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Die Wahrheit · 1933-10-11 · Heft 41 (11.10.1933) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 41 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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preis dieser Nummer 40 Grosehen Jüdische DU tUrU In Deutschland verboten! .«* Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden* und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien lUllinillHIlfllllllllllUIIIIIUIMMM Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 49. Jahrgang Wien, 11. Oktober 1933 Nummer 41 Lau omuth ki echjeh. Unsere Hoffnung an diesem Sehemini azereth. Rasiere Dldi gut and billig An Erew Sukkautb. 3801 traf in Jerusalem der Befehl des römischen Kaisers Caligula ein, seine Bildsäule im Tempel aufzustellen. An demselben Tage erhielt der Statthalter von Syrien (Petronius) von Rom aus die Weisung, mit seinen Legionen in Judaea einzurücken und das Heiligtum in Jerusalem in einen Götzentempel zu verwandeln. Aber Schimon hazaddik, der geistige Führer des Volkes, beruhigte seine Brüder, sie sollten nur unbesorgt das Sukkauthfest feiern, das drohende Unheil werde sie nicht erreichen. Petronius rückte mit zwei Legionen bis an die Grenze Judaeas. Als aber das Volk zu ihm strömte und ihn fußfällig versicherte, daß sie alle lieber sterben als die Entweihung des Heiligtums dulden würden, bezog er, anstatt nach Jerusalem zu marschieren, die Winterquartiere in Akko. An den Kaiser richtete er ein Schreiben, in dem er ihn milde zu stimmen suchte. Der jüdische König Agrippa, ein Jugendfreund Caligulas, hatte bei einem Festmahl den Kaiser zu Gaste, und als er sich eine Gunst von ihm erbitten sollte, bat er um die Zurücknahme jenes Befehles. Schon hatte der launenhafte Despot eingewilligt, als zum Unglück jener Bittbrief des Petronius eintraf. Der Statthalter mußte von den Juden bestochen sein. Sofort wurde die schonungslose Ausführung des kaiserlichen Befehls angeordnet. Doch bevor noch dieser Ukas sein Ziel erreichte, war die Nachricht von dem Tode des Wüterichs eingetroffen. „Wenn es Nacht werden will, wird es Tag." „Wenn die Not am größten ist, ist Gott am nächsten." (Secharja 14, 7.) Dieser Vorfall ist nur eine Episode, eine winzige Einzelheit in dem grandiosen schauervollen Gemälde, das die Völker, jedes mit einem anderen Pinsel, aber alle mit unserem jüdischen Blut auf den düsteren Hintergrund der Weltgeschichte aufgetragen haben. Man nennt es „die Geschichte Israels''. Aber Israel ist, obwohl sie es sagen und gern wahr haben möchten (wlau jissochor schem Jisroel aud), noch nicht ganz Geschichte, noch nicht ganz Vergangenheit. Es lebt noch, lebt allen seinen Würgern und Mördern zum Trotz. Neben dem blutgesättigten Bilde seiner Vergangenheit steht es hoch aufgerichtet als lebendige Anklage: „Das unschuldige Blut unserer Väter und Brüder kommt auf euer Haupt!" „Und dennoch, wenn auch in Feindesland, habe ich sie nicht verworfen, meinen Bund werde ich ihnen halten, ich bleibe ihr Gott!" So schließt die „Tauchocho", jene furchtbare Strafandrohung, in der das Schicksal Israels vorgezeichnet ist. Nichts fehlt in diesem Bilde: die Angst und der Schrecken, der Kummer und die Krankheit, der Mangel und der Hunger, die Bestie und das Schwert, die Zerstreuung und die Verzagtheit und das Schrecklichste: „keri", ein Zufälliges wird Israel sein, ein nirgends als Volk Heimberechtigtes, in seinem Bestand durch Gesetz und freie Volksgunst Gesichertes, das überall nicht Hingehörende und nur so weit Geduldete, als es den anderen frommt und gefällt. Alles das enthält das Bild dieser vorausgeschauten Zukunft Israels. Es sieht sie in Feindesland — feindselig ist ihnen das Land ihrer Jugend, ihres Mannestums und ihres Alters. In dem Lande, das die Wiege ihres Kindes trägt, wie das Grab ihrer Eltern, gönnt ihnen der Nachbar nicht Luft und Sonne, nicht Obdach noch Boden. Doch es hilft nichts. Sie sind nun einmal da und sie bleiben da, wie sie dablieben trotz aller Uebermacht eines Pharao, eines Haman, eines Antiochus, eines Titus, für jeden, der sehen konnte, ein offenbares Wunder, das Wahrzeichen einer höheren Macht, die, wenn auch die Menschen sie, als verworfen, vernichten wollten (l'challauthom). sie augenscheinlich nicht verwarf. Und als das neue Rom im Judenhaß das alte ablöste und beerbte, als man aus der Hand dieser Verachteten und Geächteten die eigene Religion empfangen hatte, da nannte man diese den „neuen Bund", (l'hofer b'rith) den alten habe Gott gelöst. Sie, die Juden waren einst die Erwählten, nun sind sie nur noch da als lebende Zeugen ihrer Verwerfung. Der Judenhaß, bis dahin nur Laune oder Politik, nun war er Religion geworden. „Und dennoch" ENORME AUSWAHL BILLIGSTE PREISE E ppP >#S l* TEPPICDE VORHÄNGE MÖDELSTOrrE, DECHEN MVR I., BAUERNMARKT 12 14 hielten sie in Ehren stand und so oft es Abend werden wollte, brach für sie ein neuer Morgen an. Solange die Welt steht, ringen miteinander, wie Nacht und Tag und Winter und Sommer, um die Herrschaft Schwert und Geist, Gewalt und Recht, Tierheit und Menschlichkeit. Und immer, wenn in diesem Kampfe die Finsternis zu obsiegen scheint, tritt triumphierend das Licht hervor (l'eth erew jihje aur). Wir stehen heut wieder unter dem bedrückenden Eindruck von Judenhetzen in Ost und West, wie unsere Väter in alter Zeit unter dem Befehl Caligulas. Oesterrclchlsclics Qualität* füDrlkai Ueberau erhältlich Ob wir unseren Brüdern, die unter der Geißel des Judenhasses leiden, helfen können? Eines können, eines müssen wir: sie bewundern. Ein hervorragender Brite (E. B. Laum) schrieb von den Juden unter dem Zarismus: „Eine der Maßregeln, die man gegen diese Juden angewendet, würde hinreichen, drei Viertel aller Christen Rußlands in einer Woche zum Schamanentum oder zum Buddhismus zu bekehren; und der Umstand, daß gegen 6 Millionen verfolgte und bejammernswerte Unglückliche standhaft und treu bei einer Religion verharren, die ihr Leben in einen Feuerofen verwandelt, aber ohne den Engel, der Kühlung zuführt, er kommt einem grandiosen Wunder gleich, das unser ungläubiges Zeitalter zu schauen gewürdigt wird." Nicht nur Bewunderung flößt uns die Heldengröße unserer Brüder ein, sondern zugleich auch von neuem den Glauben an die Wunderkraft der Lehre Israels, die Hoffnung auf den Endsteg des Guten, des Lichtes, des Rechtes, der Liebe und der Wahrheit. Wie diese Welt einst ins Leben trat auf den Ruf: „Es werde Licht! (j'hir aur)", so wird auch eine neue Welt, eine Welt der Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Bruderliebe kommen, gerade wenn der Weltuntergang, das Ersticken der Kultur im Blutmeer entmenschter Grausamkeit besiegelt scheint. Wenn es Nacht zu werden droht (jihje aur), wird ein neues Licht aufstrahlen, eine neue Schöpfung aus dem Chaos steigen. (Lau omuth ki echje). „Nicht sterben werde ich", spricht Israel, sondern leben und verkünden die Herrlichkeit des Gottes, der uns verheißt: „Und dennoch bin ich und bleibe ich der Ewige, ihr Gott und Erlöser!" —d— Das Geschem-Gebet Eine Zeitbetrachtung. Von Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n. Es ist merkwürdig, daß die wenigsten Bekenner unseres Glaubens wissen, daß der Passus im christlichen „Vater Unser": „Gib uns unser täglich Brot" aus unserer Bibel stammt. Selbst der feinsinnige Schriftsteller, der vor kurzem in einem lesenswerten Buche die jüdischen Kreise Wiens und Brünns schilderte, drückt Ergriffenheit über das aus dem Munde einer Christin vernommene einfache und doch eindrucksvolle Gebet aus, ohne anzugeben, daß dieses Veilchen im Blumenbeet des Judentums emporgeblüht ist. Die betreffende Stelle befindet sich in den Sprüchen Salomons (Kap. 30) und lautet zur Gänze: „Zweierlei erbitte ich mir von dir, o Gott; versage es mir nicht, bevor ich sterbe: Falschheit und Lüge halte fern von mir; Armut und Reichtum gib mir nicht. Laß mich essen mein (täglich) festgesetztes Brot. Wenn ich übersättigt wäre, könnte ich leugnen und sprechen: Wer ist Gott? Wenn ich verarmt wäre, könnte ich stehlen und mich vergreifen an dem Namen meines Gottes." Unsere Bibel wäre weltfremd und würde dadurch auf die späteren Generationen ihre Anziehungskraft eingebüßt haben, wenn sie nicht die hohe Bedeutung des täglichen Brotes erfaßt und geschildert hätte. Schon beim Eingang der Heiligen

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