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Die Wahrheit · 1934-01-26 · Heft 4 (26.1.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 4 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 45-8-69 jüdischen Mitglieder des Klubs und zahlreiche nichtjüdische Mitglieder haben sofort nach Annahme der antijüdischen Entschließung ihren Austritt aus dem Klub vollzogen. Die Mitglieder flucht dauert an und bedroht die Existenz des Klubs überhaupt. Es hat den Anschein, als wenn die Klubvorsteherschaft ihren Beschluß, Juden als Mitglieder nicht weiter aufzunehmen, revidieren werde, um Herrn Jeers zur Zurücknahme seiner Mission zu bewegen und die Existenz des Klubs zu sichern. Die Bruderhand. Der englisch-jüdische Board oi Deputies hielt kürzlich in London unter dein Vorsitz seines Präsidenten Neville Laski eine Sitzung ab, in der der Vorsitzende des Joint Foreign Commitee (Kommission für auswärtige jüdische Angelegenheiten). Leonard ü. Monteiiore, unter anderem ausführte: In der a n t i j ü d i s c h e n Gesetzgebung in Deutschland ist jetzt eine gewisse Pause eingetreten. Die Minister für öffentliche Arbeiten und für Handel scheinen Anstrengungen zu machen, um dem Boykott jüdischer Firmen und den eigenmächtigen und unrechtmäßigen Entlassungen jüdischer Angestellter Einhalt zu gebieten. (Diese Anstrengungen sind inzwischen, wie an anderer Stelle berichtet wird, gescheitert. Die Red.) An eine Wiedergutmachung des Unrechtes scheint aber niemand zu denken. Im unverfälschten Geist mittelalterlicher Barone scheinen einige Naziführer es dabei bewenden lassen zu wollen, daß die Juden zwar ihre Pflichten gegenüber dem Staate erfüllen, aber dennoch in einem geistigen und wirtschaftlichen Ghetto leben. Zu befürchten ist, daß, wenn irgendeine Krisis eintritt, wir in Deutschland einen neuen krampfhaften Ausbruch des Antisemitismus erleben werden, da immer noch das Bestreben vorherrscht, die Unzufriedenheit der Bevölkerung auf die Juden abzulenken. Es ist darum falsch, zu glauben, daß in der deutschen Judenfrage eine Beruhigung, in dem Veriolgtingssystem ein Stillstand eingetreten ist. Nein, einzig die Methoden der nationalsozialistischen Propagandisten haben sich geändert, vielleicht verfeinert. Unsere Pflicht ist und bleibt, unseren englischen Mitbürgern über das, was in Deutschland vor sich geht, die ganze Wahrheit zu sagen. Neville L a s k i beglückwünschte Miß N e 11 i e Adler und Sir Osmond Elim d'A v i g d o r Goldsmid zu den ihnen vom König anläßlich des Neujahrsfestes verliehenen Auszeichnungen. (Goldsmid hat bekanntlich die Würde eines Baronets erhalten.) Goldsmid dankte für den Glückwunsch und sagte: Die mir verliehene Ehrung zeigt den schlagenden Kontrast zwischen der Haltung des großen England und der der deutschen Regierung gegenüber den Juden. Daß mir die Ehrung gerade in dem Augenblick der Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland verliehen wurde, erhöht ihren Wert. Sir Osmond teilte noch mit, daß der Hochkommissar iür die deutschen Flüchtlinge James Mac Donald am 29. Jänner in Begleitung von Felix M. Warburg, des hekannten Führers der amerikanischen Judenhett. in London an einer ernsten Aussprache über das Hilfswerk für die deutschen Juden in London teilnehmen wird. Der Jewish Board of Deputies hat seinen Vorsitzenden Neville L a s k i in den Beirat (Advisory Council) des internationalen Emigrantenhilfswerkes, der auf Grund eines Beschlusses der Lausanner Verwaltungsratstagung gebildet wird, delegiert. Wie der Leiter der Aktion des Joint Distribution Commitee für die deutschen Juden, Rabbi Jonah B. Wise, mitteilt, wurden bis Ende Dezember 1933 in den Vereinigten Staaten und in Kanada 1,301.654 Dollar aufgebracht. Die Sammelkosten betrugen 8lA Prozent der Gesamtsumme. Die Aktion geht erfolgreich weiter. * Die ostjüdisehen Gemeinden Frankreichs hielten in Paris eine Delegiertenkonferenz ab, in der beschlossen wurde, einen Appell an alle in Frankreich lebenden Ostiuden zur Aufbringung von mindestens einer Million Francs für Hilfe an die deutschen Juden zu richten. Buron Robert de Rothschild unterstützte als Gastredner diesen Appell und teilte mit, daß die französischen Juden bis heute neun Millionen Francs für Hilfe au die deutsch-jüdischen Flüchtlinge aufgebracht haben. Er tadelte mit scharfen Worten jene reichen Flüchtlinge, die sich ihren notleidenden Brüdern gegenüber gleichgültig verhalten, fügte aber hinzu, er könne mit Genugtuung mitteilen, daß sich bereits eine Gruppe bemittelter deutscher Juden gebildet hat, die sich die Unterstützung armer Flüchtlinge zum Ziel gesetzt hat. Nach Rothschild sprachen der Präsid2nt der russisch-jüdischen Gemeinde von Paris, Baron Alired Guntzbourg, J. Jeffroykin und andere mehr. JÜDISCHE BÜHNE, II.. Praterstraße 60. R 43-4-59. Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, itita im I. tw, Tel. U 18-0-85 Gemeinde - €Jironift Paris. Der bekannte New Yorker jüdische Arzt Dr. Samuel Kopetzki wurde wegen seiner Zusammenarbeit mit französischen Gelehrten bei medizinischen Forschungen durch die französische Regierung mit dem Titel „Ritter der Ehrenlegion" ausgezeichnet. Beigiad. Dr. D u k i c P i j a d c. einer der Führer des jugoslawischen Judentums, war in den letzten Tagen Gegenstand vielfacher Ehrungen in der jüdischen und nicht jüdischen Oefietitlichkeit aus Anlaß seines dreifachen Jubiläums: seiner 25jährigen öiieitliehen Tätigkeit, seines 25jährigen Arztjubiläums und seiner Silbernen Hochzeit. Dr. Uiikie PI jade war mehrere Jahre Präsident der ßne Briss-Loge. ist langjähriger Vizepräsident der Belgrader Jüdischen Gemeinde und Präsident des großen Wohltätigkeitsvereins „Potpora". Er ist Präsident der Belgrader Aerztekainmer und war lange Zeit Mitglied des Stadirais von Belgrad. Auch als medizinischer Schriftsteller genießt er hohes Ansehen. Er wurde mehrfach ausgezeichnet. Berlin. Hier verstarb im bv. Lebensjahre der Gn.ll- SLkretär der Großlege Deutschland des Ordens line briss Saiüuitsrat Dr. Alfred ü o I d s c inn i d l. Der Verstorbene, der aus Breslau stammte, hat in der jüdischen Sludenteiibewegung in Deutschland eine hervorragende Rolle gespielt und war Mitbegründer der ersten deiitschji'idiscuen Studentenverbindung, der ,.Viadri:ia". die 1886 in Breslau entstand. Im Logenlebeu Deutschlands war tr seil langem hervorragend tätig: er war Präsident der Lessiug-Lcge in Breslau, der Michael Sachs-Loge in Königskütte und der Spinoza-Luge in Berlin und gehörte der Leitung der GrußlcAe VIII ü. O. 15. B. seit 1913 als Großseki'etär an. Ferner war er Schriftleiter der von der ürciüoge herausgegebenen Mitteilungen. Seit Gründung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glühens dessen Mitglied, gehörte er seit längerer Zeit dem Vorstand dieser Organisation an. Während de- Weltkrieges war er Stabsarzt der Landwehr und Chefarzt des Gefangenenlagers in Quedliugbiirg und tat später bei verschiedenen Truppenteilen Dienst. Von seinen Schriften ist eine Darstellung der Entwicklung der Logenbcwcgimg hervorzuheben. BucS;druckereinesitzer Michael ürüuwald wurde zum handels:e,eriohtiich beeideten Sacliverstäudgeu und Schätzmeister bestellt. Wir gratulieren herzlichst. Maimonides-lnstitut, IL. Praterstraße 11. Vorträge während des Studienjahres 1933/34: Montag. t>—7: Rabbiner Dr. A. Kaminka. „Jeremias". 7— S: Maimonides. ..Mcrc Nebtichin;": Dienstag. 6—7: Rabb. M. Z i e ki e r. ..Tauehuma". 7—8: Talmud. „Traktat Makkoth": Mittwoch. 6—7: Rabbiner M. H o r o w i t z. „Midrasch rabba", 7—8: Talmud: Donnerstag. 6- 7: Studienrat Rabbiner Dr. M. Bauer. „En Jakob". 7 -S: „Aloo, Ikkarim": Samstag. -I Uhr: Rabbiner Dr. A. Kamiuka, Vorträge zur Sidrah und zu den Sprüchen der Väter. Teilnehmer-Beiträge und Spenden zur Erhaltung des Institutes werden mittels Erlagscheines der Postsparkassa (Konto-Nr. D 129.091)) erbeten. Barmizwahieier. Samstag, den 2(1. d.. fand im festlich beleuchteten und geschmückten Polnischen Tempel. IL, Leopoldsgasse. die Barmizwahieier des Studenten Isidor Göttiager. Sohn des Herrn Leon G ü t i i riffer, des pflichteifrigen Vorstehers des Tempels, statt. Aus diesem Anlaß spendeten Herr Göttiuger sowie seine zahlreichen Freunde sehr namhafte Beträge iür verschiedene wohltätige Zwecke. Rabbiner M a yersoh n hielt an den Konfirmanden, der die Haftora verstandiQÜlcnlsdics Könifislichl Ab Freitag, den 26 Jänner 1934. täglich DER WARSCHAUER LANDSMANN. Musikalische Komödie In 3 Akten von A. Maser- Musik von R. Osowski und Hymie Jacobson Beginn 8 Uhr 30. Seit vielen Jahren das anerkannt beste vyhrTmn Man achte auf die ges. gesch. Mark« „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: OJIan XIV., Braunhlrichengassse S Telephon R 33-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHl &JR^E*nnnaVRSSNfeaBBVRlR^ WIEN IX., BERQGASSB NR. 1» rlUALEi XVIII., WÄHR1NGERSTRASSE 9T Telephon Nr. A 17-349nnd A 16-3-34 Lieferant für Hallanstalte» AbteiiungenffirKoscherlleisch unter Aufsieht da« «hm«. Rabnlmte» da* lar. Raltu*o«Bi«in<l* Wi«a. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen nisvoll vorgetragen hatte, eine inhaltsreiche Ansprache. Oherkantor Frankel versah mit seinem ausgezeichneten Chor in erhebender Weise die kantorale Funktion. Todesiälle. Am 14. d. M. wurde der infolge eines tragischen Unglücksfalles im 69. Lebensjahre verschiedene Herr Eduard Stein unter großer Beteiligung zu Grabe gelragen, die die Beliebtheit manifestierte, die sich der Verblichene als Kaufmann wie auch im jüdischen Leben der Leopoldstadt mit Recht erworben hat. An dem Leichenbegängnisse nahmen unter anderen der gesamte Vorstand und zahlreiche Mitglieder des Bethausvereiues „Agudas Achim", II. Hammerpurgstallgasse. dessen verdienstvoller Obmann Herr Eduard Stein gewesen ist. Delegierte der Produktenbörse, in der der Verblichene eine hervorragende Rolle gespielt hat, und Vertreter vieler jüdischer und wirtschaftlicher Organisationen teil. Oberrabbiner Dr. 1. Taglicht schilderte die hervorragenden menschlichen und jüdischen Qualitäten des Heimgegangenen, die kantorale Funktion hatte Oberkantor Weiß inne. An der Bahre sprach auch der Rabbiner des Bethausvereiues .,Aguüas Achim". Herr T a u b e r. innige Dank- und Abschiedsworte. Einen nachhaltigen Eindruck löste die Rede des Vorstandsmitgliedes dieses Vereines Herrn Karl H e u b 1 u in aus. der in bewegten Worten von dem hervorragenden Obmanne des Vereines Abschied nahm und ihm ein ehrendes Gedenken im Vereine zusicherte. Einen schweren Verlust hat der Mariahilicr jüdische Frauenverein durch das nach kurzem schweren Leiden ertolgte Hinscheiden seines hingebungsvollen Vorstandsmitgliedes Frau Minna B o n d v erlitten. Mit ihr verliert der Verein eine wertvolle Kraft, die der Präsidentin Frau Ida Woli viele Jahre lang treu zur Seite stand und so manche Not unter den Armen des Bezirkes zu lindern hali. Ihr Begräbnis, das am vergangenen Sonntag stattiand. gab Zeugnis von der seltenen Beliebtheit, die sich Minna Bondy. diese prächtige Frau, erworben. Von ihren hervorragenden Qualitäten sprach ausgezeichnet Rabbiner Dr. Dro hinsk y. ihre eifrige Tätigkeit iür den Frauenverein schilderte eine Dame des Vorstandes desselben. Ein Sohn der Verblichenen ist Sekretär des Mariahilier Tempelvereines, den die Mutter bei seiner Arbeit mit Liebe und Begeisterung unterstützte. Vor Blattsehluß erfahren wir. daß ganz plötzlich der langjährige Amtsleiter und 2. Kantor des Floridsdorier Gemeindeteinpels. Religionslehrer J. Eibens c h ii t z. dahingeschieden ist. Seine Person, die in Floridsdori allgemein gut bekannt war. und sein Wirken wollen wir nächstens gebührend würdigen. Vereimsnarfkridkten. Der jüdische Frauenverein Landstraße (Präsidentin Frau Erna Schwarz-Hiller) veranstaltet morgen Samstag, den 27. d. M.. 8 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental eine Akademie mit Tanz unter Mitwirkung folgender Kunstkräfte: Kammersänger Emst Fische r, am Klavier Kapellmeister Dr. B a c hrieh. Humorist Paul Morgan, Konzertsängerin Doktor Emmi Häuser, die Tänzerin Irma Herlitz und die Soubrette Lisi S t e i n i t z. Conference: Emmi W o 11 n e r. Erstklassige Jazzkapelle. Karten zum Preise von S 3.— sind an der Abendkassa erhältlich. Verein iür jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 29. d. M., ^8 Uhr abends, im Klubsatile L Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang. Souterrain), Vortrag des Herrn Oberrabbiner Dr. .1. Tag licht: „Die Nachlässe der Wiener Juden im 17. und t8. Jahrhundert." Eintritt frei. Gäste willkommen. Der humanitäre Verein „Kurfürsorge". dessen Wirken zum Wohle armer jüdischer Kranker allseits bestens bekannt ist. veranstaltet heuer zu Gunsten seiner edlen Institution eine Theatervorstellung, aus deren Erlös jüdischen Kranken die Möglichkeit der Heilung verschaiit werden soll. Die Vorstellung findet Dienstag, den 30. d. M.. S Uhr abends, in den Kainmerspielen statt: zur Aufführung gelangt das reizende Lustspiel „Tovarisch" mit dem Ensemble des Josefstädter Theaters. Karten in allen Preislagen sind erhältlich: Beim Obmann Med.-Rat Dr. I. L. Braun. IL. Gr. Stadtgutgasse 7. R 45-3-43. bei Frau Vizepräsidentin Dr. Kries, III.. Radetzkystraße 27. B 55-907, und beim Kassier Samuel Wechsler II.. Josefinengasse 4, R 41-7-79. Der Floridsdorier isr. Frauenwohltätiftkeitsverein (Präsidentin Frau Dr. Babette Rosenmann) veranstaltet Samstag, den 3. d. M.. 8 Uhr abends, in den Festsälen des Handelsmuseums. IX., Berggasse. Nr. 16, unter Mitwirkung erstklassiger Kunstkräite ein» Winterhilfe-Akademie mir Tanz.

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