Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 46 (11.11.1932)
- Date
- 1932-11-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Spezlalhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, St. Bez., Taborsfraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 Gemeinde - 'Chronik Maimonldes-Institut. Das Rektorat der Universität hat Herrn Rabbiner Dr. Kaminka für das Studienjahr 1932/33 den Hörsaal 37 wie alljährlich zur Abhaltung seiner Vorlesungen aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums zur Verfügung gestellt und ihm anheim gegeben, den Beginn derselben nach Gutdünken im Einvernehmen mit dem Dekanat der philosophischen Fakultät festzusetzen. In einer Besprechung der Freunde des Instituts wurde jedoch von einem Mitgliede des Kultusvorstandes bemerkt, daß es nicht sehr ehrenvoll für die jüdische Studentenschaft aller Fakultäten sei, in wie geringem Maße sie von den ihretwegen eingerichteten Universitätsvorlesungen aus hebräischer Literatur und jüdischer Geschichte Gebrauch macht. Die nichtakademischen älteren Zuhörer fühlen sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Institutssaale Praterstraße 11 wohler. Wenn daher nicht sehr zahlreiche Studierende der Hochschulen sich melden (nicht bloß Hagana-Mitglieder, wie sie sich nach dem vorjährigen Nazi- Ueberfall eingefunden), ist es fraglich, ob die Vorlesungen in diesem Wintersemester überhaupt an der Universität eröffnet werden. Man muß sich wundern, daß die ungefähr 2000 jüdischen Hochschüler in Wien, von denen so viele in Versammlungen ihre glühende Liebe zu ihrem Volkstum und ihrem Eifer für Palästina und Hebräisch kundgeben, kein nennenswertes Kontingent stellen, wenn es gilt, ernste Kenntnisse des Hebräischen und der jüdischen Geschichte zu erwerben. Der Verein zur Förderung jüdischer Musik eröffnete die diesjährige Saison mit einem Kammermusikabend, der sehr gut besucht war und vom Publikum mit großem Beifall aufgenommen wurde. Aus dem Programm seien besonders hervorgehoben die Klaviervorträge des ausgezeichneten jungen Pianisten Robert Walter Spitz, der Werke von Lewin und Rosovsky und das „Wiegenlied" von Julius Wolf söhn zum Vortrag brachte, eine reife und thematisch sehr interessante Komposition, die es verdient, in jedes Konzertprogramm aufgenommen zu werden. Israel Brandmann spielte mit musikalischem Vortrag das wunderschöne „Baalschem" von Ernest Bloch. Der Abend ließ bloß zwei Wünsche offen, die hier ausgesprochen seien: Eine größere Abwechslung in der Auswahl der mitwirkenden Künstler für alle Abende des Vereins und ferner ehebaldiges Wechseln des Lokales, das größeren Mengen jüdischen Publikums Möglichkeit des Besuches bieten soll. Die Konzerte des Vereins verdienen einen größeren Rahmen und eine größere Beachtung, sie müßten allerdings auch besser propagiert werden. Hön. Eröffnung des ersten Beth Jakob-Kindergärtnerinnenkurses in Wien. Kommende Woche beginnt der erste Kurs für Beth Jakob Kindergärtnerinnen. Anmeldungen nehmen entgegen: Beth Jakob Zentrale, Wien IL, Leopoldsgasse 26, Dr. Krüger-He im, Wien IL, Malzgasse 7. Trauung. Sonntag, den 6. November d. J. fand im Ottakringer Tempel die Trauung des Fräuleins Hilde Q o 1 d s t e i n, Tochter des Bethausvorstehers Herrn Franz Q o 1 d s t e i n und seiner Gattin Juliette, mit Herrn Bela Just statt. In dem festlich beleuchteten Qotteshause hatte sich eine große Zahl von Freunden und Bekannten der in weiten Kreisen geschätzten Familie Goldstein eingefunden. Es waren u. a. erschienen der Kultusvorsteher Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch, ferner der Obmann des Bethausvorstandes Bundesfürsorgerat Sigmund Weiler und der Vize-Präsident der „Chewra Kadischa" im 16. Bezirke Samuel Fischer, in welchen beiden Körperschaften der Brautvater seit Jahren ersprießlich wirkt. Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt an das Brautpaar eine innige Ansprache, in der er das religiöse Empfinden und den Wohltätigkeitssinn der beiderseitigen Eltern hervorhob und das Brautpaar ermahnte, solch edlen Beispielen nachzueifern. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Kogan, begleitet vom Tempelchore, in wirkungsvollster Weise. Todesfall. Kürzlich verschied im Alter von 56 Jahren Frau Debora Königsfest, Mutter des Herrn Industriellen Komm.-Rat Rubin Königsfest. Die große Wertschätzung, der die Familie Königsfest in weitesten Kreisen mit Recht begegnet, zeigte sich in der zahlreichen Beteiligung bei dem am 1. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse. Außer der Familie der Verstorbenen waren der Vizepräsident der Kinderbewahranstalt Herr Moritz 0 e s t e r r e i c h e r, für die Chewra-Kadischa Dr. Ernst Feldsberg, für den Tempelverein Döbling Herr Obmann Bela F r ä n k e 1, viele Mitglieder dieses Tempels und der Chewra Kadischa XIX., Herr Dr. Max Ticho und eine stattliche Schar Angestellter des Hauses Königsfest erschienen. An der Bahre hielt Herr Rabbiner Doktor A. Frankfurter eine sehr ergreifende Ansprache, worin er die großen Vorzüge der Verewigten schilderte. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Taschlitzky in meisterhafter Weise. Topolcany. Vor kurzem wurde hier Frau Leni Schenk, eine Esches Chajil in des Wortes schönster Bedeutung, im Alter von 89 Jahren zu Grabe getragen. Die Verblichene war durchdrungen von unerschütterlichem Gottvertrauen und erfüllt von wahrer Frömmigkeit. Sie vereinigte in sich alle schönen und edlen Eigenschaften, welche eine jüdische Frau zieren. Geradezu beispielgebend war ihr Verhalten den Armen gegenüber, die nicht nur Spende und Speise bei ihr fanden, sondern auch mit besonderer Freundlichkeit aufgenommen wurden. Im Trauerhause hielt der Sohn der Verblichenen, Herr Rabbiner Schenk aus Wien, einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die edlen Eigenschaften und wahre Frömmigkeit seiner Mutter schilderte. Hernach sprach Herr Rabbiner Haberfeld. „Mathilde". Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder, IL, Große Sperlgasse 41. Wie alljährlich wird auch heuer der Verein „Mathilde" zu Chanuka ungefähr 130 Kinder mit Wäsche, Schuhen und Kleidern ausstatten und sind die diesbezüglichen Gesuche bis 20. November einzubringen und zwar durch Ausfüllung von Fragebogen, die in der Vereinskanzlei zu beheben sind. In Betracht kommen arme jüdische Schul-, bzw. Waisenkind e r, in erster Reihe Kinder Ausgesteuerter oder Erwerbsloser. Der Israelitische Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den 16. und 17. Bezirk veranstaltete Samstag, den 29. Oktober d. J. in den Sälen des Restaurants „Volksgarten" eine Akademie mit Tanz, welche sich eines sehr zahlreichen Besuches erfreute. Die Veranstaltung, zu deren Gelingen . die Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte beitrug., nahm einen sehr stimmungsvollen Verlauf. Dies ist um so erfreulicher, als der erzielte Reingewinn es der unter der Leitung der verdienstvollen Präsidentin Frau Dr. Adele Bach stehenden Vereinsleitung ermöglicht, ihre segensreiche Tätigkeit fortzusetzen und armen jüdischen Frauen des 16. und 17. Bezirkes in höchster Not rasche Hilfe zu leisten. Der Jüdische Frauenverein Briglttenan veranstaltete am 6. d. M. im Festsaal des Hotel Continental seine erste diesjährige Akademie mit Tanz. Der Veranstaltung, für deren Gelingen die Damen des Vereinsvorstandes, insbesondere die Präsidentin Frau Olga Friedmann und die Kassierin Frau Else Ko 1 min unermüdlich tätig waren, wohnte ein zahlreiches distinguiertes Publikum bei, u. a. bemerkte man den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. Ornstein. Die Akademie, von Benno Lie konferiert, bot angenehmste Unterhaltung, insbesondere gefielen Else Kaufmann, die Violinvirtuosin Magda Hajos und die Tänzerin Baby Hochwald ausgezeichnet Wahre Beifallsstürme erntete Oberkantor Gerson M a r g u 1 i e s, begleitet von Fräulein Betty Lew in, mit seinen glänzenden Gesangsdarbietungen. Der von Reg.-Rat Dr. Max Lenk einleitend dargelegte Zweck des schönen Nachmittags, für die „Winterhilfe" ein Scherflein beizutragen, wird gewiß erreicht worden sein. Hochschüler erteilt gewissenhaften Unten icht und Nachhilfe In sämtlichen hebräischen unb profanen Wissenschaften. Zuschriften unter „HONORAR MÄSSIG" an die Redaktion. Jeder £esew hat dasWowtt Xustihviften aus dem ftuofUnran Therese von Konnersreuth auch eine jüdische Angelegenheit! Vor kurzem trat Dr. Benno K a r p e 1 e s vom Judentum zum Katholizismus über. Wie die „Reichspost" mitteilt, wurde er von Therese von Konnersreuth bekehrt, die auch als seine Taufpatin fungierte. Damit erscheint wieder einmal ein Jude sozusagen päpstlicher als der Papst; dieser, der schon viele angebliche Wundertäter heiliggesprochen, zweifelt und verlangt eine klinische Untersuchung, Karpeles aber ist schon überzeugt. Daß die Kirche zweifelt, ist aus verschiedenen Gründen begreiflich; müßte sie doch zugeben, daß Therese über manche Wunderkräfte verfügt, die sogar Jesus nicht besessen. Hätte Jesus, von dem doch Wunder berichtet werden, den Ungläubigen zugerufen: „Ihr zweifelt an mir? Bewachet mich Monate lang Tag und Nacht und ihr werdet sehen: ich brauche weder Speise noch Trank; mich nährt mein Glaube!" und sich einer Klausur unierzogen, so hätte er in jener wunderdurstenden Zeit fast alle bekehrt. Obwohl also die Kirche mit ihrem Urteil noch nicht fertig ist, hat sie nichts dagegen einzu- GROSSFLEISCHHAUEREI (IE GM. KORNMEHi UMMHHMMMaMHBHMMMHH wiin ix.f birgoasss nr. 19 niuui xviii., wAhrinoirstrasss 91 Telephon Nr. A 17-349 und A 16-9-34 Ltefanurt für MsllanataKM AbteilungenmrKoscherfleisch ■ntap Aufsieht das «hra Isr. KnltMaamsind« Wl«a. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen wenden, daß Therese, kraft ihrer kirchlicherseits noch angezweifelten übernatürlichen Eigenschaften. Konvertiten unter den Juden mache. Damit wird Therese auch zu einer jüdischen Angelegenheit; man sieht, daß sie auch als kräftiges Propagandamittel gegen die „verstockten" Juden dienen soll. Dadurch ergeben sich, meiner privaten Meinung nach (ich habe über Judenmissionen eigene Ansichten), entsprechende Konsequenzen: Entweder betrachte man Therese als eine ganz und gar nichtjüdische Angelegenheit und versuche nicht, sie als Judenapostel und antijüdisches Propagandaobjekt zu verwenden; oder sie ist eine universelle Sache (und die katholische Kirche bezeichnet sich doch als Trägerin einer universellen Mission und bemüht sich auch seit jeher vergeblich, die Juden zu überzeugen), so müßte man auch glaubenstreue und vollkommen vertrauenswürdige Juden einladen, Vertrauenspersonen zur direkten Untersuchung zu entsenden und auch über die Form der Ernährungskontrolle mitzureden. Hier handelt es sich nicht um Bibelworte und deren Kommentierung, sondern um Gegenwartstatsachen. Es geht daher nicht an, nur auf Nichtjuden als Zeugen hinzuweisen. Der Therese Neumann müßte es ja willkommen sein, Andersgläubige zu überzeugen. Ob, wenn es in Konnersreuth vollkommen mit einwandfreien Mitteln zugehen sollte, dies überhaupt als Argument für den Katholizismus gewertet werden könnte, soll jetzt nicht berührt werden. Der ungläubige Tom. yereinmadkvidkten. „Ohe! Rachel", Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender hat bei der Gründung seines Damenkomitees Frau Henriette Fuchs, Wien IX., eine durch ihren Wohltätigkeitssinu bestbekannte Dame, zur Präsidentin, Frau Med.-Rat Dr. S t a r k zur Vizepräsidentin gewählt. Das Damenkomitee veranstaltet jeden Mittwoch, ab X5 Uhr nachmittags, eine gemütliche Zusammenkunft (Bridge-Rummy) zugunsten des Vereines im Cafe City, IX., Porzellangasse, im reservierten Räume des 1. Stockes. Jutäa. Jugendgruppe des Tempelvereines „Aeschel Awrohom". Wien IL. Pazmanitengasse 6, veranstaltet Samstag, den 12. November 1932, um 8 Uhr abends, im Restaurant Tonello, IL, Gredlerstraße 2, eine Akademie mit Tanz unter Mitwirkung bekannter Wiener Künstler. Entree für Mitglieder S —.50, Gäste S 1.—. Der Isr. Frauen-Verein XII—XV mit dem Sitz XV., Turnergasse 22, veranstaltet am Dienstag, den 15. November, 4 Uhr nachmittags, in den Räumen der Flotten bar, VI., Mariahflferstraße 85—87 eine Akademie mit reichhaltigem Programm. Karten bei den Vorstandsdamen. Vortrag. Donnerstag, den 17. d. M., J48 Uhr abends, hält im kleinen Saal der Wiener Urania Dr. S. Lieben aus Prag einen Lichtbildervortrag über „Das alte Ghetto in Prag". Das Prager Ghetto, welches zu Beginn des jetzigen Jahrhunderts vollkommen zerstört wurde, um einem neuen Stadtteil Platz zu machen, gehört zu den interessantesten Baudenkmälern Mitteleuropas. Der Vortrag zeigt an Hand von prächtigen Farbenphotographien die schönsten Partien jenes Stadtteils. Heute ist nur mehr der berühmte Judenfriedhof und die Altneuschul übrig geblieben, beides Stätten, welche jährlich zehntausende Fremde anlocken. Die farbenprächtigen Bilder sind von solcher Lebendigkeit, daß man sich unwillkürlich um Jahrhunderte rückversetzt glaubt Kinderlose Witwe 50 Jahre alt, nett und rein, vorzügliche koschere Köchin, scheut keine Arbeit, sucht tagsüber Beschäftigung. Adresse In der Expedition des Blattes.