Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 5 (3.2.1933)
- Date
- 1933-02-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 laubt sind", eröffnet, außerhalb der Märkte wurden „sie jedwedem auswärtigen Handelsmanne" gleichgestellt. Diese Juden wurden weiters durch das Patent insbesondere auf den Exporthandel hingewiesen, indem ihnen wie „jedermann" der Ankauf von „erlaubten Waaren zum Zwecke der Versendung in das Ausland gestattet wurde", schließlich durften sie auch Bestellungen auf aus dem Auslande einzuführende Materialien und Zugehör übernehmen. In den dem Patente vorangehenden Verhandlungen wird die Berechtigung der fremden Juden zum Betriebe des Handels nicht erwähnt; zum ersten Male wird von dieser den fremden Juden zu erteilenden Berechtigung in dem Entwürfe vom 16. November 1781 gesprochen; die in demselben enthaltenen diesfälligen Bestimmungen wurden nahezu wörtlich in das Patent übernommen. Nur heißt es in dem Entwürfe, daß die fremden Juden Bestellungen auf in das Inland einzuführende „Produkte" und Materialien übernehmen dürfen, während im Patente selbst das Wort „Produkte" aus irgendwelchem wohl unbekannten Grunde entfallen ist. (Fortsetzung folgt.) Hakenkreuz am Wexfc Die Hetz-Paro!e: „Trockener Pogrom". Der Berliner „A n g r i f f", der nun seit einigen Tagen Regierungsblatt geworden ist, schrieb im Leitartikel seiner Ausgabe vom 27. Jänner, also wenige Tage vor dem Regierungsantritt Hitlers: „Die Juden sind unser Unglück! Sie sind Mitglieder feudaler Klubs, sie beherrschen die Redaktionsstuben, sie dominieren im Film, sie befehlen im Theater, sie besitzen und kommandieren die Banken, sie haben maßgebenden Einfluß in der Politik aller Parteien, sie scheffeln Geld durch ihre Warenhäuser, sie sitzen in den Direktionen und Aufsichtsräten der Industrie und der Handel geht durch ihre Finger. Sie schieben sich gaunernd zwischen Erzeuger und Verbraucher. Nur wirklich produktive Arbeit leisten sie nicht. Jude sein heißt charakterlos sein, gesinnungslos, ein Schmarotzer, ein hemmungsloser Geschäftemacher . . . Und ihr größter Kummer ist heute der Antisemitismus der NSDAP, sonst würden sie sich längst samt und sonders als Nationalsozialisten ausgeben .... Die Juden sind schuld! "Wenn die deutschen Menschen eines Tages nicht mehr wollen, daß sich überall der Jude zwischen Bruder und Bruder schiebt, Geld rafft, hetzt, gaunert und verwirrt, dann wird Juda zwangsläufig und brutal aus dem deutschen Arbeitsprozeß ausgeschaltet. Ohne Pogrome und Blutbäder, meine Herrschaften. Sang- und klanglos dürft ihr euch dann verpfeifen und besitzt nicht einmal die Möglichkeit, die Welt mit eurem Geschrei über angebliche „Greueltaten" zu erfüllen. -Und diese Stunde ist nicht mehr sehr weit!" Die polnische Regierung schafft Ordnung. In der Volksbildungskommission des polnischen Sejm verteidigte der Kultusminister Jendze 1 ewicz seine Gesetzesvorlage betreffend Einschränkung der Autonomie der Hochschulen zwecks Sicherung des ruhigen Lehrbetriebes und führte u. a. aus: Was im vergangenen und im jetzigen Jahre an den Hochschulen vorgegangen war, ist eine Schande für die polnische Kultur. Die Regierung sucht nach Mitteln, um dieser Welle der Verwilderung und der Barbarei, die Polen überschwemmen will, zu begegnen. Das bestehende Gesetz gibt der Regierung keine hinreichende Handhabe, durchzugreifen; das neue Gesetzprojekt erstrebt eine Reinigung der A'tmosphäre. Keineswegs wird das neue Gesetz die Freiheit des Lehrens und Lernens einschränken, im Gegenteil, es soll sie sichern. Die Interessen der Studentenkorporationen haben nichts zu tun mit der Freiheit der Wissenschaft, das wissenschaftliche Niveau der Hochschulen ist keineswegs von dem Grade ihrer Autonomie abhängig. Das neue Gesetz will die Würde der Wissenschaft schützen, eine Arbeitsdisziplin sichern und ein tiefes kameradschaftliches Gefühl bei.allen Studierenden, unabhängig von Nationalität, Rasse und Religion, fördern. Frauenfeld muß sich nicht schämen! Vor etwa einem Jahre wußten die Zeitungen 7.U melden, daß mehrere bei einer politischen Schlägerei verwundete SA-Leute im Krankenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde Schutz suchten und sich von jüdischen Schwestern ihre Wunden verbinden ließen. Ueber einen ähnlichen Vorfall, der sich während der NSDAP- Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Noritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 43-8-69 Demonstration am vergangenen Sonntag abspielte, berichtet das „8 Uhr-Abendblatt": „Bei einem Zusammenstoß in der Exerzierstraße war ein Trupp Nazis gezwungen, in Ermanglung der Macht die Flucht zu ergreifen. Da die Häuser polizeilich geschlossen waren, so flüchteten die SA-Leute in ein offenes. Und dies gastliche Haus war kein anderes als das Jüdische Krankenhaus. Sie baten höflich, die Telephonzelle benützen zu dürfen und benachrichtigten von hier aus das Ueberfallkommando, das sie denn auch abholte und zum Bülowplatz transportierte. Die Nazis haben beim Durchmarsch durch die Straßen zu den Häusern emporgeschrien: „Sarahleben komm' mal runter, dann werden wir dir zeigen..." Im Krankenhaus in der Exerzierstraße indessen redeten sie die Schwestern der von ihnen Verfemten geziemend mit „Schwestern" an." Gemeinde - Vfuonik .losefstädter Tempelverein. Sonntag, den 21. v. M.. fand die Generalversammlung des Tempelvereines des VIII. Bezirkes statt. Als Vertreter der Kultusgemeinde war Kultusvorsteher Dr. Leo Landau delegiert, ferner war Obmann des Verbandes der Tempelvereine. Börsenrat Ignaz Glück, erschienen. Der erste Vizepräsident, Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ludwig Medak, eröiinete die gut besuchte Generalversammlung, hielt dem verstorbenen Präses, Direktor Anton Stein, sowie dem Vorsteher, Kommerzialrat Philipp Weiß, einen die Leistungen dieser beiden hochverdienten Männer gebührend würdigen Nachruf und gedachte sodann der anderen verstorbenen Mitglieder des Vereines. Hierauf erstattete Schriftführer und Obmann der Tempelsektion, Ignaz P o 11 a c h, den Jahresbericht. Er gedachte ebenfalls des verstorbenen Präsidenten Direktor Anton Stein, des Vorstehers Kommerzialrat Philipp Weiß, sowie der übrigen dahingeschiedenen Mitglieder, schilderte ausführlich die ungeheure Mühe und Arbeit des Vorstandes während des verflossenen Jahres und tügte hinzu, daß, wenn auch trotz aller Umsicht und Sparsamkeit ein Defizit aufscheine, der Vorstand dennoch ohne Ruhmredigkeit sagen dürfe, daß die Verwaltung eine gute sei, er bitte deshalb die Mitglieder, trotz der mißlichen Verhältnisse dem Tempelvereine auch weiterhin die Treue zu bewahren. Sowohl dieser Bericht, als auch jener des Vereinskassiers Moriz K o b 1 i t z wurden mit großem Beifaile zur Kenntnis genommen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden per acclamationem wiedergewählt. Seitens des Vorstandes lagen zwei Anträge vor, und zwar die Ernennung des überaus verdienstvollen langjährigen Vizepräsidenten, Bundesstaatlichen Fürsorgerat Ludwig M e d a k, zum Ehrenpräsidenten und des Vorstandsmitgliedes lng. Otto Hlawatsch zum Ehrenmitglied. Diese Vorschläge wurden unter lebhaftestem Beifall angenommen. Ehrenpräsident Ludwig Medak dankte hierauf, tief bewegt, für diese besondere Ehrung und erklärte, daß ihn sein hohes Alter und sein geschwächter Gesundheitszustand zwingen, sich von der ehrenamtlichen Leitung der Geschäfte zurückzuziehen. In der hierauf stattgefundenen Konstituierung wurden folgende Herren einstimmig in die Exekutive des Vorstandes gewählt: Präsident: Kommerzialrat Siegmund Feldmann; erster Vizepräsident: Kommerzialrat Edmund Hacker; zweiter Vizepräsident: Börsenrat Paul Bjehavy; erster Schriftführer: Ignaz Pollach; zweiter Schriftführer: Sigmund Bodansky; Kassaverwalter: Moriz Röblitz: Kassakontrollor: Hermann Eder. Der Vorstand des Josefstädter Tempelvereines ist zur Wahl seines neuen Präsidenten aufs herzlichste zu beglückwünschen. Komm.-Rat Sigmund Feldmann gehört dem Vorstand des Vereines bereits seit einer langen Reihe von Jahren an und war zuletzt als Vizepräsident desselben ersprießlich tätig. Er genießt als guter Jude und vornehmer Mensch in der breitesten jüdischen Oeffentlichkeit höchste Achtung und Wertschätzung. Seine gediegenen Charaktereigenschaften lassen ihn für sein neues Ehrenamt besonders prädestiniert erscheinen, das er ebenso gut verwalten wird wie die verschiedenen Ehrenstellen, die er bereits bisnun bekleidet Die beiden Vizepräsidenten, der bewährte Herr Komm.-Rat Edmund Hacker und der auf sozialem Gebiete hingebungsvoll tätige Herr Börserat Paul Bjehavy werden ihn gewiß trefflich unterstützen. Verein für jüdische Geschichte undi Literatur in Wien. In der am 23. v. M. stattgefundenen Generalversammlung obigen Vereines wurden folgende Herren einstimmig in den Vorstand gewählt: Präsident, bzw. Vizepräsidenten; Rabbiner Doktor Moses Rosenmainn und Ludwig Ba 16 als Präsident bzw. Vizepräsidenten; Rabbiner Doktor Josef Babad, Rabbiner Dr. David! Feuchtwang, Univ.-Dozent Dr. Isidor Fischer, Bankdirektor Joab Friedmann, Hofrat Dr. Siegmund Fuchs, Obermedizinalrat Dr. Heinrich Haas©, k GROSSFLEISCHHAUEREI f IEGM, KORNMEHl URMHnHMMMIMHIHMMiHH^BHM WIEN IX., BEROOASSE NR. 1» FILIALE i XVIII., WAHRINOERSfRASSB ST Telephon Nr. A 17-349 and A 18-9-34 Ltetarmt fflr HallanstalteB AbteilungenforKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinato* dar lar. Kultusgemainda Wfan. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Alfred May und Sandor Wolf als Vorstandsmitglieder; Dr. Ernst Pins und Hans Heller als Revisoren. Personalnachricht. Der Bundespräsident hat dem Inhaber der bekannten Firma Hirschl & Co., Herrn Siesmund F e l d m a n n, in Anerkennung seiner hervorrasenden Verdienste um die Wirtschaft taxfrei den Titel eines Kommerzialrates verliehen. Diese wohlverdiente Würdisuns der ersprießlichen Tätigkeit eines Kaufmannes auch an maßgebender Stelle dürfte von der Oeffentlichkeit mit um so größerer Genugtuung begrüßt werden, als Kommerzialrat Feldmaun weit über die vorbildliche Führung seines Unternehmens hinaus seit vielen Jahren im Interesse der Allgemeinheit erfolgreich wirkt. Als Präsidialrat des Gremiums der Wiener Kaufmannschait und in vielen anderen Ehrenstellen hat Kommerzialrat Feldmaun stets seine streng objektive und immer sachlich bleibende Denkungsart bekundet. Ebenso gelang es ihm, seine eigene Firma, die bekanntlich den Alleinverkauf der Weltmarke B. S. A.-Motorräder für Oesterreich und einige Sukzessionsstaaten über hat und sich außerdem mit dem Export technischer Artikel befaßt, zu einem der angesehensten Großhandelshäuser Oesterreichs zu machen. Kommerzialrat Feldmann, der kürzlich auch Präsident des Josefstädter Tempelvereines geworden ist, erhielt anläßlich seiner Auszeichnung zahlreiche herzliche Gratulationen aus Industrie- und Handelskreisen, denen wir uns mit den besten Wünschen für weitere ersprießliche Tätigkeit gerne anschließen. Berichtigung. In dem Reicrat Uber die Akademie des Ausspeisungsvereines „Ohel Rachel" wurde Professor Frühling irrtümlicherweise als Begleiter des Herrn Oberkantor Postolow genannt. Wir stellen dieses Versehen hiermit richtig, die Begleitung hatte Professor Dzimitrowsky inne. Wereinsnadkridkien. Jfidischer Angestellten-Verband „Emunah", Wien 1., Jordangasse 7. Samstag, den 4. d. M. findet im Verbandsheim 1., Jordangasse 7, eine Vorlesung des Herrn Jakob Taubes statt. Aus eigenen Schritten (Gedrucktes und Ungedrucktes). Beginn lA9 Uhr abends. Gäste willkommen. — Stellenvermittlung. Wir bitten dringend, uns von jeder freiwerdenden Stelle schriftlich oder telephonisch Mitteilung zu machen (R 27-4-86). „Beth Aharon", Isr. Tempelverein für die Bezirke Wieden-Margareten. Sonntag, den 5. Februar, findet um K>10 Uhr vormittags im Tempelgebäude, V., Siebenbrunnengasse 1 a, die 58. ordentliche Generalversammlung des Tempelvereines statt. Die Israelitische Kinderbewahranstalt (II.. Schiffamtsgasse 15), die im Frühjahr d. J. das neunzigjährige Bestehen feiern wird, veranstaltet am Sonntag, tfen 5. Februar, 8 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal ein Festkonzert. Folgende Künstler wirken mit: Opernsängerin Fl eischm ann-Kö niestest, Fräulein Toni Grünschlag (Klavier), Dr. Max Honig (Bariton), David Grünschlag (Violine). Hermann L e o p o 1 d i - Betja M i 1 s k a j a, Dario M e d i n a, Kurt D i x o n (Internationale Chansons), ferner Prof. N i 1 i u s mit dem Orchester des Wiener Konservatoriums, Conference: Kurt Dixon. Karten von 1 bis 12 Schilling bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern, an der Kassa des Musikvereines und im Sekretariat der Anstalt (Tel. A 45-0-79) erhältlich. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 6. d. M.. 'A8 Uhr abends, findet im Klubsaal. L Wiesingerstraße II (Cafe Atlashof. eigener Eingang. Souterrain), ein Vortrag des Herrn Dr. Abraham S c h a 1 i t: „Josephus und Justus, ein historischer Streit", statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. Intelligentes ungarisches Fräulein sucht Halbtaxsbeschäftigunz als Gesellschafterin oder Kinderfräulein, Zuschriften unter „Religiös" an Frau Josefine Löwy, IL, VolkertstraBe 6.