Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 32 (11.8.1933)
- Date
- 1933-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 ffifirt^fW Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, Hin im I. I«, Tel. U 18-0-85 rührt, die der spanische Außenminister auf der letzten Tagung des Völkerbundrates anläßlich der Behandlung der Bernheimer-Petition abgegeben hat. * Masaryk über dff Antisemitismus. Präsident Masaryk empfing am 15. Juli eine Deputation der Brünner israelitischen Kultusgemeinde, mit der er ein Gespräch über die Lage der Juden in der Welt und in der Tschechoslowakei führte. Präsident Masaryk erklärte, man brauche absolut nicht zu befürchten, daß die Welle des Antisemitismus auf die Tschechoslowakei übergreifen werde. Ferner erklärte der Präsident, er hoffe, daß die Annäherung zwischen den Juden und den Völkern der Tschechoslowakei immer enger werden würde. * Landwirtschaitliche Kolonisierung von Juden in Mazedonien. Im jugoslawischen Teil von Mazedonien wurde jnit landwirtschaftlicher Kolonisienmg vom Juden begonnen. Wie die Belgrader Zeitungen melden, wurden die ersten 50 jüdischen Familien bereits in Bitol Jumarea angesiedelt. Der Landwirtschaftsminister hat die von jüdischer Seite finanziell gesicherten Kolonisierungsbestrebungen im Hinblick auf die infolge der Wirtschaftskrise eingetretene Verarmung der städtischen jüdischen Bevölkerung gebilligt. Aus aller Welt New York. Der bekannte jüdische Bankier Bernard Baruch ist als wirtschaftlicher Berater des Präsidenten Roosevelt Mitglied der amerikanischen Regierung ohne Portefeuille geworden. Bernard Baruch, der zur Zeit der Wahl des Präsidenten Roosevelt zum Staatssekretär für die Finanzen ausersehen war, gilt als einer der hervorragendsten Autoritäten auf wirtschaftlichem Gebiet im den Vereinigten Staaten. Während des Krieges wurde er von Präsident Wilson zum Vorsitzenden der Kriegskommission für Industrie ernannt und war auf der Friedenskonferenz von Versailles wirtschaftlicher Berater der amerikanischen Friedensdelegation. Frankfurt a. M. Freiherr von Goldschmidt-Rothschild, der Gatte der 1903 verstorbenen Baronin Minka von Rothschild, der Tochter des Freiherrn Wilhelm Karl von Roth- •schild, wurde kürzlich 90 Jahre alt. Freiherr von Goldschmidt-Rothschild, der in früheren Jahren zahlreiche Aufsichtsratsposten im Bankwesen und in der Industrie bekleidet hat, ist besonders als Kunstsammler bekannt geworden; seit 1873 besitzt er eine weltberühmte Gemäldesammlung. Der Jubilar genießt als Philanthrop Weltruf. Gemeinsam mit seiner verstorbenen: Schwiegermutter, der Baronin Mathilde Rothschild, gehörte er zu den großen Förderern und Mäzenen der Frankfurter Universität, der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Berlin, des Städelschen Kunstinstitut und des Frankfurter Kunstgewerbemuseums. Besondere Verdienste erwarb sich Freiherr von Goldschmidt-Rothschild im Kriege durch seine Stiftungen für die Kriegsfürsorge und zahlreiche Spenden für die Truppen im Felde. Kein Numerus clausus in Rumänien. Die antisemitische klerikale Zeitung „Calendarul" hatte vor kurzem eine später auch von ausländischen Zeitungen übernommene Meldung veröffentlicht, derzufolge Unterstaatssekretär T i 1 e a eitler Abordnung rumänischer Studenten gegenüber erklärt haben soll, die Regierung und möglicherweise auch das Parlament würden sich die Forderung der antisemitischen Studentenschaft nach .Einführung eines gegen die Juden gerichteten Numerus clausus an den rumänischen Hochschulen zu eigen machen. Diese Pressenachrichten werden nunmehr von der rumänischen R e g ierung dementiert. Der Ministerrat habe sich zwar im allgemeinen mit den dringenden Problemen der Ueberfüllung der Hochschulen befaßt und die Regierung sei entschlossen, Rumänien vor einem geistigen Proletariat zu bewahren, doch wolle sie niemandem den Unterricht am den rumänischen Hochschulen verwehren und, falls es zu einer Beschränkung der Anzahl der Studierenden kommen sollte, werde hierbei wahrscheinlich eine Auslese der Begabten stattfinden. Es handle sich dabei nicht um eine Einführung des Numerus clausus im landläufigen Sinne des Wortes. Jüdische Wirtschaitskonferenz. In Amsterdam wurde letzte Woche eine Tagung der allweltlichen Jüdischen Wirtschaitskonferenz abgehalten. (n verschiedenen Resolutionen wurde der Boykott gegen Deutschland bestätigt und dessen verstärkte Durchführung gefordert. Der Völkerbund wurde nachdrücklich ersucht zum Schutze der Juden in Deutschland einzugreifen. Eine Völkerbundskommission seil die Lage der Juden in Deutschland untersuchen und Bericht erstatten. Die Konferenz beschloß, ein permanentes Organ mit Sitz in London zu schaffen, als dessen Ehrenpräsident Samuel Unterm y e r (N.ew York) und als Vorsitzender Lord M e 1 c h e 11 gewählt wurde. Weitere Mitglieder der provisorischen Exekutive sind: Dr. A. Coralnik (New York): Pierre Dreyfus (Paris): Leo Castro (Kairo): Abg. Wischlicki (Warschau) und Com. 0. Fredman (New York). Vizepräsident der jüdischen Kriegsteilnehmer-Organisation. An den Sitzungen nahmen Delegierte aus England. Amerika. Holland. Belgien, Frankreich, Finnland. Tschechoslowakei. Aegypten. Polen und Litauen teil, während aus weiteren zehn Ländern Zustimmungstelegramme eintrafen. Die nächste Tagung der Konferenz findet im Oktober in London statt. Die Juden drängen sieb vor. Bei der jüngst in Warschau stattgefundenen Internationalen Solotanzkonkurrenz hat die jüdische Tänzerin Ruth Sorel-Abrahamowitz, die bis vor einiger Zeit als So 1 otänzerin an der Berliner Oper engagiert war, den vom Präsidenten der polnischen Republik gestifteten ersten Preis von 3000 Zloty errungen. Jüdischer Festgottesdienst auf dem Welt-Jamboree. Anläßlich des Welt-Jamborees fand im ersten Unterlager bei Qödöllö ein feierlicher Gottesdienst für die Pfadfinder israelitischer Konfession statt, an dem außer den jüdischen Piadtindern aus Ungarn auch zahlreiche Pfadfinder aus anderen Ländern teilnahmen. Die Pfadfinder begaben sich aus dem jüdischen Lager, dessen Tor mit den Tafeln der Zehn Gebote geschmückt ist, unter Führung von Professor Armin B i 11 e s, der vor elf Jahren die nach dem jüdischen Balladen-Dichter Joseph Kiss benannte 252. ungarische Pfadfindergruppe begründet hat, in geschlossenem Zuge zu dem etwa einen Kilometer vom Lager entfernten, aus Holzstämmen gezimmerten W a 1 d t e m p e 1, wo sich eine Reihe führender Persönlichkeiten des ungarischen Judentums eingefunden hatte. In seiner Festpredigt führte Rabbiner Dr. Paul V i d o r aus, die Pfadfindergemeinschait innerhalb des Jamborees stelle ein .,Anti-Babel*' dar. Die Erbauer des Turms zu Babel seien von Zwietracht und Haß gegeneinander erfüllt gewesen, weshalb der Herr ihre Sprache verwirrte; hier hätten sich alle Zungen der Welt zu einem einheitlichen Ziele vereinigt: die jüdischen Pfadfinder, die alle in gleicher Wese die traditionellen hebräischen Gebete sprechen und die ehrwürdigen Zeremonien einhalten, seien auch mit ihren andersgläubigen Pfadfinderbrüdern innig verbunden. Es folgte ein für den besonderen Anlaß verfaßtes Gebet in hebräischer und deutscher Sprache. Den liturgischen Teil versah der Oberkantor des Gödöllöer Tempels unflQÜienlsdies KönijjslicM Seitvielenjahren dasa^erkannt beste M^-notM Man achte auf die ges. gasen. Mark« „Hyglen. KSnlgsllchl" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengaasse 3 Telephon R 33-1-87 ter Mitwirkung eines Pfadfinderchors. Mit dem Gesang des ungarischen Hvmuus fand der Gottesdienst seinen Abschluß. Mitteilungen der Redaktion. Infolge der zeitweisen Sperrung des J. T. A.¬ Büros in Berlin war der Nachrichtenteil in unseren Fetzten Nummern und teilweise auch noch in unserer heutigen Ausgabe kein so reichhaltiger wie sonst. Die Sperrung des J. T. A.-Büros, deren Gründe ebenso unerfindlich sind wie die der verschiedenen Maßnahmen gegen Berliner Auslands-Korresponderoten, ist inzwischen — wahrscheinlich auf amerikanische Intervention — wieder aufgehoben worden; unser Nachrichtendienst wird also von nun ab wieder so klaglos wie bisher funktionieren. Unser Chefredakteur Oskar Hirse Ilfeld ist von seinem Urlaub zurückgekehrt; Sprechstunden der Redaktion täglich von 9—11 Uhr vormittags II.. Heinestraße 13. * Nach Amerika. Nach uns aus verläßlicher italienischer Quelle gewondetran Infortnationen ist B. nicht jüdischer Abstammung; der Name B. figuriert nicht in der Liste der jüdischen Familiennamen Italiens. Gemeinde - Cfirowife Breslau. Der Dozent am Breslauer Theologischen Seminar Seminarrabbincr Prof. Michael Quttmann wurde als Rektor an das Landesrabbinerseminar in Budapest berufen. Prof. Guttmann, dem die ungarische Regierung aus diesem Anlaß den Titel H o i r a t verliehen hat. ist bereits nach Budapest abgereist. Sein Scheiden wird vom Breslauer Seminar als schwerer Verlust empfunden. Berlin. Am 6. August feierte der bekannte Kant-Forscher Professor Ludwig Goldschmidt in Jena seinen SO. Geburtstag. Goldschmidt, der in Sondershausen geboren wurde, studierte an den Universitäten Berlin und Göttingen, wirkte zunächst als Mittelschullehrer und Versicherungsmathematiker, um sich später vollkommen der philosophischen, insbesondere der Kant-Forschung zu widmen. Er veranstaltete I'>05 eine Miniausgabe von Kants Kritik der reinen Vernunft und hat zahlreiche Werke über die Ergebnisse seiner Kant-Forschung geschrieben, u. a. „Zur Würdigung der Kritik der reinen Vernunft", „Kant über Freiheit. Unsterblichkeit. Gott*', „Kant und Häckel". „Verwahrung gegen die Behandlung Kants in Lehre und Schrill": 1923 veröffentliche er eine Arbeit „Gegen Einsteins Metaphysik, eine kritische Befreiung". Trauung. Am 8. d. M. fand im festlich beleuchteten Pazmaniten-Tempel die Trauung des Fräuleins Gertrude Paschkusz. Tochter des Herrn Alfred Paschkusz und seiner Gattin Flora (Besitzer des bekannten Cafe Nizza), mit Herrn Ernst Herzog statt. Die Trauung vollzog Herr Rabbiner Dr. Mehre r. der in seiner erhebenden Ansprache das Brautpaar ermahnte, im Sinne ihrer so verdienstvollen Eltern zu wirken; er gedachte auch der Großväter, die sich so viele Verdienste um das herrliche Gotteshaus erworben haben. Die kantorale Funktion versah mit großem Chor Herr Oberkantor Müller in erstklassiger Weise. Todesfall. Kürzlich verstarb nach schwerem Leiden im 58. Lebensjahre Herr Markus Kamm, ein in der Wiener jüdischen Oeffemiffichkeit wegen seiner Frömmigkeit und echten Herzensgüte hochgeschätzter Glaubensgenosse. In zahlreichen jüdischen Organisationen war er, von hingebender Treue für das Judentum erfüllt, eifrig tätig; die „Union österreichischer Juden" verliert in ihm ein braves Mitglied. Auch der Bezirksorganisation I der Kultusgememde gehörte er seit Jahren an. Hebräisches Pädagogium in Wien. Die Einschreibungen für das 16. Unterrichtsjahr 1933/34 haben bereits begonnen. Anmeldungen neuer Hörer werden entgegengenommen im Sekretariat, II., Tempelgasse 3. jeden Donnerstag von 11 bis 12 Uhr. Daselbst auch nähere Auskünfte über erforderliche Vorbildung. Studiendauer usw. Lebensversicherungs-Gesellschatt Phönix. Die 30. ordentliche Generalversammlung ist kürzlich abgehalten worden: von Feierlichkeiten aus diesem Anlaß wurde in der jetzigen Zeit abgesehen. Der Versicherungsbestand Ende 1932 umfaßt 845.706 Polizzen mit S 2.685,748.380.— versicherter Summe und S 4,278.331.— jährlicher Rente. Die Prämieneinnahme beträgt S 150,512.096.99, die Erträgnisse der Kapitalsanlagen S 28,740.800.83. An Versicherte und deren Hinterbliebene wurden S 60,181.396.21 ausgezahlt. Der Grundbesitz der Gesellschaft im Gesamtwerte von S 82,717.233.70 umfaßt 117 Realitäten. Der Wertpapierbesitz beträgt S 240,622.383.66, wovon S 229,061.244.94 auf festverzinsliche Anlagewertc und S 11,560.538.72 aui Anteile von Notenbanken, diverse Aktien und Beteiligungen an Versicherungsanstalten entfallen. Die Hypothekardarlehen haben sich auf S 30,413.419.50 und die Darlehen auf eigene Polizzen auf S 55,306.794.40 erhöht. Die gesamten Gewährleistungsmittel der Gesellschaft betragen S 526,946.302.46. In der Gruppenversicherung (gemeinsam mit der Metropolitan Life Insurance Company in New York) ist 42.439 Angestellten und Arbeitern Versicherungsschutz für rund 64 Millionen Schilling geboten worden. Di» kostenlose ärztliche Gesundheitsberatung der Versicherten wurde ausgestaltet. Die in- und ausländischen Versicherungsanstalten, an denen die Gesellschaft durch Aktienkapital und gemeinsam mit der Prudential Assu-