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Die Wahrheit · 1934-02-09 · Heft 6 (9.2.1934) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 6 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis (fieser Nummer 40 Groschen Jüdische Die tbanrheif In Deutschland verboten! Erscheint jeden Freitag mif den Veröffentlichungen der »Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 50. Jahrgang Wien, 9. Februar 1934 Nummer 6 Die Volkszählung. Rasiere Didi gut und billig Am 22. März wird in Oesterreich eine amtliche Volkszählung stattfinden. Ueber Zweck und Durchführungsart dieser Zählung gab Bundesminister Dr. Robert K e r b e r in der „Wiener Zeitung" vom 1. Februar eine ausführliche Information. Die besondere Bedeutung der diesjährigen Zählung liegt nach den Ausführungen des Ministers darin, „daß sie seit dem Jahre 1910 die erste ist, die über den Stand der Bevölkerung nach allen demographischen, familienwirtschaftlichen und sozialen Merkmalen eingehend Auskunft geben und somit die klaffenden Lücken in der Kenntnis der Bevölkerung ausfüllen soll." Die Entstehung dieser „klaffenden Lücken" erklärt Dr. Kerber damit, daß die 1920 fällig gewesene Volkszählung nur kursivisch durchgeführt wurde und auf die ordnungsgemäß am 7. März 1923 veranstaltete Zählung Zeiten ärgster Finanznot folgten, so daß der ziemlich umfangreiche Zählstoff nur teilweise aufgearbeitet werden konnte und die Ergebnisse in wesentlichen Belangen unausgewertet blieben. Indessen scheint nicht bloß die Finanznot an der Unverwertbarkeit des damaligen Zählungsergebnisses schuld zu sein. Man wird vielmehr nicht fehlgehen, dieses Fiasko hauptsächlich in der Verwirrung zu suchen, die von den Anhängern des Rassenwahnsinns angerichtet wurde, indem sie die Aufnahme der Frage nach der „R a s s e" durchsetzten. Die Bevölkerung überwand ihre anfängliche Verblüffung über die ihr aufgenötigte Stellungnahme zu einem wissenschaftlich ganz unklaren Begriff schließlich durch das ziemlich einmütige Bekenntnis zur weißen Rasse. Diese Antwort war nicht zu widerlegen, verdarb aber den Rasseschnüfflern, die mit ihrer Frage kein die Bevölkerung einigendes, sondern im Gegenteil ein Moment der Spaltung und Zwietracht hatten erzielen wollen, die ganze Freude an der Volkszählung. Sie waren auf ihr Ergebnis nicht mehr neugierig und hatten plötzlich „kein Geld" mehr zur Aufarbeitung . . . Und doch war das Bekenntnis zur „weißen Rasse" in jeder Beziehung einwandfreier als alle anderen vom Rassendünkel diktierten Antworten. Hat sich doch erst jetzt im Hitler-Reiche in oft sehr grotesker Weise das früher stolz usurpierte „Ariertum" vieler Familen als illusorisch erwiesen! Die von Amts wegen erzwungene Ahneniorschung hat manch jüdische Großmutter zutage gefördert, von der ihre christlichen Enkel nichts gewußt hatten und deren unvermutete Heraufbeschwörung viel tragischere Folgen nach sich zog als der gruseligste Spuk sündiger Ahnfrauen in den Gespensterstücken phantasiereicher Poeten. Anderseits konnte der Dichter Bronnen seine literarische Stellung im Dritten Reiche nur dadurch behaupten, daß er seinen jüdischen Vater verleugnete und sich als das Produkt eines Ehebruchs seiner arischen Mutter mit einem Tiroler Holzknecht deklarierte. Es ist nicht jedermanns Sache, seine „Edelblütigkeit" auf solche Weise zu erhärten, abgesehen davon, daß so diskrete Angelegenheiten meistens das ängstlich gehütete Geheimnis der an ihnen aktiv Beteiligten bleiben. Wenn schon die legitime Abstammung von Juden in vielen Fällen den getauften Nachkommen unbekannt geblieben ist, um wie viel sorgfältiger pflegt erst eine illegitime Abkunft den davon Betroffenen und gar erst Fremden verschwiegen zu werden! Stößt also schon das einfache Bekenntnis zum Ariertum auf die unüberwindliche Schwierigkeit, seine Richtigkeit den behördlichen Kontrollorganen der Volkszählungskommissionen mit der vom Gesetze geforderten Exaktheit zu beweisen, so ist die Beantwortung der Rasse-Frage seit dem Jahre 1923 durch das inzwischen erfolgte Erscheinen des Günther-Buches noch komplizierter geworden, da der zum autoritären Sachverständigen in Rassefragen aufgerückte Universitätsprofessor von Hitlers Gnaden den Begriff „Arier" sehr we- CNOnnC AUSWAHL DULMSIE »reise E p?lti» #5 l*> V TEPPICHE VODDANOE noBEUTorre, decken MVR I., DADEDNnARIiT 12-14 sentlich differenziert hat. Man muß jetzt gut unterscheiden zwischen nordischen Ariern, südlichen Dinariern, ostischen Alpinen u. dgl. m. Wer kann das in der Praxis? Selbst dem gebildeten Städter dürfte es schwer fallen, seine Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise festzustellen, wie sollte dies der einfache Landmann treffen und vor allem: welche Maßstäbe stünden der behördlichen Kontrollkommission bei der Ueberprüfung dieser rassischen Selbsteinteilungen der Bevölkerung zur Verfügung? Hält man noch dazu, daß, wie Minister Dr. Kerber in der „Wiener Zeitung" darlegt, jede neue Frage auf dem Zählbogen um 50.000 Schilling mehr an Aufarbeitungskosten bedeutet, dann durfte man wohl hoffen, daß die Frage nach der Rasse, in der ja durchaus keine Klarheit, also auch keine praktisch verwertbare demographische Erkenntnis zu erzielen ist, diesmal unterbleibt, zumal da die österreichische Regierung sich wiederholt gegen das Rassenprinzip wegen der extrem materialistischen Weltanschauung, der es dient, eindeutig und entschieden ausgesprochen hat. Aber auch die Anhänger dieser materialistischen Menschenbewertungsmethode verhalten sich jetzt bemerkenswert still. Offenbar hat ihnen die Günthersche These, daß die christlichen Oesterreicher Oesterrclchisclics QadJitais faDrifcöl Ueberau erhältlich zum größten Teil hetitisch-hebräisches Blut besitzen, die Rede verschlagen. Daß trotzdem die Forderung, auch bei der heurigen Volkszählung die Frage nach der Rasse aufzurollen, nicht ganz verstummt ist, ist das Verdienst der Nationaljuden. Kaum war die Absicht der Regierung, eine Volkszählung zu veranstalten, bekannt geworden, da las man auch schon in den diversen jüdischnationalen Blättern das Verlangen nach einer besonderen Fragerubrik „Nation", was ja in diesem Falle gleichbedeutend mit „Rasse" ist, da jedes andere konstitutionelle Merkmal des Begriffs „Nation", als da sind Sprache und Kulturgemeinschaft, bei der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Juden dasselbe ist wie bei der nichtjüdischen Bevölkerung und die wenigen, die sich dieser Gemeinschaft nicht zugehörig fühlen, bei Beantwortung der Frage nach der „Sprachzugehörigkeit" genug Gelegenheit haben, dies zu betonen, wenn sie es wünschen. Es ist zu wetten, daß mancher Treffpunkt der Feinschmecker Cafe-Restaurant FETZER bei der Schwedenbrücke Arbeitnehmer, der sich in dem Volkszählungsbogen zur hebräischen oder jiddischen Sprache bekennen will, in einem Stellenbewerbs-Offert dieses Bekenntnis lieber unterdrückt. Denn hier, wo sein Privatinteresse auf dem Spiele steht, ist er klug genug, die Schädlichkeit dieser Extravaganz für sein Fortkommen zu erkennen. Dort aber, wo es sich um das Schicksal der jüdischen Allgemeinheit handelt, verläßt er sich blind auf die Klugheit der jüdischnationalen Politiker. Worin besteht diese Klugheit und was denken sich die Herren bei der Erhebung ihres Wunsches nach „nationaler" Sonderzählung? Ist ihre Sehnsucht, mit getauften und konfessionslosen Stammesgenossen in einen Topf geworfen zu werden, so stürmisch? Wir halten dies für unwahrscheinlich und müssen daher annehmen, daß die jüdischnationalen Führer sich Gedenket der Winternotstandtaktion der Kultusgemeinde! Geld- und Naturalspenden erbeten an die Fürsorge-Zentrale der Israel. Kultusgemeinde Wien I., Seitenstettengasse 2, Telephon U 25-5-85 Serie, Postsparkassenkonto B-29.659

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