Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 48 (25.11.1932)
- Date
- 1932-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 50 Grosdien Jüdische Die tÜanrheif Ersdieint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Ämtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A100918 XLV1II. Jahrgang Wien, 25. November 1932 Nummer 48 A/V50 Kompl. Ski-Ausrüstung m M^^M gute Leder-Huitfeldbindung, 1 Paar gute Huitfeldbacken, 1 Paar gute ^^^m Fußbleche, 1 Paar gute Haselstöcke, •^■^ 1 Paar gute Rohrteller, 1 Paar gute Lederschiauf en, 1 Paar gute Skischnallgurten, 1 guter Klappspii itusbrenner, 1 guter Skispanner samt Klotz.l Ski-Werkzeugtasche, Leder besetzt, Inkl. erstkl. Montage. <|£*50 \l Unser langjährig bewährter Schlager: 1 Paar gute Eschen-Ski, 1 Paar, iORTVATTFD dERBILLIGSTe^IS WIPPLINGERSTR-iO^ Dasselbe fürs Kind von cm 100 bis 160 lang Gratis die neue „Preisliste U' Poale Zion—ein Wegbereiter des Kommunismus. Man hätte erwartet, daß die allgemeinen Sorgen des österreichischen Staatsbürgers, insbesondere aber die verdoppelten Sorgen der österreichischen Judenschaft es ermöglichen werden, daß wir in Wien wenigstens auf die Dauer eines Jahres es vermeiden können, der Oeffentlichkeit, vor allem aber der nichtjüdischen Oeffentlichkeit, das traurige Beispiel der Parteienzerklüftung innerhalb der Judenschaft zu geben. Leider war es nicht zu verhindern, weil die Jüdischnationalen ihre Zeit für gekommen hielten und der Meinung waren, gerade in einer Zeit, in der der antisemitische Druck in Oesterreich den Höhepunkt erreicht zu haben scheint, am besten für ihre Idee Propaganda machen und damit Mandate für ihre Partei im Kultusvorstamid erwerben zu können. Der 4. Dezember wird beweisen, ob die Wiener Judenschaft wirklich glaubt, daß man einen verhetzenden und zersetzenden Nationalismus nur dann bekämpfen könne, wenn man in den eigenen Reihen die Reaktion, den Nationalismus predigt, oder ob es nicht viel zweckdienlicher wäre, dem Nationalismus, dem Antisemitismus und der Unduldsamkeit, der Reaktion und der Gewalt die Idee der Menschlichkeit, der Freiheit und die Idee der Gleichheit, welche die Juden die Menschheit gelehrt haben, entgegenzustellen. Nur die Erkenntnis der Menschenwürde und der Menschlichkeit wird schließlich und endlich auch die Wogen des Nationalismus brechen können. Der Wahlkampf, der am 4. Dezember sein Ende finden wird, wird eigentlich nur unter einer Parofe geführt: „Wird die Wiener Kultusgemeinde nationalpolitischen Belangen dienstbar gemacht werden oder weiter dazu bestimmt sein, nur für die religiösem Bedürfnisse der Bevölkerung im weitesten Sinne des Wortes, also vor allem auch für die Befürsorgung der in Wien lebenden Juden, zu wirken?" Es stehen sich in diesem Wahlkampfe die unter nationaler Flagge segelnden und doch sich gegenseitig bekämpfenden fünf zionistischen Gruppen einerseits und, von kleinen Splitterparteien abgesehen, die Nichtnationale Liste der Union österreichischer Juden und der Vereinigung werktätiger Juden gegenüber. Dieser Wahlkampf hat aber außer dieser nunmehr zur Entscheidung kommenden Frage, ob national oder nichtnational eine interessante Nebenfrage aufgeworfen, die — durch die Terrorakte einer Seite — scheinbar, aber nur scheinbar, beinahe zur Hauptfrage geworden ist. Die „Vereinigung werktätiger Juden" hat vor vier Jahren unter Zugrundelegung der Grundsätze des sozialdemokratischen Programms, soweit dieses Programm für die Kultusgemeinde überhaupt in Betracht kommen kamin, für den Kultusvorstand kandidiert. Die Vereinigung werktätiger Juden hält an ihren Programmpunkten auch in diesem Wahlkampfe fest. Sie vertritt eine geistige Richtung, für die unser Glaube schon vor Jahrtausenden Schrittmacher war. Es liegt in der Eigenart des Juden, sozial zu denken, für den Mitmenschen zu streiten und den Mitmenschen teilnehmen zu lassen an den Existenzmöglichkeiten des Alltags. Jeder Jude muß für Völkerversöhnung, für Abrüstung, für Kosmopolitismus geistig eingestellt sein, wenn er für sich das Recht in Anspruch nehmen will, als wahrer Jude gewertet zu werden. In diesem Wahlkampfe ist nun eine politische Partei in der Arena des Wahlkampfes erschienen, die man in den allgemeinen politischen Kämpfen nicht ernst genommen hat, die aber in diesem Kultuswahlkampf versucht, durch Terrormittel und vor allem durch die Bezeichnung ihrer Liste einen falschen Schein zu erwecken. Es darf keinen Juden geben, der in Unkenntnis der Wahrheit die „Sozialistische" Liste der Poale Zion für diejenige Liste hält, für die ein bewußter Sozialdemokrat stimmen muß. Und gerade diese Liste ist es, für die ein bewußter Sozialdemokrat niemals stimmen darf. Das Programm dieser Listenwerber ist ein Widerspruch in sich selbst. Man kann nicht Sozialdemokrat und Nationalist in einer Person sein. Man kann nicht Mauern zwischen den Völkern niederreißen und Mauern uro sich selbst aufbauen. Man kann nicht für das Recht und für die Anerkennung einer Minderheit in Oesterreich kämpfen und gleichzeitig die Anerkennung der nichtjüdischen Bevölkerung im eigenen Lande, in Palästina, bekämpfen. Man kann nicht von Kosmopolitismus sprechen und die enge Politik des Nationalismus betreiben. Man kann in Wahrheit nicht, um es kurz zu sagen, nationaler Sozialdemokrat oder sozialdemokratischer Nationalist sein. Weil die mit der Union österreichischer Juden verbündete „Vereinigung der werktätigen Juden" nicht weiter mit den Poale-Ziortisten in den Wahlkampf eintreten wollte, führen diese Poale Zionisten den wütendsten Kampf gegen ihre eigenen Parteigenossen. Weltanschaulich Gleichgesinnte dürfen doch nicht so weit sich vergessen, daß sie sich ärger bekämpfen als die ärgsten politischen Gegner. Ein guter Sozialdemokrat, ein ehrlicher Jude, ein warmfühlender Mensch wird den Terror dieses Kampfes nicht begreifen. Es sind nicht Sozialdemokraten, die sich unter der „Sozialistischen Liste" vereinigt haben, sondern Zionisten, die sich anmaßen, auf unserem österreichischen Boden für ein kommunistisches Palästina zu werben. Dr. Ernst Feldsberg. [Mitling Kullnswähler! Kidtaswfilder-fenammliiiialeii der Nifliinaiionalen Eiste: Samstag, den 26. November m% 9 Uhr abends: Sitzungssaal der Bezirksvertretung, 1V„ Schäffergasse 3. Referenten: Dr. J. Ticho, Dr. M. Stiglitz, Sekretär L. Rath. Sonntag, den 2f .November 1932, lounr vormittag* Cafe Silier, I., Schwedenplatz. Referenten: Baurat W. Kempler, Dr. M. Stiglitz, Sekretär L. Rath. Grand Cafe Wien, IL, Stuwerstraße 1. Referenten: Dr. M. Lenk, Dr. J. Löwy, Dr. E. Feldsberg, Sekr. L. Rath. Restaurant „Grüner Baum", VI,. MariahilferstraBe 56. Referenten: Dr. J. Ticho, Emil Eckstein, Dr. J. Löwy. Cafe Esplanade, IX., Aiserbachstraße 41. Referenten: Börserat I. Glück, Dr. E. Feldsberg, L. Kettner.