Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 35 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»IE WAHRHEIT Sehe 7 CUJ8IIJSBAD HUB- UND BADEANSTALT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Friedensbrflcke gelegen - ■A» Original RUSSlSdTCS Dampfbad mit Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 Der verdächtige Salomon. Der österreichische Genealoge Karl Friedrich von F r a n c k in Döferingen hat vor einiger Zeit eine mit großer Sorgfalt angefertigte Ahnentafel Hitlers herausgegeben, wobei sich herausgestellt hat, daß diese Ahnentafel keineswegs lauter deutsche Namen aufweist und z. B. die Namen Wally und Salomon enthält. Diese Tatsache gibt nun einem Genealogen Veranlassung, in der ..Neuen Zürcher Zeitung" Zweifel am reinen Ariertum Hitlers zu äußern, die durchaus nicht von der Hand zu weisen sind. Es heißt da u. a.: „Es muß doch gesagt werden, daß der in der Hitlerschen Ahnentafel wiederholt auftauchende Familienname Salomon nicht bedenkenlos als deutscher Name anerkannt werden kann. Zum mindesten gehört es nicht zu den Gepflogenheiten Adolf Hitlers und seiner Anhänger, diesen Namen ohneweiters als deutschen Namen aufzufassen. Die Tatsache, daß die Salomons unter den Vorfahren Herrn Hitlers Landwirte waren, läßt sich nicht unbedingt als Stütze für die Behauptung verwenden, daß es sich bei dieser Familie Salomon um eine rein deutsche Bauernfamilie handelt, die aus irgendwelchen religiösen Gründen etwa diesen biblischen Namen angenommen hat. Abgesehen von dem Umstand, daß meines Wissens bei einem der in der Hitlerschen Ahnentafel erwähnten Salomon alle näheren Angaben fehlen, sei auch auf die Tatsache verwiesen, daß es gerade im österreichischen Innviertel seit den Zeiten des Aufklärungskaisers Joseph a u c h j ü d ische Grundbesitzer gibt, dem Verfasser sind selbst in der engeren Umgebung von Braunau jüdische Landwirtsfamilien bekannt. Damit soll nun keineswegs behauptet werden, daß AdolfHitler jüdisch esBlutinseinen Adern hat; aber die Feststellung seiner einheitlichen Stamme s h er k u n f t kann doch wohl nichtalseindeutig bewiesen gelten, wie überhaupt die Francksche Ahnentafel die Probleme der Herkunft Hitlers hoch keineswegs löst, sondern sie erst aufwirft und reichliches Material zu ihrer Untersuchung und Erörterung bereit stellt. Ihre wirkliche Lösung kann nicht allein Aufgabe der Genealogie sein, denn wenn auch die Francksche Ahnentafel in vielen Punkten jeden „rechtlichen und genealogischen Zweifel" an der deutschen Abstammung Hitlers ausschließt, so erheben sich gegen diese Feststellung doch so schwere anthropologische Bedenken, daß einige Zurückhaltung am Platze ist. Es sei in diesem Zusammenhang an bekannte Urteile des gewiß unverdächtigen, selbst im Banne des völkischen Rassegedankens stehenden Professors von Gruber erinnert, der schon vor Jahren von der rein anthropologischen Seite her die Frage nach der eindeutig deutschen Abkunft Hitlers aufwarf. Oberrabbiner Loew-Szegedin 80 Jahre. Das Mitglied des ungarischen Magnatenhauses Oberrabbiner Dr. Immanuel Loew-Szegedin, eine der markantesten Erscheinungen des ungarischen Rabbinats, feiert demnächst seinen 80. Geburtstag. Wie wir erfahren, bereitet der große Kreis seiner Verehrer und Schüler für diesen Tag ein wissenschaftliches Festgeschenk vor. Prof. Dr. Loew gilt als eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der biblischen und talmudischen Botanik. Die Frage zusätzlicher Palästina-Exporte. Die Meldungen über ein Abkommen zwischen der deutschen Reichsregierung und einer Treuhandgesellschaft über die Durchführung des Transfers von Geldern reichsangehöriger Juden nach Palästina, und zwar in Verbindung mit zusätzlichen Exporten, werden von zuständiger Stelle als in der bisher vorliegenden Form nicht zutreffend bezeichnet. Die Verhandlungen seien noch nicht ganz abgeschlossen. Eine Mitteilung über ihr Ergebnis werde zu gegebener Zeit erfolgen. Aus aller Welt New York. Der bekannte jüdische Journalist Leo R. Sack wurde zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Costa Rica ernannt. Gesandter Sack, der im 44. Lebensjahr steht, nimmt an Angelegenheiten des jüdischen öffentlichen Lebens lebhaft Anteil. Seinem Posten wird im Hinblick auf die Interessen der Vereinigten Staaten am Panama-Kanal hohe Bedeutung beigemessen. Frankfurt. Anläßlich des 80. Geburtstages der Baronin Adelheid von Rothschild, der Gattin Edinond de Rothschilds, erinnert die „Frankfurter Zeitung" an die Verdienste dieses letzten noch in Frankfurt geborenen Mitgliedes des Hauses Rothschild, insbesondere an die Erhaltung des Rothschild-Palais in der „Zeil" und des früheren Rothschildschen Bankhauses, das im vorigen Jahr zum Gemeindehaus mit einem Museum jüdischer Altertümer und einer öffentlichen Bibliothek umgebaut wurde. Die Zeitung stellt fest, daß viele Frankfurter in dankbarer Verehrung der Jubilarin gedenken, die ihrer Vaterstadt wertvolle Kunstschätze erhielt, während alle anderen Frankfurter Patrizieriamilien ihren Besitz der Bauspekulation im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts opferten. Rio de Janeiro. Bei einer Nachwahl wurde der bekannte jüdische Industrielle und Führer des Kaufmännischen Verbandes Dr. Horacio L a f e r zum Abgeordneten .der Konstituierenden Nationalversammlung gewählt. Dr. Lafer, der in der Papierindustrie und in der Politik des Staates Sao Paulo eine hervorragende Rolle spielt, war 1930 Gesandter Brasiliens in der Schweiz. Er betätigt sich auch aktiv im jüdischen Leben. Er war eine Zeitlang Präsident der hebräischen höheren Schule Hatechiah in Sao Paulo und steht derzeit an der Spitze des Hilfskomitees für deutsche Juden. Warschau. Am Montau, den 21. August, wurde hier der internationale Historiker-Kongreß in Anwesenheit von etwa 900 Gelehrten aus allen Teilen der Welt eröffnet. Unter den Kongreßteilnehmern beiindet sich auch eine große Zahl jüdischer Historiker. Von bekannten jüdischen Gelehrten, die an dem Kongreß teilnehmen, sind zu nennen der Nestor der jüdischen Geschichtswissenschaft Professor Simon D u b n o w, der bis vor kurzem seinen Wohnsitz in Berlin hatte, der Sekretär des Hilisvereins der deutschen Juden. Doktor Mark Wischnitzer, der Leiter der historischen Abteilung des jiddisch-wissenschaftlichen Instituts Doktor Tscherikower und Dr. Jakob Lestschinsky. sämtliche Mitglieder der deutschen Delegation, ferner aus Polen Oberrabbiner S c h o r r, Professor B a 1 aban, der Leiter des Jüdischen Seminars in Warschau, und der Statistiker Joseph Schipper. Aus Amerika kamen Dr. Jakob Schatzkv und S. Zeitlen. aus Italien Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rolcnkreuzgasie 3 Tel. A4S-5-37 Prof. Levy. aus Frankreich Dr. Halfan. Dr. M. Bloch, Dr. Andre Blum und Dr. Jacques Weissei, aus Rumänien Dr. Halevi — Prof. Schorr und Dr. Balaban vertreten gleichzeitig die Jerusalemer Universität. Zahlreiche Referate über jüdische Themata sind angemeldet. Die jüdischen Teilnehmer des Kongresses haben sich zu einer eigenen Sektion konstituiert. Die Sitzung wurde durch das Mitglied des Exekutivkomitees des Kongresses, dem bekannten jüdischen Historiker Professor Balaban, eröffnet. Zu Präsidenten der Sektion wurden Prof. Salo Baron von der New Yorker Columbia University und der bekannte Forscher auf dem Gebiet rumänisch-jüdischer Geschichte. Doktor M. A. Halevi- Bukarest, zu Sekretären der Assistent an der Columbia University Dr. Dicker und Doktor Ringelblum -Warschau gewählt. Das erste Referat wurde von Professor Baron erstattet und behandelte das Thema „Juden und Judentum. Der innere Zusammenhang von sozialer und religiöser Geschichte bei den Juden". Den zweiten Vortrag hielt Dr. Halevi über das Thema ..Der Einfluß Polens auf das rumänische Judentum im 17. und 18. Jahrhundert". Es folgte ein Vortrag von Professor Balaban über „Die Wanderungen des jüdischen Kulturelements vom Rhein bis zur Weichsel und zum Dniepr". Den Referaten folgte eine eingehende wissenschaftliche Aussprache, an der sich außer den Vortragenden Dr. Stein. Dr. Schipper und Dr. Ringelblum beteiligten. Besonders lebhaft gestaltete sich die Aussprache über das Referat Professor Balabans, wobei Dr. Schipper seine Theorie über die Bedeutung des chasarischen Elements für den Beginn der jüdischen Kolonisation in Polen vertrat. Ein neues jüdisches Viertel in Saloniki. Die neue tsaldaristische Regierung in Griechenland hat den Wiederaufbau des im Juni 1931 anläßlich der damals siattgefundenen antisemitischen Unruhen zerstörten jüdischen Campbell-Vierteis und den Ausbau des nach der großen Feuersbrunst von 1917 errichteten provisorischen Lagers zu einem neuen großen jüdischen Viertel in Angriff genommen. Mit Hilfe einer von der Regierung garantierten 10-MVlKonen-Drachmen-Anleihe sollen zunächst im Viertel Regie Unterkunftsmöglichkeiten für 400 jüdische Familien geschaffen werden. Nach Durchführung dieses Planes wird somit das bisher von 1100 jüdischen Familien bewohnte Viertel um ein Drittel vergrößert sein. BEziBhBtündsBrbKitBtOiBflahrliBit! Speslelhaos ffflr Volle and Striaen«*«» Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TaborstraOe Nr. t? Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Gemeinde - ttironitz Berlin. In der am 17. August stattgeiundenen Repräsentanteuversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin wurde der neue Gemeindeälteste Dipl. ing. Bruno W o y d a in sein Amt eingeiührt. Der Präsident der Versammlung Rechtsanwalt Heinrich Stern teilte mit, daß der bisherige Repräsentant Dr. Josei Hirsch sein Mandat niedergelegt hat und daß demzufolge der nächste Bewerber aui der Liste der Ueberparteilichen Vereinigung einzuberufen sei. Hierauf fand die Amtseinführung des zum Gemeindeältesten gewählten bisherigen Repräsentanten Dipl. Ing. Bruno Woyda statt. Der Vorsitzende Rechtsanwalt Heinrich Stern richtete an das neue Mitglied des üenieindevorstandes Worte herzlicher Begrüßung, indem er seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß nunmehr ein Vertreter der jüdischen Jugend im obersten Verwaltungsorgan der Gemeinde Platz gefunden habe. Von der geradlinigen und kompromißlosen Persönlichkeit des Herrn Wovda dürfte eine Verstärkung der Tätigkeit des Gemeindevorstandes erwartet werden. In der sozialen Hilfstätigkeit, die Herr Woyda in besonderem Maße betreue, kenne er keine jüdischen Richtungen. sondern nur hilfsbedürftige Juden. Todesfall. Am vergangenen Samstag verstarb nach liüigem schweren Leiden im 68. Lebensjahre Herr Josef Stadler und wurde Montag, den 28. d. M.. unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Der Verblichene war eine im 9. Bezirk sehr gut bekannte Persönlichkeit, der wegen seiner. Rechtschafienheit und seines urundgütigen Wesens allgemeine Achtung und Wertschätzung entgeigengebracht wurde. Er gehörte allen jüdischen Institutionen des Aisergrundes an, die seinen Verlust beklagen. Insbesondere widmete er seine Kräfte dem Bethausverein „Ohel Awrohom" in der Grünentorgasse, zu dessen Mitbegründern und eitrigsten Förderern er zählte. Seine ganze Liebe gehörte seiner angesehenen Familie, seiner braven Gattin Emilie, seinen Töchtern Stella Feldsberg und Vally Knoll. sowie seinem Enkelkinde Gerda Feldsberg. Seine beiden Schwiiegersöhne. Herr Kultusvorsteher Dr. Ernst F e 1 d s b e r g und Herr Max Knoll. beklagen gleichfalls den Tod des Mannes, der sie wie ein wahrer Vater liebte. Die Achtung, die die Familie in weitesten Kreisen genießt, kam bei dem Leichenbegängnis zum Ausdruck. Alle Organisationen, denen der Heimgegangene nahestand, waren durch Abordnungen vertreten, auch seinem Schwiegersohne Dr. Feldsberg bekundeten mehrere seiner unionistischen Kliibkcllegen. wie auch Deputationen der „Union" und der „Jugendunion" durch ihr Erscheinen die warme Anteilnahme an dem herben Schicksalsschlag. der ihn und die Seinen getroffen hat. Sehr ergreifend war der Vortrag der Trauergesänge durch Kantor Rosen wald vom Bethausverein „Ohel Awrohom". der Rabbiner des gleichen Tempels. Moses Blech, entwarf in seiner Trauerrede ein schönes Bild vom Wesen und Wirken des Heimgegangenen, dem wegen seiner hervorragenden Charaktereigenschaften ein treues Gedenken sicher ist. Herr S. Mondschein. Stampiglicnfabrikant. I.. Laurenzerberg 3 (siehe Inserat auf Seite 1). ein Mitbegriin der des Kameradschaftsverbandes des Inf.-Reg. Nr. 83 und des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, feierte kürzlich das 40jährige Geschäftsjubiläum, zu dem wir dem allseits geachteten Manne herzlichst gratulieren. Trauung. Sonntag, den 3. September 1933. um 'A3 Uhr nachmittags, findet im Seitenstettentempel die Trauung des Herrn Jakob O e s t e r r e i c h e r. Beamter der Israelitischen Kultusgemeinde Wi.en. mit Fräulein Helene E i b e n s c h ii t z. Tochter des Herrn Jonas Eibenschütz und Frau, Wien XXI.. statt. Gratulation XXI.. Holzmeistergasse 12. Gartenfest des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs". Am 26. August fand im Garten des Caffi- Restaurants „Hohe Warte" ein von obigem Bunde veranstaltetes Gartenfest statt. Das überaus zahlreiche Publikum spendete den mitwirkenden Künstlern reichen und wohlverdienten Beifall. Leo V a I b e r g brachte melodiöse Chansons zu Gehör. Else Kaufmann, die Vortragskünstlerin, wurde stürmisch akklamiert. die entzückende Zita Landi glänzte in Vortrag und Erscheinung mit modernen Chansons von Erich Kästner u. a.. die Violinvorträge des Ing. Juffe zeigten von großem künstlerischen Können, Eugen S t r e h n ist ein Operettenkomiker von Rang und Namen. Den Heiterkeitserfolg der gelungenen Veranstaltung durfte Georg Neville auf sein Konto buchen. Der elegante junge Künstler bracht«, mit stürmischem Beifall bedacht. Humor von Rideamus und Grünbaum und konferierte seine Nummer mit unnachahmlichem Humor, dem eine besondere Originalität zuerkannt werden muß. Den Für deutsche Emigranten (österreichische Staatsbürger) werden Posten in folgenden Berufen gesucht: Autoschlosser, Autoschlosser-Volontär, Chauffeur, Kellner. Kürschner. Schneider. Schlosser. Tischler, kaufmännisches und technisches Personal (männlich und weiblich). Erzleherinnen. Hilfsarbeiter. Zuschriften erbeten an den Jüdische» Angestelftenverband „Emunah". Abteilung ..Arbeitsbeschaffung für Deutsche Emigranten,". Wien L. Jordan gasse 7. Telephon B 27-4-86.