Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 24 (16.6.1933)
- Date
- 1933-06-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Fort mit ihm von jedem Lehrstuhl, war' er auch der höchste Barde; War' er auch der kühnste Ritter, fort aus seines Königs Garde. War' er aller Weisheit Medster, fort aus dieses Landes Rat. Und kein Fremder dieses Glaubens trete je in unsern Staat König! Volk! ihr Brüder! wißt ihr, was uns dieser Ausspruch raubet? Haben die gefallenen Tapfern nicht an gleiches Recht geglaubet? Lötet ihr, selbst kaum Befreite, alte Ketten uns aufs Neue? Bietet Lohn dem schnöden Meineid, und vom Abfall hofft ihr, Treue? Doch der Spruch blieb festgewurzelt wie ein Dorn im Wiesengrunde, Der den Wand'rer und die Herde heimlich ritzt mit tiefer Wunde. Ist vergebens unserer Helden treues Blut dahingeflossen? Bleibt des Ruhmes und der Taten Quell den Durstenden verschlossen? Hat das Land der Kunst und Weisheit für den Schwachen denn kein Recht? Ist ein Fürstenwort ein Spielzeug, daß ihr lachend es zserbrecht? Wißt, uns lebt ein strahlend Zeugnis in dem Buche der Geschichten, Jener Fünfundfünfzig Nachruhm kann kein Herrscherwort vernichten. Dieser Tag, der hoch gen Himmel ihren blut'gen Lorbeer hält. Meldet ihren Tod und meldet auch den Dank dafür der Welt Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborsfrafie Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 jungen Mädchen eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er ihnen die Bedeutung des Tages vor Augen führte und sie zum treuen Festhalten am angestammten Glauben ermahnte. Herr Inspektor Ohler stellte hierauf an die Mädchen Fragen über die sittlichen Lehren des Judentums, welche alle Konfirmandinnen mustergültig beantworteten; sie gelobten dann feierlich, dem Judentum bis zum letzten Atemzuge Treue, zu bewahren. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Margot i e s, begleitet von dem ausgezeichneten Chor, in gewohnt vorzüglichen Weise. Mit dem stimmungsvollen Vortrag des Sulzerschen „Adon olam" fand die sehr schöne und sehr würdige Feier ihren Abschluß. Jüdischer Gesangverein. Für den 18. Juni ist auf dem Semmering eine gemütliche Zusammenkunft des Grazer und des Wiener Jüdischen Gesangvereines geplant die einen sehr animierten Verlauf zu nehmen verspricht. Selbstverständlich sind auch Nichtmitglieder herzlichst eingeladen, und werden auch von seilen beider Vereine künstlerische Vorträge zum Besten gegeben. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens eröffnet wie alljährlich seine Ferienkolonie in Vösiau, Floragasse 15. Aufnahme finden schulpflichtige Mädchen und Knaben von 6 bis 14 Jahren. I. Turnus vom 4. Juli bis 3. August 1933, II. Turnus vom 8. August bis 7. September 1933. Auskünfte und Anmeldungen im Sekretariat VI., Mollardgasse 85 (Fritz Kramer), von 9 bis 12 Uhr, Telephon B 29-1-65. Gemeinde - 'Chronik London. Anläßlich des Geburtstages Köv. i g s Q e o r g V. am 3. Juni wurde d r e i e n gli sehen Juden der Adelstitel zugesprochen. Es sind dies das Mitglied des Jewish Board of Deputies Samuel Gluckstein, Vorsitzender des Finanzkomitees des Londoner Grafschaftsrates; Major Henry Edward Lyons, Mitglied des Exekutivkomitees des National Liberal Club, und Charles David Seligman, ein Mitglied des Advisory Committee beim Exports Credits Guarantee Department. Ferner erhielt der palästinensische Arbeiterführer Isaac Ben Zwi, der auch der Leitung des Waad Leumi angehört, den Ehrentitel «ines M. B. E. (Bachelor of Medicine). Dem High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, wurde das Großkreuz des Ordens St. Michael und St. George verliehen. Berlin. In der Nacht vom 7. zum 8. Juni ist der bekannte Führer des deutschen Reformjudentums, Dr. Joseph Lehmann, einem Herzschlag erlegen. Rabbiner Dr. Lehmann, der erst am 27. September v. J. seinen 60. Geburtstag feierte und aus diesem Anlaß Gegenstand großer Ehrungen seitens der religiös liberalen und reformistischen Kreise des deutschen Judentums war, genoß weit über diese Kreise hinaus in allen Lagern der deutschen Judenheit besonderes Ansehen. Die Kunde vom plötzlichen Ableben Dr. Lehmanns, der Mitglied des Governing Body des liberalen Weltverbandes, des Vorstandes der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, des Hauptvorstandes des Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und Abgeordneter im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden war, hat tiefe Bestürzung und Trauer in allen Kreisen, die Gelegenheit hatten, sein Wirken zu verfolgen, hervorgerufen. In dem Heimgegangenen verliert die geschätzte Direktorin des Wiener Merores- Waisenhauses einen geliebten Bruder. Linz. Mit Entschließung des Bundespräsidenten vom 30. v. M. wurde dem Rabbiner und Religionslehrer in Linz, Dr. Viktor Kur rein, der Titel Professor verliehen. Todesfall. Vor kurzem starb in Baden bei Wien nach langem, geduldig ertragenen Leiden, Herr Jakob Glattauer im 84. Lebensjahre und wurde am 9. d. M. am Zentralfriedhof (IV. Tor) in der Familiengruft bestattet. Der Verewigte, ein gebürtiger Nikolsburger, war zeitlebens ein guter Jude und lange Jahre in der Nikolsburger Gemeinde Vorsteher. Eine angesehene Familie betrauert in ihm innigst das stets um ihr Wohl besorgte Oberhaupt. Mädchenkonürmatlon. Sonntag, den 11. Juni, fand im großen Leopoldstädter Tempel die Konfirmation der Mädchen statt. In feierlichem Zuge hielten die Konfirmandinnen — 40 an der Zahl — unter Harmonium- Wangen in das festlich beleuchtete, schöne Gotteshaus ihren Einzug. Herr Rabbiner Dr. Bauer hielt an die tw^-new Man achte auf die ges. geach. Harke „Hyglcn. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassse 1 Telephon R 33-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEH1 ■«■■■■■■■■■■■■HmiMMHBHM WIEN IX., BEROOASSB NR. 1» FILIALE ■ XVIII., WAHRINClflK!STRASSE 9t Telephon Nr. A 17-3-99 and A 19-3-34 Lieferant fOr Mallanstalta» ÄbteilungenfflrKoscherflelsch Katar Aufsieht des ehr«?. Rabbbratee der ler. KuNueaemeiude Wlee. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen flmtficOe Verfautßarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Schluß-Jugendgottesdienst im Schuljahr 1932/33. Samstag, den 17. Juni, 3 Uhr nachmittags, findet in allen Gemeinde- und Vereins-Synagogen der feierliche Schluß-Jugendgottesdienst für das Schuljahr 1932/33 statt Kundmachung. Die Privatistenprüfungen aus israelitischer Religion fün Schüler und Schülerinnen an Volks- und Hauptschulen für das II. Halbjahr des Schuljahres 1932/33 finden durch die zuständigen- Religionslehrer in den Sammelstationen statt Die Termine für die Prüfungen können bei den Schulleitungen oder im Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 2, L Stock, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags, ab 16. Juni 1933 erfragt werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5.— pro Halbjahn und ist im vorhinein an der Kassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4. L Stock, oder bei den Bezirksämtern: XV., Turnergasse 22; XVI., Hubergasse 8 und XXL, Holzmeistergasse 12. in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags, bezw. beim Bezirksamte, XVIIL, Schopenhauerstraße 39. von 3 bis 5 Uhr nachmittags, zu erlegen. Die Quittung ist dem zuständigen Religionslehrer vor der Prüfung zu übergeben. Der schriftliche Bescheid des Stadt-, bezw. Ortsschulrates über die bewilligte Dispens vom Besuche des öffentlichen israelitischen Religionsunterrichtes ist dem Prüfer vorzuweisen. Hlißicnlsdics KönißslicM Seit vielenjahren dasa^erkannt beste Die Klelderstelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bekleidungsgegenständen jeder Art. Wäsche. Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an-die Fürsorge-Zentrale der Isr. Kultusgemeinde, Wien L, Seitenstettengasse 2. Tel. U 25-5-85, welche die Abholung veranlaßt KUNDMACHUNG betreffend die Errichtung von Min]anim für die hohen Feiertage, k Der Vorstand beabsichtigt für den gegenwärtigen Bedarf an temporären Bethäusern durch eigene Maßnahmen vorzusorgen, beziehungsweise durch die Tempelvereine Vorsorgen zu lassen. Demgemäß* wird die Kultusgemeinde nur in Fällen, in welchen ein tatsächlicher Bedarf vorhanden ist, die Genehmigung für ein temporäres Bethaus an andere Vereine und nur ausnahmsweise an Private erteilen. 2. Im Sinne des § 80 des Gemeinde-Statutes Ist vor Miete eines Lokales und vor Einschreiten um die behördliche Genehmigung die Bewilligung des Kultusvorstandes einzuholen. 3. Die Gesuche um Bewilligung sind bis längstens 30. Juni d. J. imEinreichungs-Protokolle der israelitischen Kultusgemeinde, I.. Seitenstettengasse 4, II. Stock, zu überreichen. Es wird ausdrücklich aufmerksam gemacht, daß später einlangende Gesuche nicht angenommen werden. Auf nicht entsprechend belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. 4. Privatpersonen, die um Bewilligung eines Minjans ansuchen, haben entsprechende Nachweise über Charakter, Moralität etc. bezüglich der zu verwendenden Vorbeter (Namen derselben sind im Gesuche anzugeben) und auch den Nachweis über deren Befähigung zu erbringen. 5. An weibliche Personen wird weder direkt noch indirekt eine Bewilligung erteilt 6. Die als Betlokale einzurichtenden Räume müssen sich für diesen Zweck vollkommen eignen und ist die schriftliche Zustimmung des Vermieters sowie des Hauseigentümers zur diesfälligen Verwendung beizubringen. 7. Wohnungen und andere Lokale dürfen nur dann zur Abhaltung des Gottesdienstes verwendet werden, wenn sie vollkommen ausgeräumt sind und an den Festtagen ausschließlich für den erwähnten Zweck benützt werden. 8. Für Lokale, in welchen während des Jahres Veranstaltungen stattfinden, deren Tendenz unvereinbar ist mit einer Stätte, an welcher ein Gottesdienst abgehalten werden soll, wird eine Bewilligung nicht erteilt 9. Die Errichtung eines temporären Betlokales in der Nähe von ständigen Bethäusern wird in der Regel nicht bewilligt 10. Die Bewilligung gilt nur für die einschreitende Partei und ist somit nicht Ubertragbar. S»Jfl<lsdic!!ü5t Zahlreiche Zuschriften beweisen uns, daß „DIE WAHRHEIT* in weitesten jüdischen Kreisen ein zustimmendes Echo findet. Um unser« Aulgabe erfüllen zu können» müssen wir die Abonnentenzahl verdoppeln. Jeder Leser gebe .DIE WAHRHEIT* an einen Nlchtabonnenten weiter und fordere ihn zum Abonnement auf. Wir brauchen die Mithilfe unserer Leser und Freunde. Jeder Leser der „WAHRHEIT1* wirbt in diesen Tagen mindestens einen neuen Abonnenten I Probennmmern stehen auf Wunsch zur Verffigung.