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Die Wahrheit · 1932-11-11 · Heft 46 (11.11.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 46 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdische Die tÜanrhclt mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien llllllllllllllllli Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 Erscheint jeden Freitag XLVIII. Jahrgang Wien, 11. November 1932 Nummer 46 #t#V50 Kompl. Ski-Ausrüstung — Mm^H gute Leder-Huitfeldbindung, 1 Paar gute Huitfeldbackent 1 Paar gute A Fußbleche, 1 Paar gute Haselstöcke, ^^^m 1 Paar gute Rohrteller, 1 Paar gute Lederschlaufen, 1 Paar gute Skischnallgurten, 1 guter Klappspiritusbrenner, 1 guter Skispanner samt Klotz,l Ski-Werkzeugtasche, Leder besetzt, inkl. erstkl. Montage. 4g tt*50 Dasselbe fürs Kind von cm 100 bis 160 lang IO Unser langjährig: bewährter Schlager: 1 Paar gute Eschen-Ski, 1 Paar CPORTVATTFD 1 voER BILLIGSTE ,51% W rWIPPLINCERSTR-^ZO Orati die neue „Preisliste U Hitlers Niederlage, Wahlprognosen anzustellen, ist immer eine undankbare Aufgabe. Aber diesmal haben die Propheten recht behalten: alle Kenner der Stimmungen in Deutschland sagten eine Niederlage der Hakenkreuzler voraus und diese hat sich auch im abgeschätzten Ausmaße eingestellt: nicht weniger als zwei Millionen Stimmen, bzw. 35 Mandate hat die Hitlergarde verloren. Trotz aller Siegeszuversicht der letzten Tage konnte Hitler den Abstieg nicht verhindern. Mag er noch immer über elf Millionen Stimmen auf seine Listen vereinigt haben, mag noch immer jeder dritte Deutsche im Lager des Hakenkreuzes stehen, mögen die Nationalsozialisten noch immer die stärkste Partei im Reiche sein — ihr endgültiger Abstieg ist kaum mehr zu verhindern. Es geht abwärts und die Nazi werden immer tiefer rutschen. Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, da Hitler die gleiche Rolle spielen wird wie einst seine „ruhmreichen" Vorgänger Stöcker und Ahlwardt, Schönerer und Istecy, Drumond und Purischkiewitsch. Wer gedenkt heute noch ihrer und wer nimmt ihre Tiraden von anno dazumal noch ernst? Es hat ziemlich lange gedauert, bis das deutsche Volk aus der Vernebelung zu erwachen begann; es war ein beschämender Zustand, daß das Volk Lessings und Goethes einem Hitler nachlief und in seinem hirnverbrannten Programm das Heil erblickte. Der Umstand, daß die Hitlerpartei roch imer über 33 Prozent der Stimmen erhalten konnte, ist wahrlich beschämend genug. Aber es ist eine bekannte Tatsache, daß man sehr rasch einer infektiösen Krankheit verfällt, wogegen der Heilungsprozeß ziemlich langwierig ist. Wir wollen hoffen, daß es für die Hakenkreuzler keinen Wiederaufstieg geben werde; sie werden das Schicksal ihres historischen Vorbildes Haman erleben, dem seine eigene Frau und seine eigenen Freunde voraussagten: Wie du zu fallen angefangen hast, so wirst du immer tiefer sinken! Die schwere Niederlage des Hitlertums in Deutschland dürfte auch auf die Gestaltung der Verhältnisse in den anderen Ländern nicht ohne Rückwirkung bleiben. Der Aufstieg des Hakenkreuzes in Deutschland hat ja auch in anderen Ländern das Aufkommen des Nationalsozialismus begünstigt. Besonders wir in Oesterreich wissen davon ein Lied zu singen. Nie hätten die Nationalsozialisten in Wien derartige Erfolge erringen können, wenn sie sich nicht im Glänze des „großen" Adolf Hitler hätten sonnen können . . . Nun beginnt dieser Glanz zu verblassen und auch bei uns wird es mit dem Maulheldentum abwärts gehen. Wird Hitler zur Senkung seiner Fahne gezwungen, dann wird auch ein Frauenfeld nicht anders tun können . . . Wir wollen uns auch in dieser Stunde von jeder Illusion frei halten. Wir wissen, daß der Judenhaß nicht ausstirbt und daß der antisemitischen Hydra immer neue Köpfe und neue Giftzähne nachwachsen. Aber trotz allem können wir nicht umhin, unserer Genugtung ob der Niederlage des Hakenkreuzes Ausdruck zu geben. So mögen alle unsere Feinde ihr Ende finden! Und wenn sie immer wieder Nachfolger finden, so wollen wir uns weiterhin zur Abwehr rüsten, aber zugleich die Hoffnung nicht aufgeben, daß wir auch die neuen Stürme überleben werden. ctifung, Kulhiswähler! Sonntaa, den 13. November 1932, 10 Uhr vormittags im Restaurant Deutsdiberger, II., Ausstellangsstrafle Cl. Ouiuasnune, vis-a-vis dem „Eisvogel") KuStaswähler-TersaiHiinliiiit! der Nichtn^MoHfecileni Kisie Referenten: Dr. Josei Tldio, seKr. Leo Kalb, Dr. Ernst reidsberg Ersdielnetf in nassen! Jüdischnationale Brunnen- Vergiftung im Naziblatt Die Jüdischnationalen haben es bereits vor einiger Zeit für richtig gefunden, auch die nichtjüdische Oeffentlichkeit mit den Angelegenheiten der Kultusgemeinde zu beschäftigen. Sie bedienten sich hiebei eines Blattes, das seit langem wegen seiner politischen Haltung entschiedene Ablehnung bei allen demokratisch eingestellten Juden findet Denn keinem um das Wohl und Wehe seiner Gemeinschaft besorgten Juden kann es zugemutet werden, Sympathien für ein Blatt zu empfinden, das sichtlich für jene Parteien eintritt, die kein anderes Ziel vor Augen haben, als das österreichische Judentum zu vernichten. Wir meinen das „Neue Wiener Journal", das ehemals heftig die Werbetrommel schlug für jene Herrschaften, die „die Asiatenköpfe im Sande rollen lassen" wollten, und nun, da diese Heroen abgewirtschaftet haben, immer wieder den so modernen Schrei nach der Diktatur ausstößt, die natürlich nur mit hitlerischem Geist erfüllt sein darf. Dieses Hetzblatt haben die Herren Jüdischnationalen für würdig befunden, ihre Verleumdungen zu verbreiten. Der erste vergiftete Pfeil war jener Artikel, in dem die Folgen des Paktes zwischen der „Union" und den „Werktätigen Juden" in den allerschwärzesten Farben gemalt wurde. Der anonyme Autor faselte da etwas von einer Massenflucht aus der „Union" wegen dieses „widernatürlichen Bündnisses" und nannte in diesem Zusammenhang Namen von bisherigen Kultusvorstehern der „Union", die derselben nun wutentbrannt den Rücken kehren würden. Die „Union" hat es nicht für nötig befunden, das so gut informierte Blatt im Wege von Berichtigungen eines Besseren zu belehren, sie hat auch die in diesem Artikel genannten Herren aus dem gleichen Grunde nicht zu solchen Richtigstellungen veranlaßt. Wir wußten, daß die Tatsachen selbst die Märchendichter Lügen strafen würden. Es gehörte schon eine selbst im schärfsten Wahlkampf unzulässige gemeine Gesinnung dazu, dem hochverehrten und um die Judenschaft so verdienten Präsidenten der „Union" unehrenhafte persönliche Aspirationen zu imputieren. Dieses Geschoß traf also nur den unbekannten böswilligen Schützen selbst und damit traf ihn auch die Verachtung aller anständig denkenden Juden. Am letzten Dienstag nun wurde, da das erste Geschoß sich als unwirksam erwies, aus feigem Hinterhalt ein zweites abgefeuert, das nicht weniger niederträchtig als das erste ist. In einer Notiz, die den Titel „Große Erbitterung unter den Juden Wiens wegen des Eindringens der Marxisten in die Kultusgemeinde" trägt, wird ausgeführt, daß die „Union" wegen ihres „illegalen Wahlbündnisses" mit den „Werktätigen Juden" „die bisherigen Vertreter der frommen Juden Wiens im Stiche gelassen" habe. Die orthodoxen Juden hätten deshalb in einer „stürmischen Protestkundgebung" gelegentlich einer „Volksversammlung" den Beschluß gefaßt, einen eigenen Kandidaten in der Person des Herrn Komm.-Rat Jakob H a 1 p e r n aufzustellen, hinter dem, wie der wieder anonyme Autor schreibt, die Schiffschul und die „Agudas Jisroel" stehen. Herr Komm.-Rat Halpern, dessen Verdienste in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht ausführlich ge-

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