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Die Wahrheit · 1933-06-30 · Heft 26 (30.6.1933) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 26 (30.6.1933)
Date
1933-06-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dfeser Nummer 40 Groschen Erscheint jeden Freitag um mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelifischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 49. Jahrgang Wien, 30. Juni 1933 Nummer 26 Hütet Euch! Der deutsche Freund unseres Blattes, aus dessen Feder wir in den letzten Wochen schon einige erschütternde Berichte über die barbarischen Zustände im „Dritten Reich" veröffentlicht haben, sendet uns wieder einen Artikel aus der deutschen Hölle, dessen Sehlußappell besonders bemerkenswert ist. Wir setzen deshalb diesen Aufschrei an die Spitze unserer heutigen Nummer, weil diese wenigen Zeilen wuchtiger als noch so eingehende politische Betrachtungen sagen, was ist und wessen wir uns zu versehen hätten, wenn der heroische Abwebrkampf Oesterreichs ein vergeblicher wäre. _ D. Red. Unser Drangsal und unsere Entrechtung im Heimatlande riefen das Weltgewissen wach, ein Schrei der Empörung hallt durch die Kulturwelt von Nord bis Süd, von Ost bis West, die uns widerfahrene mittelalterliche Behandlung findet aufrichtiges Mitgefühl, wo immer es sei auf dem Erdenrund! Lähmendes Entsetzen ergriff uns, die wir nicht zu glauben vermochten, daß in unserem vorgeschrittenen Zeitalter Maßnahmen gegen uns ergriffen werden, die das kleinste zivilisierte Staatswesen mit Entrüstung von sich weisen würde. Wahrlich, man muß an die Zeit eines Torquemada zurückdenken, wenn man nach einem Gleichnis suchen will, das dem heutigen Deutschland entspräche. Freilich, man verbrennt die Juden nicht öffentlich, tut ihnen keine Gewalt an, aber es ist zur Entscheidung gestellt, ob nicht der blutige Pogrom, dem man mit Machtmitteln begegnen kann, diesem kalten Pogrom vorzuziehen ist. Wer vermöchte in dieser giftschwangeren Atmosphäre zu leben? Leute mit typisch jüdischem Aussehen sagen: „Man blickt auf uns wie auf ein Reptil!" Der Jude ist verfemt, er ist fast vogelfrei der öfftenlichen Gewalt ausgeliefert. Hier wird nicht nach Recht und Billigkeit regiert, hier herrscht Terror und Gewalt und dem Denunziantentum ist Tür und Tor geöffnet. Du bist nicht sicher mehr in der eigenen Behausung! Legst du dich schlafen, so sei darauf gefaßt, daß man dich aus dem Bette holt und dich rohester Behandlung zynisch ausliefert! Wann wird endlich diesem ehedem kulturell erleuchteten Volke die Stunde der Befreiung schlagen?! Fast möchte man verzagen beim Anblick der organisierten Horden, die das Straßenbild beherrschen, der Feste mit ihrem Gebraus und prasselnden Feuerwerk, an welchen die Hypnotiseure immer aufs neue ihren Einfluß auf die Menge erproben. Und doch, er wird kommen, der große Tag der Freiheit, oder das menschliche Dasein hätte seinen Sinn verloren! Zähneknirschend harren wir dieser Stunde entgegen. Möge Gott unsere Gebete erhören! Der Tag der Befreiung wird kommen! Schon zeigen sich die ersten Ansätze. Weiß er es doch selbst, der große Despot und Diktator, daß er seine Menschen zu Parias gemacht hat, daß die zivilisierte Welt es ablehnt, mit ihm zu paktieren. Und wie mag ihm, dem Oesterreicher, zu Mute sein, wenn er sieht, wie tapfer sich seine Heimat des Eindringens des Nazitums erwehrt. Wohlan denn, Oesterreicher, wollet ihr nicht Gleiches erleben, so wehret euch, zerschmettert dieser Hydra das Haupt! Seid auf der Hut und wahret eure heiligsten Güter! J. Die Ermordung Dr. Arlosoroffs. Das Entsetzen über die ruchlose Tat, der ein ungemein fähiger junger jüdischer Politiker in Tel-Awiw zum Opfer gefallen ist, hält an, ja es hat sich wesentlich gesteigert durch Nachrichten, die seit der letzten Woche über die mutmaßliche Person des Mörders verbreitet wurden. Denn die palästinensische Polizei hat in dieser Sache bereits mehrere Verhaftungen vorgenommen und die Verhafteten sind — man will es nicht glauben — Juden. Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, steht die Schuld der Verhafteten, namentlich die eines besonders verdächtigen Revisionisten nicht fest, im Gegenteil, die Verhafteten bemühen sich, ein Alibi über ihren Aufenthalt zur Zeit der Tat zu erbringen, dessen Beweiskraft noch nicht erhärtet ist. Wir enthalten uns daher nach wie vor aller Schlüsse, denn wir wollen nicht in den Fehler verfallen, den sämtliche zionistischen Blätter in der Vorwoche begangen haben, die die ersten unkontrollierbaren Nachrichten über die Verhaftungen zu Angriffs-, bzw. Entlastungsartikeln aller Art veranlaßt haben. So lange die Schuld eines oder aller Verhafteten nicht feststeht, ist es unserer Ansicht nach nicht angängig, Oel ins Feuer zu gießen und eine Stimmung zu erzeugen, deren Ergebnis die blutigen Ausschreitungen zwischen Revisionisten und linken Zionisten in mehreren Städten Polens war. Unser jüdisches Empfinden sträubt sich noch immer dagegen, zu glauben, daß Dr. Arlosoroff von Bruderhand gemordet worden ist, daß die wohl ungeheure politische Verhetzung unter Juden so weit ging, daß ein Jude zur Waffe griff, um einen hervorragenden jüdischen Führer niederzumetzeln. Deshalb seien "W3 RESTAURANT HERLINGER WIEN IL TABORSTRASSE 18 (Hotel National) TELEPHON R 42-5o4 Ich erlaube mir höfl. mitzuteilen, daß ich dieser Tage den Restaurationsbetrieb im Hotel National IL, TABORSTRASSE 18 eröffnet habe. Ich werde mich bemühen, durch gute Qualität der gebotenen Speisen und Getränke sowie durch bescheidene Preise die Zufriedenheit meiner werten Gäste zu erlangen und zu bewahren. Meine Familie und ich sind Fachleute im Gastgewerbe und ich werde meine Erfahrung und meine ganze Arbeitskraft dareinsetzen, meinen Gästen bestens zu dienen, da ich weiß, daß nur auf diese Weise unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ein Gasthausbetrieb aufrecht erhalten werden kann. Ich bitte höfl. um Besuch meines Restaurants. M. HERL INGER Kurgemäß diabetische Speisen / Vegetarische Küche mit allen Fischspezialitäten / Mittag- und Abend-Menüs in allen Preislagen / Abend gxoBe Auswahl in frischen Milchspeisen / Separierter eleganter Raum für Vereine und Gesellschaften hier nur mit aller Vorsicht die Nachrichten über die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung; wiedergegeben, die teilweise so widerspruchsvoll sind, daß unsere Bedenken durchaus gerechtfertigt erscheinen. E i n Schluß aber kann schon heute aus den Geschehnissen an der mohammedanischen Friedhofsmauer von Tel-Awiw gezogen werden, an der das Verbrechen geschah: Die Sicherheitsverhältnisse im Heiligen Lande sind die denkbar schlechtesten. Zwei Schritte vor den Tel-Awiwer Hauptstraßen wird geschossen, man flüchtet und verschwindet, ohne gesehen und ergriffen zu werden, und es bedarf erst einer umständlichen Untersuchung, um den Mörder zu fassen, einer Untersuchung, die vielleicht den Richtigen ergibt, vielleicht einen Unschuldigen martert, am Ende aber auch so im Sande verläuft, wie die vielen Untersuchungen jener Terrorakte, die nie aufgeklärt wurden . . . Ueber die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung liegen bis zur Stunde folgende Meldungen vor: Am 20. Juni hat die Jerusalemer Polizei einen Mann unter dem dringenden Verdacht des Mordes an Dr. Arlosoroff verhaftet. Der Name des Verhafteten wurde von der Polizei zunächst geheimgehalten. Es verbreitet sich das Gerücht, daß es sich um einen bekannten kommunistischen Agitator handle. Dieses Gerücht war darauf zurückzuführen, daß der Verhaftete einen ähnlichen Namen besitzt wie der gemeinte Kommunist, der in seinem Wohnort Tel-Awiw ein sehr bekannter Mann ist. ACHTUNG! Oesterreichische Juden besuchen heuer ousschlieOlicta österreichische Sommerfrischen! Auswärtige jaden, Kommet heuer alle in herrliche Sommeririschen!

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