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Die Wahrheit · 1932-08-26 · Heft 35 (26.8.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 35 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdische Wochenschrift mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Erscheint jeden Freitag Israelitischen Kultusgemeinde Wien iiflUiiinniniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiii^ Redaktion und Administration; Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLVUI. Jahrgang Wien, 26. August 1932 Nummer 35 Die Wahrheit Stadtbekannt ist 2Qualität, Auswahl und Spottpreise '98 Knickerbocker, Jaquard-Striimpfe Haferihosen S 7-90, S 6-90 S 4*90 Bauern-Janker S 1980, S17-8O „ 9-80 iPfERBILLIGjKR M lWIPPLINGERSTR-iCr Sporthemden S9-80, S7-90, S4-90 „ 3-98 Shl Rcparanircn lassen Sie j£g|machen! Die „Jüdische Weit' konferenz SS (Abwehrfront oder Kampf gegen Nichtzionisten?) Die vom American Jewisli C011g r e s s einberufene „Jüdische W e 1 ikonferenz" hat ihre Beratungen beendet; der Verlauf und die Beschlüsse derselben zeigten evident, daß die Bedenken derjenigen verantwortungsbewußten jüdischen Gruppen und Organisationen, die die Beteiligung an der Konferenz ablehnten, nur allzu sehr berechtigt waren. Es zeigte sich, daß es sich den Einberufern und Initiatoren der Konferenz vor allem darum handelte, eine neue Plattform, eine neue Tribüne für den Zionismus zu schaffen. Es ist selbstverständlich das gute Recht der Herren Zionisten und ihrer Hintermänner, sich neue Plattformen und Kongresse zu schaffen, wenn sie dies für nötig erachten, um in die etwas veralteten Schläuche neuen Wein zu gießen, ebenso wie sie niemand daran hindert, von Zeit zu Zeit neue Parolen zu verkünden, um den Sammlungen für ihre diversen Fonds einen neuen Schwung zu geben. Wogegen man sich aber im allgemeinen Interesse der jüdischen Sache entschieden verwahren muß, das ist der Umstand, daß wieder einmal unter dem Deckmantel einer „Allgemeinen jüdischen Konferenz" der Versuch unternommen wurde, einseitige Parteipolitik zu betreibenundan dem Feuer einer „taktisch" entflammten Begeisterung das eigene Parteisüppchen zu kochen. An der Konferenz sollen angeblich 130 Delegierte aus 21 Ländern teilgenommen haben. Die Namen der Teilnehmer sind vorläufig nicht voll verlautbart worden, ebensowenig die ihrer Auftraggeber. Aber wenn man sich vor Augen hält, daß beispielsweise angeblich ein „V e rband der ostjüdischen Vereine" in Wien, der 10.000 Mitglieder (sie) zählt, in Genf durch 4 Delegierte vertreten war, obwohl in Wien die Existenz eines solchen Verbandes das Geheimnis einiger Herren ist, die damit an verschiedenen Stellen krebsen gehen, die breite jüdische Oeffentlichkeit aber darüber nichts weiß, nicht einmal die ostjüdischen Vereine — so kann man sich leicht vorstellen, wie es um die anderen Delegierten bestellt war. Man verkündet mit Emphase eine Vertretung des französischen Judentums, obwohl die berufenen Faktoren desselben — Alliance, Konsistorium usw., — ausdrücklich die Teilnahme an der Konferenz abgelehnt haben und nur der Verband der ostjüdischen Emigration in Frankreich vertreten war. Wenn trotz dieser Tatsachen behauptet wurde, daß die Konferenz im Namen von 12 Millionen Juden sprach, so beweist dies nur die politische „Geschicklichkeit" der Arrangeure, die es verstanden haben, der Welt ein Bild vorzuführen, das in den Potemkinschen Dörfern einen Pendant hat. All das würde natürlich der Konferenz nichts von ihrer Bedeutung genommen haben, wenn ihre Arrangeure sich der Verantwortung bewußt gewesen wären, die auf ihnen gerade im gegenwärtigen Momente lastete, oder richtiger gesagt: lasten hätte sollen. Wer angesichts der gewaltigen Gefahren, von denen die Juden in Mittel- und Osteuropa bedroht sind, immer wieder nur über das einzige Rezepl verfügt: Nationaljudentum — der liefert den Beweis, die wirkliche Situation bewußt oder unbewußt zu verkennen. Als vor 30 Jahren sich der furchtbare Pogrom in Kischenew abspielte, da konnten die zionistischen Redner in den Trauer- und Protestkundgebungen sich nicht genug tun mit der Versicherung: Würde die zionistische Bewegung einige Jahrzehnte hinter sich haben, so wären solche Ereignisse unmöglich! Nun ist die zionistische Bewegung bereits ein halbes Jahrhundert alt, nun gibt es bereits seit 35 Jahren eine zionistische Weltorganisation, nun gab es bereits 17 Zionistenkongresse, nun haben wir schon ein Palästinamandat, eine Jewish Agency mit allem, was drum und dran ist — und dennoch war die Lage der jüdischen Gesamtheit nie so ungünstig wie jetzt... Beweis also, daß die zionistische Orientierung, die national jüdische Lösungsformel für die Gestaltung der Judenfrage gewissermaßen belanglos ist. Aber wenn davon gesprochen wird, daß es nötig sei. eine geschlossene jüdische Einheitsfront zur Abwehr der drohenden Gefahren zu schaffen, dann kommen die Herren immer wieder mit dem abgedroschenen Schlagwort von der verdammenswerten „Assimilation" und von dem allheilbringenden jüdischen Nationalismus, werden die Argumente derjenigen, die gegen diese Art Abwehraktion gewisse Bedenken erheben, mit einigen nichtssagenden Phrasen abgetan; wird jeder, der nicht zu allem, was die Herren propagieren, Ja und Amen sagt, als „Verräter", als ..Feigling" gebrandmarkt, werden die wenigen Nichtzionisten, die es merkwürdigerweise nicht unterlassen konnten, in Geni „dabei zu sein", mit Hohn und Spott überschüttet und von jeder direkten Einwirkung auf die Einberufung des für 1934 beschlossenen „Jüdischen Weltkongresses" ausgeschaltet. Ja, die Herren möchten schon gerne eine jüdische Einheitsfront schaffen — aber nur eine solche, die als Staffage für die zionistischen Parteiinteressen dient; die „Nichtzionisten" sollen die Rolle der Statisten spielen, die im Chor nach dem Dirigentenstab der Herren Dr. Wise und Genossen mitzusingen haben. Wenn die „Nichtzionisten" auch etwas dreinreden wollten — dann: hinaus mit diesen „Feiglingen", die noch immer für primitive staatsbürgerliche Rechte der Juden kämpfen wollen, für Schutz von jüdischem Hab und Gut, von jüdischem Leben und Lebensmöglichkeit! So verstehen die Herren die „jüdische Einheitsfront", die Hintansetzung aller einseitigen Parteiinteressen! Und da sollte man mittun, hören, schauen und — schweigen! .. . . Es ist jammerschade um den gesunden Gedanken einer einheitlichen jüdischen Abwehrfront, der auf diese Weise ad absurdum geführt wird. Die Herren glauben wohl, daß die nichtjüdische Welt, an die ja der kommende jüdische Weltkongreß zu appellieren haben wird, nicht erkennen werde, daß man es da mit einer parteiisch eingestellten Aktion zu tun hat. Sie werden sich getäuscht haben! Fiktionen sind im politischen Leben höchst notwendig — aber mit bloßen Fiktionen kann man wenig erreichen. Ein jüdischer Weltkongreß kann nur dann das nötige moralische Gewicht und die gebotene Wirkung haben, wenn er der Ausdruck aller jüdischen Gruppen und Schichten sein und wenn er Forderungen erheben wird, die sich alle jüdischen Richtungen zu eigen machen. Ein Kongreß, dessen Zusammensetzung derjenigen der Vorkonferenz ähnlich sein wird, an dem die verschiedenen zionistischen Gruppen und „Sonderverbände" mit Sonderdelegierten vertreten sein werden, um auf diesem Wege eine größere Anzahl von Mitgliedern aus einem und demselben Lande vorzutäuschen — ein solcher Kongreß wird keine andere Rolle spielen können, als das sogenannte „Comitee der jüdischen Delegationen", das nicht mehr als ernster Faktor auftreten konnte, als sich nach dem Abschluß der Friedensverträge die nichtzionistischen Gruppen von ihm zurückgezogen haben und es nur mehr eine zionistische Affilation geworden ist. Der Jüdische Weltkongreß soll doch nicht dazu dienen, um die innerhalb des Judentums strittigen prinzipiellen Fragen urbi et orbi breit zu treten! Die Zeiten sind zu ernst, als daß man nur zu dem Zweck eine ständige jüdische Institution schaffe, damit schöne Reden vom Stapel gelassen werden, noch weniger, um einen Kampf gegen die „Nichtzionisten" zu führen, wie dies einige Redner auf der Konferenz ausdrücklich forderten. V e r i t a s. " * * Eine ungemein scharfe Ablehnung erfuhr die „Jüdische Weltkonferenz" u. a. im Leitartikel der letzten Nummer des maßgebenden Londoner zioinistischen Or-

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