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Die Wahrheit · 1933-08-25 · Heft 34 (25.8.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 34 (25.8.1933)
Date
1933-08-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 täivmTllißc 3. bis 10. September 1933 (Jubiläumsmesse) SONDERVERANSTALTUNGEN: Möbelmesse / „Elektrizität im Haushalt" Neuzeitliche Gasgeräte / Gewerbliche Kollektiv-Ausstellungen RADIO- UND RAVAG-AUSSTELLUNG Wiener Strickmode / Pelzmode-Salon „VOLKSTÜMLICHES HANDWERK" Bau- und Straßenbaumesse / „Das wachsende Haus" / Siedlungsbau / Erfindermesse Wintersportausstellung / „Der Realitäten- Vermittler und Verwalter' „250 Jahre Wiener Kaffeehaus" LEBENSMITTEL-AUSSTELLUNG Land- und forstwirtschaftliche Musterschau „Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte" Fischereiausstellung / Almwirtschaft / Gerstenschau / Holzfeuerungstechnik / Blumenschau Gartenbau / N.-ö. Landwirtschaft nach Wirtschaftsgebieten / Landwirtschaftliche Lehranstalten und Organisationen / Seidenbau / Kleintierzucht / Rinderrassenschau (8. bis 10. September) Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPREIS-ERMÄSSIGUNGEN! Messeausweise ä S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft. Wien VII.. Messeplatz 1 — Eintrittskarten (mm einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.»0 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. Besuch Wiens zu werben, erhöhten Wert, denn erfahrungsgemäß sind es noch die Juden, die bei den nicht sehr reiselustigen romanischen Nationen am meisten reisen. Cl. B. Aber wenn den Leser nicht schon die an bekannte hyperbolische Legenden des Talmud erinnernde Zahl 6000 oder die Wahl des im Bereich der Verteidigungsgeschütze gelegenen Werd stutzig machen sollte, so ganz gewiß der Hinweis auf den Handel mit schönen jungen Christinne'n. Hier merkt man ganz deutlich die Absicht, dem Leser und noch mehr der Leserin das Gruseln vor der jüdischen Verworfenheit beizubringen, man merkt aber auch, "wie sehr auch der Gegenwart Sinn für historische Kritik nottut, wenn dem Gegner die historische Maske heruntergerissen werden soll. Im Jahre 1911 erfolgte, soweit ich feststellen Sjmnte, von jüdischer Seite keine Zurückweisung ieses unerhört tückischen Angriffes. Eine solche Zurückweisung hätte vielleicht vor allem fordern müssen, daß der Autor seine famose türkische Quelle genauer nenne, und vor allem hätte darauf hingewiesen werden müssen, daß die christlichen Autoren jener Zeit, die sicher nichts weniger als judenfreundlich waren, von alledem nichts wissen. Wahrscheinlich hielt man es im Jahre 1911 nicht der Mühe wert, auf ein Machwerk solcher Art zu reagieren, und auch heute wäre es besser gewesen, den Kohl des „Deutschen Volksblatt'' nicht aufzuwärmen, wenn er nicht die beste Aussicht hätte, auf dem Wege wissenschaftlicher Bibliographie, in die er bereits aufgenommen erscheint, in die historische Fachliteratur Eingang zu finden. Auch für Bibliographien muß der Grundsatz „audiatur et altera pars" Geltung haben, nur muß der andere Teil es wenigstens der Mühe wert finden, zu sprechen und das einer Quellenkritik unkundige Publikum vor Irreführung zu schützen. Und darum sollte das bescheidene Büchlein „Chiduschim niflaim von türkischen Ruenor un Belagerung die Stadt Wien Anno 1683" der Vergessenheit der Bibliothek von Oxford entrissen und der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs zugänglich gemacht werden. Es ist nicht nur der Schwanengesang des unschuldigen jüdischen Kriegsopfers Meir Schmelkes, sondern darüber hinaus ein Zeugnis für die einzig wirkliche und dabei auch einzig jüdische, für die leidende Teilnahme der Juden am Kriege von 1683. » Antisemitismus in der Musik". Es ist nichts Alltägliches, schreibt Paul Stefan in der „Stunde", wenn ein Mann weit über achtzig in einer Tagesfrage noch einmal das Wort ergreift Das „Antisemitentum in der Musik" ist, längst vergessen geglaubt, dank der deutschen (man verzeihe das Wort) Ideologie von heute wieder Tagesfrage geworden, aber der Autor, der sich unter dem Pseudonym J. E. de Sinoja damit befaßte, hat das schon einmal getan: im Jahre 1869 — und damals hatte es seine besondere Bewandtnis damit. In diesem Jahr gab nämlich Richard Wagner einen noch älteren (1850), anfangs recht wenig beachteten Artikel „Das Judentum in der Musik" als Broschüre heraus und entfesselte damit eine Flut von Gegenschriften — es sollen nicht weniger als 170 gewesen sein. Eine davon, als „Abwehr" bezeichnet, hatte Josef v. Engel zum Verfasser, der jetzt als königlich-ungarischer Hofrat in Fünfkirchen (Pees) noch lebt Der Engel von damals und der Mann, der sich jetzt „de Sinoja" nennt, sind ein und dieselbe Person. Seine neue Broschüre, ein ziemlich starkes Buch, ist im Wiener Amalthea-Verlag eben erschienen, aber schon anfangs Jänner abgeschlossen. Schade! Engel-de Sinoja hätte, wenn er sich auf das Deutschland von heute noch hätte beziehen wollen, mit einem ganz anderem Material dienen können, als sein Buch schon zuvor enthielt. Es soll aber zunächst gar nicht von diesem Buch gesprochen werden und auch nicht von seiner Abwehrbroschüre von 1869, die man übrigens in der Nationalwie in der Universitätsbibliothek finden kann. Sondern davon, daß Hofrat Engel von persönlichen Begegnungen mit Richard Wagner erzählt dessen Gast er in Wahnfried war — trotz der Gegenbroschüre. Wagner erzählte damals von einer Londoner Begegnung mit Meyerbeer. Wagner traf Meyerbeer, dem er viel zu danken hatte, unerwartet in einer Gesellschaft, nachdem er schon verschiedene Angriffe gegen Meyerbeer in aller Oeffentlichkeit unternommen hatte. Meyerbeer war „vollständig gelähmt", als er Wagner so unvermutet erblickte, wodurch wiederum Wagner sogar gesellschaftlich außer Fassung geriet Auch nach dieser Begegnung hat sich dann aber Meyerbeer, wie Wagner selbst er- -zählte, durchaus vornehm und mit viel Anerkennung über den „Konkurrenten" Wagner geäußert. Meyerbeer hat überhaupt und das kann Engel auf Grund seiner Forschungen nicht genug betonen, viel für Tapezlerermelsfer ZERKOW1TZ SPEZIALIST In Tapetenarbeiten Werkstätte für moderne Möbel. — Übernahme aller Reparaturen. I., Neutorgasse 18 Telephon U 23-8-28 Werkstätte: I., Seitenstettengasse 2 Telephon U 22-7-31 Es fällt auf... Die Wiener Presse, die, glaubt man den Hakenkreuzlern, zu drei Vierteln von Juden geschrieben ist, wirkt geradezu amüsant, wie sie immer wieder jüdischen Belangen aus dem Wege geht. So las man kürzlich in verschiedenen Zeitungen enthusiastische Ergüsse über Wien von Seiten des französischen Handelsmarineministers, der dieser Tage hier weilte. Es wäre aber für die jüdischen wie für die nichtjüdischen Leser sehr interessant gewesen, zu hören, daß der Leiter dieses in Frankreich sehr einflußreichen Ministeriums ein relativ noch sehr junger Jude ist. Dies gibt auch seinen Versprechungen, unter seinen Bekannten für den Wagner getan, während Wagner alle diese Bemühungen und Leistungen durch oft unqualifizierbare Angriffe und Verdächtigungen quittierte. Das Kapitel Meyerbeer ist eines der dunkelsten in Wagners Biographie und namentlich in der so sorgfältig retuschierten Selbstbiographie. Auch Engel sagt kein Wort gegen die Größe und die hohe Künstlerschaft Wagners. Aber er rechnet mit seinen menschlichen Schwächen wohl gründlicher ab, als es unbedingt nötig wäre. Er hält sich da an ein Wort von Wagners Bruder Albert der brieflich wiederholt erklärt hat, bei aller Anerkennung des Künstlers Wagner, seines Bruders, wollte er mit seiner Person nichts zu tun haben. Gerade im Falle Meyerbeer lag die Sache ziemlich einfach: Meyerbeer hatte alles, was er begehren konnte, Erfolg, Geld, höchste Anerkennungen in Paris und Berlin; Wagner, damals in seinen Anfängen, hatte von "alledem nichts. Meyerbeer konnte leicht der Gentleman einer früheren Epoche sein; Wagner, Emporkömmling, ließ allen Resentiments des noch nicht Arrivierten die Zügel schießen. Eines dieser Resentiments war ein Antisemitismus, der im Fall Meyerbeer sächlich aufzutrumpfen suchte. Aber Wagner war dennoch nichts weniger als ein Vorläufer heutiger Hakenkreuzlerei. Er wünschte, daß sich der Jude aufgebe und Deutscher werde — während es heute lediglich auf das „Juda verrecke!" ankommt Auch als Nationalheld im heutigen Sinn läßt sich Wagner schlecht gebrauchen. Das Buch erinnert mit Recht an die wilde Sprache Wagners gegen alles Deutsche, sobald ihm seine deutschen Zeitgenossen und Landsleute irgend etwas abschlugen. Da berief er sich auf seinen Kosmopolitismus, erklärte die Deutschen (wörtlich) für das stupideste Volk und bedauerte, dieselbe Sprache sprechen zu müssen wie sie. Trotzdem warf ihm Nietzsche, den man jetzt gleichfalls für das Dritte Reich annektieren möchte, seine Nachgiebigkeit gegen das Deutschland Bismarcks vor, das doch immerhin etwas völlig anderes war. Aber selbst von diesem in seiner Art überaus respektablen Deutschland erklärte Nietzsche: „So weit es reicht, verdirbt .es die Kultur." Liest man das Buch dieses Mannes zwischen Achtzig und Neunzig, so wird die ganze große und kleine Welt von damals wieder wach. Nur ein Zeitgenosse kann sie mit solcher Heftigkeit bald preisen, bald ver- OUTE KÖCHIN zu frauenloser Wirtschaft (drei Personen), die auch alte Hausarbeiten zu verrichten hat, findet dauernden Posten bei: DANIEL BONYHADI, SALZBURG lebensveraidierangs-GeseUsdtaft PHÖNIX Aus dem Jahrsebericht 1932: Versicherungsbestand . . . S 2.728.000.000.— Prämienu. Zinsen-Einnahmen . S 179,000.000.— Garantiemittel . . S 527,000.000.— Auszahlungen an die Versicherten S 60,000.000.— Tätigkeitsgebiet: Oesterreich. Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. wünschen wie Engel-de Sinoja. Wir andern müsse» uns sagen, daß man dazumal beim bösesten Willen harmlos geblieben ist gegenüber dem, was frevelhafter Haß heute zustandebringt. Glossen. „Die Neue Zeitung", die früher de» christlichen Gewerkschaften und Herrn Kunschak nahestand, war nie ein philosemitisches Blatt, doch unterschied sie sich wohltuend von ihrer heutigen Form, die eine unsaubere Kreuzung von Katholizismus und Hitlerei — so ä la Richtung P a p e n — darstellt. Das trotz seiner seit der Neuorientierung auch erscheinenden Abendausgabe nicht sehr bedeutsame Blatt gefällt sich in einem primitiven Antisemitismus, der an die ewigen Instinkte des dummen Kerls appelliert, es faselt gern von jüdischen Verschwörungen und vermengt Begriffe von verschiedenster Bedeutung, wie Judentum, Freimaurertum und Marxismus. Diese nun unbestritten auf einem hohen geistigen Niveau stehende Zeitung verschickt interessanterweise, was die „Neue Zeitung" des Herrn Kunschaks nie tat, tagtäglich Morgen- und Abendausgabe an eben nicht arische Wirtschaftsmänner, an Versicherungsdirektoren und ähnliche kapitalkräftige Leute. Was soll diese Tatsache, die bewiesen werden könnte, bedeuten? * Die „W iener Neuesten Nachrichte n", die ebenso wie die „Neue Zeitung" bei Waldheim und Eberle gedruckt werden, erlangten durch das Verbot der offenen Nazipresse eine Bedeutung, die sie sich gewiß nie träumen ließen. Sie äußern ihre Sympathie mit Hitlerdeutschland am deutlichsten dort, wo es am ungefährlichsten ist, weil es die österreichischen Behörden nicht tangiert: in der Judenfrage und in der Beschimpfung der emigrierten deutschen Literatur. Kürzlich hat dieses Blatt mit Befriedigung festgestellt, daß in Wien die Werke der Brüder Mann, Feuchtwangers und anderer im Ramsch verkauft werden, und meinte höhnisch, diese Literaturerzeugnisse hätten endlich das verdiente Schicksal gefunden. Das intelligente Blatt ist etwas voreilig: als gutdeutsches Organ müßte ihm bekannt sein, daß sich vor hundert Jahren das geistige Deutschland von Bedeutung ebenso wie heute in der Emigration befand, während jämmerliche, gesinnungslose und streberische Skribenten, die heute vergessen sind, den Ton angaben. So wie bis in unsere Tage Heine und Börne unvergessen blieben, wird tÄPSASTHN I HOTEL £ ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Zu den JüdlscftßnFßlßrtaSßn nachPolen HO. 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