Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 51 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064401-3064450--19109-3084211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zeitlebens Freude an Möbeln vom Großmöbelhaus Max Bergmann, Bien 1)., Praterstr. 33 Ausstellungsräume 2000 ms Telephon Nr- R 43-1-70 Jüdische Fragen vor dem rumänischen Parlament. Sabbathschutzerlaß des Unterriclitsministeriums. — Unterstaatssekretär Andrei erteilt Prof. Cuza eine scharfe Abfuhr. — Der Steuerterror. In der am 7. Dezember abgehaltenen Sitzung der rumänischen Kammer kam es anläßlich der Beantwortung einer Anfrage des Antisemitenführers Prof. A. C. C. Cuza, betreffend das Rundschreiben des Unterrichtsministers an die Schuldirektionen, in dem gefordert wird. Schreib- und Handfertigkeitsunterricht nach Tunlichkeit nicht an Sabbath- und jüdischen Feiertagen anzusetzen, zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung zwischen dem Vertreter der Regierung und der Parlamentsmehrheit einerseits und der cuzistischen Opposition anderseits. Unter stürmischen Beifall der Regierungspartei und der jüdischen Abgeordneten legte Unterstaatssekretär Petre Andrei den durchaus fortschrittlichen Standpunkt der Regierung in der Frage der Gleichberechtigung des mosaischen Kultus und der Wahrung der religiösen Gewissensfreiheit in der Schule dar. Er erklärte, wahres nationales Empfinden unterscheide sich wesentlich vom antisemitischen Nationalismus der Cuzisten. Minister Andrei fügte noch hinzu: Freiheit für ineinen Kultus bedeutet nicht Unterdrückung der Freiheit des Kultus eines anderen. (Beifall.) In der Tschechoslowakei bestellt die Verordnung des Unterrichtsministeriums vom 31. August 1921, in der vorgesehen wird, daß die dem mosaischen Ritus angehörenden Schüler vom Besuch der Kurse an Feiertagen ihrer Konfession und nach Tunlichkeit vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen befreit werden. Dasselbe sieht die Zirkularverordnung vom 4. März 1924 in Jugoslawien vor. In Ungarn, wo das Regime des Herrn Horthy bestellt, wird empfohlen. Zeichnen, Kalligraphie und Handarbeit nicht an Samstagen und Feiertagen anzusetzen. Noch mehr, Herr Cuza! In Preußen gibt es eine ähnliche Verordnung des Unterrichtsministeriums, gegen die auch die Hitleristen nicht protestiert haben. Minister Andrei schloß unter stürmischem Beifall der Mehrheit: Wenn wir nach außen eine Friedenspolitik verfolgen, müssen wir nach innen eine Politik der Harmonie und Liebe treiben. In derselben Sitzung brachte der jüdische Deputierte Michael Landau in einer Interpellation an den Finanzminister die Brutalitäten zur Sprache, denen Juden in Bessarabien und in der Bukowina seitens einzelner Organe der Steuerverwaltung ausgesetzt sind. * * * Schwere Mißhandlung eines Rabbiners durch Studenten. Studenten, die von einer in Cluj abgehaltenen Protestkundgebung gegen die ungarischen Grenzrevisionsforderungen nach Oradea Mare (Großwardein) heimkehrten, haben auf der Fahrt in einem Abteil 3. Klasse schwere Exzesse gegen zwei jüdische Mitreisende, den Rabbiner der Gemeinde Marghita bei Cluj Jechiel Taub und den Talmudisten Alter Szabo aus Tecuci, verübt Sie drangen unter antisemitischen Beschimpfungen auf die beiden jüdischen Reisenden ein, die sich vergeblich an die übrigen Insassen des Abteils um Schutz wandten. Fünf Soldaten erklärten sich schließlich gegen Bezahlung bereit. Taub und Szabo eine Stunde lang Schutz angedeihen zu lassen. Im Verlauf dieser Stunde erhöhten sie ununterbrochen ihre Geldansprüche und überließen, als die Stunde abgelaufen war und sie den hohen Lohn erhielten, die beiden Juden ihrem Schicksal. Der herbeigerufene Schaffner weigerte sich einzugreifen. Die Studenten rissen die jüdischen Reisenden an den Bärten und schlugen so lange auf sie ein, bis der Rabbiner blutüberströmt am Boden lag. In Hujedin stiegen zwei Polizisten ein, die aber gegen die Exzedenten nicht einschritten. In der Station Egeres löschten die Studenten das Licht aus und setzten im Dunkeln die Mißhandlung der beiden Juden fort. In Ciucea stieg ein Teil der Studenten aus, der Schaffner, führte den Rabbiner in ein Abteil zweiter Klasse, damit er seine Wunden verbinden könne. Er wurde jedoch von einem Kontrollor bald wieder aus dem Abteil der zweiten Klasse gewiesen. In Oradea Mare angelangt, meldete Rabbiner Taub den Vorfall der Bahnpolizei. Aus alter Weit Ministerieller Judenboykott durch Rundfunk. Der thüringische Minister S a u c k e I hielt im Mitteldeutschen Rundfunk einen Vortrag, in dem er zur Unterstützung der thüringischen Wirtschaft aufforderte. Am Schlüsse seines Vortrages forderte er zu einem Boykott der jüdischen Geschäfte dadurch auf, daß er den Kauf von Waren in „christlich-deutschen Geschäften" anempfahl und seine Hörer ermahnte, auch in Warenhäusern nicht zu kaufen. Vom Landesverband Mitteldeutschland des C. V. sind die notwendigen Protestschritte eingeleitet, insbesondere ist d e m Leipziger Sender eine Beschwerde zugeleitet worden, die die Vermeidung derartiger gegen die guten Sitten verstoßender und beleidigender Boykottaufforderungen in Zukunft zum Ziel hat. Tschechoslowakische Regierungsverordnung über das Schächtverbot. Wie aus Prager Regierungskreisen verlautet, beabsichtigt man, durch eine Regierungsverordnung die strittige Frage des Schächtverbotes zu regeln. Diese Regelung wird, wie es heißt, durch die wiederholten Streitfälle hervorgerufen, die entstehen, wenn Stadtgemeinden in Böhmen Schächtverbotsbeschlüsse annehmen (Aussig, Eger), die dann auf Grund von Protesten der lokalen jüdischen Gemeinden durch Entscheidung der Landesbehörden wieder aufgehoben werden müssen. Die Regierungsverordnung wird, wie die JTA erfährt, von der Voraussetzung ausgehen, daß, wie die anderen religiösen Gebräuche, auch die rituelle Schlachtung in der Staatsverfassung verankert und durch diese geschützt ist. Budapest. Die Generalversammlung des Budapester Muriizipalausschusses wählte in ihrer letzten Sitzung vier Mitglieder des ungarischen Herrenhauses, unter ihnen den populären jüdischen Politiker Dr. Samuel Glücksthal, der schon in früheren Perioden die Stadt Budapest im Herrenhaus vertreten hatte. Die Kommunale Bürgerpartei hatte alles aufgeboten, um die Wahl Doktor Samuel Glücksthals zu sichern. In Würdigung der großen Verdienste Dr. Glücksthals um die Stadt Budapest unterstützte die ganze Opposition diese Kandidatur, so daß Dr. Glücksthal mit großer Majorität zum ordentlichen Oberhausmitglied gewählt wurde. Gemeinde - €lironi!r Ministerialrat Dr. Bernhard Fuchs gestorben. Vorigen Freitag abends ist im Alter von 59 Jahren der Ministerialrat im Bundeskanzleramt und stellvertretende Chef des Bundespressedienstes Doktor Bernhard Fuchs nach langem schweren Leiden gestorben. Der Verewigte gehörte seit mehr als zwei Dezennien erst dem Pressedepartement des früheren Außenministeriums und seit dem Umsturz dem Bundeskanzleramt an. In den letzten Jahren avancierte er zum Stellvertreter des Chefs des Bundespressedienstes. Mit ihm verliert die Wiener Publizistik einen ihrer hervorragendsten, kenntnisreichsten und begabtesten Vertreter. Bernhard Fuchs war von universeller Bildung, ein ausgezeichneter Kenner der österreichischen innerpolitischen Verhältnisse, nicht minder ein scharfsinniger Beurteiler der großen Außenpolitik. Von einer stupenden Belesenheit war er den Angehörigen der Wiener Presse in jeder Situation Freund und Berater. Obwohl mehr als zwanzig Jahre beamtet, blieb er Journalist und Künstler bis zum letzten Atemzug. Ein Feind jedes mechanisierten Betriebes, ein Feind jeder wichtigtuerischen Geheimniskrämerei, ein Vollblutjournalist, wie ihn das Gewerbe nur selten antrifft. Ein wesentlicher Charakterzug des Heimgegangenen war seine gewissenhafte Korrektheit, die ihm die Sympathien all seiner Vorgesetzten, insbesondere der verschiedenen österreichischen Bundeskanzler, namentlich Dr. Seipels, erwarb. Dr. Bernhard Fuchs war ein Bruder des Auslandsredakteurs der „Neuen Freien Presse", MoritzFuchs, und des ersten Sekretärs der Israelitischen Kultusgemeinde, Josef Fuchs. Todesfälle. Am 5. d. M. fand auf dem Zentralfriedhof das Begräbnis des Obersten i. R. Moritz Edlen von Friedmann statt. Oberst Friedmann stand im Alter von 82 Jahren und machte als ganz junger Leutnant den bosnischen Feldzug mit. Zuerst diente er bei der Truppe, war später Adjutant des Kriegsministers Freiherrn von Krobarin und diente später lange Jahre an verantwortungsvollem Posten im Kriegsministerium. Zu seinem letzten Weg hat der Bundesminister für Heerwesen eine Abordnung unter Führung der Majore Rick er und Kuzmany entsandt. Auch 150 Mitglieder des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" unter Führung des Bundesführers General Sommer gaben dem toten Kameraden das letzte Geleite. Von der Kultusgemeinde hatten sich mehrere Vorstandsmitglieder mit dem Präsidenten Generaloberstabsarzt Prof. Dr. A. Pick eingefunden. Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt einen tief empfundenen Nachruf. Oberst Frtedmann hinterläßt eine Tochter, die mit dem bekannten Wiener Sportsmann Fritz K 1 i m t vermählt ist, und einen Sohn. Hauptmann Sigmund Edlen von Friedmanti, dar im Bundesvorstände des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" hervorragend tätig ist. — Donnerstag, den 8. d. M., fand unter sehr zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis des im 67. Lebensjahre nach langem, schweren Leiden verschiedenen Herrn Jakob Grotte statt, dem außer sämtlichen Vorstehern des Währinger Bethauses und der Chewra Kadischa auch der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick in Begleitung des Herrn Arntsdirektors ISpezlalhavs für Walto im* StrkfcaarM ■ Moritz Nagel I Wien, 2. Bez.,TaborslraBe tir. 17 I Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. I Telephon A 45-8-69 I Reg.-Rat O. Fuuhsgelb beiwohnte. Nach dem eindrucksvollen Vortrage der Trauergesänge durch Oberkantor Groß hob Rabbiner Dr. D. Feuchtwang die schönen Charaktereigenschaften des Dahingeschiedenen in tiefempfundenen Worten hervor. — Die vorerwähnten Institutionen hielten am Mittwoch, den 8. d. M., eine Trauerversammlung ab, in welcher der Präses des Währinger Bethausvorstandes, Herr Med.-Rat Dr. Ignaz Winter, die unvergänglichen Verdienste schilderte, die sich Jakob G r o 11 e in fast vierzigjähriger Zugehörigkeit zum Währinger Vorstande erworben hat. Ein treues Andenken bleibt ihm in Währing für ewige Zeiten bewahrt. Die israelitische Kinderbewahranstalt des Vereines „Wohlfahrt" ',11.. Schiffamtsgasse 15), beging am Sonntag, den 11. d. M., eine überaus gelungene Kinderhekleidungsfeier, zu der sich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Man bemerkte u. a. die Kultusvorsteher Dr. I. K l a b e r und Dr. P. R a u m a n n, Vertreter und Vertreterinnen vieler Humanitätsvereine, so insbesondere die Präsidentin des Leopoldstädter Frauenvereines, Frau Dr. M. G r u n w a 1 d mit einer großen Abordnung desselben, die Präsidentin des Ferienheimes Frau Sophie Grünfeld, die Herren Professor Zappert, Professor M. Antscherl und Redakteur O. H i r s c h f e 1 d u. v. a. Der überaus rührige Vereinsvorstand war vollzählig anwesend. In seinem Namen begrüßte Dir. Lassner die erschienenen Festgäste. Oberkantor G. Margulies rezitierte zunächst das Minchagebet und brachte dann sehr wirkungsvoll Festgesänge zum klassischen Vortrag. In seiner Festrede gedachte der Präsident der Kinderbewahranstalt Rabb. Dr. M. G r u n w a 1 d des Begründers der Anstalt Josef Wertheimer, der als erster in diesem Institut das Prinzip der Freude als Erziehungsmittel in das Programm für die Vorschuljugend aufgenommen hat. Er verwirklichte so die Lehren des Denkers und Pädagogen F r ö b e 1, dessen Tätigkeit Dr. Grunwald in seinem auf hoher geistiger Stufe stehenden Vortrag ebenfalls charakterisierte. Der Redner schloß seine gehaltreichen Ausführungen mit einem Hinweis auf Frau Marianne H a i n i s c h. die als Beitrag für eine zum neunzigjährigen Jubiläum der Kinderbewahranstalt erscheinende Festschrift an deren Vorstand ein überaus herzliches Schreiben gerichtet hat, in dem sie vor allem die Persönlichkeit Josef Wertheimers und seine literarische Tätigkeit unterstreicht. Die herzigen Kinder brachten nun unter Leitung von Frau Dir. Fischer Gesänge zum Vortrag und führten reizende Spiele auf, die die Festesfreude der Anwesenden noch erhöhten. Die Beteilung sämtlicher Kinder der Anstalt mit kompletter Winterkleidung und Spielsachen ist auch heuer wieder dank der Mithilfe des Vereinsvors?andes und edler Gönner der Anstalt sehr reichlich ausgefallen; die deutlich sichtbare Freude der Kinder mag diesen guten Menschen der schönste Dank sein. Humanitärer und Chewra-Verein Favoriten. Herr Komm.-Rat Carl Weis, der langjährige verdienstvolle Obmann des Humanitären und Chewra-Vereines Favoriten, legte krankheitshalber seine Obmannstelle zurück, was angesichts seiner ersprießlichen Wirksamkeit mit größtem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde. Bei der Donnerstag, den 8. d. M., stattgefundenen Sitzung wurde Herr Med.-Rat Dr. Richard Back zum Obmann, die Herren Alfred T o n e 11 e s und Rudolf Knie zu geschäitsiührenden Obmannstellvertretern gewählt. Berichtigung. In dem vorwöchentlichen Bericht über die Trauung des Fräulein Lilly Reiß, Tochter des verdienstvollen und in weitesten Kreisen überaus beliebten Ehepaares Adolf und Else Reiß, ist bedauerlicherweise ein Irrtum unterlaufen. Fräulein Lilly Reiß hat sich mit Herrn Dr. Heinrich R ü b n e r. Sohn des Herrn Alfred Louis R ü b n e r, vermählt. Danksagung. Sämtliche Zöglinge des jüdischen Waisenhauses in Baden haben von Herrn Julius K r u p n i k. Inhaber des Wiener Modewarenhauses Krupnik. Kaiserstraße 115. komplette Anzüge und Kappen erhalten. 30 arme verwaiste Kinder, denen durch diese Spende Schutz vor Kälte geschaffen wurde, sprechen auf diesem Wege den innigsten Dank ihrem hochverehrten Gönner. Herrn Julius Krupnik, aus. Auch im Namen der Leitung der Institution sei Herrn Krupnik für die alljährliche Spende der verbindlichste Dank ausgesprochen. Der Humanitäre Sport- und Geselligkeitsverein ..Elan". Sitz: Wien IL. Große Sperlgasse 41. Cafe Buchsbaum, veranstaltete am 11. d. M. einen Gesellschaftsabend mit Tanz im Festsaal des Cafes Rathaus, der ein voller Erfolg der jüdischen Jugend wurde. Obmann Oesterreicher begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste. Der Abend versetzte das Publikum in beste Stimmung, insbesondere fanden die von der Vereinsleitung durchgeführten lustigen Tanzspiele mit schönen Preisen starken Beifall. Die Tanzmusik besorgte die beliebte Jazzkapelle „The Robby- Lion Band". JOSEF MILLET Mitgl. d. Ö. M. L. Gew.Kompos. - Schäler der Musikakademie unterrichtet im Blattsingen und Theorie II., „Bayrischer Hof" (Taborstraße)