Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 47 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Spezlalhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborsiraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 sehen Universitäten und Hochschulen ungesetzlichgeübten Numerus clausus gegen die Juden eingebracht und den Antrag u. a. wie folgt begründet: Laut Gesetz untersteht die Aufnahme von Hörern der Kompetenz der Dekane der einzelnen Fakultäten. Seit einer Reihe von Jahren wenden die Dekane, besonders an den medizinischen Fakultäten, tierärztlichen, technischen und pharmazeutischen Hochschulen bei Aufnahme jüdischer Studenten eine Art Numerus clausus an, der zu dem Gesetz in diametralem .Widerspruch steht. Es wird von vornherein eine bestimmte Ziffer der aufzunehmenden Juden festgesetzt. Dies, obwohl der Sejm einen Antrag des nationaldemokratischen Klubs auf Einführung des Numerus clausus mit der ausdrücklichen Begründung abgelehnt hat, daß ein Numerus clausus-Gesetz sowohl der Verfassung, als auch dem im Friedensvertrag verankerten Minderheitentraktat widersprechen würde. Der jüdische Klub beantragt eine Aenderung des Gesetzes in dem Sinne, daß den Dekanen die alleinige Kompetenz zur Aufnahme von Hörern entzogen und den abgewiesenen Hörern das Recht eingeräumt werde, an das Unterrichtsministerium zu appellieren. Aus fürstlichem Geblüt. Auf einer nationalsozialistischen Kundgebung m Gemünden führte der frühere regierende Prinz Friedrich Christian zu Schaumburg- Lippe in einer Rede aus: „Immer war das internationale Judentum der Feind des deutschen Volkes. Schon vor 1914 stellte es fest, es könne kein Volk so gut für sich arbeiten lassen wie das deutsche. Durch die vielen Parteien hat das Judentum das Volk entzweit und ihm dann den Klassenkampf eingeredet . . . Hitler ist es gelungen, den Klassenkampf zu beseitigen! . . ." Gemeinde ~ €fsroni& Kultuspräsidentenwahl in Mödling. Bei der am 9. November 1932 stattgefundenen Wahl des Kultuspräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Mödling wurde der Großkaufmann Fritz Rosenberg der Wirtschaftspartei (Agudas Jisroel und Union) mit großer Majorität gewählt. Riga. Kammersänger Hermann Jadlowker. der nach einer mehrjährigen erfolgreichen Wirksamkeit als Star der Berliner und dar Wiener Staatsoper, sowie der Metropolitan Opera in New York vor einigen Jahren das Amt eines Oberkantors der Jüdischen Gemeinde in Riga angenommen hat, ist nun zum Leiter der Qesangsklasse des lettländischen Staatskonservatoriums mit dem Titel Professor ernannt worden. Hermann Jadlowker sollte bekanntlich das Amt eines Kantors in der Berliner Jüdischen Gemeinde übernehmen, die Verhandlungen scheiterten jedoch an den finanziellen Ansprüchen des Sängers. Der Verein Krankenbesuch Bikur Chaulim veranstaltete am 23. vorigen Monats anläßlich seines 30jährigen Bestandes eine wohlgelungene Wohltätigkeits- Akademie im Hotel Continental. Herr Dr. Ernst Feldsbßrg schilderte mit innigen Worten die autopfernde Tätigkeit des Vorstandes und die Geschichte des Vereines. Präsidentin Frau Irma Rosenberg dankte den zahlreich erschienenen Gästen und Korporationen. Herr Dr. Is. Kl ab er übermittelte die Glückwünsche der Zentralstelle für soziale Fürsorge der Kultusgemeinde. Frau Bundesrat Dr. Regine Kris sprach in bewegten Worten namens der Kurfürsorge. Alle Ansprachen fanden bei dem sehr distinguierten Publikum das lebhafteste Interesse. Staatsopernsängerin Fräulein Molly Jonas entzückte mit ihren herrlichen wirkungsvollen Gesangvorträgen. Fräulein Trude Godwin und Herr Jenö H o f f m a n entfesselten ebenfalls wahre Beifallsstürme. Die in jeder Hinsicht befriedigende Veranstaltung erzielte für die Armen und Kranken des Bikur Chaulim einen sehr schönen, namhaften Betrag. Israelitischer Frauen-Wohltatigkeitsverein des XXI. Bezirkes. Nach Ablauf der Trauerzeit für die verstorbene Präsidentin des israelitischen Frauen- Wohltätigkeitsvereines des XXI. Bezirkes, Frau Henriette Grünwald, trat der Vorstand zu einer Sitzung zusammen, um die Wahl der neuen Präsidentin vorzunehmen. Es wurde einstimmig die Gemahlin des Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann, Frau Babette Rosenmann, zur Präsidentin gewählt. .Ferner wurden per Akklamation zur I. Vizepräsidentin Frau Jenny E g e r, II. Vizepräsidentin Frl. Therese S c h n a b 1, I. Schriftführerin Frau Margarete Goldschmied, II. Schriftführerin Frau Henriette Frankl gewählt. Frau Mathilde Deutsch und Frau Ida Gallerstepper behalten ihre bisher innegehabten Stellen als Kontrollorin, beziehungsweise Kassierin bei. Die Herzens- und Geistesgaben, welche die neue Präsidentin in hohem Maße besitzt, geben die Gewähr dafür, daß der Verein auf dem durch die verstorbene Präsidentin geschaffenen hohen Niveau erhalten wird. Barmizwahfeiern. Samstag, den 5. d. M., fand im Seitenstettentempel unter zahlreicher Beteiligung die Barmizwah von Hans B e r g e r, Sohn des Herrn Mag. Hermann B e r g e r und seiner Gattin Sophie, statt. Die zahlreichen Festgäste, die dieser Feier beiwohnten — insbesondere bemerkte man den Vizepräsidenten der Kul'tusgemeinde Dr. J. 0 r n s t e i n, starke Abordnungen der „Union österreichischer Juden", der Bezirkskommission III/XL und des Jüdischen Frauenvereines Landstraße — bewiesen die großen Sympathien, deren sich Herr Mag. Berger und seine Gattin überall mit Recht erfreuen. Der Barmizwah trug die Segenssprüche und den Wochenaibschnrtt in alttraditioneller Weise vor, was allgemeines Gefallen auslöste. Rabbiner Doktor J. M. Bach hielt an ihn eine herzliche Ansprache, die eine Würdigung des verdienstvollen Wirkens des Elternpaares insbesondere auf sozialem Gebiete beinhaltete. Die kantorale Funktion bei dieser ausnehmend schönen Feier versah Oberkantor H. Fischer. — Am Samstag, den 5. November 1. J., iand im üemeindetempel. Wien XXI., die Konfirmation des Knaben Erich Vogel, Sohn des Herrn Richard und der Frau Rosa Vogel, statt, bei welcher der Bar-mizwah, ein Enkel des seligen Herrn Ignaz Low, des gewesenen verdienstvollen Oberlehrers der Wiener Talmud-Thora, die Haftarah würdig seines bedeutenden Großvaters in ausgezeichneter Weise zum Vortrage brachte. Rabbiner Dr. Rosenmann würdigte in einer zu Herzen gehenden Ansprache die hervorragenden Charakter- und Geisteseigenschaiien des Großvaters des Koniirmanden. Todesfälle. Durch den Tod seines Präsidenten, des Herrn Leopold B e r g e r, der kürzlich unter außerordentlich großer Beteirigüng zu Grabe getragen wurde. hat der Simmeringer Tempel verein einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten. Herr Berger war seit Bestand des Simmeringer Tempelvereins sein treues Mitglied; er war jahrelang im Ausschuß und hat seit 15 Jahren das Ehrenamt eines Vorstandes bekleidet. Er hat die Erhaltung des Tempelvereines als eine Lebensaufgabe betrachtet und es war sein unermüdliches Bestreben, trotz der großen finanziellen Schwierigkeiten, mit denen der Tempelverein zu kämpfen hatte, durch persönliche materielle Opfer den Bestand des Vereines zu ermöglichen. Diese seine unermüdliche selbstlose Tätigkeit wurde seitens der Mitglieder des Tempelvereines auch anerkannt und gewürdigt. Wegen seiner Krankheit hat er in den agels Selchwaren-Restaurant St^o«,, Hscn Ä ni>IlMj5lM,r Stöger«, unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschul) Wien II.. PraterstraBe 33 Telephon R 47-4-4» Ich gebe hiermit dem verehrten Publikum bekannt, daß ich am 15. November das bestbekannte Selchwaren - Restaurant Eisen & Hönigsber. Wien IL. PraterstraBe 33, übernommen habe. Ich werde Selchwaren ausschließlich von der Feinwurstwarenfabrik Elsen & Hönigsber führen. Erstklassiger Restaurationsbetrieb bei guter Bedienung und zivilen Preisen. Hochzeiten und Banketts werden in und außer Haus bestens arrangiert. Meine langjährige Praxis als Restaurateur im Hotel New York sowie in Marienbad und Franzensbad bürgt dafür, daß ich meine geschätzten Gäste in jeder Welse befriedigen werde. Um zahlreichen Zuspruch bittet Nandor Nagel, Pächter. Für Studenten und Angestellte besondere Ermäßigung. I friiüuilM Wien L, Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-2» XL, Zentralfriedhof, Uta Kl I. Cor, Tel. U 18-0-8* letzten Jahren wiederholt Rücktrittswünsche geäußert; daß es den Bitten der Mitglieder gelang, ihn davon abzubringen, ist ein weiterer Beweis der Selbstlosigkeit, die er an den Tag legte, wenn es sich um die Interessen und Erhaltung des Tempelvereins handelte. Der Ausschuß des Tempelvereines hat in seiner Sitzung, die am 7. d. M. stattgefunden har, die tiefe Trauer für Leopold Berger zum Ausdrucke gebracht, der sich durch seine Wirksamkeit ein stetes und dankbares Andenken bei allen Mitgliedern des Tempelvereines gesichert hat. — Sonntag, den 13. d. M., verschied im 74. Lebensjahre Herr Eduard Herlinger, Besitzer des Cafe Carltheater. Der Heimgang dieses wackeren Mannes hat allgemeine Teilnahme ausgelöst, die sich der trauernden Familie, insbesondere seiner edlen Gattin Rosa, zuwendet. Denn allbekannt war das mustergültige Familienleben im Hause Herlinger, allbekannt auch der Arbeits- und Wohltätigkeitssinn dieser prächtigen Menschen, die nun das Schicksal nach jahrzehntelangem Beisammensein auseinandergerissen hat. Diesen schweren Verlust haben alle, die den Verblichenen kannten und schätzten, mitempfunden und deshalb war auch die Beteiligung bei dem am 16. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse eine ganz ungewöhnlich große. Schon beim Trauerhause, aus dem die Leiche unter den ergreifenden Trauergesängen des Herrn Oberkantor G. Margulies eingeholt wurde, hatte sich eine unübersehbare Menschenmenge eingefunden. Auch die große Leichenhalle beim I. Tor konnte die erschienene Trauergemeinde kaum fassen. Um die trauernde Familie, insbesondere Frau Rosa Herlinger sowie die Söhne Moritz und Heinrich Herlinger und deren Gattinnen, scharte sich ein gewaltiger Kreis von Freunden, zahlreiche Berufskollegen des Verblichenen waren erschienen, wie auch viele Gäste des beliebten Kaffeehauses. Sehr groß war die Beteiligung des Kantorenverbandes, der seinen Sitz im Cafe Carltheater hat. Nach dem ausgezeichneten Vortrage des „Hazur tomid" durch Oberkantor G. Margulies mit verstärktem Chor ergriff Rabbiner Dr. M. G r u n w a 1 d, der aus Baden gekommen war, um dem toten Freunde die letzte Ehre zu erweisen, das Wort zu einer Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck aui die große Trauergemeindc machte. Er sprach vor allem von dem echt jüdischen Familienleben im Hause Herlinger, das gekrönt war durch die treue Liebe zwischen Mann und Weib, schilderte sodann den im Stillen wirkenden Wohltäter Eduard Herlinger, der die Gastfreundschaft als Beruf im besten Sinne des Wortes übte. Als ein grausames Geschick von ihm im Weltkriege die Opferung eines geliebten Sohnes verlangte, dessen Gebeine von der Front auf den Wiener jüdischen Heldeniriedhof gebracht wurden, da gelobte er werktätige Menschenliebe, die er insbesondere als Mitgüed der Chewra Kadischa übte. Der Sarg, der mit dem Ehrentuch der Chewra Kadischa bedeckt war, wuTde nun von Familienangehörigen und Freunden zum Grabe getragen, das sich in der Nähe der letzten Ruhestätte des hefdenhaften Sohnes befindet. Nach dem ergreifenden „El mole rachamim" des Herrn Oberkantor G. Margulies nahmen die Trauergäste schmerzbewegt Abschied von einem braven Menschen, dem die Erde leicht sein möge. Die Trauerfeier des Josetstädter Tempelvereins für seinen verewigten Präsidenten Dir. Anton Stein findet Sonntag, den 20. d. M., halb 5 Uhr nachm., im Tempel, VIII., Neudeggergasse statt. Verband jüdischer Auslandsberichterstatter im Wien. Samstag, den 6. d. M.. fand die diesjährige Generalversammlung des Verbandes jüdischer Auslandsberichterstatter in Wien statt. Nach dem Berichte über das abgelaufene Jahr, der von dem Präsidenten M. H e n i s c h und dem Sekretär Dr. J. F i n k e 1 s i e i n erstattet wurde, und der Erteilung des Absclutoriums wurde für das kommende Vereinsjahr folgender Ausschuß gewählt: Dr. S. Wolf (Präsident), M. A. Tennenblatt (Vizepräsident), Dr. J. Finkelstein und M. Ungarfeld (Sekretäre), ferner die Herren HL H e n i s c h und A. M. Fuchs.