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Die Wahrheit · 1932-12-02 · Heft 49 (2.12.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 49 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite S In der Erkenntnis, daß dadurch dem Wohle der ganzen Wiener Judenschait am besten gedient ist, ersuchen die Unterzeichneten alle Freunde und Gesinnungsgenossen, bei der am 4. Dezember d. J. stattfindenden Wahl für den Vorstand der isr. Kultusgemeinde ihre Stimmen nur für die „Nichtnationale Liste der Jüdisch-Demokratischen Arbeitsgemeinschaft - Union österr. Juden- Vereinigung werktätiger Juden" abzugeben. Komm.-Rat Siegmund Bondi, Wolf Pappenbeim, MedcRat Dr. Isidor Reiniger, Komm.-Rat Moritz - _Leitner. Lügen haben kurze Beine. Jetzt endlich ist es möglich, einen der vielen Verbreiter unwahrer und ehrenrühriger Anschuldigungen zu fassen und vor das Gericht zu bringen. Dem Herausgeber der „Neuen Welt" wird Gelegenheit geboten, für . gewisse Behauptungen, die seiner durch den Wahlkampf erhitzten Phantasie entspringen, den Wahrheitsbeweis antreten zu können. Von den werktätigen Kandidaten der ..Nichtnationalen Liste", Bezirksrat Dr. Josef Löwy und Gremialrat Fgnaz Roßmann wurde gegen den Genannten bereits die Klage eingebracht. Hoffentlich wird sich der Herausgeber Stricker nicht hinter der Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge des verantwortlichen Redakteurs Stricker verschanzen. Jtus aller Wett Jahresbericht der Alliance Israelite Universelle. Der Jahresbericht der Alliance Israelite Universelle, der der kürzlich in Paris stattgefundenen Jahrestagung der Alliance vorgelegen hat, enthält einen Ueberblick über die Lage der Juden in verschiedenen Ländern und geht ausführlicher auf die Tragik der deutschen Judenheit ein. Gleich der übrigen Bevölkerung Deutschlands, heißt es in dem Bericht, ist die deutsche Judenheit wirtschaftlich zermalmt worden. Nicht genug damit, sehen sich die Juden einem organisierten Wirtschaftsboykott gegenüber. Auch werden sie aus ihren Positionen als Angestellte und aus amtlichen Positionen hinausgedrängt. Auch körperlich werden sie bedroht. An den hohen jüdischen Feiertagen mußte Polizei über die Andächtigen wachen. Angesichts solcher beunruhigender Symptome müssen wir fragen: Was wird erst geschehen, wenn die Urheber dieser Bedrohungen zur Macht gelangen? Machen sie doch aus ihren Absichten kein Geheimnis und arbeiten sie doch offen auf den Ausschluß von fast 600.000 jüdischen Menschen aus der deutschen Volksgemeinschaft hin, indem sie diesen Menschen die Gleichberechtigung nehmen wollen. Die deutschen Juden bieten ihren Gegnern unerschrocken die Stirn: im besonderen müssen wir dem Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens unsere Anerkennung dafür aussprechen, daß er einen nie ruhenden Kampf gegen die Gegner und Verleumder führt, die öffentliche Meinung über das wahre Wesen von Juden und Judentum aufklärt, die gegen die Juden verbreiteten Lügen und Verleumdungen zurückweist und den zahlreichen jüdischen Menschen, die im Begriffe sind, in Hoffnungslosigkeit zu versinken, neuen Mut einflößt und sie zum Ausharren ermutigt. Oesterreich, heißt es in dem Bericht weiter, hat in puncto Antisemitismus den „Anschluß" an Deutschland vollzogen. Auch dort herrscht das Hakenkreuz unter dem Motto „Juda verrecke!", auch dort verhalten sich die fortschrittlichen Parteien zu der Judenhetze passiv. Es wird versucht, den jüdischen Kaufmannsstand durch Boykott zu vernichten und die jüdische Intelligenz durch unaufhörliche Universitätskrawalle zu zerreiben. Betreffend Ungarn wird in dem Bericht eine Wendung zum Besseren, herbeigeführt durch die geänderte Beziehung des Ministerpräsidenten Julius G ö m b ö s zu den Juden, festgestellt. Ein großes Kapitel ist der Lage der Juden in der Sowjetunion gewidmet, wobei auf den Bericht des früheren englischen Kriegsministers Lord Morley, der zum Studium der Arbeit der Gesellschaft ORT in Rußland weilte, hingewiesen wird. Die russische Regierung hat beschlossen, Biro-Bidschan in ein jüdisches Land umzuwandeln. Ueber die Eignung Biro-Bidschans für eine jüdische Massensiedlung widersprechen sich aber die Berichte der Fachleute sehr. Tiefe Temperaturen und Schneemangel im Winter, Wolkenbrüche im Herbst und Moskito-Plage im Sommer stünden — heißt es — einer Massensiedlung hemmend gegenüber. Sehr traurig ist die Lage der verfolgten Zionisten. Mehrere in die Gefängnisse gesperrten Zionisten haben durch Hungerstreik ihre Gesundheit für Lebenszeit untergraben, andere sind in ihren Verbannungsorten in Turkestan oder im sibirischen Eise umgekommen, viele schmachten seit neun Jahren in Gefängnissen oder in Exilen. Seelisch Gebrochene und körperlich Kranke werden von Ort zu Ort verschickt. Nur nach Palästina dürfen sie nicht gehen, auch wenn ihre Strafzeit vorüber ist. Die jüdische Welt zollt diesem tragischen Problem nicht genügend Aufmerksamkeit, nur ein organisierter Protest der Weltjudenheit könnte eine Aenderung herbeiführen. Kürzlich wurden in Moskau und in Dniepretrowsk neuerdings Zionisten verhaftet. Um die Besetzung des Jerusalemer orthodoxen Rabbinates. Als Nachfolger des verstorbenen Jerusalemer orthodoxen Oberrabbiners Chaim Sonnenfeld war oer Huster Rabbiner Duschinsky ausersehen, der die Kandidatur auch annahm. Es verlautet nunmehr, daß Rabbi Duschinsky die Kandidatur zurückgezogen hat, hauptsächlich wegen der großen Schwierigkeiten, die ihm von seiten seiner Gegner gemacht wurden. Als Nachfolger für Rabbi Sonnenfeld wird nunmehr der Rabbi von Satumare, T e i t e 1 b a u m. genannt, der sich auch bereit erklärt haben soll, das Rabbinat zu übernehmen. Der ungarische Hitler wegen Judenhetze verurteilt Der Budapester Strafgerichtshof verhandelte gegen den Führer der einen ungarischen Hitlerpartei, Zoltan Böszörmenyi, wegen konfessioneller Aufreizung. In einer Flugschritt behauptete Böszörmenyi, das J udentum beherrsche das Christentum und dies sei die Ursache des heutigen Volkselends ...die Reaktion habe Ungarn zu einem Paradies der Semiten, für die echten Ungarn aber in eine Armesünderzelle und ein qualvolles Golgatha umgewandelt .... Der Angeklagte behauptet, lediglich historische Tatsachen festgestellt, ohne eine Aufreizung bezweckt zu haben, und zwar um das Programm der ungarischen nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu begründen. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten mit Bewährungsfrist zu zwei Monaten Gefängn i s wegen konfessioneller Aufreizung. Die Bewährungsfrist wurde dem Angeklagten zugebilligt, weil er unbescholtenen Vorlebens sei und weil die Broschüre im übrigen patriotische Gedanken enthalte. Gegen dieses Urteil appellierte sowohl der Verurteilte als auch der Staatsanwalt._ Gemeinde - Thronitz Der neue Direktor des Budapester Rabbinerseminars. Zur Leitung des Franz Joseph-Landesrabbinerseminars in Budapest wurde an die Steile des wegen Krankheit zurückgetretenen langjährigen Direktors Dr. Ludwig Blau der Budapester Oberrabbiner Doktor JuKus Fischer ernannt Dr. Julius Fischer wurde 1861 geboren, war erst in Györ. dann in Prag Rabbiner, seit 1905 wirkt er in Budapest zuerst als Rabbiner, dann als Oberrabbiner und Dozent für Midrasch-Literatur an der Landesrabbinerschule. Er ist der geistliche Präsident der Jüdischen Literarischen Gesellschaft Ungarns. Bekannt sind seine Werke über Juda ibn Tibbon, das Leben Moses' und Alexander Kohut Er ist auch ein bekannter Uebersetzer griechischer Werke ins Ungarische. Untergang des Judentums auch in Mähren. Die beiden größten jüdischen Gemeinden der Tschechoslowakei haben einen Geburtenrückgang zu verzeichnen. Nicht nur in Prag (wie wir bereits berichteten), sondern auch in Brünn haben die Sterbefälle im vergangenen Jahre die Geburten überwogen. In Brünn wurden im Jahre 1931 nach dem amtlichen Ausweis der Jüdischen Gemeinde 39 Ehen geschlossen und 102 Geburten verzeichnet. Dem stehen 34 Austritte aus dem Judentum und 159 Sterbefälle gegenüber, wobei die Abwanderung von Gemeindemitgliedern nicht berücksichtigt erscheint. Todesfall. Ein vornehmer Mensch ist dahingegangen, Bankier Ignaz C z u c z k a ist im 70. Le- GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BEROOASSS MR. 1» HUAUi XVIII.. W&HRHKHRSTRASSB »T Tdapboa Nr. A 17-349 und A 18-9-34 Uaforant rar Hallanataltea AbteilungenfflrKoscherflelsch uatap Aufsieht (Im ahrsj. Rabbinates dar Isr. Kultaaaaaaaiada Wiao. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreis«! bensjahre einem längeren, schweren Leiden erlegen. Wer diesen grundgütigen, stillwirkenden Philanthropen gekannt, der wird den Verlust ermessen, den seine vielen, ihm in größter Verehrung zugetanen Freunde, den insbesondere aber seine Familie, und namentlich seine edle Gattin Josephine C z u c z k a, erlitten. Das war ein Familienleben, das seinesgleichen sucht, eine Harmonie der See- - len, wie man sie selten findet. In freudiger Hilfsbereitschaft für die leidende Menschheit wetteiferte das prächtige Ehepaar, das nun das Schicksal auseinandergerissen hat. An diesem Schmerze nahmen Unzählige innigen Anteil, die Beteiligung an dem am 28. v. M. beim 1. Tor stattgehabten Leichenbegängnis war eine sehr starke, speziell die jüdische Gesellschaft war zahlreich vertreten, so bemerkte man u. a. den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. A. Pick, den Vizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n, Börserat I. Glück, eine große Abordnung des Krüger-Heimes mit Frau Vizepriisiientin Dr. Krüger und Dir. J. Friedmann an der Spitze, eine Deputation der ..Union" n. v. a. Die Trauerrede des Herrn Rabbiners Dr. D. Feuchtwang, die eine ergreifende Schilderung des vornehmen Wesens und Wirkens des Dahingeschiedenen enthielt, machte überaus tiefen Eindruck, der verstärkt wurde durch KÄe Wirkung der Trauergesänge des Herrn Oberkantors H. Fischer, unterstützt durch einen großen Chor. Dir. Friedmann" überbrachte innigste Abschiedsgrüße des Krüger-. Heims, in dessen Vorstand der Verewigte — auch hier in treuer Gemeinschaft mit seiner Gattin — viele Jahre unermüdlich wirkte. Ignatz Czuczka ist nicht mehr, sein Andenken aber bleibt unverwischbar.— Dem Leichenbegängnisse wohnten u. a. bei: Hofrat Dr. Hugo Bachrich, Frau Hofrat Dr. Marianne Bachner, Herr und' Frau Kommerzialrat Hugo Glattauer, Oberbaurat Viktor Lüftschitz, Bankiers Ernst unii Otto Kenedy, Ing. Richard Kenedy, Herr und Frau Regierungsrat Dr. Sperber. Ing. Leo Haas, Kommerzialrat Edgar Tafler, Präsident Josef Lugert, Präsident Kommerzialrat Otto Ehrenfest, Präsident Bloch-Bauer, Herr und Frau Bairon Guttmann von Gelse, Gutsbesitzer v. Löti und Frau, Frau Helene Bruckner, Frau Rosenfeld-Hochmann Obermedizinalrat Dr. Moritz Laub. Herr und Frau Dr. Stiaßny, Hofrat Prof. Schestak, Frau Doktor Schwarz-Hiller, Herr und Frau Dezsö Friedmann. Frau Gutsbesitzer Henriette Ziehrer, Herr Doktor Königstein, Herr Dr. Löbl-Rieß, Herr und Frau Dr. Schlesinger, Herr Albert Schneider, Herr und Frau Regierungsrat Dr. Emil Schwarz, Herr und Frau Gyula Klein und viele andere. Trauerzottesdienst. Sonntag, den 20. November, um 16.30 Uhr. fand im Tempel. VJIL, Neudegjrergasse. die Trauerfeier für den verstorbenen Präsidenten Herrn Direktor Anton Stein statt. Lange vor Beginn hatte sich im Gotteshause eine zahlreiche Trauergemeinde eingefunden. Von der Kultusgemeinde waren anwesend: Der Präsident Herr Generaloberstabsarzt Professor Dr. P i c k. der Vizepräsident Herr Dr. O r n s t e i n und Börserat Glück, der letztere auch in seiner Eigenschah als Obmann der Wiener Tempelvereine. Vom Humanitäts-Verein „Bnai Brith". Loge Wien, waren zugegen der Präsident Herr Kommerzialrat Schwarz. Vizepräsident Direktor Lichtenstern. die Brüder Siegfried Adler. Direktor Donnebaum. Dr. Eisinger. Hofrat Dr. Fuchs, Direktor Goldschmied t. S. Guttenberg, Obermedizinatrat Dr. Haase. Kommerzialrat Ludwig Horch. Oberbaurat Ing. Dr. Kar-, plus, der EhrengroBpräsident Dr. Knöpfelmacher, Bollinger-Eiskasten ■lud Mit 1870 dl* basten Fabrft: Wien XV., Staglgasse 10. Telephon R 30-5-38

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