Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1933-06-09 · Heft 23 (9.6.1933) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 23 (9.6.1933)
Date
1933-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064350-3064372--19326-3084451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT Seite 7 Tapezlerermeister ZERK0W1TZ SPEZIALIST in Tapetenarbeiten Werkstätte für moderne Möbel. — Übernahme aller Reparaturen. I., Neutorgasse 18 Telephon ü 23-8"28 Werkstätie: I., Seitenstettengasse 2 Telephon ü 22-7-31 Aus affer Weit Die Lage der Juden in Mittel- und Osteuropa. Das JointForeign Commiteehat dem Jewish Board of Deputies einen Bericht über die Lage der jüdischen Bevölkerung in den mittel- und osteuropäischen Ländern vorgelegt. Der Bericht befaßt sich insbesondere mit der Rückwirkung der Vorgänge in Deutschland auf die antisemitischen Strömungen in den betreffenden Ländern. Es wird auf die bedenkliche Lage in Oesterreich und die national-demokratische Agitation in Polen hingewiesen und eine Rückschau über die Ausschreitungen, die sich in Lodz, Krakau, Ostgalizien und anderwärts ereignet und zur Auflösung der antisemitischen Organisation Obwiepol im Gesamtgebiet Polens geführt haben, gehalten. Ferner wird über die cuzistische Agitation in Rumänien und die von anderer Seite in diesem Lande getriebene judenfeindliche Hetze, die zu den Unruhen in Czernowitz geführt hat, berichtet und daran erinnert, daß die rumänischen Behörden genötigt waren, Militär zur Eindämmung dieser Unruhen einzusetzen. In Ungarn hat sich die Notwendigkeit ergeben, Uniformen und Abzeichen judenfeindlicher Verbände zu verbieten. Der Bericht geht sodann zur Besprechung der für die jüdische Bevölkerung Deutschlands infolge der gegen sie gerichteten Maßnahmen eingetretenen wirtschaftlichen Lage über. Ein wenig Licht werde in die trübe Zukunft des deutschen Judentums durch die zu ihren Gunsten ergriffenen Hilfsmaßnahmen getragen. Es werden sodann eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, die das Komitee im Zusammenhang mit der Lage der Juden in Deutschland getroffen hat. Insbesondere wird ein an den High Commissioner von Palästina gesandtes Telegramm hervorgehoben, in dem auf die Notwendigkeit, die Zahl der Palästina-Zertifikate bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit zu erhöhen, hingewiesen worden war. Die Schweiz lehnt den Antisemitismus ab. Im Zusammenhang mit der Bewegung „Die neue Schweiz" fand kürzlich in der Züricher Börse eine Aussprache über den Antisemitismus statt Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Eugen C u r t i, eröffnete die Versammlung mit der Feststellung, daß eine Judenfrage in der Schweiz unbekannt war, bis die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland zur Herrschaft gelangte. „Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß die Judenfrage von großer rechtlicher, sittlicher und wirtschaftlicher Bedeutung ist. Wenn heute energisch Stellung genommen werden soll gegen den Antisemitismus, so entspricht dies den Grundsätzen unserer Bundesverfassung. Ueberdies besitzt die Judenfrage eine wichtige kulturelle Seite; die Vertreter des Antisemitismus vergessen vollständig, welche Errungenschaften die MenschheitderjüdischenKulturverdankt. Auch die wissenschaftlichen Leistungen der jüdischen Gelehrten können nicht genug gewürdigt werden. In der Schweiz sind die Juden wenig zahlreich; sie machen etwa ein halbes Prozent der Bevölkerung aus. Politisch und auch wirtschaftlich traten sie nie in den Vordergrund. Die von ihnen bei der Totalrevision der Bundesverfassung im Jahre 1874 erlangte völlige Gleich- Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Noritz Nagel Wien, Z. Bez., Tafaorstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. _Telephon A 45-8-69_ berechtigung mit den anderen Bürgern führte zu keinen Unzukömmlichkeiten, so daß es auch heute gegenüber den Bestrebungen nach einer Rückwärtsrevidierung der Verfassung nur ein entschiedenes Nein gibt. Das Schweizervolk lehnt jede Ideologie des Rassenhasses energisch ab." Jeder Österreicher im Dienste der Werbung für den Fremdenverkehr. Tausende Briefe gehen täglich aus Oesterreich in das Ausland; an üeschäitsfreunde. Bekannte. Verwandte. Mit jedem dieser Brieie eine Werbung für Oesterreich zu verbinden, auf seine Naturschönheiten, seine Kunst- und Kulturstätten autmerksam zu machen, ist moralische Pflicht eines jeden Oesterreichers. Daher kein Brief in das Ausland ohne gleichzeitige Einladung, das schöne, billige, Gesundheit und Erholung spendende Oesterreich zu besuchen! Die Fremdenverkehrssektion der Oesterreichischen Völkerbundliga hat in Gemeinschaft mit dem Allgemeinen Grossistenverband zu diesem Zwecke geschmackvolle, mit Bildern Oesterreichs gezierte Einladungen herstellen lassen. Diese Einladungen, deren Beilage wegen ihres geringen Gewichtes keine Portoerhöhung verursachen, stehen allen Unternehmungen, Vereinen und Privatpersonen ab 10. Juni unentgeltlich zur Vertilgung. Unternehmungen, Organisationen, Privatpersonen usw., welche diese Einladung in größerer Zahl zur Verfügung gestellt wünschen, erhalten diese bei der Oesterreichischen Völkerbundliga. Wien I.. Nibelungengasse 4 (Tel. B25-2-16). beim Allgemeinen Grossistenverband, Wien 1., Johannesgasse 4, und in der Redaktion „Die W a h r h e i t". Wien IL, Heinestraße 13. Einzeleinladungen in den Tabak- Trafiken. Unser Vaterland erfreut sich des besten Rufes in der ganzen Welt. Wer im Auslande geweilt hat. weiß, daß in Tausenden der Wunsch lebt, die Schönheit unserer Berge und Seen, die Kraft unserer Heilquellen und Bäder, die Einzigartigkeit unseres Kunst- und Kulturlebens zu genießen. Es bedarf oft nur eines geringen Anlasses, um diesen Wunsch in einen festen Entschluß zu verwandeln. Dies zu erreichen, steht in der Macht jedes Oesterreichers. daher kein Brief in das Ausland ohne Beischluß der Einladung: O e s t e r r e i c h ladet Sie ein! GROSSFLEISCHHAUEREI «EGM. KORNMEHL WIEN IX., BBMOJUn MR. » FlUaifii XVBII., WAHRmOMSfRASSS W Telephon Nr. A 17-3-99and X 18-9-34 Lieferant für Hollanatartan AbteilungeitrarKoscherfleisch «ater Aufsieht de» ehrw. Rabbtoate» dar lar. Kuliuegemainde Wie*. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Masktpreista land gerichtet waren. Wohlgemerkt, wir sagten Judenpapst! Tatsächlich hieß Papst Pius XI. zur Zeit, da er noch Kardinal war, Achille RattL EristeinillegitimesKindeinerniederländischen Jüdin namens Littmann. (Hier folgt wieder eine unqualifizierbare Bezeichnung.) Die endgültige Zerstörung Deutschlands kann nur vermieden werden, wenn die soziale Revolution verwirklicht und der Standpunkt aller Annäherungen an die Westmächte aufgegeben wird. Wir müssen alle Skiavenkerten des Interesses brechen, die uns mit Rom und mit der Judenschaft binden. Durch Sozialisierung des Bodens und der Produktionsmittel wird unser Volk eine Nation werden, die, verbündet mit einem jungen nationalsozialistischen Rußland im nächsten Unabhängigkeitskrieg, dem faulen Westen einen fatalen Schlag zufügen wird." Wer andern eine Grube gräbt. Der Senat der Universität Jassy hat den Studenten Gavrilescu und 25 Genossen relegiert, weil sie in einem Memorandum den Numerus nullus für jüdische Studenten gefordert und für den Fall der Nichterfüllung dieser Forderung mit dem Streik gedroht haben. Andere 63 Studenten hat der Senat auf zwei Semester relegiert, weil sie sich mit Gavrilescu solidarisch erklärt hatten. Ma&tsnfzweuz am Werfe Gemeinde - throtlift Denkmäler werden gleichgeschaltet. Das vom Reichsbanner zu Ehren des als Kriegsfreiwilliger 1914 an der Front gefallenen jüdischen Reichstagsabgeordneten Ludwig Frank errichtete Denkmal am Luisenpark in Mannheim ist jetzt auf Veranlassung der Stadtverwaltung entfernt und das Fundament eingeebnet worden. Bekanntlich war das Denkmal vor wenigen Wochen schwer beschädigt und die Gedenkplakette gestohlen worden. Die neueste Erfindung der Nazis. Die offizielle Zeitschrift der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Norddeutschlands „Wartburg, Das Völkische Wochenblatt Norddeutschlands" schreibt in ihrer letzten Nummer: „Man wußte es bereits bei seiner Fahrt nach Rom, daß die verdächtigen Besprechungen, die der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß — temporär zusammenfallend mit der Romreise des Zentrumführers, Prälaten Kaas, — mit (hier folgt ein nicht wiederzugebender Ausdruck) dem Papst Pius XL, dem J uden von Geburt und Exponenten des Kapitalismus, führte, um seine Instruktionen einzuholen, gegen das große nationalsozialistische Deutsch- An die geehrten Gäste des Caffe Carltheater Ith erlaube mir mitzuteilen, daß ich mein Kaffeehaus verkauft habe. Ich benutze diese Gelegenheit, um allen meinen werten Gästen für die Anhänglichkeit, die sie meinen Eltern und mix bewiesen haben, vielmals iu danken, und bitte, das mir bewiesene Vertrauen auch meinem Nachfolger entgegenzubringen. Schweren Herzens scheide ich von der Stätte, die mir zwar viel Arbeit und Sorgen, aber auch Zufriedenheit bereitet hat Ich werde mich aller meiner Gäste immer dankbar erinnern. Moritz Herlinger und Familie Ich gestatte mir höfl. mitzuteilen, daß ich das altbekannte „Cafe* Carltheater" (Herlinger) Wien II., Prateratraße 39 übernommen habe. Meine langjährige Tätigkeit in der Branche garantiert eine erstklassige Fährung des Unternehmens, dessen Vorzug in der besonderen Qualität der Konsumation und aufmerksamer Bedienung bestehen soll, so dag alle meine geehrten Gäste in einer Weise zufriedengestellt sein werden, die sie von meinen geschätzten Vorgängern bestens gewohnt waren. Josef Blau Dar Wechsel im Berliner Gemeindevorstand. Zu dem kürzlich erfolgten Rücktritt des Herrn Direktor Dr. Wilhelm Kleemann und der Wahl des Herrn Direktor Heinrich Stahl zum Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde schreibt die „Jüdisch-liberale Zeitung" in ihrer letzten Ausgabe: „... Aus dieser Wahl geht hervor, daß der durch die Entscheidung des Jahres 1930 festgelegte Kurs unverändert beibehalten wird, da Direktor Stahl nicht nur mit seinem Amtsvorgänger Kleemann persönlich befreundet, sondern auch der Sache des liberalen Judentums auf das engste verbunden ist. Dennoch darf man in seiner Wahl zum Gemeindevorsitzenden Symbol und Symptom einer neuen Auffassung jüdischer Gemeindearbeit erblicken. Wir Liberalen haben nie den weiten Begriff der Religion mit dem engen Begriff des Kultus identifiziert; und wenn jetzt an Stelle des Dezernenten der Orgelsynagogen derjenige des Wohlfahrtsamtes das Gemeindepräsidium übernimmt, so symbolisiert dies gleichsam eine neue Rangordnung jüdisch-religiöser Betätigung, weist dieser Betätigung den Weg zu Wirklichkeit und Leben, einen Weg, der nicht erst durch die neuesten Verhältnisse nötig wurde, sondern den zu gehen seit Jahren eine Forderung gerade des liberalen Judentums war." München. Im Alter von 66 Jahren verstarb auf seiner Besitzung in Murnau der bekannte jüdische Philanthrop James Loeb, ein gebürtiger Amerikaner, der sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland, wo er sich im Jahre 1907 niedergelassen hatte, wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen in großzügigster Weise gefördert hat. 1888 war Loeb nach Erwerbung des Baccalaureats in Cambridge in die von seinem Vater Salomon Loeb mitbegründete Bankfirma Kuhn, Loeb & Co. in New York eingetreten, schied jedoch, da sein Hauptinteresse seit ieher sozialen, politischen und pädagogischen Fragen galt, schon 1901 aus der Firma aus und widmete sich der Förderung der klassischen Philologie und humanistischen Kultur in Amerika, hauptsächlich durch Gründung der „Loeb Classical Library", einer Sammlung von Werken

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.