szaminsky, welche ebenfalls ihre bedeutenden Talente erwiesen haben. Die im Schmalzhoftempel ausgeführten Kompositionen müssen wir, ungeachtet der glänzenden Leistung des Gesangvereines, vom synagogalen jüdischen Standpunkt entschieden ablehnen. Fjn Lichtpunkt in dem ganzen Programm bildeten di; zwei wahrhaft indischen Synagogenstücke von Low und Sircta ..Halben Chaloenu" und „R'zeh". die vom Oberkantor L e w i u mit seiner prachtvoll schönen Stimme meisterhaft vorgetragen wurden und allgemeine Anerkennung hervorrieten. Nicht vergessen dürfen vir das meisternahe Präludium und die verständnisvolle Begleitung der einzelnen Piecen auf der Orgel durch Schulrat Toset Herz. Die Solisten des Gesangvereines waren recht brav. Es wäre zu wünschen und zu empfehlen, daß sich der so hingebungsvoll arbeitende „Jüdische Gesangverein" mit der alten Synagogenmusik vertraut macht, man würde ihm Dank und Anerkennung dafür wissen. Isidor- L ö w i t. Barmizwahieier. Samstag, den 24. d.M.. halb 10 Uhr vormittags, findet im Tempel XIX.. Dollinergasse 3 die Barmizwah von Josef Ehrlich. Sohn des Ehepaares Dr. Lerpcld Ehrlich (Hichler). statt. Richtigstellung. Der Obmann der jüdischen Heischhauorvereinigung. der der im Pazmanitentempel stattgehabten Feier des SD. Geburtstages des Herrn Josef Keßler beiwohnte, heißt G o 111 i e b Herrmann r B egleichen Sie noch heute Ihr Abonnement für das 1. Halbjahr 1934 S 10.—

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