Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1932-09-02 · Heft 36 (2.9.1932) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 36 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3064401-3064436--18985-3084073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

IT DIE WAHRHEIT GROSZGEMEINDEN (Besondere Gelegenheit) Namhafter, akademisch - musikalischer Oberkantor, bestrenommiert, klangvolle, geschulte Tenorstimmi, Meister-ftn. Hebräisch, für hohe Feiertage frei. ' Zuschriften: Habermann, Budapest,Szövets6gut.22 Oberkantor (Baritonist) in großen Synagogen mit Orgel und Chor tätig gewesen, übernimmt als Mussaffvorbeter (eventuell auch ohne Orgel und Chor) die Funktion lür die hohen Feiertage. Zuschriften unter „Hohe Feiertage" an die Exp. d. Bl _ Yorzüautiier Vorbeter Baal-Tokea, Baal-Koreh (event. auch Predigt), empfiehlt sich für die hohen Feiertage. Klangvolle Stimme, streng religiöser Charakter. Auch in der Provinz. Auskunft erteilt aus Gefälligkeit: Ol. BlOCtl, XX., Rafaelgasse 1 nordungsprozeß. Der germanische Führer von Eutin in Holstein wurde als unehelicher Sohn der Jüdin Cäcilie Saalfeld und diese, als Tochter des Itzig Saaifeld enthüllt. Der Großvater des völkischen Kreisleiters hat seine Tage an der polnischen Grenze verbracht. Welcher Wind den Enkel Itzig Saalfelds von der polnischen zur dänischen Grenze geweht hat, wurde im Gerichtssaal nicht festgestellt . . . Frage: Wo blieb der Blutinstinkt der rassereinen Holsteiner? In der neuesten Ausgabe des „Programms der NSDAP", 395. Tausend, steht zu lesen: „Antisemitismus ist gewissermaßen der gefühlsmäßige Unterbau unserer Bewegung." Gewissermaßen? Nein, ungewissermaßen! Denn das Gefühl, das den Unterbau liefert, kann sich gründlich irren, wie die Eutiner Führerkomödie gewissermaßen beweist. Nicht sehr behaglich. Der Gau Berlin der NSDAP eröffnet eine neue Geschäftsstelle in dem Haus Voßstraße 11, an dem bereits mit nationalsozialistischen Geldern Renovierungsarbeiten vorgenommen werden. Das von den Nationalsozialisten angekaufte Haus Voßstraße 11 wird das Berliner „Braune Haus" der Nationalsozialisten sein. Wie Ludwig Herz in der „Vossischen Zeitung" mitteilt, wurde dieses Haus Anfang der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts von seinem Vater Hermann Herz erbaut. Der Baumeister war Heinrich Cohn, der auch dem Palais der französischen Botschaft die graziöse Fassade schuf. In der Inflationszeit ging dias Haus in den Besitz des Blumensteinschen Textilkonzerns über, von dem es nun die Nationalsozialisten erworben haben. Ludwig Herz schließt mit der wohl trügerischen Hoffnung, daß der Genius loci alter bürgerlicher Kultur, der einmal in den Räumen gewaltet hat, erzieherisch und besänftigend! auf die neuen Bewohner wirkt. Schulkinder von heute. Der Sächsische Lehrerverein hat eine lange Eingabe an das Volksbildungsministerium gerichtet, die erschütternde Einzelheiten über die politische Verhetzung unter den jüngeren und jüngsten Schülern wiedergibt. Der Bezirkslehrerverein Freiberg berichtet von einem Fall, wo eine Mutter dem Lehrer ihr Herz ausschüttete. Ihr Sohn erzählte, daß sich die Schüler auf dem Schulweg und im Schulgarten gegenseitig beschimpften. Dabei fielen folgende Redensarten: Heil Hitler! — Die Juden sollen verrecken! — Hin de nburg muß erschossen werden! Der Sächsische Lehrerverein bittet das Volksbildungsministerium, neue klare Bestimmungen zu erlassen, damit der politischen Verhetzung und Aufreizung der Schuljugend wirksam entgegengearbeitet werden kann. . Coty-Parfum verduftet Die Pariser Zeitung „La Liberte" kündigt an, daß die Statsanwaltschaft gegen den bekannten Parfümfabrikanten und Zeitungsherausgeber Coty, der in seiner Zeitung „L'Ami diu Peuple" eine heftige judenfeindliche Hetze entfaltet, Anklage wegen betrügerischen Hinauftreibens der Aktien seiner Gesellschaft und Verletzung des Gesetzes beteffend die öffentlichen Gesellschatfen zu erheben beabsichigt. Dagegen erklärt Coty im „Ami du Peuple", die „Liberte" sei von Moskau gekauft, führe bolschewistische Anordnungen aus und habe mitgeholfen, den Freispruch des bolschewistischen Mörders Samuel Schwarzbart herbeizuführen. Religion der Nächstenliebe? In Olszany (Polen) kam es anläßlich einer Kirchenprozession, an der tausende Bauern aus der Umgebung der Stadt teilnahmen, zu antijüdischen Ausschreitungen. Agitatoren machten die Menge darauf aufmerksam, daß in der Nachbarschaft der Kirche das Haus des Juden Jizchak Kozlowski steht. Die Bauern demolierten das Haus bis auf den Grund und zertrümmerten die Inneneinrichtung. Die Familie Kozlowski konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Unter der jüdischen Bevölkerung der Stadt herrscht ungeheure Panik. Die Polizei verhaftete acht der Haupthetzer. Der Wojwode von Wilna erklärte in einem Kommunique, er habe über die Geschehnisse in Olszany eine strenge Untersuchung eingeleitet. lllllllllülllüllülllllllllllüUlllllllllIlllllllülUIDilllllllllllllllllllllllllllllllll! In vornehmer Jfldisdier famllie werden ein oder zwei Pensionäre(innen) aufgenommen. Pensionspreis S 200.—. Zuschriften unter «Jeglicher Komfort" an die Administration des Blattes. 1011 GROSSFLEISCHHAUEREI ilEGM, KORNMEHL IjfpnMflMHnMMtikHMMHMHHHBMHHHHM WIEN BL, BERGOASU NR. 19 FILIALE I XVIII., WAHRINGERSTRASSE t? Telephon Nr. A 17-349 nnd A 1S-9-34 Lteterant fOr Itallanatalte» AbteilungenffirKoscherfieiscti unter Aufsieht de* «brat. RabbhMites d«r Isis Kaltasaemeifid« Wl«n. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen TJ Neuer Vorstoß der Schächtgegner in Estland. Der estländische Tierschutzverbandl bestürmt neuerdings die Stadtverwaltung von Reval mit Eingaben, in denen ein Verbot des Schächtens gefordert wird. Der Tierschutzverband protestierte ferner in einer Eingabe an den Staatsgerichtshof gegen die vom Landwirtschaftsminister im „Regierungsanzeiger" veröffentlichte Verordnung, in der dargelegt wird, daß das Schächten nach jüdischem Ritus — soweit diese Schfachtungsart nicht den Schmerz des Schlachttiers erhöht — in Estland durchaus erlaubt ist, und forderte Annullierung dlieser Verordnung. Der Staatsgerichtshof ging auf die Eingabe nicht ein. Schließlich hat der Tierschutzverein in mehreren der Presse zugegangenen Darstellungen das Schächten als tierquälerisch bezeichnet. Diesen Darstellungen tritt nun der estländische Arzt und Gelehrte Dr. A. Adam in einer längeren, in einigen estländischen Zeitungen erschienenen Abhandlung entgegen, in der auf Grund eigener Forschungen und der fachmännischen Urteile einer Reihe Gelehrter von Weltruf nachgewiesen wird, daß das Schächten eine der humansten Tötungsarten für .das Tier ist, da durch das schnelle Durchschneiden der Halsschlagader das Tier im Verlauf von 10 bis 15 Sekunden das Bewußtsein vollkommen verloren hat. Dr. Adam weist darauf hin, dlaß in Deutschland wie in vielen anderen Ländern die Radauantisemiten die Führer im Streite gegen das Schächten sind, und meint, man werde es nicht verantworten können, die in Estland lebenden 4566 Juden dlurch ein Verbot des Schächtens in schwere religiöse Konflikte zu bringen. Der Artikel Dr. Adams hat in der Oeffentlichkeit Estlands starken Eindruck gemacht. Sememde ~ 'Chronik Das Merores-Waisenhaus feiert in dieser Woche das 25jährige Dienstjubiläum von Frau Rosa Bodenstein, die sich während dieser taugen Zeit ganz unschätzbare Verdienste um die Erziehung der Kinder, wie auch um die Führung des Heimes erworben hat. Man muß nur an die schwere Zeit im und nach dem Kriege denken, die sie für das Haus so tapfer durchkämpfte, undl wie sie bei aller wirtschaftlichen Not immer das Ziel einer richtigen Erziehung der Kinder verfolgte. Von allen, die Frau Bodensfcein kennen, wird ihr warme Verehrung und Anerkennung ihres aufopfernden Wirkens zuteil, das sich nicht diarauf beschränkt, den Kindern innerhalb des Heimes ihre treue Fürsorge und Erziehung zuteil werden zu lassen, sondern darüber hinaus die ehemaligen Zöglinge mit unermüdlichem Interesse umfängt. Alle wissen, diaß sie jederzeit und in jeder Bedrängnis bei ihr Rat und Hilfe finden können. In vielen Fällen hatte sie schon Gelegenheit, ihre Hilfsbereitschaft zu erweisen, aber auch diejenigen von den jungen Mädchen und Frauen, die im Augenblick ihres Beistandes nicht bedürfen, suchen sie immer wieder auf, um ihr Liebe und Dank zu beweisen. Es ist bei diesem testlichen Anlaß dem Merores-Waisenhaus zu wünschen, daß Frau Bodenstein noch viele Jahre bei voller Gesundheit ihr segensreiches Wirken dort fortsetzen möge. Verlobung. Fräulein Fanny Blech, Beamtin der „Einheit", hat sich dieser Tage mit Herrn Peter Zwicker verlobt. Berlin. Dr. Salomon Birnbaum, ein Sohn Dr. Nathan Birnbaums, hat in den „Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur", Bd. 56, Heft 1, und in „Teuthonista", Jahrgang 8, Heft d4, eines der ältesten datierten Schriftstücke in jiddischer Sprache publiziert und behandelt. Es handelt sich um ein mitteldeutsches Manuskript aus dem Jahre 1396/97 „Schrift von der Kunst des Aderlassens und der Adern nach den Schriften der Aerzte." Das Original befindet sich im Archiv der Stadt Köln. Berlin. Soeben wurden die Themata der von der Berliner Universität für das Studienjahr 1932/33 gestellten Preisaufgaben veröffentlicht. Die theologische Fakultät hat u. a. folgendes Thema ausgeschrieben: „Läßt sich aus (lern Stile Jeremias und Deuterojesajas auf Bekanntschaft dieser Propheten mit Psalmen schließen?" %mttid}e VerfauWarungen der Jsraeßtischen JCuftusgemeinöe Wien Gottesdienst. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, I., Dumbagasse 3, im Sofiensaale, III., Marxergasse 13, sowie im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, feierlich*; Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen an der Kartenkassa der Israel. Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, in der Zeit vom 13. bis 21. September d. J. während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr vormittags beheben. Der allgemeine Verkauf beginnt am 22. September d. J. Betsitzkarten für den Leopoldstädter Tempel. Die p. t. Betsitzinhaber, welche auf ihre vorjährigen Sitzplätze im Leopoldstädter Gemeindebethaus reflektieren, werden hiemit ersucht, ihre Karten rechtzeitig zu erneuern. Dieselben können bis längstens Mittwoch, den 21. September d. J., während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr mittags an der Betsitzkartenkassa der Israel. Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, behoben werden. Die bis dahin nicht erneuerten Sitzkarten gelangen ab 22. September während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr an obgenannter Kassa zum allgemeinen Verkauf.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.