Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 46 (17.11.1933)
- Date
- 1933-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Spezialhaus fOr Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TaborstradBe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Palästina-Nachrichten. Das Londoner Kuratorium der Hebräischen Universität zu Jerusalem hat eine Kommission eingesetzt, die demnächst nach Jerusalem entsandt werden soll, um eine genaue Untersuchung der organisatorischen und technischen Verhältnisse an der Universität durchzuführen und Pläne für ihren weiteren Ausbau, insbesondere im Hinblick auf die geplante Berufung deutsch-jüdischer Gelehrter an die Universität auszuarbeiten. Auf Grund des Berichtes dieser Kommission wird das Kuratorium die notwendigen Maßnahmen zur Reorganisation der Universität treffen. Es verlautet, daß mit der Entsendung der Kommission gleichzeitig auch Wünschen entsprochen wird, die in Besprechungen der Vertreter der Universität mit Professor Einstein geäußert wurden. Die künftigen Beziehungen Einsteins zur Universität werden in hohem Maße von den Ergebnissen der bevorstehenden Untersuchung und den auf Grund dieser einzuleitenden Reformen abhängig sein. Am 5. November fand an der Hebräischen Universität Jerusalem die feierliche Inaugurierung der Chadm Nachman-B ialik-Leh r ka nze 1 für hebräische Sprache statt. Die Mittel zur Errichtung der Lehrkanzel waren von der vor kurzem gegründeten Gesellschaft der palästinensischen Freunde der Hebräischen Universität zur Verfügung gestellt worden. Die Antrittsvorlesung hielt der Inhaber der Lehrkanzel Professor Noah Harry Torczyner über „Wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiete des hebräischen Wortschatzes". * Amtlich wird mitgeteilt, daß im Monat September 4062 Einwanderer, unter ihnen 3903 Juden, nach Palästina gekommen sind. Von den Juden gehörten 450 der „Kapitalistenkategorie" an; diese haben 507 Familienangehörige mit sich gebracht. Auf Arbeitereinwanderungszertifikate sind 1254 Personen mit 1175 Angehörigen eingewandert. 51 Touristen haben Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt bekommen. 220 Touristen wurde die Einwanderung verweigert. Politik abzulassen, in welchem Zusammenhang er sich übrigens einen überflüssigen Ausfall gegen den Frontbund leistete, bot eine unerquickliche Szene, die sich nach der Versammlung im Vorraum abspielte. Dort hatten jugendliche Jabotinsky-Anhänger Aufstellung genommen und verteilten Einladungen für eine Versammlung ihrer Gruppe, in denen eine Verherrlichung des „Führers" enthalten war. Diese Provokation ließen sich, die Versammlungsbesucher nicht gefallen und im Nu entwickelte sich die schönste Schlägerei, die ihre Beendigung erst durch das Einschreiten der Wache iand. Die turbulenten Szenen im Vorraum gaben im Vortragssaal Anlaß zu den beunruhigendsten Gerüchten, denn dort glaubte man an ein Eindringen — anderer Nationalfaschisten. Kopfschüttelnd verließen jene, die erst dieser Tage in den Zeitungen die mit großem Applomb aufgemachten Nachrichten von der Einigung aller zionistischen Parteien Oesterreichs gelesen und diesen Nachrichten geglaubt hatten, die Versammlung, deren stürmischer Abschluß wahrlich nicht den Beweis für das Bestehen einer solchen Einheitsfront erbracht hatte. SCCfCM \m*l hervorragendster Wintersportplatz und Höhenluftkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport, absolut schneesicher PENSION GESCHWISTER SCHEE», streng Bekannt erstklassige Verpflegung, Wiener Küche. Mäßige Preise. — Telephon 18 — Mitglied des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser, Hamburg Ein zionistisches Meeting fand Dienstag im Hotel Continental statt Es wurde eingeleitet mit einem recht interessanten Referat des Präsidenten der Gemeinde Dr. D. Friedmann über die Londoner jüdische Weltkonferenz. Wenn Doktor Friedmann als wichtigstes Ergebnis dieser hauptsächlich von Nichtzionisten beschickten Tagung die Forderung nach Berufsumschichtung der Judenschaft unterstrich und eine Darstellung gab, als ob diese Forderung geistiges Eigentum der Jüdischnationalen wäre, so ist darauf hinzuweisen, daß unsere Freunde in Deutschland schon lange Hervorragendes auf diesem Gebiete geleistet haben, und auch in den Kreisen der österreichischen Nichtzionisten ist seit Jahr und Tag wichtige Vorarbeit in dieser Hinsicht geschehen. Dr. Grünbaum sprach zwar davon, daß das Meeting einberufen worden sei, um den Teilnehmern an demselben Gelegenheit zur Auseinandersetzung zu geben, allein es ist schwer, mit ihm zu rechten, denn was er alles den Nichtzionisten aufs Kerbholz schreibt, ist so absurd, daß die beste Antwort wohl in dem eisigen Schweigen zu erblicken ist, mit dem die Versammlung seine langatmige Rede, auch seinen Appell zum Eintritt in die zionistischen Bezirkssektionen aufnahm. Bemerkenswert war an der Rede des letzten Referenten Dr. Josef Löwenherz die scharfe Sprache, die er gegen die Broschüre des Herrn Doktor Czerraak führte. Er bezeichnete diese Schrift als die größte Gefahr für uns Juden, auf die es nur eine Antwort gebe, diesen verkappten Antisemitismus abzulehnen. Es müßten, sagte er, Versammlungen einberufen werden, damit bei niemandem der Gedanke aufkomme, daß es eine jüdische Gruppe gebe, die auf die volle Gleichberechtigung der österreichischen Juden verzichte. Dr. Löwenherz erwähnte ebenso wie Doktor Grünbaum mit keinem Worte die Tatsache, daß der Mitarbeiter des Herrn Dr. Czermak an dieser Broschüre ein Jüdischnationaler, Herr Dr. Oskar Karbach, ist, daß Dr. Czermak sich bei seinen Vorschlägen auf jüdischnationale Axiome stützt und daß insbesondere die zionistische Presse bisher wenigstens das so gefährliche Buch wohlwollend aufgenommen hat, nicht zuletzt Dr. Grünbaum selbst in einem Artikel der „S i i m m e". Ein bezeichnendes Nachspiel zu dem Appell des Herrn Dr. Löwenherz, von jeder Sonder- Warum geht's in Rumänien? Der offizielle Repräsentant des jüdischen Kultus im rumänischen Senat, Landesrabbiner Dr. I. Niemirower, hat die Initiative zur Bildung einer einheitlichen jüdischen Abwehrfront gegen den Antisemitismus übernommen und eine Versammlung von Vertretern aller repräsentativen jüdischen Körperschaften einberufen, die Richlinien für ein gemeinsames Vorgehen in dieser Frage unter Zurückstellung aller innerjüdischen Differenzen ausarbeiten soll. Aus alter Welt Bernard Deutsch Präsident des New Yorker Stadtrates. Bernard S. Deutsch, der Präsident des American Jewish Congress, wurde bei den letzten städtischen Wahlen in New York zum Präsidenten des Stadtrates von New York City mit einer großen Mehrheit gewählt. Die Kandidatur Deutsch' wurde von der vereinigten republikanisch-demokratischen Partei aufgestellt, die von dem neugewählten Bürgermeister La Guardia geführt wird. Bernard S. Deutsch wurde in Baltimore geboren und ist heute 49 Jahre alt. Vor einem Jahre etwa kandidierte er auf den Posten eines Mitgliedes des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten, es fehlten ihm damals nur wenige Stimmen zu einer Mehrheit. Budapest Am 7. November feierte das Mitglied des ungarischen Oberhauses Dr. Josef V e s z i, Chefredakteur des „Pester Lloyd", seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar war aus diesem Anlaß Gegenstand großer Ehrungen seitens ungarischer und jüdischer Körperschaften. Unter den zahlreichen Gratulanten befanden sich auch der ungarische Ministerpräsident Gömbös, der Präsident des Oberhauses und viele ausländische Diplomaten. Rom. Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens, in welcher das gesamte italienische Judentum zusammengefaßt ist und die die staatlich anerkannte Gesamtvertretung des italienischen Judentums bildet, hat das Exekutivkomitee für den Jüdischen Weltkongreß in Genf verständigt, daß es bereit sei, sich im Exekutivkomitee vertreten zu lassen. Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens war auf den beiden Genfer jüdischen Weltkonferenzen vertreten. Die diesjährige Genfer Konferenz hatte beschlossen, die italienische Judenheit einzuladen, einen Vertreter in das Exekutivkomitee für den Weltkongreß zu entsenden, welcher Einladung jetzt Folge geleistet wird. Die Union hat als ihren Vertreter den Oberrabbiner von Rom. Comm. Dr. Angelo Sacerdoti, bestimmt. Amsterdam.!m Alter von 75 Jahren verstarb der berühmte holländisch-jüdische Dichter Abraham van C o 1! e m aus Heemstede. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof von Muiderberg bei Amsterdam beigesetzt. Den Dichtungen van Collens liegen hauptsächlich soziale Motive zugrunde. ■■■■■■"■»^■■»■■■■■■■■^■■»■WnM^MMWMMMMW^^MMMMMMMMMBMMB» Semeindedlronifi. „Hanigun", die 30 jüdischen Sänger. 30 jüdische Sänger, ehemalige Mitglieder deutscher Opernhäuser, haben sich zu einem Chor vereinigt, der unter Leitung Ch. W i n e w e r s synagogale Gesänge sowie jüdische Volkslieder zur Aufführung bringt. Der Chor hat bereits in verschiedenen Städten des In- und Auslandes konzertiert und hat überall geradezu sensationelle Erfolge errungen. So schreiben Prager Blätter: „Die Begeisterung des ausverkauften Hauses war elementar und erzwang Wiederholungen und Zugaben." „Schon das erste Auftreten war ein triumphaler Erfolg. Bald wird die Weltpresse diesen Chor zu internationalem Ruf bringen." „Man darf ihnen, die dem Schicksal so schön Trotz bieten, zu diesem Erfolg gratulieren." Die Darbietungen des Chores wurden von der Presse auch wiederholt mit denen der weltberühmten Donkosaken verglichen. Das erste Wiener Auftreten des Chores findet am 21. November, ^8 Uhr abends, im Großen Koozerthaussaale, statt und wird dem Konzert mit großem Interesse entgegengesehen. Karten für das Konzert, für welches Mitglieder der „U n i o n" im Sekretariat, IX., Berggasse 4, Ermäßigungsanweisungen erhalten, sind an der Konzertkasse Doktor Hohenberg. I., Oper (Operngasse), Telephon R 27-2-11 (Kassastunden von 10 bis 1 und von 3 bis 5 Uhr sowie an der Konzerthauskasse und in der Jüdischen Kunststelle erhältlich. Jüdischer Frauenverein Leopoldstadt. Sonntag, den 26. November, 4 Uhr nachmittags, findet im Festsaal des Hotel Continental, II.. Taborstraße 4. eine Künstler-Akademie statt, deren Reinerträgnis der Unterstützung der jüdischen Armen des so notleidenden Bezirkes dienen soll, die während des Winters Kohle von dem rührigen Verein erhalten. Karten für diese ganz erstklassige Veranstaltung sind im Vorverkauf zu S 1.50 bei allen Vorstandsdamen und in der Redaktion der „W a h r h e i t". II., Heinestraße 13. erhältlich. Eröffnung der jüdischen Bühne in Wien. Der in Wien seit vielen Jahren bestbekannte jüdische Schauspieler Adolf Bell, hat die Direktion der jüdischen Bühne übernommen und keine Mühe und Kosten gescheut, um dem jüdischem Publikum echte jüdische Theaterkunst in würdigem Rahmen zu bieten. Zu diesem Zwecke wurde der Theatersaal. IL, Praterstraße Nr. 60. geschmackvoll renoviert. Für dile Eröffnungsvorstellungen wurde die bekannte» jüdische Soubrette Anna L e r ri e r. sowie der beliebte Schauspieler und Sänger David Sajdermann gewonnen. Es gelangt zur Aufführung: „Eine Nacht von Liebe". Die Direktion und die Schauspieler der jüdischen Bühne erwarten vom Wiener Judentum eine rege Anteilnahme nnd hef-en auf zahlreichen Besuch. Jüdischer Gesangverein Graz. Am 25. v. M. fand in der Grazer Kultusgemeinde die 12. Generalversammlung statt. Der Obmann Herr Kurt Engel begrüßte unter den sehr zahlreich Erschienenen, als Vertreter der Kultus- Gemeinde Kultusrat Julius Preis und Tempelvorstand E. Grünschlag und als Vertreter des Sportklubs Hakoah Herrn Milan Freibcrger. Schriftführer Leo Benedikt erwähnte im Tätigkeitsbericht insbesondere die zehnjährige Gründungsfeier des Vereines. Zum künstlerischen Erfolg dieses schönen Festabends trug die Mitwirkung des Wiener Jüdischen Gesangvereines vornehmlich bei. Vereinskassier Samuel Schkolnik erstattete den Kassiibericht nnd wurde ihm mit Dank einstimmig die Entlastung erteilt. In der Wechselnde sprachen die Herren Direktor Steiner und Tempelvorstand Grünschlag dem Gesangverein in anerkennenden Worten den Dank dafür aus, daß heuer zum ersten Male der TempeL chor in selbstloser und opferfreudiger Weise vollständig! eigestellt wurde. Kultusrat Julius Preis sagte seitens der Kultusgemeinde die bestmöglichste Unterstützung zu. Schließlich drückte Obmann Engel den verdienstvollen Mitgliedern des Jüdischen Gesangvereines Frau Ersz! Schkolnik. Frl. Grete Schwarz und Herrn Samuel Stern den Dank für ihre selbstlose Mitwirkung als Solisten an den hohen Feiertagen aus. In der darauf folgenden Neuwahl wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Obmann: Stefan Freiberge r, Obmann-Stellvertreter: Samuels t er n. Kassier: Samuel Schkolnik. Schriftführer: Leo Benedikt. Sangrat: Oberkantor Heinrich Katz. Leopold Gottlieb. Dr. Siegmund Weiß. Kurt Engel und Kurt Einstein. Zum Schlüsse dankte dier neue Obmann Herr Freiberger dem abtretenden Obmann Engel und dem bisherigen Ausschuß für die verdienstvolle Arbeit während des verflossenen Vereinsjahrcs. s. st „Theologla". Verein jüd. Hochschüler an der isr. Theol. Lehranstalt. Am 31. v. M. hielt die „Theologia" ihre Generalversammlung für das Wintersemester 1933/34 ab. Die Versammlung wurde zum ersten Male seit Bestehen des Vereines gänzlich in hebräischer Sprache geführt. Der Präsidialbericht wurde von Koll. David Ochs erstattet, dem abtretenden Ausschuß das Absolutorium erteilt. In der Debatte kam hauptsächlich der Wille zum Ausdruck, die jüdische kulturelle Arbeit nach außenhin zu vergrößern. In den neuen Ausschuß wurden folgende Kollegen gewählt: David Ochs. Präses: Abraham Badtex. Präs.-Stellvertr.: Markus Günsberg. Sekretär; Hersch Mcrmelstein. Kulturref.; Heinrich Kaufmann, Presseref.: Berisch Groß. Kassier. Silberne Hochzeit. Am 3. d. M. feierten Herr Josef Bauer und seine Frau Betty das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Bauer, der Disponent der Papierwarenfabrik Adolf Reiß, Wien X.. ist, betätigt sich eifrig als Mitglied der „Union österreichischer Juden". Dem Jubeloaar wurden anläßlich dieser Feier zahlreiche Ehrungen zuteil. Trauergottesdienst. Bei dem am letzten Montag stattgeiundenen Trauergottesdienst nach Herrn Max B e r g e r. brachte der Tempelchor des 10. Bezirkes unter Leitung seines Dirigenten H. Oesterreicher ein „Ach elohim" in mustergültiger Weise zum Vortrag.