Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 25 (17.6.1932)
- Date
- 1932-06-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Wien L, Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfrledhof, Uta 1» I. Ctr, Tel. U18-0-85 jüdische Ausländer wurden von der Ausweisungsaktion nicht betroffen. Die ausgewiesenen Juden haben ein Schutzkomitee gebildet, das von Dr. Max Rosenfeld und Roubel geleitet wird. Das Schutzkomitee plant, bei den zuständigen Behörden zu intervenieren und, falls eine solche Intervention erfolglos sein sollte, an die öffentliche Meinung des Inlandes und des Auslandes zu appellieren. Man nimmt ferner an, daß die polnische Regierung im Hinblick darauf, daß die Mehrheit der Ausgewiesenen polnische Staatsbürger sind, bei der Regierung des Großherzogtums im Sinne der Zurücknahme der Ausweisungsorder intervenieren wird. Das sind die polnischen Huligans . . . Der Heeresrabbiner des 36. polnischen Regiments, Major Fränkel, und die Rabbiner Chaim Posner und Jakob Silberstein, die in der Warschauer Vorstadt Praga einer Feier der jüdischen Soldaten des Regiments beigewohnt hatten, wurden, als sie die Kaserne verlassen hatten, von Huligans überfallen. Major Fränkel und Rabbi Silberstein wurden geschlagen und an den Barten gezerrt. Die jüdischen Einwohner von Praga Chaim Ehrlich, M. Bresler und A. Schmule, die den Angegriffenen zu Hilfe kamen, wurden ebenfalls schwer mißhandelt. Ein Feldwebel alarmierte die Wache des 36. Regiments, die zwei der Huligans ergriff und sie der Polizei übergab. * Die Ueberfälle auf jüdische Händler in der Wojwodschaft Posen, die früher eine ständige Erscheinung waren, sind nun, nach einer Pause von etwa zwei Monaten, wieder an der Tagesordnung. Der Zentralverband der Kleinhändler in Warschau erhielt von seinier Ortsgruppe in Kalysz die Mitteilung, daß in P n i e w, Wojwodschaft Posen, eine von Vincenti Boguslawski, dem Sohn eines dortigen Hoteliers, geführte Huligan-Bande auf dem dortigen Marktplatz die jüdischen Händler überfallen, ihre Warenstände zerstört und die Waren geraubt hat. Die Ortspolizei war zu spät und nicht mit der erforderlichen Energie eingeschritten. In der Mitteilung werden 15 jüdische Kleinhändler, die durch diesen Ueberfall um ihr gesamtes Hab und Gut gekommen sind, namentlich aufgezählt. In der ganzen Gegend wird antisemitisches Hetzmaterial in Massen verbreitet. Eine Abordnung des Kleinhändlerverbandes unter Führung des Präsidenten Sundelewicz sprach im Unterrichtsministerium vor und forderte, daß die Schuldigen in Pniew zur Verantwortung gezogen werden, daß die Märkte in der Wojwodschaft Posen polizeilich bewacht werden und daß die Verfasser und Verbreiter der antisemitischen Hetzschriften, die der Behörde bekannt sind, zur Verantwortung gezogen werden. Seitens der Regierung wurde (zum wievielten Male?) versprochen, eine Untersuchung durchzuführen und die Schuldigen zu bestrafen. Ein jüdischer Friedhof als Sporttribüne. Der jüdische Friedhof in Saloniki, der unterhalb des Stadions der griechischen Sportvereinigung „Hercule" gelegen ist, wurde am letzten Sonntag nachmittag anläßlich einer Sportveranstaltung der „Hercule" von tausenden .griechischen Zuschauern besetzt. Der Aufforderung der Friedhofswächter, den Friedhof zu verlassen, wurde nicht Folge geleistet. Ein Teil der Umfassungsmauer des Friedhofs und etwa 50 Grabsteine wurden von den Eindringlingen teils mutwillig, teils durch das Hin und Her der sportbegeisterten Massen umgeworfen und zerstört. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde hat bei den Behörden Protest gegen die Entweihung des Friedhofs eingelegt und für die Zukunft eine ständige Bewachung des Friedhofs gelordert. Eine diesbezügliche Zusage wurde gegeben. Gemeinde - €firoiiifz New York. Dr. Cyrus Adler, Präsident des Jewish Theological Seminary of America, wurde anläßlich seiner 30jährigen Wirksamkeit an diesem Seminar eine außerordentliche Ehrung zuteil; es wurde ihm eine Adresse überreicht, die die Unterschriften von 500 führenden amerikanischen Juden, unter ihnen Felix M- Warburg, Vizegouverneur Herbert Lehman, Oberstrichter Cardoza, Adolf Ochs, Frau Jakob H. Schiff, Gouverneur von Neu-Mexiko Arthur Seligmann, Gouverneur von Oregon Julius Meier, Abram I. Elkus, Doktor Bernard Flexner, General Abel Davis, Otto H. Kahn, Präsidentin des Weltverbandes jüdischer Frauen Rebekka Kohut, Präsidenten des Joint Distribution Committee Paul Baerwald, Louis B. Mayer u. a. m. trägt. Dr. Cyrus Adler ist bekanntlich Präsident des American Jewish Committee, Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency und Führer mehrerer großer Gesellschaften für soziale Fürsorge und kulturelle Erziehung der amerikanischen Juden. Er ist Vorsitzender der Redaktion der Jüdischen Bibel-Gesellschaft und Präsident des Dropsie College in Philadelphia. Berlin. Am 4. Juni beging der Vorsitzende der Verwaltungskommission des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Direktor J. Baruch, die Feier seines 60. Geburtstages. Er ist seit vielen Jahren Mitglied des Hauptvorstandes des C. V. In einer Adresse, die ihm der Vorstand aus Anlaß dieses Festes überreicht hat, wird in Dankbarkeit der außerordentlichen Verdienste Direktor Baruchs gedacht, der, „schon in frühester Jugend mit dem tiefsten jüdischen Wissen ausgestattet, ein langes Leben hindurch deutsche und jüdische Werte in hochgesinntem Idealismus zu vereinen und zu verwirklichen trachtete". — J. Baruch hat in Herford in Gemeinsamkeit mit den Angehörigen des Hauses Elsbach der Aktiengesellschaft J. Elsbach zur Blüte verholfen, wodurch sie in die Reihe der bedeutendsten Großunternehmungen der deutschen Textilindustrie gestellt wurde. Seit seiner Uebersiedlung nach Berlin wirkt Direktor Baruch in hervorragendem Maße art der Erfüllung der Aufgaben des C. V. mit. Bundesfürsorgerat Henriette Grünwald. Am verflossenen Samstag versammelten sich im Hause der Präsidentin des Floridsdorfer Israelitischen Frauenvereines, aus dem so viel Gutes für alle Wiener Bezirke erflossen ist, die angesehensten Damen und Herren der Floridsdorfer Gemeinde, um Frau Henriette Grünwald zur Ernennung zum Bundesfürsorgerat zu beglückwünschen. Rabbiner Dr. M. Rosenmann pries in einer gehaltvollen Rede die Verdienste der seltenen Frau und ihres unvergeßlichen Gatten, des verstorbenen Herrn Emanuel Grünwald. Herr G. Dukes sprach namens der Bezirksvertretung, Fürsorgerat S o b e 1 namens der Fürsorge und Vizepräsidentin Babette Rosenmann namens des Frauenvereines. Auch die „Weibliche Fürsorge", in deren Rahmen Frau Grünwald gleichfalls hervorragend wirkt, war vertreten. Frau Grünwald dankte in zu Herzen gehenden Worten allen Anwesenden, insbesondere ihrer treuen Mitarbeiterin Fräulein Therese Schnabel. Festgottesdienst für die Schuljugend am Schowuaus. Einen würdigen Abschluß fand der während des Schuljahres allsabbatlich stattfindende Jugendgottesdienst mit der vom Kultusvorstande am 2. Schowuaustag veranstalteten Feier für die Schuljugend Wiens. In 17 Synagogen, in denen der Jugendgottesdienst allwöchentlich abgehalten wird und die anläßlich Schowuaus festlich geschmückt waren, versammelte sich der größte Teil der Wiener jüdischen Schuljugend zu einem Festgottesdienst, der überaus würdig und eindrucksvoll verlief. In allen Gotteshäusern hatten sich in Begleitung der Kinder auch Eltern in sehr großer Zahl eingefunden. Zur Erinnerung an diese Feier erhielten alle Schulkinder ein vom Kultusvorstande gewidmetes, auf das Schowuausfest bezughabemides Gedenkblatt. Mädchenkonflnnation. Im großen Leopoldstädter Tempel fand Sonntag, den 12. Juni, die diesjährige Konfirmation der Mädchen statt Unter Harmoniumklängen hielten die jungen Mädchen in das festlich beleuchtete und noch vom GROSSFLEISCHHAUEREI KORNMEHL wm nt* mauw nr. i» PIIUUi XVHft* WÄMIUNCiMSTRASSE vt Telephon Nr. A 17-349aad A 1*9-34 Uatenuit ffljr Heilanstalt» ÄbteilungentorKoscherfleisch uater Aufsicht d«« «hm tmr. Kaltnsa«M«imte Samtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreises Schewuothfeste mit Pflanzen geschmückte Gotteshaus ihren Einzug. Herr Rabbiner Dr. J. M. B a c h sprach in geistvoller warmer Rede über die Bedeutung unseres alten Glaubens und nahm hierauf die Konfirmation der Mädchen vor. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor G. Margolies, begleitet vom Tempelchor, in gewohnt vorzüglicher Weise. Mit dem stimmungsvollen Vortrage des Sulzerschen „Adon olam" fand die schöne und eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. Todesfälle. Mittwoch, den 8. d. M., wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof (4. Tor) unter ungemein starker Beteiligung Herr Ludwig Geiring e r zu Grabe getragen. Durch seine Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft, durch seinen rastlosen Fleiß und seine ungewöhnliche Tatkraft trotz schwerer Krankheit hat sich der VerbÜchene nicht nur im Kreise seiner Angehörigen, sondern bei allen, die ihn kannten, der höchsten Wertschätzung, Verehrung und Liebe erfreut. Diese allgemeine Verehrung kam auch bei seinem Leichenbegängnis zum Ausdruck. Rabbiner Dr. A. Frankfurter hielt dem Verstorbenen einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er den Dahingeschiedenen als fürsorglichen Gatten, als aufopfernden Vater, weitblickenden Kaufmann, vornehmen Menschen und treuen Juden pries. Herr Kantor Groß verrichtete die Trauergebete überaus würdevoll. An der Bahre trauern die Gattin Martha Geiringer und die Kinder Dr. Ernst Geiringer, Direktor der Kreditanstalt, Frau Dr. Hilda Polatschek, Privatdozentin an der Berliner Universität, Ing. Paul Geiringer und Dr. Karl Geiringer, . Kustos der Gesellschaft der Musikfreunde. — Kürzlich starb im Cottage-Sanatorium der bekannte polnische Großgrundbesitzer und Großindustrielle Dr. Henryk Kolischer, ehemaliger Reichsrats- und Landtagsobgeordneter, Abgeordneter zum polnischen Sejm, Präsident der Handelskammer in Lemberg, Ritter des Ordens der Eisernen Krone, Komtur des Franz Josefs-Ordens mit dem Stern und Komtur des Ordens Polonia Restituta. Am 14. d. M. fand beim ersten Tor des Zentralfriedhofes die imposante Leichenfeier statt, der unter anderen Präsident Dr. R e n n e r, Pressechef Dr. Parnass von der Polnischen Gesandtschaft, sowie viele Vertreter von Banken und Industrien und der polnischen Kolonie in Wien teilnahmen. Der Präsident der Kultusgemeinde Prof. Dr. Pick, der in Begleitung des Vizepräsidenten Dr. Löwenherz erschienen war, hielt die Gedenkrede, in der er den Toten eines der markantesten Mitglieder der jüdischen Kultusgemeinde nannte. Die Leiche wird nach Lemberg überführt. — Samstag nachts verschied hier plötzlich der überaus bekannte und beliebte Beamte der Bibliothek der israelitisch - theologischen Lehranstalt Eugen Schwarz. Der Verblichene hat sich um das gcnannte Institut hervorragende Verdienste erworben und stand insbesondere den jungen Rabbinatskandidaten mit Rat und Tat zur Seite. Sein Hinscheiden bedeutet für das Rabbinerseminar einen unersetzlichen Verlust. Montag, den 13. 4 M. fand das Leichenbegängnis am neuen Zentralfriedhof statt. Es waren u. a. ais Vertreter des Kuratoriums der Lehranstalt Rabbiner Dr. P e u c h tw a n g. Hofrat Prof. Dr. Frankfurter, für das Rabbinerseminar die Herren Professoren Dr. S. K r a u ß. Bessere Jüdische romUle in Ungarn (Nagykanisza) möchte ihr 14jähriges Mädchen während der Ferien nach Wien senden, dagegen ein gleichaltriges Mädchen während dieser Zeit bei sich aufnehmen. Zuschriften an Ernst Szerb. Nagykanisza. HunyadiKasse 13.