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Die Wahrheit · 1933-06-23 · Heft 25 (23.6.1933) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 25 (23.6.1933)
Date
1933-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Grosehen Jüdische Die tÜahrhcit Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der »Union österreichischer Juden" and den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Kamm Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 49. Jahrgang Wien, 23. Juni 1933 Nummer 25 Heiden mit der Tarnkappe. Als jüngst die Kunde von dem heimtückischen Bombenanschlag auf die Kremser Hilfspolizisten nach Wien drang, wurde hier immer wieder die bange Frage gehört: „Auch Opfer der Rose Melier?'' Diese Fragesteller waren nicht etwa verrückt geworden, sondern hatten bloß die „Deutschösterreichische Tageszeitung" gelesen, was, wie sich bei dieser Gelegenheit zeigte, in der Wirkung auf eins herauskommt . . . Die „Dötz" hatte in der Absicht, die gemeinsame geistige Zentrale der Bomben- und sonstigen Anschläge, die Oesterreich im Verlauf mehrerer Tage in Schrecken versetzt hatten, zu tarnen, den jüdischen Inhaber des gebrandschatzten „Warenhauses der Kleinigkeiten" auf der Wieden verdächtigt, daß er — nach dem Vorbild der Rosa Melier — sich den Schaden selbst zugefügt habe, um die ach so harmlosen Nazi anzuschwärzen. Es war ja vorauszusehen, daß die Hakenkreuzler aus der ihnen so überaus günstigen Meiler-Affäre noch verschiedentlich Kapital zu schlagen versuchen würden; dazu fehlt es ihnen nicht an der moralischen Hemmungslosigkeit, wohl aber an dem hiefür immerhin nötigen Mindestmaß von Intelligenz. Hätte es sich um einen vereinzelten Anschlag gehandelt, dann wäre es der Suggestivgewalt des gedruckten Wortes vielleicht geglückt, den einen oder anderen Leser davon zu überzeugen, daß ein jüdischer Kaufmann selbst sein Geschäft in Brand steckt, um Judenfeinde zu brandmarken. Die Häufung der verbrecherischen Attentate machte aber diese These unhaltbar. Schon dem unglücklichen Todesopfer des Meidlinger Verbrechens gegenüber mußten andere Gemeinheiten zur Tarnung der nationalsozialistischen Urheberschaft herhalten und als schließlich auch Kabel zerschnitten und Telephonzellen angezündet wurden, dürfte sogar der kritikloseste „Dötz"-Leser vom Zweifel geplagt worden sein, ob an all den Greueln wirklich die Rosa Meiler schuld sei ... Inzwischen hat die Polizei die Frage der in Wahrheit Schuldtragenden genügend geklärt. Sie gehören samt und sonders der nationalsozialistischen Partei an, was übrigens von der ganzen Oeffentlichkeit von Anfang an mit Sicherheit angenommen worden war. Unklar ist nur, was die Partei mit der versuchten Desavouierung dieser Annahme bezweckt hatte. Man wußte allgemein, daß die Hitlerianer allerhand Grund zur Unzufriedenheit mit dem gegen sie gerichteten Vorgehen der österreichischen Regierung bekommen hatten: ihr Verlangen nach Neuwahlen oder Regierungsumbildung, die den Nationalsozialisten in Oesterreich zur Macht verhelfen sollten, wurde letzthin wieder entschieden abgelehnt. Man begriff also, daß die Herren sich ärgerten, und wenn sie frank und frei ihre Untaten als Aeußerungen dieses Aergers gedeutet hätten, wäre zwar das Grauen vor ihrer Unmenschlichkeit nicht geringer, aber der starke Eindruck eines unbeugsamen Willens, sich um jeden Preis Geltung zu verschaffen, hätte wenigstens politisch imponiert. In der Politik siegt ja oft genug rücksichtslos eingesetzte Energie über Moral und Recht. Nur muß man sich mutig zu seinen Taten bekennen, wenn man ihre Früchte ernten will. Ein Wilhelm Teil, der statt die Erkenntnis seines vom Pfeil durchbohrten Opfers: „Das ist Teils Geschoß!" zu bekräftigen, ein Exemplar der .Protokolle der Weisen von Zion" aus der Tasche gezogen hätte, um seine Schuld auf die Juden abzuwälzen, wäre kaum von Schiller als Held verherrlicht worden. Die schmähliche Ableugnungstaktik der Hakenkreuzler war umsonst. Die Polizei hat ihre Blutschuld einwandfrei festgestellt und die Methode, die die Herren vergeblich zu ihrer eigenen Reinwaschung anwendeten, läßt nur ihre Moral um so schmutziger erscheinen. Auch der blutigste Frevel kann noch von einem Glorienschein des Idealismus verschönt werden, wenn der Frevler selbt seine Tat unter der Suggestion irgend eines noch so falschen Weltbildes für notwendig und daher für vertretbar hält. Die Nationalsozialisten haben sich bisher noch nie bereit gezeigt, ihre Handlungen männlich zu vertreten. Ob gelegentlich Hakenkreuzler eine noch so gerinfügige Polizeistrafe zu gewärtigen hatten oder eine empfindliche gerichtliche Verurteilung — ihre Taktik war bisher stets dieselbe: Leugnen, leugnen und wieder leugnen. Das entspricht der Feigheit tückischer Sadisten, die in Ausführung ihrer diskreten Aufträge machtlüsterner „Politiker" zu jeder Schandtat an anderen bereit sind, aber nicht dem Opfermut irregeführter Idealisten, die für ihre Gesinnung nicht nur das Leben Fremder, sondern auch das eigene freudig in die Schanze schlagen wollen. Dies muß man den Ausführungen des nach seiner Pensionierung im Braunen Haus gelandeten Polizeidirektors a. D. Brandl entgegenhalten, die er Sonntag in der „Dötz" gegen die „Tyrannisierung" der Hitlerianer durch die österreichische Polizei vom Stapel ließ. Wenn Herr Brandl schreibt: „Ruhe und Ordnung ist auf dem Balkan ein Politikum, in den anderen Staaten eine rein polizeiliche Angelegenheit", dann gibt er ja selbst zu, wie recht die österreichische Polizei hat, wenn sie verhütet, daß durch das, was die Nazi für „Politik" halten, Oesterreich zu einem Balkanstaat herabsinkt. Seriösen politischen Parteien gegenüber ist Brandls Mahnung gewiß angemessen, die Polizei habe nur „zu kontrollieren und zu regulieren". Mordbrennern und Bombenwerfern dürfte aber mit solcher Taktik kaum beizukommen sein. Vollends deplaciert erscheint uns die Zitierung des preußischen Liberalen Humboldt: „Alles bloß polizeiliche Treiben verfehlt allmählich seinen Zweck; es macht das Uebel in seiner Wurzel immer schlimmer." Das mag bei Fanatikern des Bekenntnisses stimmen, die sich durch Verfolgungen nicht von ihrem Ziel abdrängen lassen, aber nicht bei Fanatikern des eigenen leiblichen Wohls, die nichts so sehr fürchten wie die Gefahr, für ihre Streiche einstehen und büßen zu müssen. Solch traurigen Helden kann die Polizei — und n u r die Polizei — schon Vernunft beibringen. Daher hat sie auch die Pflicht, dies gründlich zu besorgen, und sie hat diese ihre Pflicht getan. Dr. Hugo S p i e g 1 e r. Das Maß ist voll. Die österreichische Bundesregierung hat in einer Montag abends eilig einberufenen Sitzung des Ministerrates den seit langen von der friedliebenden österreichischen Bevölkerung erwarteten Beschluß auf Auflösung der österreichischen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Hitlerbewegung) und der ihr unterstehenden militärischen Formationen gefaßt. Das ruhige Element unseres Staates hat diesen Beschluß, wie gesagt, bereits seit langer Zeit erwartet, ja es war erstaunt darüber, mit welcher Geduld die Regierung all die vielen Provokationen, die sich die Hitlerianer im Solde des „Dritten Reiches" gegen Oesterreich erlaubten, hinnahm. Ais diese Provokationen gar blutigen Charakter annahmen, als das tollwütige Treiben der Hakenkreuzler Menschen- und Sachopfer kostete, als Wien und die Provinz tagelang unter der Schreckensherrschaft gewalttätiger Terroristen stand, da konnte man es überhaupt nicht mehr begreifen, daß die Regierung der Partei der Bombenwerfer gegenüber eine solche Lang- ACHTUNG! Oesterreichische Joden besuchen Heuer «u«scliIieAlicl* östferreichi§che Sommerfrischen! Auswärtige jaden, kommet heuer alle In Herrliche Sommerfrischen?

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