Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 8 (18.2.1933)
- Date
- 1933-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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preis dieser Nummer 40;'Grosciien § iidisdie it tBanrheil Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgememde Wien Redaktion und Administration: Wien II.. Heinestraße 13- Telephon P 46-2-16 — Fostsparkasserkonto Wien: A 100.918 49. Jahrgang Wien, 18. Februar 1933 Nummer 8 Nodi Jetzt Kamen sie billig Kompl. Ski-Ausrüstung v MW^M Leder-Hultieldbhidung, 1 P.gnteHuitfeldbacken, 1 P. gute Fnßbleche. m^m 1 P. gute Haselstöcke, 1 P. gute Rohr- ^^■^ teller, 1 P gute Lederschlaufen, 1 P. tute Skischnallgurten, 1 guter Klappspiritusbrenner, 1 guter Skispanner samt Klotz, 1 Ski-Schneebrille, inkl. erstkl. Montage. Shll€ihW€iS€9MNCnel0ffllinill$uBIIP bBim Wie^l-BeiHiraliiren prompt u.Diiuft.t. » K B - 8 C H A W W O I. M. - 1. O D E M - H O S B von S St Unser langjährig bewährter Schlager 1 P. gute Eschen-Ski, 1 P. gute lORTVATTFD oERBILLICSTe^lS WIPPLINCERSTR- OPTIKER M. 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Oft und oft kamen seit dem Wahltage, dem 4j-Bezember 1932, unsere Getreuen zusammen, um die durch die Wahlen geschaffene Situation zu beleuchten und zu besprechen; und nun zeigte sich, nachdem die erste Erregung vorüber war, etwas, was nicht nur im Leben des einzelnen Menschen, sondern viel mehr noch in der Geschichte einer Gemeinschaft, wie überhaupt bei allen bestimmenden Ereignissen eine große Rolle spielt, — es zeigte sich, daß wir allmählich zu den stattgehabten Ereignissen die nötige Distanz gewonnen hatten. Wir legten uns die einfache und strikte Frage vor: War der Erfolg der Jüdischnationalen in der Tat ein gar so überwältigender, daß rauschende Siegesfeiern ihn urbi et orbi verkündigen konnten, und war anderseits die Tatsache, daß wir im Kultusvorstand nicht mehr über die Majorität verfügen können, eine so schwerwiegende, daß sie imstande war, eine gewisse Depression in unseren Reihen auszulösen? Und wir nahmen den Rechenstift zur Hand und stellten mit ihm die Wahlergebnisse der einzelnen Parteien einander gegenüber und konnten dann zusammenfassend sagen: Es-steht außer allem Zweifel, daß die Jüdischnationalen bei ihrer seit Jahren durchgearbeiteten Organisation sozusagen den letzten Mann an die Urne gebracht haben, während die „Union" trotz ungemein fleißiger Wahlarbeit bei dem Indifferentismus und einem direkten Desinteressement der Wählerschaft nur einen Teil der ihr ohne Frage ceistig sicher nahestehenden Wiener Wähler für die Kultuswahlen interessieren konnte. Und das Endergebnis? Wenn wir von den Stimmen der Poale-Zion und noch drei kleiner Gruppen absehen, ein kaum von dem der „Union" merklich dffierentes: Gewiß — wir haben die Majorität im Kultusvorstande: verloren, aber der Sieg der Jüdisch- *) Auszugsweise Wiedergabe des anläßlich der 1. Tagung des Parteirates der „Union österreichischer Jaden" am 18. Februar 1933 erstatteten Referates. Von Universitätsdozent Dr. Hugo Stern. nationalen ist, wenn man ihn schon nicht, wie das so oft gesagt wurde, als Zufallssieg klassifizieren: will, mit Rücksicht auf die früher angeführten Umstände wohl nur als ein relativer zu bezeichnen. Wir gingen noch einen Schritt weiter und fragten uns, was es denn war, das unsere rund 10.000 Wähler zur Urne geführt bat. Es würde zu weit führen, wollte ich hier im Detail die diesbezüglichen Ansichten unserer Parteifreunde mitteilen. Mehr oder minder vereinigten sich dieselben in dem einen Brennpunkt, der besagt, daß die alten Grundsätze der „Union", diese Grundprinzipien, die sich durch fast fünf Dezennien als tragfähige Balken und unbedingt verläßliche Säulen und Grundpfeiler bewährt haben, daß diese es waren, die . in dem stattgehabten schweren Wahlkampf bewiesen, daß es nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Gegenwart und eine Zukunft der „Union" gibt. Diese Grundsätze sind: 1. Der gegen den Antisemitismus gerichtete Abwehrgedanke, der, weiß Gott, in den vergangenen Jahrzehnten in vielen für das Judentum entscheidenden Momenten sich segensvoll auswirkte. Keine der bestehenden Parteien hat auch nur annähernd diesen programmatischen Punkt so radikal, aber auch mit so großem Erfolg vertreten wie die „Union". 2. Die positiv religiöse Einstellung der „Union", die, wenn auch im bisherigen Programm und in den Satzungen nicht expressis verbis festgelegt, doch immer ein die Mitgliedschaft der „Union" fest einigendes Band war und schließlich 3. der Gedanke der engen Bindung an diesen uns seit vielen Jahrhunderten teuer gewordenen Boden, auf dem wir und die Unseren leben. Für dieses unser Vaterland, mit dessen andersgläubigen Bewohnern uns Sprache, Kultur, . enge Schicksalsgemeinschaft und innige Vaterlandsliebe gemeinsam verbinden, wollen wir, jede wie immer geartete Sonderstellung strikte ablehnend, wie In der Vergangenheit, auch In aller Zukunft als treue Bürger unser Bestes geben! Ist das nicht ein positives, und nicht, wie so oft behauptet wurde, ein lediglich negatives Programm?! All diese Erwägungen geben, uns Mut und Hoffnung und sie sagen uns, daß die Situation für die „Union" eine durchaus, günstige sei. Sie sagen uns aber auch weiter, daß wir nun ganz anderen und in vieler Hinsicht neuen Verhältnissen gegenüber stehen, die natürlich auch erweiterte programmatische und organisatorische Grundlage» verlangen, worüber wir ja von den zwei anderen Herren Referenten der heutigen Tagung, dem Herrn Vizepräsidenten Dr. Josef Ticho und Herrn Zentralvorstandsmitglied Eduard W i d r i c h noch Einzelheiten hören werden. Unsere Beratungen ergaben des weiteren die Feststellung', daß die alten- Wege, die die „Union" bisher ging, nicht genügen, respektive nicht allein genügen, daß es mit ihnen allein jetzt nicht mehr geht So verdichtete sich immer mehr und mehr der Gedanke, ein starkes Zentrum zu bilden, das ein unbedingt fester Grundstock, ja der Schwerpunkt der Union werden soll: der Parteirat. Wenn ich bei aller Bescheidenheit die Ergreifung der Initiative für diese neue Institution für mich in Anspruch nehmen darf, so bin ich mir dessen wohl bewußt, sagen zu müssen, daß erst die Zukunft zu beweisen haben wird, ob wir durch Gründung des Parteirates jenes Sammelbecken der Kräfte gefunden haben, aus dem allen Teilen des Organismus der „Union", insbesondere aber den noch schwachen oder durch irgend welche Ursachen geschwächten Teilen derselben, neue und kräftige Energien zugeführt werden können. Dem Parteirate gehören an: 1. Sämtliche Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union". 2. Alle auf unserem Vorschlag für die Wahlen in die Kultusgemeinde aufgestellten Mandatare. 3. Sämtliche gewählten und ernannten Mitglieder der Bezirkskommissionen. 4. Vertrauensleute und Parteifreunde (ohne Unterschied des Geschlechtes) aus den einzelnen Bezirken. 5. Eine Vertretung der Jugend-Union. 6. Eine Vertretung des Union- Frauen-Klubs. Es wurde beschlossen, daß der Parteirat alle zwei Monate zu tagen und einmal im Jahre ein großer Parteitag stattzufinden habe. Das sind im wesentlichen die Umrisse dessen, was über den Parteirat zu sagen ist. Wir hoffen, daß dem Parteirat die ihm gestellten politischen, agitatorischen und organisatorischen Aufgaben gelingen werden, und wir sind überzeugt, daß damit eine Erstarkung der „Union" in die Wege geleitet werden wird. Das wird und