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Die Wahrheit · 1932-07-01 · Heft 27 (1.7.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 27 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdisch e mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Erscheint jeden Freitag Israelifischen Kultusgemeinde Wien «■nnn^^ ■ ' i »h Ii im um um um im im im uir mm ihm i h n i ni Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 - Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 Die Wahrheit XLV1I1. Jahrgang Wien, 1. Juli 1932 Nummer 27 Erst Sportvatter. . 2"98 dann Sommersport Bade-Anzug alle Größen Bade-Hosen alle Farben .... Bade-Schuhe 1-98, Bade-MQtzen Der nationalsozialistische Wahnwitz. Die Hakenkreuzler machen ernst. Wenn man angenommen hatte, daß sie, sich zur Uebernahme der Macht in Deutschland vorbereitend, sich ein wenig mausern würden, um ihre Regierungsfähigkeit zu dokumentieren, so hat sich die Annahme als Irrtum erwiesen. Wohl fand' es der Adlatus Hitlers, Straßer, für angebracht, in seiner Rundfunkrede über das Programm der Nationalsozialisten zu erklären, daß diese gegen Judenverfolgungen sind — aber das, was seine Genossen im Preußischen Landtage aufführen, straft dliese Versicherung Lügen. Dank einer eigenartigen Taktik ist es ihnen auch gelungen, im Landtag die Annahme eines Antrages auf Konfiskation des Vermögens der seit 1914 nach Deutschland; eingewanderten Ostjuden zu bewirken. Auf geradem Wege hätten sie natürlich für diesen Antrag keine Mehrheit gefunden; aber sie wandten den Trick an, diesen Antrag in einen allgemein gehaltenen Vorschlag hinsichtlich einer Aenderung des Einkommensteuergesetzes einzuschmuggeln, und da die Kommunisten mit einigen Punkten dieses Vorschlages einverstandten waren und für diese stimmten, ergab sich in der Verwirrung der Abstimmung eine Annahme auch dieses Punktes, ohne daß festgestellt werden konnte, wieso er die Mehrheit erhielt, nachdem die Kommunisten sich dagegen verwahren, für diesen Punkt gestimmt zu haben. Wie dem auch sein mag: der Annahme des Antrages kommt unter allen Umständen eine bloß demonstrative Bedeutung zu, wie manchen amderen Anträgen der Hakenkreuzler in dieser parlamentarischen Körperschaft, da die preußische Regierung keineswegs geneigt ist. diese Beschlüsse zu berücksichtigen und übrigens speziell hinsichtlich einer Beschlagnahme der ostjüdischen Vermögen Preußen allein nicht zuständig sei und nur das Reich eine solche Maßnahme durchführen könnte, die, wie polnische Pressestimmen beweisen, auf den schärfsten Widerstand Polens stoßen würde. Immerhin ist d'iese Tatsache syinptomatischundsiezeigt, wiegroß die Gefahr ist, die Juden und Judentum im Reiche bedroht. Daß die Hakenkreuzler sich nicht mit finanzieller) Bedrückungsmaßnahmen gegen die Juden begnügen, sondern auch eine Verfolgung in religiöser Hinsicht im Auge haben, das zeigt ihr Antrag gegen das Schächten. Wohl ist diesem Antrag in der vorgeschlagenen Form die Mehrheit versagt geblieben; dennoch darf die Gefahr nicht unterschätzt werden. Das Beispiel Bayerns lehrt, daß man für derlei Anträge unter Umständen Waffenhilfe auch von anderen Seiten erhalten könne, und man kann es sich ohne viel Phantasie ausmalen, welche Folgen ein eventuelles Schäcbtverbot für eine beträchtliche Zahl von Juden in Preußen zeitigen müßte. Auch der Kampf gegen die jüdischen Beamten im öffentlichen Dienste, in den freien Berufen usw.. darf nicht unterschätzt werden. Eine dahingehende Hetze könnte unter Umständen dazu führen, daß jüdischen Künstlern dias Auftreten verleidet, daß jüdischen Rechtsanwälten die Wahrung der Interessen ihrer Mandanten erschwert und daß jüdischen Beamten die Ausübung ihrer Obliegenheiten unmöglich gemacht wird. So ist denn die Gefahr des hakenkreuzlerischen Wahnwitzes auf Schritt und Tritt zu verspüren. Darf man darob auch nicht den Kopf verlieren, so darf man sich anderseits keinen Täuschungen hingeben und muß sich den Ernst der Lage voll und ganz vor Augen halten. Der Wahnwitz der Hakenkreuzler ist um so d'rastischer, als gerade jetzt die internationale Welt sich in Genf und Lausanne mit weltpolitischen und weltwirtschaftlicher. Fragen befaßt, die für das Schicksal Deutschlands von ausschlaggebender Bedeutung sind. Reparationen und Abrüstungsproblem stehen auf der Tagesordnung. Von den Beschlüssen in Genf und Lausanne hängt die Zukunft des Deutschen Reiches ab — aber gerade um diese Zeit haben die Hitler-Leute keine anderen Sorgen, als ihre demagogischen Anträge zum besten zu geben und' der Welt ein Schauspiel zu bieten, wie die Vertreter von über 30 Prozent des deutschen Kulturvolkes geartet sind... Das tangiert aber die Herren Hakenkreuzler scheinbar nur wenig. Für sie ist die Hauptsache: Der Jude wird verbrannt!... Ihre Genossen in Oesterreich wollen natürlich nicht zurückbleiben. Wenn es in Berlin drüber und drunter geht, darf es auch in Wien keine Ruhe geben. Eine neue Prüfungsverordnung an der medizinischen Fakultät, mit der die Juden nichts zu tun haben und gegen die sich die jüdischen Studenten ebenso wehren wie ihre arischen Kollegen, wird zum Anlaß genommen, um jüdische Hochschüler blutig zu schlagen, unter der Duldung der Hochschulfaktoren und vor den Augen dfer Sicherheitsbehörden, deren Organe, die Polizei, jat den ..geheiligten Boden" der Alma mater nicht betreten dürfen. Man stelle sich dieses Schauspiel in einem anderen Kulturstaat vor: Die Polizei rückt aus, besetzt d'ie Universitätsrampe und schaut ruhig zu, wie hinter den Toren die jüdischen Hochschüler blutig geschlagen werden, darf aber nicht eingreifen und hat nur die Aufgabe, die Verprügelten ,.in Empfang zu nehmen", wenn sie nach erhalte::;. Schlägen von den Treppen heruntergeworfen werden!... Dieser Wahnwitz ist WECKRUF? Wirtschaftliche Entwurzelung und staatsbürgerliche Entrechtung der Juden sind das eingestandene Ziel des neuentflammten Rassen- Antisemitismus. Wir Juden sollen politisch, sozial und ökonomisch wieder in die mittelalterlichen Verhältnisse zurückversetzt werden. Nirgends finden wir wirksamen Schutz gegen die täglichen Angriffe auf unsere staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Nur Selbsthilfe auf Grund unserer schwer genug erkämpften Rechte kann uns retten. Gegen den organisierten Antisemitismus muß die organisierte Kraft der Judenschaft eingesetzt werden. Die „Union österreichischer Juden" ist heute wie seit fast fünf Dezennien die einzige österreichisch - jüdische Schutzgemeinschaft. Sie führt unablässig und hartnäckig den Kampf um die Erhaltung und Verwirklichung unserer Gleichberechtigung auf allen Gebieten des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens. Soll sie aber in der gegenwärtigen, für uns Juden so überaus kritischen Zeit ihre Aufgaben erfüllen können, so bedarf sie der moralischen und materiellen Unterstützung alier jüdischen Bevölkerungsschichten. Noch können wir uns gegen die gesetzwidrigen Angriffe zur Wehr setzen. Doch niemand von uns — ob hoch oder niedrig, ob reich oder arm — darf sich ausschließen, darf untätig beiseite stehen, jeder von uns arbeite und wirke nach seinen Kräften auf s e i n e m Platze — in Gemeinschaft mit unserer großen Organisation, jeder muß — trotz der wirtschaftlichen Krise — sein Teil beitragen, zu seinem und der Gesamtheit Wohl. Wehren wir uns, solange es noch Zeit! Lassen wir jetzt jeden innerjüdischen Streit beiseite, um die Front gegen den äußeren Feind zu stärken. Jeder Jude muß Mitglied unserer Organisation sein und in Freundeskreisen werben, um die Bedeutung unserer Schutzgemeinschaft zu erhöhen. Wenn jeder Jude in die „Union", jede jüdische Frau in die „Union"-Frauengruppe, jeder jüdische junge Mann, jedes jüdische Mädchen in die „Jugend-Union", und jeder jüdische Student in die „Akademiker-Union" eintritt, ist uns um unsere Zukunft nicht bange, dann sind wir so mächtig, um jeden Angriff auf unsere rechtliche und berechtigte Stellung im Staate abzuschlagen. DER ZENTRALVORSTAND DER „UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN": Dr. Jakob O r n s t e i n, Präsident. Dr. J o s e f T i c h o, Dr. Karl Steiner, Vizepräsidenten. Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Schriftführer. Dr. Ernst Feldsberg, Kassier. Ober-Med.-Rat Dr. Heinrich Haase, Baurat Wilhelm Kempler, Rcg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Komm.-Rat Moritz Reif, Dozent Dr. Hugo Stern. eeeoeeeeae«aacee«e—aeeoeeaeeaeeeeee'

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