Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 32 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Reichs- und Staatsbehörden in Kassel sind ähnlich verfahren. Es besteht kein Anlaß, die getroffenen Maßnahmen zu beanstanden." Sendung nach Amerika. Im Anschluß an die nach Amerika übertragene Rundfunkansprache des deutschen Reichskanzlers Pap en über den neuen Kurs in Deutschland sprach der Berliner Korrespondent der Hearst-Presse, Herr von W i e g a n d, einige Sätze ins Mikrophon, darunter die folgenden: „Daß Deutschland durch Judenverfolgungen zum Mittelalter zurückkehren würde, glaube ich nicht. Ich habe mit Hitler hierüber viele Male gesprochen. Es ist! bemerkenswert, daß er bei seinem Wahlfeldizug, wie mir gesagt wird, selbst nicht ein einziges Mal gegen die Juden losgezogen ist." Leider wurden ■diese englisch gesprochenen Sätze nicht ebenso, wie die Ansprache des Herrn von Papen, ins Deutsche übertragen, denn dann hätten die Anhänger Hitlers Gelegenheit gehabt, ihren Führer, der für derartige schmutzige Geschäfte immer nur seine Unterläufel mißbraucht, zu fragen, was er zu dem Versuch sage, den antisemitischen Charakter der nationalsozialistischen Partei zu bagatelli- I sieren oder gar wegzudisputieren. I Das Volk der Dichter und „Denker". I 51 Universitäts- und Hochschulprofessoren I haben eine Erklärung unterzeichnet, in der sie für ■ den Nationalsozialismus werben. Die I Unterzeichner seien zwar „d u r c h a 11 e B e d e n- I Tcen hindurchgegangen, die dem intel- I lek tu eilen Menschern b ei einigen Ziel- I gedanken der nationalsozialistischen Bewegung I kommen", die wesentlichen Zielgedanken: „Be- I kämpfung des fremdrassigen Einflüsse s, Befreiung des Staates und des sozialen Lebens von der materialistischen Fessel dies Finanzkapitals" usw. ständen jedoch für sie voran. Unter den Unterzeichnern der Erklärung sind Namen von hohem wissenschaftlichem Ruf nicht zu finden. Außer dem berüchtigten nationalsozialistischen Rasseforscher Prof. Günther in Jena und dem als Biograph und Anwalt des Fürsten Philipp Eulenberg bekannt gewordenen Professor Johannes H a 11 e r in Tübingen sind alle Unterzeichner außerhalb ihres engsten Kreises unbekannt. Von Berliner Hochschullehrern haben den Aufruf nur Universitätsprofessor Fabricius und zwei Lehrer der Technischen Hochschule unterfertigt. Judenfeindliche Ausschreitungen in Tunis. Am 25. Juli kam es in Tunis im Anschlüsse an einen Streit zwischen einem Araber und einem jüdischen Kaufmann zu schweren antisemitischen Ausschreitungen, bei denen 11 Jud'en, unter ihnen der Rabbiner Simon Cohen, verwundet wurden. Der Araber hatte während seiner Auseinandersetzung mit dem jüdischen Kaufmann Freunde herbeigerufen, die den Laden belagerten und eine drohende Haltung einnahmen. Die sich ihnen entgegenstellenden Polizeikräfte wurden überwältigt. Um den jüdischen Kaufmann vor der Menge zu schützen, nahm ihn die Polizei in Haft. Ungeachtet dieser Maßnahme stieg die Erregung der I inzwischen auf Tausende angewachsenen Menge I der Demonstranten immer mehr. Sie zogen in das I jüdische Viertel, wo sie einzelne Juden I überfielen und verwundeten, und dran- I gen auch in die Synagoge ein, wo Rabbiner I Simon Cohen erheblich verletzt wurde. I Schließlich gelang es, die Demonstranten mit Hilfe I von Militär auseinanderzutreiben. Der Zustand I eines der bei den Exzessen verletzten Juden, eines I gewissen Jakob Anery, ist ernst. I Richard Wagner-Denkmal mit Hakenkreuz. I Der Dresdner Bildhauer Prof. W. G u h r hatte I von der Stadt Teplitz-Schönau den Auf- I trag auf ein Denkmal Richard Wag- I n e r s erhalten, der 1842 in Teplitz weilte undl dort I den ersten Akt des „Tannhäuser" schrieb. Nach- I dem der Entwurf bereits vom Stadtrat genehmigt worden war, änderte ihn Prof. Guhr ohne Verständigung der' Stadt in KÜer Weise, daß er i n d e n I wallenden Mantel Wagners am I Rücken ein Hakenkreuz einmeißelte. I Die Stadtvertretung von Teplitz- Schönau lehnt nunmehr die Uebernahme dieses „Kunstwerks" ab. Die Sünde wider die Partei Das Blatt des nationalsozialistischen Abgeordneten Streicher, „Der Stürmer", meldet, daß der frühere nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Dinter sich der kommunistischen Partei angeschlossen habe. Bekanntlich <var es Dr. Arthur Dinter, der gleich nach dem Kriege den Radau-Antisemitismus entfachte und durch seine in hunderttausenden von Exemplaren verbreiteten Bücher „Die Sünde wider das Blut", „Die Sünde wider den Geist" und „Die Sünde wider die Liebe" einen pseudowissenschaftlichen Antisemitismus popularisierte. In dem Prozeß, den Dinter gegen den Syndikus des Centrai-Vereins Kam nitzer führte, gelang es diesem, den antisemitischen Hetzapostel in seinem wahren Lichte zu zeigen, so daß Dinter es vorzog, sich einige Zeit lang vom öffentlichen Leben fernzuhalten. Im November 1927 gründete er die „g e i s t c h r i s t- Iiche Religionsgemeinschaft", in deren Satzungen behauptet wird: „Die christlichen Kirchen und Sekten sind schuld an der geistigen Verjudung und stoffanbeterischen Versumpfung nicht nur des deutschen Volkes, sondern aller arischen Völker der Welt." Konkurrenzneid . . . Im Dorfe Kraschewitz in Posen hatte ein jüdischer Kaufmann vor einiger Zeit mit dem Bau eines Hauses, in dem auch ein Laden eröffnet werden sollte, begonnen. Der fast fertiggestellte Bau wurde vor einigen Tagen durch eine Dynamitsprengung so schwer beschädigt, daß er einzustürzen droht. Die Polizei hat vier christliche Krämer des Ortes unter dem Verdacht verhaftet, den Anschlag aus Konkurremzgründen verübt zu haben. Gemeinde - thronib Bonn. Professor Hermann Jacobi in Bonn, der Altmeister der deutschen Judenforschung, beging kürzlich das seltene Fest des diamantenen D ok to r j ubiläums. Sechzig Jahre sind seit dem Tage vergangen, seitdem er in Bonn mit einer Arbeit über die Ursprünge einer indischen Astrologie mit dem Namen „Hora" die Doktorwürde erhielt. Amsterdam. Dieser Tage feierte der Oberrabbiner von Amsterdam, Abraham Samson Onderwiizer, seinen 70. Geburtstag. Oberrabbiner Onderwijzer wurde in Muiden bei Amsterdam geboren, im Alter von 26 Jahren zum Rabbiner der aschkenasischen Gemeinde Amsterdam bestellt und 1919 als Nachfolger des verstorbenen Dr. Joseph Hirsch Duenner zum Oberrabbiner von Amsterdam gewählt. Er hat u. a. den Pentateuch und Raschi ins Holländische übertragen. Oberrabbiner Onderwijzer ist Gründer der Bezalel- Organisation von Amsterdam, die sich die Sorge um die religiös-.: und wirtschaftliche Wohlfahrt der jüdischen Handwerker und Handlungsgehilfen zur Aufgabe gemacht hat. Im Jahre 1928 war Oberrabbiner Onderwijzer anläßlich seines 40jährigen Dienstjubiläums Gegenstand großer Ehrungen seitens der holländischen Judenheit. Seinem damals geäußerten Wunsche entsprechend wurde von der Veranstaltung von Festlichkeiten anläßlich seines 70. Geburtstages abgesehen. Baden bei Wien. Am 26. v. M. feierte Herr Dr. Siegmund Kramsz, leitender Arzt der Teidtesco-Stiftung, seinen 60. Geburtstag. In Wien geboren, hat er an der Wiener Universität das Doktorat erworben und sich nach mehrjähriger Spitalspraxis in Baden etabliert. Dr. Krausz ist bewußter Jude und hat seine Zugehörigkeit zum Judentum wiederholt glänzend bewiesen. Nicht nur den in der Stiftung sich aufhaltenden Glaubensgenossen, sondern auch darüber hinaus ist er seinen minderbemittelten Patienten ein mitfühlender Berater und genießt deshalb überall größte Beliebtheit undl Hochachtung. Besonders bedeutend ist sein Ruf als Schriftsteller. Unter dem Pseudonym „A n t o n" sind bisher fünf größere Werke von ihm erschienen, und zwar: „Brücken über den Weltenraum", „Der Kieck" „Die japanische Pest", „Das verlorene Paradies", „Der Mann im Schatten". Ein Drama von ihm „Notwehr" wurde etwa 70mal aufgeführt. Eine Anzahl kleinerer Arbeiten sind in diversen Tageszeitungen, ferner mehrere medizinische Artikel in Fachzeitschriften erschienen. Dr. Siegmund Krausz war anläßlich seines Jubeltages Gegenstand herzlichster Gratulationen, die Beweis für die ungeheuer große Wertschätzung lieferten, die er mit Recht allenthalben genießt. Unter anderen gratulierten der Badener GROSSFLEISCHHAUEREl' flEGM. KORNMEHL UIHHHHMHmHHHHiHWHI WIEN IX., BERGGASSE NR. 1» HUAUi XVIII., WAHRINGERSTRASSB 97 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 18-9-34 Lieferant rar Hallanstalt» AbteflungemarKoscherfleisch iiater Aufsieht des «farmt. Htabbiaatos dar l»r» KullHsgamsind* Vtaa» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Bürgermeister, die dortige Kultusgemeinde, der österreichische Schriftstellerbund, medizinische Fachvereine u. v. a. Die Gattin des Jubilars, Frau Elsa Krausz, ist als Präsidentin des Badener Jüdischen Frauenvereins hingebungsvoll zum Wohle der Armen tätig. Belgrad. Im Alter von 55 Jahren verstarb in Belgrad der Präsident der sephardischen Gemeinde. Rechtsanwalt Schemaya M. D e m a y o. einer der hervorragendsten Führer der jugoslavischen Judenheit. Der Verstorbene war langjähriges Mitglied: des Munizipalausschusses von Belgrad und Vertreter der Hauptstadt im Parlament. Er war Inhaber des Weißen Adler-Ordens, des St. Sava- Ordens und des Ordens der jugoslawischen Krone, sowie Besitzer der goldenen und silbernen Tapferkeitsmedaille. Im Hinblick auf seine Verdienste um die Oeffentlichkeii hatte der Munizipal-Ausschuß einstimmig beschlossen, das Begräbnis Demayos. das unter militärischen Ehren und riesiger Beteiligung der jüdischen und nicht]üdischen Bevölkerung stattfand, auf Kosten der Stadt vornehmen zu lassen. An der Bahre hielt Justizminister Boza Maksrmovic einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er die hohen sittlichen Qualitäten und den Patriotismus Demayos verherrlichte. Die Zeitungen bezeichnen Demayo als eine der markantesten Persönlichkeiten von Belgrad, als die populärste Figur unter der Judenschaft der jugoslavischen Residenz und einen der eifrigsten Förderer der serbisch-jüdischen Verbrüderung. Ladensperre am Sonntag Erew Jaum Kippur. Der Verband der Sabbathfreunde hat Schritte eingeleitet, um für Sonntag Erew Jaum Kippur, die Bewilligung zum Offenhalten der koscheren Lebensmittel- und Fleischhauerläden usw. zu erwirken, und hat sich zu diesem Zwecke mit dem Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde in Verbindung gesetzt. Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender. Samstag, den 6. August (Schabos-Chason). hält Herr Rabbiner G e r s t e 1. um 4 Uhr. einen populärwissenschaftlichen Yprtrag über „Die Zerstörung Jerusalems" im Bethaus der Kleingewerbetreibenden. IL. Malzgasse 1. Tlmttidje Verfautöarungen der Jsraefitiscfien Xuftusgemeinöe Wien Kundmachung. Der Vorstand! der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat seine Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Benjamin Murmelst ein in seiner Eigenschaft als Rabbiner des Brigittenauer israelitischen Tempelvereines, Wien XX., Kluckygasse 11, im Sinne des § 44 des Gemeindestatuts zum Gemeinderabbiner bestellt. Nachdem gegen diese Bestellung zufolge Erlasses des Magistrates Wien als politischer Landesbehörde vom 18. Juli 1932. M. Abt. 49/6793/32 eine Einwendung nicht erhoben wurde, erfolgt hiemit gemäß § 36 und 46 des Gemeindestatuts die allgemeine Verlautbarung. Wien, 28. Juli 1932. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. * Kundmachung. Von verschiedenen Seiten sind beim Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde Wien über die Kaschruthzustände in Fleischbänken, Selchwarenbetricben. Restaurants und sonstigen Lebensmittelhandlungen, die nicht unter ritueller Aufsicht des Rabbinates der Israelitischen Kultusgemeinde Wien stehen. Klagen geführt worden. Das Rabbinat sieht sich daher veranlaßt, das p. t. Publikum neuerlich darauf aufmerksam zu machen, daß das Rabbinat keine Möglichkeit hat, Betriebe, welche nicht unter Aufsicht des Rabbinates stehen, auf ihre rituelle Verläßlichkeit zu kontrollieren, und daher jede Verantwortung und Garantie für das Käschruth solcher Betriebe ablehnen muß. Auch für Betriebe, welche die Bezeichnung J(oscber" oder irgendeine in hebräischen