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Die Wahrheit · 1933-01-27 · Heft 4 (27.1.1933) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 4 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen Jüdische Die tÜomrnciT Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" nnd den Amtlichen Verlautbarungen der Israelifischen Knlfusgemeinde Wien wmi\ Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkasserkonto Wien: A 100.918 49. Jahrgang Wien, 27. Jänner 1933 Nummer 4 '50 Kompl. Ski-Ausrüstung Unser langjährig bewährter Schlager 1 P. gute Eschen-Ski, 1 P. gute \l >ORTVATTFD oERBILLICm^lS WIPPLINGERSTR xO m M^^M Leder-Hultfeldblndung, iP.guteHuit- ^m. ^"^B feldbacken, 1 P. gute Fußbleche, '^Amm m^kf 1 P. gute Haselstöcke, 1 P. gute Rohrteller.tl P. gute Lederschlaufen, 1 P. gute Skischnaitgurten, 1 guter Klappspiiitusbrenner, 1 guter Skispanner samt Klotz, 1 Ski-Schneebrille, inkl. erstkl. Montage. SM ICltlWCiSCf „Nea€inffilirDD^'i||P bliD Jui^SM B^paTmuren pruD.pi u uunu.liKI-§Cli Af W OM.M.-EOO EM-MOSE w«» — » lg.SO Des Unzer Bischofs geistiger und ethischer Antisemitismus Ein mächtiger Konkurrenzkampf ist schon seit geraumer Zeit entbrannt zwischen der christlichsozialen Partei und den österreichischen Nationalsozialisten. Sie ringen um die Gunst der christlichen Wählerschaft. Nur aus diesem Wählerreservoir können sie ihre „Kundschaft" suchen und finden. In die Auslage stellen sie beide den gleichen Reklame-Artikel, freilich etwas verschieden in Montage und Arrangement: den Antisemitismus. Eine Zeitlang schien es, als wollten sie das Geschäft zusammen machen, als sollte es Dr. Seipeli gelingen, die schmutzige Konkurrenz, den unlauteren Wettbewerb der Nazis durch die Errichtung einer „offenen Handelsgesellschaft" auszuschalten. Doch es kam, wie es kommen mußte; wie es auch sonst im geschäftlichen Leben zuzugehen pflegt, wenn zwei unreelle Kompagnons sich zusammenfinden; jeder sucht für sich den größten Vorteil zu erhaschen und den anderen aus iem Geschäfte hinauszubringen. Die an der Entwicklung des „Geschäftes" interessierten Geschäftsnachbarn wußten schon seit einiger Zeit davon zu erzählen, daß es mit der Harmonie zwischen den Kompagnons nicht weit her sei, daß es gar manchmal auch unter der Kundschaft selbst Krach gebe; doch der breitesten Oeffentlichkeit kam der Bruch erst unlängst anläßlich des Zusammenstoßes zwischen Cevauern und Nazis klar zum Bewußtsein. Unsere Leser entsinnen sich sicherlich noch der vorjährigen großen Rede des christlichsozialen Führers Schmitz, der sich nicht scheute, ganz offen zu erklären, daß seine Partei im Konkurrenzkampf zur Erhaltung und Vergrößerung des Kundenkreises nicht des altbewährten antisemitischen Schlagwortes entbehren könne. Es ist gewiß noch in Erinnerung, wie er seine Verbeugung vor dem religiösen Judentum machte, aber seine grollende Stimme leidenschaftlich erhob gegen die zersetzenden jüdischen Einflüsse, daß er mit wirtschaftlichen Schutzgesetzen' für die christliche und mit Ausnahmsmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung drohte. Freilich.all dies mit jener Bonhomie und zugleich mit jenem Augenzwinkern, die heutzutage zum politischen Geschäft manchmal erforderlich sind... Nun ist dem politischen Unternehmen der Christlichsozialen eine Reklame erstanden, wie sie sich sie nur wünschen konnte. Eine Persönlichkeit von hohem Range und glänzenden Beziehungen, von tiefer Kenntnis der Volksseele, von bestrickender Beredsamkeit und mächtigem Einfluß auf die Bevölkerung, eine Persönlichkeit, deren Worte nicht so rasch verhallen, deren Anpreisungen tausendfaches Echo finden, rührt die Werbetrommel. : " Nur mit Widerstreben und erfüllt von dem gebührenden Respekt, den jedermann, ob Jude oder Christ, vor dem hohen Amte empfinden muß, das diese Persönlichkeit bekleidet, wagt sich unsere Kritik an Aeußerungen heran, die so geweihtem Munde entspringen. Doch wenn so hochstehende Persönlichkeiten, seien es Fürsten oder Priester, sich freiwillig ihrer „Immunität" begeben, wenn sie ihren Platz über den Parteien verlassen, hinabsteigen in das politische Kampfgewühl und, selbst zur Partei werdend, zum Angriff ausholen, so müssen sie damit rechnen, srh.irf angefaßt und nach Kriegsart behandelt zu werden. Der Oberhirte der katholischen Diözese Linz gehört freilich schon seit jeher nicht zu jenen Priestern, die die Oeffentlichkeit scheuen, die sich damit begnügen, stille Seelenhirten ihrer Schäfleini zu sein. Seine bischöfliche Gnaden ist ein gar streitbarer Priester, ein Freund der Ecclesia müitans. Er hatte schon manch harten Strauß auf der Bühne der Oeffentlichkeit aaszufechten und schrickt vor Gegenhieben nicht .zurück. In seinem jüngsten Hirtenbrief vom 21. d. M. rechnet er in einer gründlichen Auseinandersetzung mit den „programmatischen Irrtümern des Nationalsozialismus" ab, da ja, wie die „Reichspost" zu verstehen gibt, die Gefahr besteht, daß auch die katholische Bevölkerung von Oesterreich, gleich wie die in Deutschland, der heftigen nationalsozialistischen Propaganda in erschreckendem Ausmaß zum Opfer fallen, d. h., daß die christlichsoziale Partei zugunsten ihres Konkurrenten „in erschreckendem Ausmaße" einen Wählerschwund erleiden könnte. Mit reichlichen Argumenten, geholt aus der geistigen Rüstkammer der Kirche, doch mit sanften, fast begütigenden Worten mahnt der Hirtenbrief die Gläubigen, nicht den Verlockungen und Verheißungen der heidnischen, von „übersteigertem Rassenwahn" erfüllten Nazis zu verfallen; doch eine maßlose, fast unübertreffliche Heftigkeit spricht aus den Sätzen, die sich gegen den „jüdischen internationalen Weltgeist" wenden. Wahrlich Hitler, Goebbels, Strasser, Frauenfeld e tutti quanti müssen erzittern ob dieser scharfen Konkurrenz, die sie fast nicht mehr in Worten, sondern nur noch durch Taten überbieten könnten. 0 freilich, vor dem „radikalen Rassenantisemitismus der Nationalsozialisten" bekreuzigt sich der Hirtenbrief. O Pfui über diese Nazis!, denn „das jüdische Volk nur wegen seiner Abstammung verachten, hassen und verfolgen, ist unmenschlich und antichristlich" (Augenaufschlag!); „solche „Pogrome" hat die Kirche stets verurteilt und das jüdische Volk gegen u ngerechten Haß in Schutz genommen". (Augenzwinkern!) Aber nun werden die ältesten Schmöker bis zu den „Weisen von Zion" ausgeplündert, um ja nur den „überaus schädlichen Einfluß vieler SIEASR UND JUWELEN von ÖSTERREICHER I., WIppllng«rs4raSe Nr. 29 Wegen Verlegung der Verkaufsräume nach I., Graben 7 zu Räumungspreisen Günstige Gelegenheitskäufe für Hochzeitsgeschenke / / gottentfremdeter Juden auf fast allen Gebieten des modernen Kulturlebens" darzutun. Doch „Kulturleben"? Das sagt für diese „Gläubigen" zu wenig. Das sind ja Geschäftsleute, Anwälte, Aerzte usw. Auch diese Seelen müssen gerettet werden. Darum heißt es so schön: „Wirtschaft und Handel, Geschäft und Konkurrenz (sie!), Advokatur und Heilpraxis, soziale und politische Umwälzungen sind vielfach duichsetzt und zersetzt von materialistischen und liberalen Grundsätzen, die vorwiegend vom Judentum abstammen." Nichts vergessen? 0 doch! Natürlich, die Nazis reden ja auch von den „frivolen und zynischen Tendenzen" von Presse und Inseraten. Theater und Kino, die, wie der Hirtenbrief versichert, „dfie Volksseele bis ins Innerste vergiften und die ebenso vorwiegend vom Judentum genährt und verbreitet werden." Ueberhaupt alles Böse auf dieser sonst so herrlich schönen Welt kommt „vorwiegend" von dem „entarteten Judentum" her, selbstverständlich gleichzeitig der „mammonistische Kapitalismus" wie der Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus. Tausendfach an der Hand von Tatsachen widerlegte Verleumdungen und Generalisierungen werden hier aufgetischt und den zu „wahrer christlicher Nächstenliebe" ermunterten Gläubigen in die empfänglichen Herzen gesenkt. O, Herr Hitler wird Neues erfinden müssen, sonst ist er verloren. Am kommenden Sonntag werden von Hunderten von Kanzeln herab die Priester der Liebe die beseligenden Worte des Oberhirten verkünden, auf daß sie nicht so gottlos seien, vielleicht den Nazis nachzulaufen, denn es läßt sich doch so schön, ja noch viel besser, im Rahmen der „katholischen Nächstenliebe" der Haß gegen die Juden austoben. Ihr wollt doch gute Katholiken sein und; den Worten Eures um Euer Seelenheil besorgten Oberhirten gehorchen? Dann müßt Ihr als „überzeugte Christen", wie es im Hirtenbrief heißt, „es als Eure ,strenge Gewissenspflicht' halten, den schädlichen Einfluß des Judentums zu bekämpfen und zu brechen." Die Wirkung derartiger Worte auf die einfachen Leute in Stadt und Land ist leicht! vorauszusehen. Und Idamit sie ja nur zur Stange halten, werden sie nicht erst auf den Lohn im Himmel für ihr gottgefälliges Verhalten verwiesen, sondern schon aut Erden sollen sie ihn erhalten. Freilich nicht in der Art, wie ihn die barbarischen Nazis ihren Gefolgsleuten versprechen, nein, denn „die moderne Zeit braucht die Juden nicht des Landes zu verweisen." O Schmach über diese heidnischen Nazis, dazu mußten die mittelalterlichen Bischöfe greifen; ein „moderner" Priester weist einen

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