Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 53 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064401-3064452--19125-3084229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT__ Seite 5 Aus affer Wett I '^«^^Nm^T" I Mmtst md £Uetatm 9 * B^^B BBÄi ■ WS^g^VB ■ Mornaraia Donh llon Hni-opn r1f>c Arnra/fir'Vwa'pn New York. Dr. Arthur Kraus, Lehrer der Philosophie am City College in New York, brach nach achttägigem Fasten den Hungerstreik ab, in den er als Protest gegen das Unterbleiben des von ihm angeregten Demonstrationszuges der Studenten zum polnischen Konsulat eingetreten war. Dr. Kraus hat am Donnerstag, den 22. Dezember, den Demonstrationszug der Studenten gegen die antisemitischen Ausschreitungen an den polnischen Universitäten zum Gebäude des polnischen Konsulates geführt. Paris. Dem von Paul Boncour gebildeten neuen französischen Kabinett gehören zwei Juden als Ministör an: Der Deputierte und Bürgermeister vom Le Havre Leon Meyer, der das Portefeuille der Handelsmarine übernahm, und Senator Alexandre Israel, der zum Unterstaatssekretär im Innenministerium ernannt worden ist. Die beiden jüdischen Minister gehören der radikalsozialistischen Partei an. Gemeinde - 'Chronik 70. Geburtstag. Eine überaus schöne Feier vereinigte Samstag, den 24. 4M., beim Vormittagsgottesdienst eine große Festgemeinde aus Anlaß des 70. Geburtstages des verdienstvollen Obmannes des Schönlatern-Bethausvereines, des Herrn Simon Kohn, in dem altehrwürdigen Betsaale dieses Vereines. Die große Schar der Erschienenen, die die besondere Beliebtheit und Wertschätzung dokumentierte, deren sich der Jubilar mit Recht überall erfreut, konnte kaum Platz finden, so gewaltig war der Zuspruch jener, die Herrn S. Köhra und seiner trefflichen Familie die freudige Anteilnahme an dem schönen Jubeltag bekunden wollen. Es waren u. a. erschienen: Der Präsident dier Kultusgemeinde Prof. Dr. A. Pick, der Vizepräsident Dr. J. Ornstein. namens der Organisation der Tempelvereine Herr Börserat I. Glück, die Rabbiner Fürst, Dr. D. Feuchtwang, Dr. A. Kaminka und Benedikt, die Kultusvorsteher Dr. J. Löwy und Gremialrat Großmann, für die Schiffschul Komm.-Rat M. Leitner, die Amtsleiter W. Freistadit und W. Meissner, viele persönliche und Geschäftsfreunde des Jubilars u. a. m. Den Höhepunkt der schönen Feier, die Herrn S. Kohn und seine Anhänger, zur Thora aufgerufen, zu wohltätigen Spenden veranlaßte, war die feierliche Einholung eines von dem Jubilar dem Bethaus gewidmeten herrlichen neuen Sefer Thora, Idessen Pracht allgemeines Entzücken auslöste. Diese hochherzige Widmung beweist die gut jüdische Gesinnung des langjährigen "Obmannes der Schönlaternschul, dem Rabbiner Fürst in leiner gehaltvollen Droschoh eine verdiente Würdigung zuteil werden ließ. Nach dem Gottesdienst beglückwünschte Bezirksrat Dr. J. Löwy namens des Vereinsvorstandes Herrn Obmann Kohn und enthüllte ein gelungenes Bild desselben im Sitzungssaale. Am Abend, versammelten sich im gastfreundlichen Hause des Ehepaares Kohn die Freunde und Verehrer des Jubilars, der auch bei dieser Gelegenheit nach Verdienst gefeiert wurde. 80. Geburtstag. Herr Siegmund Weiler, Obmann des Bethausvorstandes XVI/XVII, feiert am Samstag, den 31. d. M., seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß findet im Rahmen des Vormittagsgottesdienstes im Gemeindetempel XVI., Hubergasse, eine Feier statt. Vorträge im Maimonldes-Institut 1933. Die Vorträge im Institut, Praterstraße 11. finden ab 1. Jänner 1933 wie folgt statt: jeden Montag. Rabbiner Dr. A. Kaminka, 6 bis 7: Psalmen; 7 bis 8: More Nebuchim: jeden Dienstag. 6 bis 7, Rabbiner M. Horowitz: Midrasch; .7 bis 8, Dr. N. Goldstein: Aboth d'R. Nathan; jeden Mittwoch. 6 bis 7, Rabbiner M. Horowitz: Traktat Derech Erez: jeden Donnerstag. 6 bis 7. Dr. Kaminka: Apokryphen; 7 bis 8. Dr. Goldstein: Traktat Baba batra; jeden Samstag, %4 (ab Februar 4 Uhr), Vortrag zur Sidra. Der am 7. Dezember an der Universität. Hörsaal 37. begonnene und durch die Ferien unterbrochene Zyklus von Vorlesungen über „Spinozas Theologisch-politischen Traktat" wird ab 18. Jänner jeden Mittwoch. K7 Uhr abends, im selben Hörsaal fortgesetzt. Wien, 2. Bez.,Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 Der Leopoldstädter Jüdische Frauenverein veranstaltete am 25. d. M. im Festsaal des Hotel Continental eine Akademie, die sowohl hinsichtlich des ausgezeichneten Besuches, als auch des künstlerischen und gesellschaftlichen Eriolges als durchaus gelungen bezeichnet werden darf. Dieser Erfolg ist vornehmlich Verdienst des rührigen Mitgliedes des Vorstandes Frau Marie Steiner, die das wirklich ausgezeichnete Programm zusammengestellt hat Alle im Dienste der Wohltätigkeit unentgeltlich mitwirkenden Künstler boten ihr Bestes. Aus der großen Schar der von Fräulein Olly Orten recht amüsant konferierten Mitwirkenden seien erwähnt: Oberkantor G. Margulies brachte, von Dr. M. H ö n i g stimmungsvoll begleitet jüdische Lieder und die Tosca-Arie zu wahrhaft klassischem Vortrag, Hertha Ruth B r o d tanzte mit vollendeter Meisterschaft. Liselotte Medelsky wiTkte mit ihren Chansons-Vorträgen ganz entzückend. Dario Medina sang sehr schön, Frau Dr. Trude Münk errang mit der Wiedergabe von Schlagern viel Beifall, wobei insbesondere die von ihr vorgetragene Komposition eines sehr talentierten jungen Komponisten Fritz S p i e 1 m a n n sehr angenehm auffiel, Herbert Kram er plauderte stimmungsvoll und auch die Konzertsängerin G i r o m e. die Vortragskünstlerin Käthe Guttmann, die Geigenvirtuosin Adele Bauminger und der drastische Komiker Eugen Hoffmann gefielen recht gut In der musikalischen Begleitung der meisten Mitwirkenden bot Hilde Löwe Proben ihrer ausgezeichneten Kunst Es war ein reichhaltiges, aber dennoch bis zum Schlüsse fesselndes Programm, das dem Leopoldstädter Jüdischen Frauenverein alle Ehre macht, dessen Winterhilfsaktion, über die Frau Schriftführerin Dir. Mandl dem zahlreichen Publikum in der einleitenden Begrüßung nähere Mitteilungen machte, durch den finanziellen Erfolg der Veranstaltung hoffentlich einigermaßen gefördert worden ist Der Ycreiu „Krankenbesuch" (Bikur Chaullm). veranstaltete am Montag, den 26. d. M.. im Festsaale des Hotel Continental, eine Wohltätigkeitsjause mit Tanz, die. was in Anbetracht des edlen Zweckes des Vereines besonders erfreulich, recht gut besucht war. Der herzlichen Begrüßungsansprache der Präsidentin, Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Rosenberg, folgte eine schöne Akademie, aus der insbesondere die meisterhaften gesanglichen Vorträge des Herrn Oberkantors S. Postolow und die sehr gelungenen humoristischen Vorträge des Herrn Eugen Hoff mann hervorgehoben seien. Es war ein schöner Nachmittag, der sich würdig den bisherigen hübschen Veranstaltungen des rührigen Vereinsvorstandes anreihte. Vermählung. Am 22. d. M. fand im Seitenstettentempel die Trauung von Frl. Dr. phil. Lilli Popper mit Herrn Ing. Felix K ai m i n k a, Sohn des Herrn Rabb. Dr. A. K a m i n k a, statt Trauungen. Sonntag, den 1. Jänner 1933, findet um 'A3 Uhr nachmittags, im Bazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Edith Reiner, Tochter des Herrn und Frau Richard Reiner, mit Herrn Ernst Raschdowitz, Sohn des Herrn und Frau Maximilian Raschdowitz, statt. — Die Trauung dies Fräuleins Ruth Schweiger, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. Albert Schweiger, Mödlmg, mit Herrn Rabbiner Dr. Heinrich Guttmann, Lartdlsberg (Warthe). Sohn des Herrn SemänJarrabbiners Prof. Dr. Michael Guttmann, findet am 4. Jänner 1933 in Breslau (Lessing-Loge, Agnesstraße) statt. Todesfall. Das Gremium der jüdischen Kaufmannschaft des Gewerbes und der Industrie in Wien hielt jüngst eine Trauerkundgebung nach der verstorbenen Mutter des Präsidenten A. M. Ehrlich. Frau Pepi Ehrlich, im Hotel Excelsior ab, an welcher die Herren Rabbiner Dr. Bach und Dr. M e h r e r und I. Kantor Funke, ferner eine Delegation des Bukowinaer Zentralverbandes in Wien und Vertreter wirtschaftlicher Korporationen und Behörden teilnahmen. Nachrufe hielten Präsident A. M. Ehrlich, sowie die Herren Rabbiner Dr. M e h r e r und Ministerialrat Doktor Ferdinand Kleinwächter (vom Ministerium für soziale Verwaltung). Sodann verrichtete Kantor Funke das Seelenandachtsgebet und Präsident A. M. Ehrlich das Kadischgebet (Urieffcosten. An die Herren L. D„ J. W„ K. S„ A. R, und N. B. Ihr an Herrn Dr. O. gerichtetes, leider anonymes Schreiiben sei auf diesem Wege dahin beantwortet, daß selbstverständlich auch unsererseits die hervorragenden sachlichen und persönlichen Qualitäten dies betreffenden Fachmannes, dessen Name unsere Liste zierte, anerkannt werden und daß deshalb Ihren Wünschen, die auch die unseren sind, nach Tunlichkeit Rechnung getragen werden soll. Margarete Bach. Den Hörern des vorwöchigen Funkberichtes „Wo'über man in Amerika spricht" wurde eine angenehme Ueberraschung zuteil. Nach den einleitenden Worten meldete sich die uns Wienern so wohlbekannte Stimme der momentan auf einer amerikanischen Tournee befindlichen Vortragskünstlerin Margarete Bach. In einer netten Plauderei wußte sie Interessantes und Ergötzliches aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu erzählen. Besonders bedeutungsvoll war ihr Bericht über die Sympathien der Amerikaner für Deutschland und Oesterreich. Diese Sympathien sind sicherlich Produkt der starken Wirkung, die deutsches Schaffen und deutscher Geist nach dem Kriege jenseits des Ozeans ausgelöst hat. Das deutsche Volk hätte allen Grund, jenen, die diese Wirkung erzielt oder vermittelt haben, unendlich dankbar zu sein. Margarete Bach gehört, wie dte Meldungen von ihrer erfolgreichen Vortragstoumee beweisen, zu den besten Mittlerinnen auf dem Gebiet der Kunst. Sie, die begnadete Sprecherin, vermag deutsche Poesie auch Fremdsprachigen wohlklingend erscheinen zu lassen, und daher rührt wohl auch die freundliche Aufnahme, von der sie in ihrer Rädloansprache zu berichten wußte. Die große Wiener Gemeinde, die sich Margarete Bach vermöge ihrer hervorragenden Kunst erworben hat, hat sich sicherlich über diesen Bericht herzlich gefreut. Dario Medfna singt oin 6. Jänner 1933, ^8 Uhr abends im Mittleren Konzerthaussaal, begleitet von Hugo Riesenfeld, Lieder und Schlager. Konzerte. Kürzlich gab Frau Konzertsämgeri» Paula Steiner in der Wiener Urania einen Arien- und Liederabend. Es war ein großer künstlerischer Erfclg. namentlich die Ade aus „Elias" von Mendelssohn wurde von der Künstlerin tiefempfunden zum Vortrage gebracht. Ihre Koloratur nebst den langanhaltenden Trillern, sowie ihr klassischer, ansprechender Liedervortrag fand viel Beifall, der seine wohlverdiente Berechtigung hatte. — Kurt Engel, beim Warschauer Chopin-Wettbewerb als einziger Oesterreicher preisgekrönt, ließ sich jüngst im Wiener Konzerthaus in einem eigenen Abend hören und erwies die volle Berechtigung der Warschauer Auszeichnung. Sein Chopin-Spiel hatte Temperament, Schliff und technische Brillanz, der ächumannschc „Karneval" echten romantischen Geist und Stil. Der talentierte junge Künstler mußte, von Beifall umbraust, sich zu manchen Zugaben entschließen. Die Kainz-Bühne. eine emsig arbeitende Vereinigung zur Förderung junger Talente, die alle Beachtung verdient, gab auf einem kürzlich zugunsten der Winterhilie in den Kunstspielen „Pan" veranstalteten Theater-Ahend eine Probe ihres ehrlichen Wollens und guten Könnens. In drei Einaktern („In Ewigkeit Amen" von Wildgans, „Literatur" von Schnitzler und „Die kleinen Verwandten" von Thoma) wurden unter der ausgezeichneten Regie von Dr. Emil York dem zahlreichen Publikum Künstler und Künstlerinnen vorgestellt, die diesen Ehrennamen tatsächlich verdienen. Es ist eigentlich undankbar, von diesen Mitwirkenden einige herauszugreifen, denn alle gaben ihr Bestes und so war die Gesamtwirkung eine durchaus beachtenswerte. Wenn die ganz ausgezeichneten Leistungen der Damen Alma S e r g i n und Beate F r y d a n, sowie der Herren Otto Presser. Franz Sehe er, Peter Halphen und Edmund Schellhammer hier dennoch lobend hervorgehoben werden, so geschieht dies nur, weil deren Darbietungen besonders hervorstechend waren. Viel lauter Beifall lohnte die schöne Arbeit der aufstrebenden Vereinigung, die zur Fortsetzung dieser Arbeit gerne ermuntert sein soll. o. h. „DAS NEUE EUROPA" (Wien-Zürich-Berlin-Paris). Inmitten tiefer politischer Zerklüftungen und chaotischer Wirtschaftszustände. die gegenwärtig am europäischen Kontinente herrschen, bildet der leidenschaftliche Kampf um Erhaltung und Ausbau der Demokratie, jener Demokratie, wie sie sich am überzeugendsten in den U. S. A. zur Geltung durchgerungen hat eines der stärksten Machtmittel, um die Hemmnisse aus dem Wege zu räumen, die die Friedensbewegung bedrohen. Der Friedenswille wird immer tiefer verankert in Geist und Seele der Völker und alles dies muß beitragen, Sicherheiten zu schaffen, um Kriege und wirtschaftlichen Verfall künftighin unmöglich zu machen. Die Friedenspresse leistet den Staatsmännern, die berufen sind, diese Garantien festzulegen, unentwegt treue Gefolgschaft und die von Doktor Paul Hohenau seit 18 Jahren herausgegebene Revue erfüllt diese Mission mit beachtenswerter Hingebung. Ihr letztes Heft im laufenden Jahre bringt wieder eine Serie hochbedeutsamer Aeußerungen und Erklärungen von führenden Persönlichkeiten der internationalen Politik und Wirtschaft, welche die größte Aufmerksamkeit verdienen. Staatssekretär Henry L. S t i m s o n (Die Lehren des Weltkrieges dürfen nicht vergessen werden). Senator William E. B o r a h (Absolute Notwendigkeit einer Wirtschafts- und Währungskonferenz). Winston S. Churchill (Frage der demokratischen Verfassung Indiens). Deputierter und ehemaliger Minister Georges B o n n e t (Größere Aktivität Amerikas bei den internationalen Konferenzen), Viscount Robert Cecil (Hoffnung, auf die Ergebnisse der demnächst wieder zusammen-