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Die Wahrheit · 1932-09-23 · Heft 39 (23.9.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 39 (23.9.1932)
Date
1932-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdische Die Wahrheit Erscheint jeden Freitag mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Wien Redaktion und Adminisiration: Wien iL, Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLV1II. Jahrgang Wien, 23. September 1932 Nummer 39 Hubertus-Trench beim 27 'SO Rein Schaffwolle für Damen und Herren derselbe für's Kind 4K' mit Kapuze von S lw 80 HS •ORTVATTFD oERBILLICm^lS WIPPLINCERSTRZO1 Abstieg des Hitlertums? Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so sind die Hakenkreuzler an dem Punkt angelangt, der den Beginn ihres Abstieges bedeutet. Die Vorgänge in Deutschland zeigen dies mit aller Deutlichkeit. Die Auflösung des Reichstages hat den Beweis geliefert, daß man an den maßgebenden Stellen im Reiche jede Angst, jeden Respekt vor Hitler und seinen 14 Millionen Wählern verloren hat. Noch vor Wochen wäre ein solches Vorgehen unmöglich erschienen. Als Hitler unmittelbar nach den Wahlen vom 31. Juli die Hand nach der Macht ausstreckte, glaubte man fast in allen Lagern, daß die Regierung klein nachgeben werde. Tatsächlich war man in den Kreisen der Regierung zunächst bereit, Hitler einen sehr weitgehenden Einfluß auf die Gestaltung der Dinge im Reiche einzuräumen. Nur die Reichskanzlerschaft wurde ihm verweigert; die Vizekanzlerschaft, die Ministerpräsidentschaft von Preußen konnte er haben, ebenso bot man ihm die Besetzung der wichtigsten Ressorts mit seinen Anhängern und Vertrauensmännern an. Hätte Hitler damals nicht „Nein" gesagt, hätte er die Hand, die ihm gereicht wurde, entschlossen ergriffen und damit indirekt die Macht über Deutschland erhalten, dann wäre er faktisch der Sieger und hätte in absehbarer Zeit zweifellos ganz das Heft in seine Hände gebracht. Sein Aufstieg hätte ihm neue Anhänger und Mitläufer zugeführt; der große Einfluß auf die Staatsverwaltung würde sein Ansehen gemehrt und die Zahl derjenigen vergrößert haben, die der Macht nachlaufen, obwohl sie im Grunde genommen für die Ideologie des Hitlertums nicht viel übrig haben. Er war aber sehr schlecht beraten, als er sich auf die Parole „Alles oder nichts" versteifte. Als ihn Hindenburg ziemlich unsanft hinauskomplimentiert hat, als er die Kanzlei des Reichspräsidenten wie ein begossener Pudel verließ und nicht mehr den Mut fand, seinen Drohungen, er werde unter allen Umständen die Macht an sich reißen, die Tat folgen zu lassen, da erkannte alle Welt, daß man es mit einem Maulhelden zu tun hat, der sofort zusammenknickt, wenn man ihm nur eine entschlossene Faust zeigt. Als die Regierung Papen wenig Lust zeigte, vor den 14 Millionen Wählern der Hakenkreuzler zurückzuweichen, und ein Programm verkündete, aus dem der Schluß zu ziehen war, daß sie sich keinesfalls als eine Uebergangsregierung betrachte, da wurden die Herren Hakenkreuzler immer kleinlauter, und diese vehementesten Gegner des Parlamentarismus zeigten sich in einer neuen Rolle, als die Verteidiger der Verfassung. So wurden sie immer mehr in die Defensive gedrängt. Im Kampfe um die Macht erwies sich Papen als der bessere Stratege und die Nationalsozialisten mußten fortgesetzt neue „Umgruppierungen" vornehmen, um ihre offenkundige Niederlage zu beschönigen und zu verschleiern. Diese ansteigende Rückwärtsbewegung fand zunächst ihren eklatantesten Ausdruck in dem Verhalten der Partei nach der Auflösung des Reichstages. Die Partei der 230 Abgeordneten fand auf diesen Hinauswurf keine andere Antwort als juristische Haarspaltereien — man möchte fast sagen „jüdische Drehs" — und lächerliche Interpretationen der Verfassung, um den Nachweis zu erbringen, daß die Regierung mit ihrem unzweifelhaften politischen Staatsstreich einen — Verfassungsbruch begangen hat. Eine „elementare Bewegung", die sich auf eine Auslegung und Deutung von Paragraphen versteift, kann nicht mehr ernst genommen werden. Und wenn der r.eugewählte Reichstagspräsident den Reichskanzler wegen Ehrenbeleidigung klagt, wenn Hitler gegen den gewesenen preußischen Ministerpräsidenten den Kadi anruft, so zeigen sich diese Maulhelden in ihrer wirklichen Kleinheit, sie entpuppen sich als Zwerge, die sich bloß so lange als Riesen gebärdeten, als man sie gewähren ließ. Kaum zeigte man ihnen die Peitsche, da verkrochen sie sich in den Winkel und ballen die Fäuste in der Tasche... Noch nimmt Hitler den Mund ziemlich voll, noch verkündet er die Fortsetzung des Kampfes um die Macht, noch spricht er vom bevorstehenden Endsieg — aber der Unterton des Kleinmutes läßt sich in seinen Verlautbarungen und Kundgebungen nicht mehr verhüllen .... Seine Anhänger sind noch mehr enttäuscht und wenn die für den 6. November angekündigten Neuwahlen wirklich stattfinden sollten, dann dürften sie zweifellos auch zahlenmäßig den Abstieg der Bewegung an den Tag bringen. Zumindest ein großer Teil der Mitläufer wird abseits bleiben oder sich den kommenden Herren anzubiedern versuchen. Es zeigt sich heute noch deutlicher als vorher, daß nur die Annahme, Hitler sei der Herr von morgen in Deutschland, ihm einen besonderen Nimbus verliehen und zahlreiche Anhänger zugeführt hat, die im Grunde genommen anderer Gesinnung sind. Nun ist dieser Nimbus ein wenig verblaßt — die Nationalsozialisten bewegen sich abwärts und ihr Abstieg dürfte kaum aufzuhalten sein. Diese Wandlung zeigte sich auch anläßlich des Goebbels-Tages in Wien. Noch vor Wochen wäre das Erscheinen des ersten Adjutanten Hitlers an der Donau ein politisches Ereignis von großer Bedeutung gewesen. Diesmal aber verlief der Tag ziemlich unbemerkt und die „große Veranstaltung" beschränkte sich auf einen Stadtbezirk. Hätten sich einige Hakenkreuzler nicht erlaubt, auch im Stadtpark und um den Prater ein wenig zu randalieren, so würde die breite Oeffenilichkeit gar nicht bemerkt haben, welch „hoher Gast" Wien mit seiner Anwesenheit beehrte. Am 24. April konnten die Nationalsozialisten in Wien noch 200.000 Stimmen für ihre Listen aufbringen — diesmal waren es kaum 10 Prozent dieser Masse, die den Weisheiten Goebbels lauschten .... Auch da zeigte sich die große Wandlung, die die jüngsten Ereignisse herbeigeführt haben. Man darf sich wohl in politischer Hinsicht absolut nicht Illusionen hingeben. Gerade wir Juden müssen uns stets davor hüten, allzuleicht einer Vertrauensseligkeit zu verfallen. Wir müssen die weitere Entwicklung der Dinge abwarten und immerhin Gewehr bei Fuß stehen, stets zur Abwehr bereit. Nichtsdestoweniger darf die nicht unerfreuliche Entwicklung der Dinge vermerkt wer- Zu Rosch-Haschonoh gratulieren Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in der Neujahrstestnummei der „WAHRHEIT" Sie ersparen damit Mtthe. Porto und Zeitaufwand! Nur bis Montag, den 26. September können Aufträge berücksichtigt werden. Muster: Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herz, liebsten Gifickwünsche (Einfaches Feld) Eugen Rottinann und Familie (IL, Marxergasse 6 Um allen lenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle Jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden. Je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. ----------------Ausschneiden!------— An die Administration „DIE WAHRHEIT«», Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glück wünsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6 — *) Doppelfeld zum Preise von S 11 — welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende •) Nichtzutreffende» bitte streichen. Textangabe:.............................................................. Unterschrift:

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