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Die Wahrheit · 1933-08-11 · Heft 32 (11.8.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 32 (11.8.1933)
Date
1933-08-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT! 1 Jüdische Mädchen vor der Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscbeerzeugung mit öffentlichkeiterecht — StaatsgOltige Zeugnisse. Einjährige Koch- und Haushaltungsschule. Moderne Kochkurse. Streng rituell. Viele sonstige Ausbildungsmöglichkeiten. Prospekte. — Mittelstandspreise Dr. Krügernelm, II., Holzgasse? Tel. A 48-0-77 Internat Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von ll bis 12 Uhr. Der Antisemitismus. In den nächsten Tagen erscheint im rührigen Reinbold-Verlag (Wien IX/1, Löblichgasse 3) eine Monographie unter dem Titel „E i n V o 1 k u n t e rwegs zum Frieden", in welcher der bekannte Herzl-Forscher Dr. Tulo Nussenblatt erstmalig aus dem Völkerbund-Archiv und Privatsammlungen äußerst interessante Dokumente veröffentlicht und Herzls Verwobenheit in die zeitgenössischen europäischen Entwicklungen sowie seine staatsmännische Voraussicht der jetzt eingetretenen Ereignisse in spannender Weise zur Darstellung bringt Zusammen mit Herzl sehen wir einen erlesenen Kreis bekannter christlicher und jüdischer Persönlichkeiten an der Arbeit für den politischen und kulturellen Frieden Europas, in erster Reihe die Pioniere für wahren Nationalismus und echten Internationalismus, allen voran Bertha Suttner, Baron Leitenberger, Max Nordau, Popper-Lynkeus, Henri Dunant Nothnagel, Peter Rosegger, Großherzog Friedlich von Baden u. a. m. Wir sind schon heute In der Lage, aus dieser lesenswerten Monographie nachfolgende Abschnitte vorabzudrucken: Eine Geschichte des Antisemitismus zu schreiben, ist hier nicht beabsichtigt und wäre auch kaum möglich; denn der Antisemitismus ist durchaus noch nicht abgeschlossen. Wer aber über den Antisemitismus zu schreiben unternimmt muß seine Geschichte streifen. Das Wort „Antisemitismus" ist nur eine neue Bezeichnung für eine seit langem vorhandene Sache. Neu daran jedoch ist die internationale Einstellung der Bewegung und die mitbestimmende Beeinflussung der Meinungskräite, aus deren Gegeneinander- und Ineinanderwirken sich verschiedene politische Gestaltungen ergeben. Denn während in früheren Jahrhunderten die Feindschaft gegen die Juden — der ..Antisemitismus" — sich auf einzelne Gebiete und einzelne Zeitabschnitte beschränkte, kaum jemals weit über den Rand dieser Gebiete und Zeiten hinausgriff, finden wir die Feindschaft gegen die Juden, gestützt auf den Rassengedanken, im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts von allem Anfang an bestrebt sich in allen europäischen Ländern durchzusetzen. Und ebenso faßt der Antisemitismus seinen Gegner als international. Er prägte das Schlagwort von der „Goldenen Internationale", worunter er die jüdischen Großgeldgeber verstand. Wir werden geschichtlich dieses Schlagwort auf den finanziellen Zusammenbruch des Jahres 1873 zurückzuführen haben, der auch im übrigen als Ausgangspunkt des „Antisemitismus" gelten kann, obwohl objektiv festzustellen ist daß an dem „Krach" nicht allein Juden beteiligt waren, sondern auch Nichtjuden. darunter Träger adeliger Namen. Und ebenso ist objektiv festgestellt, daß der jüdische Abgeordnete Lasker in Berlin der erste war, der gegen den damaligen Gründungsschwindel, die Ursache des Kraches, auftrat Das Wort „Antisemitismus" geht auf einen Juden zurück, auf Wilhelm M a r r. den zum Christentum übergetretenen Sohn eines jüdischen Schauspielers, auf dessen Schrift gegen den „Semitismus", die im Jahre 1879 erschien. Trotzdem fehlt dem „Antisemitismus" — so glauben wir behaupten zu dürfen — vor allem die Kenntnis des „Semitismus" des Juden, des Judentums, des jüdischen Volkes. Der einzelne Jude, der in ihm mitwirkte, trug zu dieser Kenntnis nichts bei. So erscheint der Kampf gegen ein Phantom gerichtet. Den größten Einfluß auf die Verbreitung der Ideologie des Antisemitismus — es ist festzuhalten, daß es sich um eine Ideologie handelt, — übte der sehr begabte Eugen Dühring (1833—1921) aus. dessen Kampf gegen das Judentum in seinem Ursprung übrigens bezeichnend ist Sein leidenschaftliches Temperament wendet sich sogleich gegen das ganze Judentum, weil einige jüdische Professoren im Senat der Berliner Universität bei seinem Ausschluß aus dem Lehrkörper mitgewirkt hatten. Eugen Dühring veröffentlichte daraufhin das Pamphlet: „Die Judenfrage als Frage der Rassenschädlichkeit für Existenz, Sitte und Kultur der Völker. Mit einer weltgeschichtlichen Antwort" (Leipzig 1880.) Dührings Gegnerschaft galt der jüdischen Religion und dem aus dem Judentum hervorgegangenen Christentum. Mit Recht sagt Max Heilgemayr in seiner Abhandlung: „Vierzig Jahre Abwebrkampf" (Abwehrblätter, Berlin. Nr. 1—2. März 1931): „Der geistige Fundus des Antisemitismus und die Me- Hagers Seltlwapin-ilestauFant Selchwaren an» der Fabrik Eisen & Hönlgsber streng orth. isn (Unter Aufsicht der A4« -Jisroel - Schiffachnl) Wim II., PraterstraBe 33, Telephon R-47-4-49 ■enQ von S 2.— aufwarte. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert thoden seiner Verwertung sind heute dieselben wie vor dreißig und vierzig Jahren. Der gigantische Schwindel der „Protokolle der Weisen von Zion" z. B. ist erst ein östliches Geschenk der Kriegszeit Die niederträchtige Art seiner Ausschlachtung ein typisches Produkt der Nachkriegsmentalität Aber die Wurzeln reichen bekanntlich auch hier Jahrzehnte zurück." Das erste öffentliche Auftreten des Antisemitismus ist die Gründung der christlich-sozialen Arbeiterpartei am 3. Jänner 1878 (im „Eiskeller" in Berlin) unter Führung des Berliner Hofpredigers Adolf Stöcker. Der oben genannte Wilhelm Marr. Jude von Herkunft, gründete im Jahre darauf, 1879. die „Antisemitenliga", ebenfalls in Berlin. Die erste politische Aktion der Antisemiten war die Einrichtung der .Antisemitenpetition", die, mit dreihunderttausend Unterschriften versehen, dem Reichskanzler Bismarck übergeben wurde. Gleichzeitig — man schrieb das Jahr 1881 — kam es zu wilden, wüsten Exzessen der Volksmassen gegen die Juden in Brandenburg und Pommern (Neustettin, Hammerstein, Bublitz und Jastrow). aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ungarn, in Preßburg, und am furchtbarsten in Rußland. Dort gab es während des Regimes Ignatiew' — Nikolaus Ignatiew. früher Botschafter in Konstantinopel, war bis zum Jahre 1881 russischer Innenminister — die ersten Judenpogrome in Elisabethgrad, Kischenew, Odessa und anderen Orten. Man machte die Juden damals für die Ermordung des liberalen Zaren Alexander IL, der einem Attentat zum Opfer gefallen war, verantwortlich. Aber unter den Attentätern befand sich kein Jude. Diese Pogrome wurden — was nicht unvermerkt bleibe — auch von linksrevolutionären Personen und Gruppen gebilligt und an manchen Orten sogar unterstützt. Denn diesen Kreisen war es willkommen, wenn die trägen russischen Massen nur irgendwie wachgerüttelt wurden. In Ungarn wurde im Jahre 1880 der ..Zentralverein des Nichtjudenbundes von Ungarn" gegründet Der Führer war Viktor v. Istoczy. Dieser war auch, zusammen mit Ivan v. Simonyi. Abgordneten des ungarischen Parlaments (Bezirk Altenburg) und Herausgeber des „Westungarischen Grenzboten", eifriger Propagandist für die ..Allgemeine Vereinigung zur Bekämpfung des Judentumes" '(AUi?jnce Univ^Hseflle Ajrft'jujve), die damals mehrere Komiteesitzungen in Chemnitz und in Dresden abhielt. Auf diesen Antisemitenkongressen sprach insbesondere auch der deutsche Antisemitenführer Max Liebermann von Sonnenberg. In Oesterreich machte sich zum Vertreter des Antisemitismus der Kanonikus Dr. August Rohling (1839—1931), Professor an der katholischen Fakultät der Universität Prag. Prof. Rohlings „Talmudjude", der später aus dem Buchhandel verschwinden mußte, erschien zu Anfang der 1870er Jahre. Provisorische Antwort an Goebbels. Goebbels hat der deutschten Prostituierten den Liebesdienst erwiesen, sie höherzustellen als einte verheiratete jüdische Frau. (Die Nachricht ist nicht dementiert worden.) Diesem (Ein)Gebildeten — richtiger: „Gewildeten" — mit der „feurigen" Krampuszunge ist es bestimmt gut bekannt, daß sehr große deutsche Geister in den jüdischen Salons der Hertz, Rahel und Wertheirnsteiri verkehrt und andere1 große Deutsche mit jüdischen Frauen Gedankenaustausch gepflegt haben. Auch folgendes muß noch in seiner Erinnerung haften: In Berlin stand vor kurzem die „Frau" Boddln vor Gericht! Dieses Prachtexemplar einer Mutter hätte es eigentiieh verdient, Ehrenmitglied der S. A. (S. A. lautet, im Gegensatz zu allen andienen Behauptungen: Sadisten-Abteilung) oder gar der N. S. D. A. P. (N. S. D. A. P. sind, im Gegensatz zu allen anders lautenden Deutungen, die Anfangsbuchstaben der Worte „Nationalsadistische deutsche Ammonit-Partei") zu werden; sie bat es nämlich zustande gebracht, eine Versicherungspolizze (welche Geschäftstüchtigkeit einer „arischen" Frau!) auf d!en Namen ihres Kindes abzuschließen und dann einen Mordversuch in der Weise zu unternehmen, daß sie ihm Stecknadeini zum Schlucken gegeben hat Als dies fruchtlos blieb, warf sie es von einer Brücke auf die Geleise einer Eisenbahn, damit es zermalmt werde. Daß eine jüdische Frau einer solchen Tat unfähig ist, muß ja Goebbels wissen. ~~ Noch etwas hätte „das große Maul" sich überlegen sollen, jetzt, da der Wotanskult noch nicht zur Staatsreligion erklärt ist: Alle Christenapostel hatten jüdische Mütter .... Marcus Silberschatz. Die neue Nazi-Bibel: eine plumpe Fälschung. Wie dem „Meteor" aus München mitgeteilt wird, ist in einem dortigen Verlag eine Neuauflage der „Geheimnisse der Weisen von Zion" erschienen. Alfred Rosenberg, der diese neue Nazi-Bibel mit Kommentaren versehen hat, beabsichtigt, dem Buche, als Kampfobjekt gegen das „Weltjudentum", dieselbe Verbreitung zu geben, wie dem Iiitierischen „Mein Kampf". Die Phantasien dieser mystiscn-politischen Schriften gipfeln in der Projektion des eigenen Machthungers auf einem wehrlosen Gegner. Die „Weltherrschaftsgelüste der Juden", verbunden mit den „Rettungs"- und „Welterlösungs"-Formeln, bilden den seelischen Hintergrund dieser ganzen Weisenvon-Zion-Literatur. Der Pariser „T e m p s" schreibt in einer Studie über den seelischen Zustand Nazideutschlands: Die „Protokolle der Weisen von Zion" haben es dem „Führer" erlaubt, seine germanischen Herrschaftsgelüste zu rechtfertigen, indem er sie mit der Gloriole einer schicksalhaften Mission umgab. Daher schreibt Hitler in „Mein Kampf": „Der Bolschewismus stellt einen Versuch der Juden dar, die Weltherrschaft aufzurichten." Was Frankreich anlangt, so hat Hitler wirklich extravagante Schlußfolgerungen aus den Protokollen gezogen. Frankreich soll seine Soldaten „den internationalen Juden verkauft" haben, um „Deutschland zu zersetzen", um den „Kontinent zu bastardieren und der weißen Rasse die Grundlage ihrer Unabhängigkeit zu rauben". Daher ist es Hitler möglich. Deutschland ais Vorkämpfer für die Freiheit der Weit hinzustellen. Was bei den Bolschewiken die fixe Idee, die ständige wiederkehrende Wahnvorstellung von der „imperialistischen Weltherrschaft" ist, das nennt sich im ebenso wohnhaft denkenden Deutschland „Plan der jüdischen Weltherrschaft". Man erklärt sich damit recht einfach alle Leiden der Menschheit, alle Kriege, alle Uebel schlechthin. Diese Wahnvorsteilung rechtfertigt die Anwendung aller Mittel, die die Wissenschaft der weißen Rasse zur Verfügung stellt; der weißen Rasse, soweit sie „germanisch-arisch" ist — um ihr alle Listen zu gestatten, alle Gewalttaten zu beschönigen — bis zum Endtriumph. So toll diese Ideen auch sein und uns in Frankreich erscheinen mögen, so wichtig und entscheidend ist dennoch dieser Kampf, der mit den Mitteln einer kolossalen Mystifikation geführt wird. „Die Protokolle der Weisen von Zion", ein antisemitisches und antifreimaurerisches Pamphlet, 1905 als zweite Ausgabe, nach einem 1901 erschienenen Buche des Russen S. A. Nilus (aus einem französischen Roman vom Jahre 1865 und einem deutschen Roman vom Jahre 1868 — beide gegen Napoleon III. — teilweise direkt abgeschrieben), wurden von Strack, Segel und Stanjek als plumpe Fälschungen längst und einwandfrei entlarvt! Esperanto-Tagung in Hitler' Deutsehland. Kürzlich fand in Köln der 25. internationale Esperanto-Kongreß statt. Zu dieser Tagung waren Delegierte aus 25 Ländern gekommen! (Ueberaus verwunderlich ist es, daß Esperantisten ihr Einverständnis zur Abhaltung ihres Kongresses in Hitler-Deutschland gegeben haben. Esperanto ist bekanntlich die Schöpfung des Bialystoker Juden Ludwig Zamenhof. Anm. d. Red.) MÖBEL Moderne KQchen- Vorzlmmar- Wohnzlmmer- F.KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra* \mm\m\m\\mmwA\\\\\\\m\mi Mitglieder und Freunde der „Union" ^fff "s^uf^"d Sommermonate jeden Donnerstag, ab Vs8Uhr abends, im reservierten Teil des Restaurant S. Deutschberger IL, Äusstellungsstraße (Straßenbahn-Halfesfelle Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit freier Aussprache gegeben ist. zu

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