Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 29 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 tätigkeit keine leere Phrase, sondern Lebensinhalt bedeutet. Sie ist es ja, die diesen Verein vor vierzig Jahren ins Leben rief und seither in rastloser Arbeit den Aufbau dieses Hilfswerkes durchsetzte. „Die Idee zur Schaffung des Ferienheims" erzählte Präsidentin Sophie Qrünfeld einem Berichterstatter des „Neuen Wiener Journal" „wurde in einer Sitzung der Israelitischen Union vom damaligen Reichsratsabgeordneten Dr. Bloch und meinem Manne Dozenten Dr. Josef Grünfeld angeregt. Im Verein mit mehreren Damen machte ich mich an die Verwirklichung dieses Planes. Zum erstenmal verschafften wir vierundzwanzig Kindern auf dem Gute des Grafen Festetics in Schattmannsdorf (Slowakei) Sommeraufenthalt. Erfreulicherweise konnten wir im nächsten Jahre ISO, später 240 und schließlich 600 arme Kinder in verschiedenen Sommerheimen unterbringen. Eine großzügige Tätigkeit konnte jedoch erst dann entfaltet werden, als ich zu der bekannten Philanthropin Baronin H i r s c h d e Gereuth in Paris in Beziehung trat, dank deren Hilfsbereitschaft hundert Knaben auf ihrem Gute Rossitz in Mähren Sommerurlaub nehmen konnten. Diese hochherzige Frau spendete auch zugunsten unseres Vereins 100.000 Franc, die es ermöglichten, unser Hilfswerk weiter zu festigen. Nun konnte man darangehen, ein eigenes Heim zu schaffen. Die Wahl des Besitzes fiel auf Schloß Tichnowitz in Mähren, wo uns außer dem großen Gebäude ein weitläufiger Park mit Gemüse- und Obstanlagen zur Verfügung stand. Kaiser Franz Joseph, von dem ich mit meinen Mitarbeitern in Audienz empfangen wurde, erteilte unserem Verein das Recht, dieses Heim in Tichnowitz Kaiser-Franz-Joseph-Ferienheim benennen zu dürfen. Bis zum Kriege stand diese Siedlung ausschließlich für bedürftige Kinder zur Verfügung, die selbstverständlich dort kostenlos untergebracht wurden. Während des Krieges wurde Tichnowitz eine Zeitlang als Kriegsspital in Anspruch genommen, doch konnten wir immerhin auch Kindern dort Unterkunft gewähren. Als nach Friedensschluß dieses Heim verkauft wurde, mußte daran gedacht werden, eine andere Stätte für die Kinder zu schaffen. Und so entstand unsere Kindersiedlung in Mühlhof in Vöslau. die im Jahre 1924 erworben wurde und die wir heute besitzen. Durch Neuadaptierungen, durch Pflege des Gartens, Ausbau des Isolierzimmers und andere Arbeiten wird ununterbrochen für die Ausgestaltung dieses Heimes gesorgt. Gleichzeitig mit dem vierzigjährigen Jubiläum des Ferienheimes können wir aber auch noch ein bescheideneres, das fünfundzwanzigjährige Jubiläum unseres österreichischen Seehospizes in Grado feiern. Ich möchte hier betonen, daß die italienische Regierung uns ihren weitestgehenden Schutz angedeihen läßt, indem sie den Kindern Fahrt- und Zollbegünstigungen gewährt. Nach Grado werden natürlich in erster Linie rachitische Kinder geschickt, die dort Heilung von ihrem Leiden finden. Ich will und muß es mir versagen, über mich selbst zu sprechen. Wenn ich etwas geleistet habe, so ist es darauf zurückzuführen, daß ich die Gabe besitze, wertvolle Menschen als Mitarbeiter heranzuziehen. In gemeinsamer Arbeit entstanden dann unsere Hilfswerke. Ich habe kürzlich an Bundeskanzler Dr. Dollfuß eine Einladung gerichtet, in der ich ihm vorschlug, unser "Vöslauer Ferienheim in der Zeit vor und nach dem Aufenthalt unserer Kinder der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Ich denke daran, daß teils Kinder, die noch nicht in die Schule gehen, teils solche, die bereits erwachsen, aber vorläufig ohne Beruf sind, dort untergebracht werden könnten. Ich würde mich sehr freuen, wenn unser Verein dadurch die Ferienaktion unserer Bundesregierung förderte. Das Jubiläum, das unser Verein feiert, wird aber nicht einen Ruhepunkt in seinem Leben bedeuten. Im Gegenteil, es soll ein An- Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2- Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 45-8-69_ sporn sein, mit seinen Helfern und Helferinnen auch in Zukunft Gutes zu wirken. Und nur darin sehe ich mein Lebensziel begründet!" Gemeinde ~ thronik Dem Andenken Prof. Jerusalems. Am 15. Juli waren es zehn Jahre, seitdem Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem mitten aus seiner Wirksamkeit dahinschied. Ein dauerndes Denkmal seines geistigen Schaffens als Forscher und Gelehrter hat er sich in seinen hervorragenden Werken, die in mehreren Auflagen, in alle Weltsprachen übertragen, weitgehende Verbreitung fanden und vielen tausenden Personen Belehrung und Erhebung boten, gesetzt. Jerusalem liebte das Judentum, dem er in seiner wissenschaftlichen Laufbahn schmerzliche Opfer bringen mußte und dessen tiefe sittliche Grundgedanken er iri seinen ethischen Schriften verkündete, mit ganzer Seele. Seine hohe Persönlichkeit als Lehrer und Erzieher war von reinstem jüdischen Geiste erfüllt. In einem sanften Tode fand sein gottgesegnetes Leben einen doch allzufrühen Abschluß. Josef Lemberger. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Am 16. d. M. fand die Gründung der Landesgruppe Eisenstadt des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" statt. Bei Betreten der Gemeinde Untersberg-Eisenstadt wurden die jüdischen Frontsoldaten durch Oberlehrer Oskar Gero und durch den Präsidenten der israel. Kultusgemeinde, Herrn Willy Schneider, begrüßt. Hierauf begab sich eine Deputation des „Bupd jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" zum Heldendenkmal in die Kaserne des ehemaligen Inft-Regt. 76, wo das gesamte Offizierkorps und sämtliche Säbelchargen des Feldjäger-Baon. (ehemaliges Inft-Regt. 76) unter der Führung des Stadtkommandanten. Herrn Oberstleutnant Faulhaber versammelt waren. Bundesführer-Stellvertreter, Herr Dipl.-Kaufmann Ernst S t i a s s n y, legte im Namen des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" zu Ehren der gefallenen burgenländischen Kameraden einen Kranz nieder. Oberstleutnant Faulhaber sowie Vize-Bürgermeister Schulrat Alois Dörfler und ein Vertreter des ehemaligen Jäger-Baon 11 aus Oedcnburg betonten in ihren Reden die unverbrüchPcne Kameradschaft aller Frontsoldaten ohne Unterschied der Konfession, und klangen alle Reden m ein Bekenntnis zu Oesterreich und seinem Bundeskanzler Dr. Dollfuß aus. Nach der Kranzniederlegung defilierte die ausgerückte Deputation des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" vor dem gesamten Offizierkorps. Anschließend an das gemeinsame Mittagessen hielt Vize- Bürgermeister Schulrat Alois Dörfler eine Ansprache, in welcher er betonte, daß die Freistadt Eisenstadt, getreu ihrer Tradition, es nie zugeben würde, daß die Gleichberechtigung der Juden Je angetastet werde. Todesfall. Dieser Tage ist ganz plötzlich Herr Adolf Taub gestorben. Der Dahingeschiedene VICYORI/t ZV BEREU Allgemeine VersimemnOs-Aktien-Sesellsdialt Bilanz für den Sdiluö des Gesdiäifsjahres 1932 Aktiva: Beträge in Reichsmark Forderungen an die Aktionäre für noch nicht eingezahltes Aktienkapital Grundbesitz . w........ Hypotheken.........!. Schuldscheinforderungen gegen öffentliche Körperschaften...... Wertpapiere.........., Darlehen auf Wertpapiere..... Vorauszahlungen und Darlehen auf Polizzen .......... Beteiligungen ........, Guthaben ........... 19,416.865.17 Technisch gestundete Prämienraten, fällig 1933 .......... 17,345.326 — Rückständige Zinsen und Mieten . . Außenstände bei Geschäftsstellen, Agenturen und Dritten..... 11,103.865.92 Vorausbez. Abschlußprov. f. Unfallversicherungen ........ Kassenbestand einschließlich Postscheckguthaben ........ Inventar und Drucksachen (völlig abgeschrieben) ......... Sonstige Aktiva........ Gesamtbetrag 23,154.530.30 241,770.793.63 11,876.782.11 30,772.889.74 58,172.345.10 5,231.188.— 6,029.628.19 130.389.53 82.369.14 , 2,870.789.79 . 427.957.762.67 Passiva: Beträge in Reichsmark Aktienkapital.......... 3,000.000.— Reservefonds (§ 262 HGB, § 37 PrVG.) U00.000.— Prämienreserven ........ 256,237.955.— Restaufwertungsschuld für nicht fortzusetzende Versicherungen .... Prämienüberträge........ rungsfälle .......... Reserven für schwebende Versiche- Gewinnreserven der mit Gewinnanteil Versicherten......... 35,271.872.93 Rücklage für Verwaltungskosten . . Sonstige Reserven und Rücklagen . . Guthaben anderer Versicherungsunternehmungen aus dem laufenden Rückversicherungsverkehr ...... Barkautionen.......... Sonstige Passiva........ 13,419.606.09 Ueberschuß ......... 9,389.001.48 Gesamtbetrag . . 427,957.762.67 89,163.085.— 463.191.— 8,729.037.31 3,609.27529 8,043.178.— 404.501.89 27.058.68 Die Generalversammluneen der Victoria-Versicherungs-Gesellschaften fanden am 28. Juni statt. Neben angemessenen Abschreibungen ermöglichten die Abschlüsse für das Geschäftsjahr 1932 über den rechnungsmäßigen Bedarf hinaus besondere Rückstellungen. Diese Rückstellungen betragen bei der VICTORIA ZU BERLIN. Allgemeine Versicherungs A.-O. (Lebens- und Unfallversicherung) 6.6 Millionen RM. die festen Vermögensanlagen dieser Gesellschaft (ohne das Aufwertungsvermögen) wuchsen im Berichtsjahre um 21.1 Millionen RM. Der Versicherungsbestand beträgt am Ende des Jahres 1932 Ober 1 Milliarde RM. Die Dividendensätze für die Versicherten verblieben auf derselben Höhe wie im Vorjahr. Von dem Ueberschuß von 9.4 Millionen RM werden den in der'Lebensversicherung mit Gewinnbeteiligung Versicherten 8.7 RM zugewiesen; damit beläuft sich der gesamte Dividendenfonds für die Versicherten auf 45.2 Millionen RM. Als Aktionär-Dividende wird wie Im Vorjahr 90 RM für jede Aktie vorgeschlagen. fck GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORN MEHL unaMHMMnai^BMMaHBaaBi WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 15-9-34 Uatarant für HallanstaKaa AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsieht ämm ahrar. Rabbinataa dar lar. Kultaagamainda Wae. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen war in weitesten Kreisen bekannt und beliebt, nicht nur wegen seiner kommerziellen Rechtschaffenheit, durch die er sein Geschäft aus kleinen Anfängen zu einem geachteten Unternehmen emporgebracht hat, sondern auch wegen seines regen jüdisch-politischen Interesses, das ihn zu Mitarbeit bei vielen jüdischen, insbesondere sozialen Aktionen drängte. So war er auch Obmann der Bezirksorganisation VI/VII der „Union", die in ihm ein eifriges Mitglied betrauert. Der alte Taub wird vielen, die ihn überaus schätzten, fehlen, sein Andenken bleibt geehrt. Das Leichenbegängnis fand am 19. d. M. unter starker Beteiligung statt. Es waren Vertretungen aller Vereine erschienen, denen der um die jüdische Sache eifrig bemühte Heimgegangene nahegestanden war, so insbesondere Abordnungen der „Union" (Reg.-Rat Dr. Max Lenk), der Chewra Kadischa (Emil Eckstein), der Gesamtvorstand der Stumperschul (Moritz Felsenburg) und von „Monteiiore". In einer ergreifenden Trauerrede rühmte Rabbiner Dr. J. M. Bach das edle Wirken Adolf Taubs als Menschen und Juden. Börserat I. Q1 ü c k dankte ihm im Namen des Kultusvorstandes. Dr. I. K1 a b e r im Namen der Fürsorgezentrate, der er vom Anbeginn seine besten Kräfte geliehen, für seinen unermüdlichen Pflichteifer. Es sprach ierner Herr Nathan P o 11 a k, der die innigsten Abschiedsgrüße der Bezirksorganisation VI/VII der „Union", der Bezirkskommission VI/VII der Kultusgemeinde, in der der Heimgegangene Jahrzehnte lang verdienstvoll gearbeitet, überbrachte. Seine kommerzielle Gediegenheit hob lobend der Obmann des Detaillistenverbandes, Herr Ernst Förster, hervor, der auch im Namen der von Adolf Taub gegründeten Fachgruppe der Galanteriewarenhändler dem Toten herzlichst dankte. Als Mitkämpier für die demokratische Sache rühmte ihn Doktor Morgenstern und als sozial fühlenden Juden Herr Ignaz Freund, der für den Verein „Monteiiore" sprach. Die kantorale Funktion versah I. Kantor Leo Funke in schöner Weise. Gedenktafelenthüllung für Norbert Futterweit. Die vom „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", B. G. II., dem Andenken an Norbert Futterweit gewidmete Gedenktafel wird am Sonntag, den 23. d. M., präzise 10 Uhr vormittags, am neuen Israelitischen Friedhofe (IV. Tor) mit einer religiösen Feier enthüllt. Die Gedenkrede hält Herr Bezirksführer Hptm. a. D. Alfred May. Personalnachrichten. Dem Konsulenten des Bundesministeriums für Unterricht, Hofrat Ludwig K a r p a t h, wurde aus Anlaß der Vollendung seiner zehnjährigen verdienstvollen Tätigkeit als Berater der Unterrichtsverwaltung der Dank und die Anerkennung der Bundesregierung ausgesprochen. 80. Geburtstag. In vollster geistiger und körperlicher Frische feierte vor kurzem die in weitesten Kreisen der Leopoldstadt, insbesondere wegen ihres Wohltätigkeitssinnes bekannte Frau Emma F r i e d 1 a n d ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin wurde im Großen Leopoldstädter Tempel, zu dessen treuen Besucherinnen sie seit vielen Jahrzehnten gehörte, durch einen erhebenden Mischeberach des Herrn Oberkantors G. Margulies geehrt Todesfall. Vorigen Samstag starb im Child-Spital der Schwager unseres Kollegen Hans Schwefel, Herr Doktor Friedrich Pollak nach langer Krankheit im 61. Lebensjahr. Der Verblichene war 30 Jahre Gemeindearzt in Staatz; er erfreute sich ob seines hervorragenden Rufes als Arzt und Menschenfreund weit über seine Wirkungsstätte hinaus der größten Beliebtheit und wußte sich durch seine stete Hilfsbereitschaft und Autopferung die Sympathien der dortigen Bevölkerung zu erwerben. Doktor Pollak, der weit und breit der einzige Jude war, verabsäumte es bei keiner Gelegenheit, sein Judentum zu betonen, was nur dazu beigetragen hat, ihm die Wertschätzung aller, die diesen guten Menschen gekannt hatten, zu sichern und zu festigen. Er hinterläßt eine Witwe und einen zwölfjährigen Sohn. Grabsteinsetzung. Für den verstorbenen Herrn Johann Hofbauer, Baden, wird Sonntag, den 23. d. M., 9 Uhr vorm., am Zentralfriedhof, IV. Tor, Gruppe 12, Reihe 15a. Nr. 4, ein Grabstein enthüllt. Mödling. Bei der am 12. d. M. stattgefundenen Kultusratssitzung der Israelitischen Kultusgemeinde Mödling wurden von der Mehrheit (Wirtschafts-