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Die Wahrheit · 1933-12-01 · Heft 48 (1.12.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 48 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Hitlers deutsche Konzeption ist die der G e wa 11 während, der jü.d isc h e Kii J tn rgedanke die Herrschaft des Geistes erstrebe und an Gerechtigkeit glaube. Will Deutschland, so schloß Berenger, die Gleichberechtigung für seine -Nation, dann möge .es die Rechtsgleich he i t unter de n "B ürg e rn seines.Landes wieder .'herstellen. Berenger wurde übrigens dieser Tage zum Vertreter der französischen Regierung im Verwaltungsrat des internationalen Ernigrantenhilfswerks Jjestiinmt Juden im Ein Bericht von Simon Bergh. m. Einzug In Paris. Mit der Ankunft in Paris erhält die Flucht ihre Stabilisatiön, ihre organisatorische Linie. Was bisher ■im Sinne der Emigratton als Einzelerscheinung gegolten hat existiert fortan nur noch' als Partikel einer JAasseoerscheiiiung, die ihren sichtbaren organisatorischen Ausdruck im Comite d'accueil von Paris findet Hierher lenken sich zuerst die Schritte eines jeden Flüchtlings,.hier sucht er Rückhalt und Verständnis, hier hofft er ein Stück seiner verlorenen .Heintat wiederzufinden. Er ist zwar in Paris, doch geht er vorerst noch an dieser herrlichen Stadt vorbei ihm fehlt die Unmittelbarkeit des Erlebens, zwischen ihn und die Stadt drängt sich ein transparentes Gefühl von Entwurzelung. Er ist eai Gefangener seiner eigenen Freiheit ein Wesen, das körperlich umgepflanzt und seelisch noch ohne Anschluß ist Die Tatsache, daß gerade Frankreich die Massen der Flüchtlinge aufnimmt und in Paris sammeltwirkt auf ihn fast .nur wie .zufällig. Wäre das Comite auf dem Nordpol oder in Yokohama, seine .Empfindung wäre vermutlich auch nicht viel anders. Inunerhin klammert er sich daran, denn hier ergibt sich für die Flüchtlinge die Möglichkeit ihren Start ins neue Leben vorzubereiten. Das Comte übernimmt das Denken und Handeln der Ankönimlinge m.t der ganzen Gewissenhaftigkeit aber auch mit der ganzen Pedanterie eines deutschen Beamtenapparates, denn es beschäftigt zum größten Teil deutsche Flüchtlinge, die von ihren -heimatlichen Behörden viel gelernt zu haben scheinen. Mit dieser Feststellung verbindet sich kein Vorwurf, doch ist sie geeignet, zum Verständnis für mancherlei Dinge beizutragen. Das Comite hat als Drganisation der Emigranten beinahe die Funktion eines kleinen Staatswesens .zu erfüllen. Die Präsidenten dieses Staatswesens. Mrs. Melamede und Lambert sehen mit Recht ihre Aufgabe dai4i, :der .ganzen .Emigration ihre einheitliche -Richtung zu geben, indem sie alle Aufgabenkieise einer kollektivistischen Führung zu den eigenen machen. Ohne d.e Schwierigkeiten zu unterschätzen, und ohne die Möglichkeiten .zu -überschätzen, muß man vom Comite erwarten, daß es die politischen, wirtschaiüichen, kulturellen und sozialen Funktionen der Emigraton erfüllt Abgesehen davon, darf nicht übersehen werden, daß die Flüchtlinge in sehr starkem Maße einer rem gef uh Ismail igen Stützung bedürfen. Es wäre ein fataler Irrtum, wenn man glaubte, ihnen allein mit der Gewährung der nackten Lebensbedürfnisse geholfen zu haben. Mit dem Tage der Auswanderung haben sie nämlichi noch keineswegs jene „ideale" Empfindungslosigkeit erreicht die vielle.cht notwendig ist um alle die seelischen Strapazen einer zwangsmäßigen wirtschaftlichen Abhängigkeit mechanisch über s.ch ergehen zu lassen. Gerade das Gegenteü ist der Fall. Diese größtenteils jungen Menschen, aer Heimat und Familie entrissen, bedürfen mehr als je zuvor einer geistigen Fürsorge, die ihnen den Zwang der materreinen einigeimalien erträglich macht Soweit es möglich ist kommt das Comite diesen Anforderungen nachdoch überläßt es die Ausführung mehr dem Service Sociale, von dem später noch die Rede sein wird. Man kann sagen: das Comite nimmt sich der Flüchtlinge an und -sucht den Begriff der „Abfertigung", der sich in manchen von ihnen mit Bitterkeit und Ironie, mit Hilflosigkeit und tkfem Pessimismus vermengt, durch möglichst aufmerksame Behandlung auszuglexhen. Von den vorhin aufgezählten Funktionen erfüllt das Comite ■die soziale am vollkommensten. Was auf diesem Gebiet «gele.siet wird, ist «norm und verdient vollste Anerkennung. Es .dürtte kaum einen .Emigranten geben, der dieser Arbeit nicht seine ganze .Achtung zollte. D.esem Teil gilt auch das Hauptinteresse des Comites, das etwa 7000 Flüchtlinge mit Kost und Logis versorgt Täglich werden im Durchschnitt 1200 Flüchtlinge abgefeztgt JDie Praxis der Canüteabferügung .sieht etwa folgendermaßen aus: .Man betritt das Gebäude des Comites, das seit kurzem übrigens staatlich geworden ist, in der Rue de la Durance. Vor dem Eingang geht vielleicht um die staatliche Note zu dokumentieren, Vielleicht auch, um wirklich für .Ruhe und Ordnung zu sorgen, xin Polzeiposten auf und ab. Unangenehm, aber notwendig. Unangenehm, weil man die obrigkeitliche Aufsicht so faustdick serviert beKommt, notwendig jedoch, weil es schon oft zu unliebsamen Auftritten gekommen ist .Im üofe und jm .Hause seihst ytflftt man zunächst auf jenes M enschendurcheinanaer, das uberall dort zu Hause ist wo die Menschen .selbst nicht zu Hause sind. Frauen umL-Männer, Jünglinge .und Greise, dazwischen kleine Kinder, scheinen in offensichtäicber Planlosigkeit irgendwohin zu drängen. Doch das sieht nur so aus. In Wirklichkeit liegt System in dieser Planlosigkeit und im allgemeinen geht die .Abfertigung ohne jede Schwierigkeit vor sich. Die Stimmen der Ordnungsbeamten bohren sich von Zeit zu Zeit in das Stimmengewirr der Leute, um die Passagen wenigstens freizuhalten. Als Neuankömmling — dieses scheußliche Wort ist dort Amtsstil — erled.gt man zunächst einige Aufnahmeformalitäten und wird sofort abgefertigt Die anderen erhalten Nummern, die ihnen das Recht geben, in jene Bezirke vorzudringen, die eine dezente Amtsluft atmen, und wo das Lebensbedürfnis der Emigranten mit Unterschriften und Stempeln bestätigt wird. Die weitaus meisten Flüchtlinge .haben das vollste Verständnis für die Schwierigkeiten der Situation und erkennen die Arbeit des Comites mit Dankbarkeit an. Es ist in der Tat bewundernswert mit welchem Elan und mit welcher Energie hier eine,überaus komplizierte soziale Frage gelöst wird. Die französische Traditon ist sich hier wieder im wahrsten Sinne des Wortes treu gebheben. Frankreich hat als erstes Land die Initiative ergriffen, um dem Flüchtüngsheer zu helfen und begann sofort mit der ihm eigenen großzügigen SelbstverständlichKeit die Emigrantion in großem Stile zu organisieren. Die Regierung gewährte auch in diesem Falle freiestes Asylrecht das, wie in früheren politischen Emigrationen, die Bewunderung der ganzen Welt und die Nachahmung vieler Länder zur Folge hatte. Der Leistung des Comites hinwiederum, vom sozialen Gesichtspunkt aus gesehen, kann man nur gerecht werden, wenn man bedenkt was es heißt, die Existenz von Tausenden wirtschaftlich bedürftigen Menschen sicherzustellen. Von wesentlicher Bedeutung ist dabei, daß d.e Arbeit des Comites keine Wohlfahrtsangelegenheit darstellt sondern sich mehr und mehr in engem Einvernehmen mit der Regierung wirtschaftlich und .politisch als Interessenvertretung der Emigranten orientiert. D.ese günstige organisatorische Entwicklung wird in vorteilhaftester Weise durch die private Initiative des Baron Robert de Rothschild ergänzt der enorm zur finanz.ellen Sicherstellung nes Comites neigetragen hat und beiträgt Neben den lebenswichtigen .fürsorgerischen Instanzen ist am meisten die Abteilung für Arbeitsvermittlung .beansprucht die ihr Möglichstes tut -um den Menschenstrom wieder in berufliche Bahnen zu lenken. Auch in dieser Beziehung wurde schon manches erreicht doch bleibt noch vieles zu hoffen. Man muß bedenken, daß .die wirtschaftlichen Voraussetzungen dieser Emigration in Frankreich nicht als besonders günstig anzusehen sind, denn auch hier herrscht allerdings in mäßiger Form, die Krise. Immerhin werden Leute untergebracht und darum hat diese Abteilung den großen moralischen Wert, daß sie den Flüchtlingen berufliche Anregungen geben und der Hoffnung auf Beschäftigung Raum lassen kann. Die Atmosphäre des Comites ist angefüllt mit mancherlei Spannungen. Die vielen Hunderte von Flüchtlingen, die täglich vorsprechen, vermehrt noch .um die Zahl der ständig eintreffenden Neuen, sind nicht .leicht zu bewältigen. Das Warten reißt und zerrt an ihnen herum. Enerviert, abgekämpft, überregt durch die Zeitereignissesind sie bis zum Platzen voll von seelischem Explosivstoff. Oft genügt .nur .die vielleicht etwas gleichgültig hingeworfene Antwort eines Auskunftsbeamten auf e.ne Frage., um die Ballungen .zur Entladung -zu bringen. Dann gibt es manchen Streit, dann gibt es erregte, laute Dispute, in deren Verlauf es Beleidigungen hagelt, und manchmal Jassen sich die Flüchtlinge sogar xa Tätlichkeiten hinreißen. Sie schaden sich und den anderen. Manche unangebrachten Schärfen seitens junger Besamter sollten fortfallen. S.e -verhelfen dadurch .dem Comite allzu leicht zu jener Unbeliebtheit 'die 'von jeher als Merkmal preußischer Behörden galt. Die in den FlüchtLngen nach einem Ventil gierenden Nervenspannungen entladen sich auch oft genug völlig unmotiviert untereinander. Wo Gruppen "von zwei Personen aufwärts zusammenstehen, wird natürlich politisiert. Das Politisieren scheint zu einer natürlichen und notwendigen Gehirnausscheidung .bei den Flüchtingen geworden zu sein. Es ist eine geistige Ausdrucksform .ihrer Existenz,, die -noch zu stark -unter dem Bann der letzten Ercgnisse steht um sich wieder ganz frei entwickeln zu können. . (Fortsetzung iolgt) Die Bruderhand, H Unter Teilnahme won etwa 1000 Delegierten -aus allen .Teilen der TVerein'gten Staaten fand jüngst in. New York die nationale Hilfskonferenz zur Beschaffung von Mitteln für die deutschen Juden statt. Es wurde beschlossen, eine Aktion zur Aufbringung von zwei MtlIio.nen .Dollar;fitr Hilfe an -die <drutschen .Juden durchzuführen. .In einer Entschließung protestierte d e "Konferenz gegen die neuen Einwander rungsbeschränkungen in Palästina, die die Emigrationsnot so ^arJücht berücksichtigt. ''; »'" ■"'."'■.■*"• ..; In 4er .letzten Staung des englischen. Jewish Board jot.Denutres erstattete Leonard ß. iMAmtefiore den Bericht des Joint F-ore.gn Comittee Jlher die .Hilfsarbeit .für die deutschen Juden. Er sprach die Hoffnung aus. .daß in den nächsten .Monaten das Werk der vorlkurzem in London abgehaltenen''WoUjcjfö* ier e,riz .für Jffilfe an nie deutschen Juden erfölgreujb ergänzt werde. Das Joint Foreign Cormttee ,bat Jierei£» Schr.tte ergriffen, um einige Beschlüsse der Weltkonferenz durchzuführen. -Der ■ -Verlauf - 'der - Konferenz -hat die Honnungen ihrer Ernberuter durchaus gerechtfertigt -denn die Konferenz -Bat -nicht nur D-ra^rCisch-e -Maßnahmentut H-erbe-iftthrfi^g ern-er fcinbeitlich'en i*disch-e-n A-k^io-h'Hieschiossen, sondern sie hat auch zürn-ersten Male :yeirireier ideologisch stark von einander abweicherme>r Greuppen zusammengebracht und sie-zu einer U e b^re in Stimmung ihrer Ansich-teii über Viele Seiten des jüdischen Problems geführt i Der .Präsident des Board öf Deputies, iNevilje Laski, teilte m.t daß die Verhandlungen jßi dem Emigranten-Hochkommissar'James Mac'Uona 1 d aufgenommen worden seien und günstig verlaufen. :'; Israel C oh e n. der an der Weltkonferenz ahX'Delegierter des Board of Deputies te-lgenommen batführte u. a. aus: Der Erfolg der Konferenz hängt: nicht so sehr davon ab, was auf ihr gesprochen öder'-bjir sprochen wurde, als davon, weiche Antwort", das jüdische Volk auf den Appell geben wird, der von ~deni von der Konferenz eingesetzten Großen Rat ausgegangen ist N.emand hat sich vorgestellt daß diese Konferenz alle neu aufgetauchten politischen, sozialen und ökonomischen Probleme lösen werde. Dazu.. ..wäre.. keine Konferenz in der'Lage. Wir haben ge-"1 sehen, daß auch die Macht sogar des Völkerbundes begrenzt ist Darum hat sich die Konferenz darauf beschränkt, Wege zur Erleichterung der Lage .zu suchen. In einer .Hinsicht zumindest war :d.ie Konierenz ein unzweifelhafter Ertolg: Zum .ersten Male ist eine repräsentative Versammlung aller Teile der Judenheit zustande gekommen, in der alle persönlichen Differenzen .zugunsten der Mitarbeit am gemeinsamen" Werk be.is.eite geschoben wurden. Es war eine bemerkenswerte Bekundung jüdischer Solidarität und als solche ■ ein .Ereignis von :uu&chülzb a r.em W eri fü r das j ü d ischeJVjoI k..; :; •* . Der englische Jewish Representative Council :iür Durchführung des Boykotts deutscher Waren und Dienste wählte in seiner soeben abgehaltenen Sitzung .einstimmig .Sir .Robert Mj>.n.d zum Präsidenten, Chacham .Dr. .Moses, Gaster. Philip Guedalla und die Unterhäüsmitgliedei' Thomas Levy und .tLyons. "zu Vizepräsidenten und Ratsherr M. H. Davrs und P.'Hoirowitz zu Vorsitzenden. Sir Robert .Mond, .der aus Gesundheitsrücksichten der Sitzung nxht beiwohnen konnte, sandle eine-Botschaft, in der er ausführte: Stärkster'finanzieller Druck ist das einzige wirksame Mittet - um die nationalsozialistische Regierung tzu. .veranlassen, . mit. :der^£edrückung .und Entrechtung der Juden .aufziüiören.^ Eine dauernde und zähe Arbeit .muß einsetzen, .andere. Belieferungsquellen als - deutsche müssen gefunden niiid-den Käufern verfügbar gemacht werden: eine'DäuVräussteuung sollte arrangiert: .werden, in der. deutsche Waren .und .ihr nichtdeutseber Ersatz .nebeneinander gezeigt werden, damit man .sich ein Bild davon^ matht daß deutsche Erzeugnisse sowohl in der Qualität -als auch im Preise sehr wohl ersetzbar sind. Philip Guedalla verlas . ein Schneiben.; d£§ Oberhaupts der Methojiisten-K£rche,.Sir Herbert Perks, der versichert, daß J5.0tX)"Kircheh mit :fünf Millionen Methodisten in England: mit Abscheu und Entsetzeny.on .der .'Behandtungi -'der; adle Juden in Deutschland ausgesetzt sind, erfahren haben. Thomas L e v.y sagte, nicht allein die Juden "Englands, sondern auch der-ganzen -Welt ^sefen für den-Boykott; erst wenn -.der Boykott international .geworden -ist, werden die .Hitleristen zur .Bes.nnung kommen.- j|ch weilte'vor kurzem in Deutschland., fulin iTimnaS; Xeyy fort, und habe mit Entsetzen gesehen, wie wenig 'ausländischer Rat .dort beachtet wird. Di« H Etlreäftsfön benutzen jdle J;ud#ji als JP-slMscäiemleJ^'.O'lim zur Macht heraufzusteigen. Unser?T*ost-vjst, daß in der Geschichte noch keine Bewegung, die auf -religiöser Verfolgung Jbe grün d.e t war, a u;f di e D a u>e r f ö lg r e i&hwar? "-ftM solche Bewegungen brachen. zusammen. iund.. auch :ffie Hitler-Bewegung wird-zusammenbrechen.. r •ciiBSiwsiijai-.^ KVB- UND JBÄB.JBASiSTA1.T- WIEN IX., CLPS.1 USQAS.SE NR..12 . .v «n der Friedentbrticke Belegen- ' - - *; a : original nussisdies DamplbQit mit Buschenbehandlung gegen Rueunwj; etc. ' V Gegen Vorweisung dieses Inserates ja-lJfe

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