Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 38-39 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 15 ( Lirsn S1B VI) KIM- TUN© BABEANSTA1LT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Friedensbrücke gelegen - A Original RUSSlSdlCS Dampfbad mit ■ Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 daß die Warschauer jüdische Gemeinde ihren vor einiger Zeit gefaßten Beschluß, eine Anleihe von 250.000 Zloty aufzunehmen, um den Bau des Pathologischen Instituts, dessen Leitung Prof. Hermann Zendek aus Berlin übernehmen soll, vollenden zu können, nun beschleunigt durchführen will? dalJ die Budapester medizinische Fakultät von 60 jüdischen Bewerbern nur 7 für das kommende Semester neu aufgenommen hat, während gleichzeitig 158 nichtjüdische Hörer an der Fakultät inskribiert wurden? dall der Staatsrat von Quebec (Klanada) in einer einstimmig angenommenen Entschließung den Einwanderungsminister Gordon aufgefordert hat, die Einwanderung von aus Deutschland vertriebenen Juden zu verhindern, „weil die Juden sich nur schwer einbürgern und einen Staat im Staate bilden"'? * daß die über hundert Jahre bestehende Synagoge in Perleberg (Deutschland) geschlossen wurde, nachdem die dortige Gemeinde durch Fortzug oder Tod der Mitglieder so zusammengeschmolzen war, daß die Erhaltung der Synagoge nicht mehr möglich war; die Kultgeräte werden der Gemeinde Berlin übergeben. „Jüdischer Tag in New York. Am 14. September fand aut dem Polospielfeld von New York eine Wiederholung des historischen Massenausstattungsstückes „Die Romanze eines Volkes" statt das zum erstenmal anläßlich der Chicagoer Weltausstellung auf dem damals veranstalteten „Jüdischen Tag" gezeigt worden war. Auch der Tag der New Yorker Aufführung war vom Bürgermeister O'Brien offiziell als „Jüdischer Tag'' proklamiert worden. Der Veranstaltung, an der 6200 Schauspieler, Tänzer und Sänger unter Leitung von Meyer W e i sgal mitwirkten, wohnten über 50.000 Gäste bei. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft waren erschienen, unter ihnen ein Vertreter des Präsidenten Roosevelt. Die Bühne, eine der größten. d:e jemals in Amerika errichtet worden waren, war nach Entwürfen von Peter Clark, dem Schöpfer der Radio City, und Julian Clarence Levi, dem ehemaligen Präsidenten der Architekturliga, errichtet worden und stellte in einer Frontausdehnung von 300 Fuß den Salomonischen Tempel mit der Altstadt Jerusalems als Hintergrund dar. Unterhalb der Bühne war ein Schallverstärkungsraum eingebaut, in dem Orchester und Chor untergebracht waren. Auch die Solisten sangen von diesem Raum aus. Gesang und Musik wurden durch Anlagen der Western Electric Company über das ganze Feld, das den Zuhörerraum bildete, übertragen. Die Musik zu dem Stück ist auf altjüdischen Motiven, vor allem solchen aus der Sammlung des Professors für jüdische Musik am Hebrew Union College Dr. A. D. Idelson, aufgebaut. Vorsitzende des Ehrenschutzkomitees der Veranstaltung, deren Erträgnis dem Fonds zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina zugeführt wird, waren der Gouverneur des Staates New York Colonel Herbert H. Lehman und Samuel Untermver. An der Vorbereitung der Veranstaltung haben auch hervorragende nichtjüdische Persönlichkeiten, unter ihnen der ehemalige Gouverneur AI Smith. Owen D. Young. Charles H. Turtle, Norman Thomas. Senator Royal F. Copeland und Generalstaatsanwalt John I. Bennet. teilgenommen. Einwanderungsfreundliche Strömung in Amerika? Die American Civil Liberties Union hat an Präsident Roosevelt eine Pet i t i o n gesandt, in der er gebeten wird, die bestehenden Einwanderungsvorschriften so abzuändern, daß politische Flüchtlinge und Personen, die wegen ihrer konfessionellen Zugehörigkeit ihre Wohnländer verlassen müssen, besonders solche aus Deutschland, in die Vereinigten Staaten einwandern können. Der Zeitungsherausgeber William Randolph Hearst, der Leiter des größten amerikanischen Zeitungskonzerns, hat erklärt, er trete dafür ein, daß eine entsprechende Zahl deutscher Flüchtlinge zur Einwanderung nach Amerika zugelassen werde. Durch die Unterstützung Hearsts hat die einwanderungsfreundliche Strömung in Amerika eine wesentliche Stärkung erfahren. Errichtet ein Kassowitz- Denkmal! Der Phosphor-Lebertran, der eben jetzt den 50. Geburtstag feiert, ist ein Wiener jüdisches Kind. Sein Vater war der berühmte Wiener Kinderarzt Professor Dr. Max Kassowitz, Vorstand des Kinderknankeninstituts in der Steindlgasse. Im Jahre 1883 war Kassowitz" sensationelle Schrift „Die Phosphorbehandlung der Rachitis" erschienen; in der Gesellschaft der Aerzte zu Wien und auf der 56. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, die vom 17. bis 21. September 1883 in Freiburg im Breisgau tagte, hielt Kassowitz über seine neue Behandlungsmethode der Rachitis aufsehenerregende Vorträge. Max Kassowitz wurde im Jahre 1842 in Preßburg geboren. Er promovierte 1864 in Wien, wurde im Jahre 1895 außerordentlicher Universitätsproiessor. Am 20. Juni 1913 schied der große Denker, Arzt und Lehrer Max Kassowitz aus dem Leben. Durch zahlreiche geniale Arbeiten hat er das Wissensgebiet der Medizin und Biologie ungemein bereichert. Aber wenn schon nichts anderes, so wäre die vor 50 Jahren erfolgte Einführung des Phosphor-Lebertrans in die Therapie der Rachitis Anlaß genug, von der bereits im Jahre 1918 durch das Rektorat der Wiener Universität erteilten Erlaubnis Gebrauch zu machen und im Arkadengang der Universität ein K a s s o w i t z - D e n k m a 1 zu errichten! Tapezlerermelsler ZERKOW1TZ SPEZIALIST In Tapetenarbelten Werkitä'tte für moderne M3bel. — Übernahme aller Reparaturen. I., Neutorgasse 18 Telephon U 23-8-28 Werkstätte: I., Seiteostettengasse 2 Telephon U 22-7-31 Der Chofez Chaim gestorben. Am 14. September ist in R a d i n der ..Baal Chofez Chaim", Rabbi Israel Meir Hakohen, die größte rabbinische Autorität unserer Zeit, im Alter von 93 Jahren gestorben. Der „Baal Chofez Chaim". wie er im Hinblick auf sein großes Werk über jüdisches Leben, das seinen Ruhm begründet hatte, im Volksmund allgemein genannt wurde, genoß bei der orthodoxen Judenheit der ganzen Welt höchstes Ansehen. Er selbst bezeichnete sich als einen „einlachen Juden, der an das, was die Thora lehrt, glaube und es befolge." Deshalb hatte er auch seinen Wohnsitz nicht in einem der großen jüdischen Zentren, sondern in dem entlegenen Städtchen Radin aufgeschlagen. Er lebte in äußerster Zurückgezogenheit, Einfachheit und Demut und lehnte alle Ehrungen ab. Niemals hatte er ein offizielles Amt als Rabbiner bekleidet und für seine rabbinische Tätigkeit niemals Entgelt angenommen. Er pflegte das ganze Land zu bereisen, alle jüdischen Städte und Städtchen zu besuchen und dort zur Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Lehre seine Bücher zu dem Preise, der ihm gerade geboten wurde, zu verkaufen. Er gab sich stets bloß als einfachen Wanderbuchhändler aus. ohne sich zu erkennen zu geben. Im übrigen erwarb er sich seinen Lebensunterhalt als Kleinkrämer. Als er sich das erste Mal in Radin niederließ, eröffnete er einen Heringladen, später eine Gcwürzkrämerei. Als er sah. daß alle Juden der Stadt seine Kunden wurden und andere Kaufleute darunter Schaden litten, gab er den Laden auf und begann wieder das Land mit seinen Büchern zu bereisen. Später forderten ihn die Juden von Radin auf. ihr amtlicher Rabbiner zu werden, was er jedoch ablehnte. Wiederholt hatte er auch Angebote, bedeutende Rabbinerstellen in großen Städten zu übernehmen, zurückgewiesen. Auf das Drängen der Juden von Radin, die darauf bestanden, daß er, wenn er unter ihnen lebe, auch ihr Rabbi sein müsse, nahm er diese Stellung unter zwei Bedingungen an: erstens, daß er keinerlei Gehalt von der Gemeinde beziehe und zweitens, daß seine religiösen Entscheidungen für alle bindend sein müßten. Als einmal ein Radiner Jude sich weigerte, das Urteil des Chofez Chaim anzuerkennen, sandte dieser seinen Rabbinerkontrakt sofort der Gemeinde zurück und übernahm seitdem das Amt nicht mehr. Von jüdischen Organisationen schloß sich der Chofez Chaim bloß der Agudas Jisroel. zu deren rabbinischem Rat er gehörte, an. Sehr tief war seine Verbundenheit mit Palästina: wiederholt hatte er erwogen, sich dort dauernd niederzulassen. Er galt als großer Friedensstifter, durch seine Bemühungen kam die Nachhilfestunden für Haupt- und Mittelschüler SUCht bewährte Lehrkraft. Unter „Billig" an die Administration d. Blattes. WM mmmti Wien I., Seltenstettengasse 2, Tel. V 28-1-28 XL, Zentrallriedhof, Kkt in I. Im, Tel. U 18-0-8S Versöhnung zwischen den berühmten chassidischen Rabbinern von Ger und Beiz zustande. In den letzten Jahren bereitete ihm die Verfolgung des jüdischen Glaubens in Sowjetrußland schwere Sorgen. Der Tod des Chofez Chaim erfolgte nach kurzer schwerer Krankheit. Schon vor etwa anderthalb Jahren schien er infolge einer schweren Krankheit dem Tode nahe, hatte jedoch trotz seines hohen Alters die Krankheit wie durch ei» Wunder überwunden. „Taschüch". Um Leben. Vater, flehen wür Am Neujahrsfeste fromm zu Dir. O Gott, der Deinen Bitten hör*. Was uns zum Heil, o Herr, gewähr! Wenn abends sich die Sonne neigt. Zu Dir empor die Bitte steigt. Lösch' Vater aus des Volkes Schuld. Gewähre Gnade uns und Huld! Zum Flusse heute jeder eilt. Und andachtsvoll am Ufer weilt. Zu Gott hebt man den Blick empor. Dann beten alle laut im Chor: „Schreib" ein zum Leben, die Dir treu. Heut', wo beginnt ein Jahr auf's neu. Nur Gutes bring' die neue Zeit. Heil. Frieden und Glückseligkeit!" Professor Moritz A n t s c h e r I. Sememde - Cfironift Berlin. Im Alter von 43 Jahren ist der Rittergutsbesitzer Rudolf S. Mosse, einer der tatkräftigsten Förderer der Bewegung zur Rücksiedlung deutscher Juden aufs Land, gestorben. Rittergutsbesitzer Mosse war ein. Neffe des bekannten Zeitungsverlegers Rudolf Mosse. Im Weltkrieg war er um seiner militärischen Leistung willen zum Oberleutnant befördert und mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, dem bayerischen Militärverdienstkreuz und dem goldenen Verwundetenabzeichen — er war fünfmal verwundet worden — ausgezeichnet worden. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Merkblatt des Bundes bei. das auszufüllen wir alle unsere Leser bitten. Sie helfen dadurch mit. ein Werk zu schaffen, das beweisen wird, daß die österreichische .ludenychaft im Weltkriege ihre vaterländische Pflicht getreulich erfüllt har. und das geeignet Ist. die Lügen der Antisemiten über dtic Drückebergerei d:r Juden treffend zu widerlegen. Die Merkblätter, von denen weitere in unserer Redaktion (11.. Heinestraße 13) erhältlich sind, sind ausgefüllt einzusenden au den Bund, II. . Aspernbrückengasse 2. Der Weltverband für Sabbathschutz „Schomre Schabbos" hat seine Zentrale von Berlin nach Amsterdam C. Rapenburgerstraat 179 verlegt. Eine neue Musiklehranstalt für Klavier. Der berühmte Pianist, Komponist und Pädagoge Prof. Juliusz W o I f s o h n hat die künstlerische Leitung und den Unterricht in den Ausbildungs- und Konzertklassen der neuen Musiklehranstalt für Klavier, die am 1. Oktober eröffnet wird, übernommen. Dortselbst auch ein Staatsprüfungskurs. Besonders beachtenswert ist (den Intentionen des Künstlers entsprechend) die Berücksichtigung der Klavier- und Kammermusikliteratur der neuen jüdischen Musik im Repertoire des Unterrichtsstoffes, der ansonsten dem der Staatsakademie entspricht. Anmeldungen und Auskünfte täglich Wien III.. Hintzerstraße 8 (Eingang Pfarrhofgasse 16) Telephon U16-1-32. Prospekte gratis.!! Jüdische Mädchen vor der Berufswahl 11 Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit Öffentlichkeitsrecht. — Staatsgültige Zeugnisse. Einjährige Koch- und Haushaltungsschule. Moderne Kochkurse. Streng rituell. Viele sonstige Ausbildungsmöglichkeiten. Prospekte. — Mittelstandspreise Dr. Kragerheim, II.» MaUgasse 1 Tel. A 48 0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von ll bis 12 Uhr.