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Die Wahrheit · 1933-11-10 · Heft 45 (10.11.1933) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 45 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m SWC^P^W-W'iJ*^ DIE WAHRHEIT Seife T Wissen Sie schon, daß der Magistrat des Ostseebades Kolberg beschloß, die Simca-Straßc. die itach dem bekannten jüdischen Kunstmäzen und Philanthropen James Simon benannt werden ist. in Hermann-Göring-Straßc umzubenennen? James Simon hat seinerzeit das prächtige und imposante Gebäude des Kindererholungsluimes in Kelberg aus eigenen Mitteln erbauen lassen. Die Stiftung wurde Tausenden armen christlichen Berliner Kindern zum Segen. daß auf einer in Zoppot abgehaltenen Versammlung der Kommissär für die Winterhilfe. Senator Batzer. erklärte, jüdische Hilfsbedürftige würden durch die oifzielle Danziger Winterhilfe nicht bedacht werden, ihre Unterstützung sei Aufgabe der jüdischen Oeffentlichkeit? daß das Warschauer Appellationsgericht den in erster Instanz wegen angeblicher Körperverletzung eines iiatfcmaldeinokratischen Studenten zu zwei Monaten Kerkers verurteilten jüdischen Studenten Moses Grünknuit mit der üegründung freigesprochen hat, daß d:;s Zeugnis eines antisemitischen Studenten Segen einen Juden nicht als glaubwürdig angesehen werden kann? daß die Preußische Staatsregieruug den Direktor des Orientalischen Seminars. Universitätsprofessor Eugen Mittwoch, wieder in sein Amt zurückberufen hat, weil er der einzige deutsche Gelehrte ist. der das Aethiopischc in Wort und Schrift beherrscht? daß in einem Gespräch mit dem Direktor der Pariser Wochenschrift .,1033" Mussolini u. a. bemerkte: Die 24 Punkte Hitlers sind sehr zweideutig. Der Nationalsozialismus droht, eine absolute Verwirrung hervorzurufen. daß 16 Juden, unter ihnen vier Rabbiner, die vor neun Monaten versucht haben, über die sowjetrussische Grenz; illegal nach Palästina zu emigrieren, dabei erwischt und ins Gefängnis gebracht wurden, nunmehr zu je drei Jahren Gefängnis und Deponierung in ferne Gegenden verurteilt wurden? daß in tfeni anläßlich des Mannheimer Handwerkertageveranstalteten offiziellen Handwerkerumzug eine Tafel mit der Aufschrift: „Des Juden Tod ist unser Brot" mitgetragen wurde? daß allein an der Berliner Universität seit dem Frühjahr d. J. 117 Professoren und Dozenten, die Juden oder iüdisclier Abstammung sind, entlassen worden sind? -daß der bekannte Vclkswirtschaftler Jacob Lestschinsky, der hinge Jah:e in Berlin als Korrespondent des New Yorker „Forwjard" (Vorwärts) gelebt hat. nach Antritt der Regierung Hitler verhaftet und ausgewiesen wurde, dann eine Zeitlang seine Zeitung in Prag vertrat, vor kurzem im Auftrag der Zeitung nach Riga ging, von der lettländischen Regierung wegen angeblich scharfer Artikel gegen die Hitler-Regierimg ausgewiesen worden ist? Veröffentficffungen der „Union1* Vorlesung Ernst Lissauers. In dem von der Union österreichischer Juden im Festsaal des Handelsmuseum, IX., Berggasse 16. veranstalteten Vortragsabend am Donnerstag, den 23. November, 8 Uhr abends, liest Ernst L i s s a u e r aus seinen biblischen Dichtungen u. a. die in Buchform noch nicht erschienene Legende „Das Gesicht Noahs" und Teile aus seinem Drama „Das Weib des Jephta". Dies Drama wurde 1929 mit großem Erfolge in Chemnitz, Schwerin und anderen deutschen Städten, sowie von der Jungjüdischen Bühne in Brünn und von den Oberammergauern gespielt. Aus den zahllosen Pressestimmen zitieren wir die „Frankf. Ztg.': „Es gelingt Lissauer, eine Familtentragödie zur Volkstragödie auszuweiten und sie mit dem Reflexe der Erlebnisse unserer Zeit zu sättigen. Der dritte Akt hat monumentale Größe und dramatische Spannung." Ueber „Das Gericht Noahs" schrieb z. B. gelegentlich einer Vorlesung (1929) die „Mecklenburgische Zeitung", Schwerin: „Problematik unserer Tage, aus dem Wirbel ihrer chaotisch wirkenden Nähe gelöst, wird bei Lissauer hn Historischen als ewige Wiederkehr erlebt und erlöst Für uns Heutige klopft unter jedem seiner beziehungsreichen Sätze der Pulsschlag unseres eigenen stürmischen Herzens und seine Dichtungen erschüttern uns eben darum, als seien sie Erlebnis unserer selbst. Da der Dichter sich selber auch der glücklichste Interpret war, von dem manche Schauspieler lernen können, unter dem Klingen des Wortreichtums geistige Deutung zu wahren, so war es für ihn ein Sieg." Ueber Lissauers letzten Wiener Vortragsabend schrieb die „Neue Freie Presse", daß er „sich als vollendeter Interpret seiner Werke erwies"; die „Reichspost": „Durch seinen harmonisch geschlossenen Vortrag machte er den Abend zu einer Weihestunde"; der „Wiener Tag'': „Eine der eindrucksvollsten literarischen Veranstaltungen dieser Saison.'' — Karten für den Vortragsabend, der sehr interessant zu werden verspricht, sind im Sekretariat der „Union ", IX.. Berggasse 4, Nr. A 19-2-77, erhältlich. Telephon Die Jugend-Union veranstaltete am Montag, den 6. d. M., im Klubsaal des Cafe Excelsior einen kulturellen Abend, auf dem Dr. Ernst Feldsberg in überaus fesselnder Weise über „Sterbendes Ghetto" sprach. Der Referent berichtete über Leben und Treiben in den kleinen böhmischen und mährischen Gemeinden, wie es ehedem in Erscheinung trat und heute nicht mehr besteht. Er skizzierte in launiger Weise die Typen, die in diesen Gemeinden vorherrschten, und die Jreste, die in ihnen mit echt jüdischer Wärme gefeiert wurden. Mit Wehmut stellte er fest, daß al! dies im Niedergang begriffen sei, und führte als Ursache hierfür die Abkehr vom Religiösen an, die im Zusammenhang mit der Tendenz zur Politisierung der Judenschaft steht. Die überaus interessanten Ausführungen des Referenten wurden mit großem Beifall entgegengenommen. Obmann Oskar Hirsehfeld dankte in herzlichen Worten für den großen Genuß, den Dr. Feldsberg den Zuhörern geboten. — Der nächste gesellige Abend der Jugend-Union findet Samstag, den II. November, X9 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, statt. Erstklassige Mitwirkende, u. a. der beliebte Komiker Eugen S t r e h n. Nach der Akademie Tanz. Vorverkaufskarten zu S 1.20 sind im Sekretariat der „Union". IX., Berggasse 4, Telephon A 19-2-77, und bei den Leitungsmitgliedern der ..Jugend-Union" erhältlich: Entree an der Abendkasse S 1.50. Semeindedironift. Jossele-Rosenblatt-Gedenkfeier. Das Hilfskomitee für Jesclüwa-Bachurim (Vorsitzender: Kommerzialrat Moritz L e i t n e r) veranstaltet am Samstag, den 25. November d. J., um 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Post, I., Fleischmarkt 24 (Eingang Drachengasse), eine Jossele-Rosenblatt-Gedenkfeier unter Mitwirkung der Herren Oberkantoren F r ä n ke 1, Gerson Marg o I i e s, I. L. Müller und Simon Weiß sowie des bekannten Violinkünstlers Kurt Fuchsgelb. Die Feier verspricht ein großes gesellschaftliches Ereignis im jüdischen Leben Wiens zu werden. Karten zum Preise von 1—5 Schilling sind im Büro des Hilfskomitees, Wien IL, Leopoldsgasse 16, Tel. A 48-4-15, ferner bei einigen jüdischen Buchhandlungen und den durch ein Plakat gekennzeichneten Verkaufsstellen, erhältlich. Verlobung. Fräulein Reserl Kohn, Tochter des allseits bekannten Herrn Ignaz Kohn, Wien 1., hat sich mit Herrn Diplora-Kaufmann Doktor Theodor Kohn, Sohn des Herrn Arnold Kohn. des geachteten Vorstandsmitglied der Storchenschul, Wien XIV., verlobt. Wir gratulieren herzlichst. Todesiälie. Am 2. d. M. wurde der hochbetagt verschiedene Herr M. K I i n g e r zu Grabe getragen. Mit ihm ist ein wahrhait gottestürchtiger Mann dahuigevgangen, der sein ganzes Leben dem Wohle seiner angesehenen Familie und dem Dienste für die jüdische Gemeinschaft gewidmet hat. Er genoß deshalb auch allseits große Wertschätzung. d.e in der starken Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck kam. Insbesondere bekundeten htebei die zahlreich erschienenen Mitglieder des Kultusvorstandcs ihre Teilnahme dem Sohne des Verblichenen. Herrn Kultusvorsteher Geza Klinger. Unter Führung der beiden Vizepräsidenten waren die meisten Herren des Kultusvorstandes erschienen, auch der Zentralvorstand der „Union" war durch eine Abordnung vertreten, ebenso der Vorstand des Brigittenauer Tempelveibines durch eins Deputation unter Führung des Obmannes J. Kohn. Nach den ergreifenden Trauergesängen des Oberkantors M. M a t y a s entwarf Rabbiner Dr. B. M u r m e 1 s t e i n ein schönes Bild vorn Leben und Wirken des Heimgegangenen, durch dessen Hinscheiden seiner allseits geschätzten Familie de Krone entrissen wurde. Auch Obmann J. Kohn sprach ergriffen von dem prächtigen Wesen des Verstorbenen, der in seiner Gemeinde einen geachteten Platz eingenommen hat. — In der Blüte seiner Jahre wurde seiner Familie und seinen Freunden ein Mann entrissen, der wegen seines Eifers für die jüdische Sache in weitesten Kreisen der Wiener Judenschaft gut bekannt war. Sekretär Rudolf H1 a v/ a t s c h ist am 3. d. M. nach kurzem schweren Leiden dahingeschieden und wurde am 5. d. M. mit Ehren bestattet, die er sich durch sein mannhaftes Eintreten für die jüdische Gemeinschaft wahrlich verdient hat. Den Sarg flankierten sechs mit hohen Auszeichnungen dekorierte Mitglieder der Ortsgruppe VIII des Bundes jüdischer Frontkämpfer in Uniform, um ihn stand tiefbewegt eine große Trauergemeinde, die Zeugnis dafür gab, daß Rudolf Hlawatsch in den verschiedenen Organisationen, in denen er' mit Hingebung gewirkt hat, immer seinen Mann zu stellen wußte. So war die „Union österreichischer Juden" durch Sorge für die Gesundheit deiner Familie und benütze Shemen Olivenöl zum Kochen, Braten, Backen und Oelkuren. sehr ausgiebig, leicht verdaulich, bevorzugt in aller Welt Shemen Toiletteseifen übertreiien die beste Oualität Europas. Shemen Haushattuugsseifen, sehr billig und ausgiebig, erhalten Sie in Ihrer Parfümerie, Delikatessengeschäften. Verlangen Sie diese Produkte. Generalrepräsentanz für Oesterreich: S. RABINOWITSCH Wien IL, Zirkusgasse 10, Tel. R 48-7-38. ihren Zeutralvoistand last vollzählig vertreten, man sah ferner zahlreiche Mitglieder des Bundes jüdischer Frontsoldaten mit Hauptmann a. D. Friedmaun an der Sp.ize. Rabbiner Dr. M. G. M e h r e r sprach begeistert von Rudolf Hlawatsch als dem Manne der Arbeit, dem liebenden und geliebten Gatten, Vater und Bruder und schließlich ven dem wackeren Juden, der sich so in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft gestellt hat. wie er im Weltkriege die Pilicht fürs Vaterland getan hat. Markante Wor:.2 des Abschiedes rief dem treuen Mitarbeiter der Vizepräsident der „Union". Dr. J. Tic ho, nach und versicherte, daß das Andenken dieses braven Mannes in der „Union" fortleben werde. Auch der Bezirksführer der Ortsgruppe VIII des Frontbundes entbot dem Heimgegangenen herzlich.' Absehiedsworte und den Hank für seine eifrige Arbeit. Unter Vorantritt einer tiiirenkoini;agn.c des Bundes in Uniform wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte getragen, die d:e Freunde des Verstorbenen mit schmerzlichen Gefühlen verließen. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der Witwe und de» beiden Kindern des Verblichene» zu. Die kantorale Funktion versah Oberkantor D. Groß in v rziigüehcT Weise. Trauerteierii. Der Vorstand des Maimonides-instituts veranstaltete zu Ehren seines verstorbenen Dozenten. Rechtsanwalt Dr. N. G o I d s t e i n. Sonntag, den 29. Oktober, ein Hesped, welchem nebst der Familie des Verblichenen die Dozenten des Instituts, sowie zahlreiche Freunde des Dahingeschiedenen und Gäste der Lehranstalt beiwohnten. Nach dem Vortrage des Schiwisi durch Herrn Kantor Josef Feuer hielt der treue Freund Dr. Goldsteins, Herr Dr. Armand K a m i n k a, selbst tiöf ergriffen, eine formvollendete Gedenkrede, in welcher er die Persönlichkeit, wie die vielen Vorzüge des allzuirüh Verstorbenen, insbesondere sein umfangreiches Wissen auf dem weiten Gebiete des Talmud schilderte, das der sei. Dr. Goidstein in einer Weise, wie nicht viele Gelehrte, besessen hat. Mit diesen bedeutenden Kenntnissen ausgestattet, hätte er in einer großen Gemeinde nicht nur nützlich, sondern segensreich wirken können, so beschäftigte er sich aber, der in jungen Jahren Rabbiner in einer chassidischen Kehilla in Polen war, mit dem Rechtsstudium des Talmud als Privatgelehrter und Dozent für jüdisches Recht, seinen Lebensunterhalt mußte er als Rechtsanwalt bestreiten. Nach der ausgezeichneten Rede des Herrn Dr. Kaminka sprach Herr Rabbiner M. H o r o w i t z herzliche Worte des Gedenkens. In Vertretung der Kultusgemeinde hielt Herr Vorsteher Dr. Mendt Rosenberg eine Ansprache, worauf Kantor Feuer das Fl mole rachamim in würdiger Weise vortrug. R. K. - Der Vorstand des Teinpelvereiues X veranstaltete am 6. d. M. einen sehr würdig verlaufenen Trauergottesdienst für seinen jüngst verstorbenen langjährigen Obmann Max B e r g e r s. A. Es waren alle gekommen, die diesen braven Mann kannten und schätzten, insbesondere jene, denen seine hervorragende Tätigkeit als Obmann des Tempclvereines X in dankbarer Erinnerung bleiben wird. So erschien auch der Gesamtvorstand dieses Tempelvereines mit Obmann B. Scher und ObmaunstellVertreter L. Grünspan an der Spitze im Gotteshaus, in dem man ferner in Vertretung der Kultusgemeinde Herrn Dr. Leo Landau und in Vertretung der „Union" die Herren Reg.-Rat Dr. M. Lenk und Alfred T o Ii n e 11 e s sah. Die gehaltvolle Trauerrede hielt Rabbiner Dr. M. W eine r. die Trauergesänge rezitierte in meisterhafter Weise Oherkantor S. Weiß. 65. Geburtstag. Der in weitesten Kreisen bekannte Religionslehrer Herr Elias R o s e n f e 1 d. der seit Bestehen der Talmud-Thora-Schule, II., Leopoldsgasse 29, dort tätig ist, begeht am Ii. d. M. seinen 65. Geburtstag. Er ist ein ausgezeichneter Lehrer, der Jmstande ist. den Gegenstand interessant zu gestalten und die Schüler zu begeistern. Trotz seiner zuweilen auch strengen Unterrichtsmethode ist er bei seinen Schülern ungemein beliebt. Er scheut auch keine Mühe und Plage, durch eine Sammel-Aktion die Mittel aufzubringen, um im Sommer bedürftigen Kindern einen Landaufenthalt zu ermöglichen. Ferner erwirbt er sich oit große Verdienste durch seine Bereitwilligkeif, im stillen Not zu lindern. Der Jubilar ist ein edles Vorbild für seine Schüler, als guter Mensch und aufrechter Jude. Möge es ihm noch viele Jahre beschieden sein, in rüstiger Gesundheit seineu schönen Beruf auszuüben. Rudzki. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 13. November, halb 8 Uhr abends, findet im Klubsaale, I., Wiesingerstraße 11 (Gate Atlashot, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang „Unser tägliches Gebet" statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. „Mathilde". Wie alljährlich wird auch heuer der Verein „Mathilde" zu Chanuka 150 Kinder mit

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