Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 22 (2.6.1933)
- Date
- 1933-06-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064350-3064371--19317-3084441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 7 Blutzoll war mithin nicht nur vergleichsweise ebenso groß (und nachprüfbar) wie der „arische", sondern wurde offenbar auch gleich vorbehaltlos und loyal dargebracht. Daß die jüdischen Frontsoldaten auch wirklich au der Front waren und nicht nur auf „Druckposten", daß die Einzelleistungen der Juden nicht hinter denen ihrer anderen Kriegskameraden zurückstanden, zeigt zum Beispiel auch das Fliegerbuch von Theilhaber, der 164 jüdische Kriegsflieger ermitteln konnte, die alle in zahllosen Luftkämpfen ihre Hingabe an die gemeinsame Heimat bewiesen und von denen 30 den Heldentod starben.: Der gefallene Jagdflieger Leutnant Franke trug sogar als einer der ersten im Kriege die höchste Auszeichnung, den „Pour le mSrite". Die schlichten, aber ansprechenden und bezwingenden dokumentarischen Aufzeichnungen über die Schicksale und Taten dieser jüdischen Fliegerequipe geben eindeutige Antwort auf die Frage, mit welchem Recht bewährten Kriegsteilnehmern heutzutage Schimpf und Schande angetan wird. [ LOBL TAUBES 83 Ein braver Mensch und ein guter Jude ist dahingegangen. Wir haben in Löbl Taubes nie den gegnerisch gesinnten Zionisten gesehen, auch für uns war er ein Mann der jüdischen Gasse, wie er es in Galizien. wo ihn jedes jüdische^ Kind kannte, gewesen ist. und wie er es in Wien, wohin er im Jahre 1914 übersiedelte, blieb. Als solcher genoß er auch unsere Verehrung, und wahrlich, er hat sie verdient Denn dieser Mann, dessen Ahnen bedeutende Rabbiner und Gelehrte waren, war voll lebendigstem Judentum, das ihn nicht nur zu einer bestimmten Idee trieb, sondern auch zu einem Wirken beseelte, das weit hinaus über Parteigesinnung ging. Und so schuf er. der Zionist. manche hervorragende Werke, die ihn die Achtung auch Andersdenkender verschafften und ihm bei allen ein ehrendes Gedenken eintragen, das lange über sein Grab hinaus währen wird, an dem sich am vergangenen Sonntag eine gewaltige Trauergemeinde drängte. Sie lauschte tiefergriffen den schmerzbewegten Worten des Neffen des Heimgegangenen. Rabbiner Dr. Z. Taubes, der mit tränenerstickter Stimme schilderte, wie nicht nur seiner Familie, sondern auch einem ungeheuer großen Kreise von Verehrern und Freunden ein wertvoller Mensch entrissen worden ist. Vizepräsident Dr. J. L ö w e n h e r z. der in Begleitung des Vizepräsidenten Da J. Ornstein erschienen war. nahm Abschied namens der Gemeinde. Präsident Dr. L. G r ü nbaum namens des zionistischen Landeskomitees. Dr. Rosenberg namens des Misrachi. L. Sitzmann für die Revisionisten und Rabbiner Horowitz für den großen Kreis seiner Freunde und Anhänger. Diese trugen den Sarg unter Beobachtung des orthodoxen Ritus zur letzten Ruhestätte, an der. nachdem in der Zeremonienhalle Oberkantor I. L. Müller die Trauergebete rezitiert hatte. Oberkantor G. Marguli es ein „El mcle rachamim" sprach. Die allgemeine Teilnahme wendet sich den Kindern des knapp nach Vollendung seines 70. Geburtstages Dahingeschiedenen zu. I Roderich Baß. B Mit Roderich Baß' Heimgang ist das Wiener Musikleben um eine markante Figur ärmer geworden. Er war kein Mensch, der viel Aufhebens von seiner Person machte, kein Patheüker des Klaviers, sondern ein stiller, urgemütlicher Wiener, der immer eine Atmosphäre von Güte und Gemütlichkeit um sich verbreitete. Eine zahlreiche Schülergemeinde betrauert in Roderich Baß ihren verehrten Lehrer. Auch die Wiener Judenschaft, in deren Namen Vizepräsident Dr. J. Ornstein beim Begräbnis Abschied von dem großen Künstler nahm, beklagt den Heimgang dieses Virtuosen, der seine große Kunst immer, wenn der Ruf an ihn erging, in den Dienst der jüdischen Wohltätigkeit stellte. Gemeinde - thtomfk Berlin. Zum Vorsitzenden des Gemeindevorstandes ist Herr Dir. Heinrich Stahl gewählt worden. Herr Dir. Stahl bekleidete schon bisher das Amt des Vorsitzenden des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und hat sich auch sonst um die sozialen Angelegenheiten der Berliner Jüdischen Gemeinde und des deutschen Judentums hervorragend verdient gemacht. Seine Wahl zum Vorsitzenden des Vorstandes in einer Zeit besonders schwieriger Lage der Gemeinde zeugt von dem großen Vertrauen, das die Gemeinde in die Persönlichkeit und in die Führereigenschaften des Herrn Direktor Heinrich Stahl setzt. Herr Doktor Wilhelm Kleemann, der seit 1931 das Amt des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes bekleidet, hat sich mit Rücksicht auf seinen seit langer Zeit ungünstigen Gesundheitszustand veranlaßt gesehen, sein Amt niederzulegen und aus dem Gemeindevorstand auszuscheiden. Die Berliner Jüdische Gemeinde schuldet Herrn Dr. Kleemann für die in schwieriger Zeit geleistete verantwortungsvolle Arbeit an der Spitze der Gemeinde herzlichsten Dank. Der Vorstand sieht Herrn Dr. Kleemann mit Bedauern aus seiner Mitte scheiden. Spezialhaus lüe Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2.. Beas., Taborsirafie Nr- 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. _Telephon A 45-8-69_ Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs ersucht uns um die Feststellung, daß die von einigen Blättern gebrachte Nachricht von einem beabsichtigten Aufmarsch des Bundes auf der Ringstraße unrichtig ist. Für den 18. Juni 1. J. ist lediglich eine Gedenkfeier auf dem Zentralfriedhofe für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Kameraden vorgesehen. Grabsteinsetzung. Am Montag, den 5. Juni, 11 Uhr vormittags, wird auf dem Zentralfriedhofe (IV. Tor) der Grabstein für den vor Jahresfrist verstorbenen Herrn Jakob Weiß gesetzt, dessen Andenken in den verschiedenen jüdischen Vereinen, denen er seine besten Kräfte widmete, noch immer ehrend fortlebt. Israelitischer Synagogenverein „Beth Israel" (II., Leopoldsgasse 29). Sonntag, den 28. d. M.. fand unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Leo Landau die ungemein stark besuchte 51. ord. Generalversammlung der Polnischen Schul statt. In Vertretung der Kultusgemeinde war Kultusvorsteher Geza K1 i n g e r. für die Organisation der Tempelvereine deren Obmann Börserat I. Glück erschienen, ferner sah man die Kultusvorsteher Dr. I. K1 a b e r. S. M a i e r. Prof. L. R a t h und W a It u c h. sowie die Herren H a y e k für den Tempelverein VIII. und Grünspan und Scher für den Tempelverein X. und Chefredakteur O. Hirschfeld für „Die Wahrheit". Den Rechenschaftsbericht, der heuer aus Ersparungsrücksichten* nicht gedruckt wurde, erstattete Schriftführer Moritz Burian. Seinem groß angeüegten Referat war zu entnehmen, daß auch dieser Tempelverein sich infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse in starken Schwierigkeiten befindet der er halbwegs nur durch die Unterstützung der Kultusgemeinde Herr werden konnte, für die dem Kultusvorstande herzlichster Dank gesagt wurde. Der Bericht erwähnte insbesondere die Leistungen des Tempelvereines auf kulturellem Gebiete, von denen sich die anwesenden Gäste durch einen Besuch der Talmud-Thora-Schule hinlänglich überzeugen konnten. Kultusvorsteher Geza K1 i n g e r betonte, daß der Kultusvorstand gerne dem Tempelverein seine Unterstützung leihe, weil er dessen Wichtigkeit für unsere ostjüdäschen Glaubensbrüder anerkenne. Auch Börseirat I. Glück besprach die Tätigkeit des Vereinsvorstandes in diesen schweren Zeiten sehr lobend. Präsident Dr. Leo Landau stellte unter großem Beifall der Versammlung fest, daß er im Kultusvorstande b e i allen Richtungen die im Interesse des Tempels notwendige Unterstützung finde. Dem Vorstände wurde auf Antrag der Revisoren das AbscJutorium erteilt und insbesondere dem tatkräftigen Obmanne der Dank der Generalversammlung ausgesprochen. Die Wahlen ergaben mit einigen Abänderungen die Annahme der vom Wahlkomitee vorgeschlagenen Vorstandsliste: die Wahl des Gesamtvorstandes hatte sich infolge der Demission des abgetretenen Vorstandes als notwendig erwiesen. Nachdem noch Herr Oskar M o r i n i angesicht seiner großen Verdienste um den Tempelverein zum Ehrenpräsidenten der Gabboim-Sektion ernannt worden war, schloß Dr. Leo Landau die eindrucksvoll verlaufene Generalversammlung. Hebräischlehrerverband der „Histadruth Iwrith". In der am 17. v. M. stattgefundenen IV. Konferenz der hebräischen Lehrer in Wien wurde einstimmig beschlosnqglenlsdics KOnigsllcht Seit vielenjahren dasa~erkannt beste tD5^-flÖiW Man achte auf die ges. gesch. Mark« „Hyglcn. Königslicht" und Name Schub Fabrik und Büro: IM tan XIV., BraunhlrschengauM 3 Telephon R 33-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI «EGM. KORNMEHl tjaomtammmmmmmmmmmmmmmmm^mmmmi^mmmmimm WIEN IX., BEROOASSC NR. 1» FiUALIi XVIII., WÄHRINCURSTRJUSS 97 Telephon Nr. A 17-3-99 ad d A 16-3-34 Lieferant fflr Hallanstalta» AbteilungentürKoscherfleisch unter Aufsieht ue» ehrw. Rabbtaate» nur lar. KultaMacmaind* NU». Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich) Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreis«» sen. den alten professionellen Hebräischlehrerverband aufzulösen und in einen neuen HebräischJehrorverband einzutreten, der der Histadruth Iwrith unterstellt ist. In den Ausschuß dieses neuen Verbandes wurden gewählt: Prof. J. Gelernter (Präsident). Dr. C. Weinstein (Sekretär) und D. C. Weinstein. M. Rosen und J. Herzberg als Ausschußmitglieder. Ferner wurde unter anderem beschlossen, daß sich jedes Mitglied dieses neuen Verbandes vor eine Prüfungskommission zu stellen hat. In die Prüfungskommission wurden gewählt: Der Präsident der Histadruth Iwrith (Dr. David Rothblum), der Obmann der Unterrichtskommission der Kultusgemeinde (Prof. M. Rath), der Vorsitzende des Lehrerverbandes (Prot Gelernter). Prof. Dr. Sonne. Prof. M. Wiesen. Prof. M. Chartiner und ein noch zu ernennender Fachmann auf dem Gebiete der Pädagogik und Psychologie. Es wird hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß nur Lehrer, die mit einer Lehrerlegitimation vcm neuen Lehrerverband ausgestattet sind, befugt sind, hebräischen Unterricht zu erteilen. Adresse des neuen Lehrerverbandes: Histadruth Iwrith. Lehrerverband. I.. Bräunerstraße 7/10. Baden bei Wien. In der letzten Vollsitzung des Kulftusausschusses. unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Anton Stern, wurde Herr Oberkantor Richter definitiv angestellt. Herr Oberkantor Richter, der durch seine angenehme Stimme, wie auch durch sein einnehmendes Wesen und tadelloses Aufführen sich die Sympathien der hiesigen Judenschaft errungen hat. versieht seinen Dienst in unserer Gemeinde seit 7 Jahren zur vollsten Zufriedenheit seiner Zuhörer. Aus einer sehr frommen und vornehmen Familie stammend, sein Großvater war 50 Jahre Rabbiner in Kirälyhäza. sein Vater, Herr Adolf Richter s. A.. ein großer Talmudgelehrter, war viele Jahre Chasen in Eperjes. besitzt Oberkantor Richter Vorzüge, die einen wahrhaft jüdischen Kantor zieret» sollen. Möge es ihm gegönnt sein, auch weiterhin zur Freude sämtlicher Mitglieder unserer Gemeinde zu wirken. Oesterreichisches Seehospiz in Grado. Der Verein „Oest. Seehospiz" (Präsidentin Sofie Griinfeld) entsendet Anfang Juli zarte, zu Katarrhen und Blutarmut neigende jüdische Kinder von 6—13 in sein eigenes Heim nach Grado unter pädagclgischer und ärztlicher Aufsicht, bei Verabreichung von 5 Mahlzeiten. Anmeldungen im Vereinsbureau: IX.. Türkenstraße 17, von 10—13 Uhr. Tel. A 11-1-63. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens eröffnet wie alljährlich seine Ferienkolonie in Vöslau. Florastraße 15. Aufnahme finden schulpflichtige Mädchen und Knaben von 6 bis 14 Jahren. I. Turnus vom 4. Juli bis 3. August 1933. II. Turnus vom 8. August bis 7. September 1933. Auskünfte und Anmeldungen im Sekretariat. VI.. Mollardgasse 8 (Fritz Kramer) von 9—12 Uhr. Tel. B 29-1-65. Beth-.Iakob-Sommerkurse. Von der Wiener Zentrale der Beth-Jakob Mädchenschulorganisaticn werden folgende Soinmerkurse veranstaltet. Die Hauptkurse der Lehrerinnenbildungsanstalt und der Kindergärtnerinnenkurs bleiben in Wien, so daß für Gastschülerinnen die Möglichkeit geschaffen ist. einen Ferienmonat in Wien zu verbringen und sich mit dem Innenleben der Wiener Lehrerinnanbildungsanstalt vertraut zu machen. Beth-Jakob-Sommerkurs am Semm e r i n g. In dem wunderschönen Semmeringgebiet wird so wie im Vorjahre auch heuer jungen Mädchen Gelegenheit gegeben, nebst der körperlichen Erholung sich jüdische Geistesschätze anzueignen. Beth-Jakob Sommerkurs in der Schweiz. Es ist der Beth- Jakob-Zentrale heuer zum ersten Male gelungen, zu erschwinglichen Preisen einen Kurs in der Schweiz mit erstklassiger Unterbringung in der herrlichsten Gegend sicherzustellen. Anfragen an die Beth-Jakob Zentrale. II.. Leopoldsgasse 26. Tlmtlidje Verfautdarungen der Jsraefitisdfen Xuftasgemeinde Wien Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 3. Juni, findet in allen Gemeinde- und Vereins-Synagogen der Jugendgottesdienst um 3 Uhr nachmittags statt Die Kleider-Stelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bekleidungsgegenständen jeder Art. Wäsche. Schuhe etc. für Männer. Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an die Fürsorge-Zentrale der Israelitischen KulrusKemeinde. Wien L. Seitenstettengasse 2. Telephon II 25-5-85. welche die Abholung veranlaßt